Harrison | Die Kaminangler | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 112 Seiten

Harrison Die Kaminangler


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7526-6593-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 112 Seiten

ISBN: 978-3-7526-6593-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die beiden Waisenjungen Nick und Packl versuchen stets das Beste aus ihrem Leben zu machen, doch eines Tages haben sie einen genialen Einfall, der ihr Leben für immer verändern soll und ihr verschlafenes Dorf Hunkelstätt in große Aufregung versetzt....

Tom Harrison veröffentlicht mit diesem Kinderbuch sein lange verschollenes Jugendwerk, das er mit 17 Jahren geschrieben und neu illustriert hat.

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Der staubige Mann
Am nächsten Morgen kitzelten die Sonnenstrahlen Nickl und Packl wach. Der Wald hinter ihrem Haus rauschte und ein Eichhörnchen klopfte mit einer Haselnuss gegen Nickls Fensterscheibe. Am Frühstückstisch strich sich Nickl ein Körnerbrot mit extra dicker Honigschicht. „Heute machen wir es. Lass uns Groschen verdienen, mein kleiner Bruder!“ „Bist du dir wirklich sicher, dass wir Arbeit finden?“ „Natürlich, Packl. Am Sonntag sind immer viele Handwerker im Dorf, die nach Gehilfen für die Woche suchen. Wir stellen uns einfach mit einem Schild um den Hals an den Straßenrand und in nullkommanullnullnull Sekunden kommt ein Geselle vorbei, der uns aufgabelt. Das wird schon. Ich bin mir sogar sicher, dass es wird.“ Nickl griff zum Rucksack, schlüpfte in die Stiefel und öffnete die knarrende Haustür. Packl folgte ihm nach draußen. Nickl hielt einen Moment inne. Er schloss die Augen und ließ die Morgensonne auf sein Gesicht scheinen. Langsam atmete er ein und wieder aus. „Ich spüre, dass dieser Tag ein schöner Tag wird, mein lieber Packl. Los geht’s!“ „Los geht’s!“ Nickl und Packl liefen an der alten Villa vorbei, durch das Waldstück, wo ihnen Frau Else Pumpensbüttel entgegenkam. Die alte Witwe lebte schon immer in Hunkelstätt und kannte die beiden seit ihrer Geburt. Sie lebte nur ein paar Häuser weiter, doch Nickl und Packl mochten sie nicht. Sie war eine, der es immer Recht war, wenn andere Leute Probleme hatten. Sie fand es belustigend, dem weinenden Packl zu zuschauen, wenn er sich das Knie beim Fangen spielen aufgeschlagen hatte. Hauptsache etwas passierte in ihrem einsamen Leben. Schon damals, als ihre Eltern noch da waren, hatte sie Gerüchte, wie eine Spur aus Brotkrümeln gestreut und lockte damit unwissende Nachbarn in ihren Bann. Redete von Geschichten, die sie sich selbst ausgedacht hatte und wahrscheinlich mittlerweile schon selber glaubte. Man hatte sich erzählt, dass sie sich ihren eigenen Gartenschuppen angezündet hat, nur damit am nächsten Morgen besorgte Einwohner sie aus dem Schlaf klingelten und fragten, ob doch alles in Ordnung sei und ob sie Hilfe beim Wiederaufbau bräuchte. Das Feuer tobte die ganze Nacht und hätte beinahe die anliegenden Dächer angesteckt. So eine war Else Pumpensbüttel und genau dafür konnten Nickl und Packl sie nicht ausstehen. „Was macht ihr denn hier ganz alleine im Wald, Kinder? Hat euch niemand gesagt, dass hier im Wald Kinderverbot ist?“ „Äh nein, Frau Pumpensbüttel! Wir wollen etwas zu essen kaufen. Schönen Tag noch.“ „Nicht mal für ein kleines Pläuschchen haben die Kinder heute noch Zeit. So etwas wäre zu meiner Zeit ja nicht…!“ Nickl zerrte seinen Bruder schnell an der alten Frau vorbei. Else Pumpensbüttel guckte noch eine Weile den beiden hinterher, bis sie ihren Weg murmelnd fortsetzte. Nach einer Weile waren die Brüder am Marktplatz vorbei und stellten sich an die Hauptstraße von Hunkelstätt. Zumindest war es die einzige Straße, die einmal quer durch das Städtchen führte. Nickl zerrte aus dem Rucksack ein kleines Pappschild mit der Aufschrift „Abeitsuchent“ hervor, in der eine kleine Wollschnur steckte und legte es sich um den Hals. Stundenlang standen sie da, Arbeiter liefen an ihnen vorbei, doch niemand interessierte sich für sie. Die Sonne war schon von den Wolken versteckt worden und kalte Luftzüge brausten ihnen um die Ohren. Als schon seit einer gefühlten Ewigkeit keine Menschenseele mehr vorbeigekommen war, glaubte nicht einmal Nickl mehr an ihr Glück. Gerade legte er das Schild um seinen Hals ab und stopfte es enttäuscht wieder in den Rucksack zurück. Plötzlich hörten Nickl und Packl eine laute Stimme, die sich ihnen fluchend näherte. „Verdammt nochmal, das gibt’s doch gar nicht. Was für eine bodenlose Frechheit. Was eine unglaubliche Unverschämtheit. Eine Beleidigung! Ein Angriff auf meine Existenz!“ Aus einer Seitenstraße kam mit langsamen Schritten ein großgewachsener Mann heraus. Sein staubiges Gesicht war fast vollständig unter seinem löchrigen Zylinder begraben und mit jedem Schritt, löste sich Ruß von seinem Jacket. Unter seinen Fingernägeln klebte ein dicker, schwarzer Rand und über der linken Schulter trug er eine lange Leiter. „So etwas ist mir im Leben noch nicht untergekommen. Ich fasse es nicht. Da wird ja der Hund in der Backform verrückt! Diesen Verrätern mache ich Beine und jage sie nach Timbuktu“, fluchte der Mann weiter, während er an Nickl und Packl vorbei lief. „Entschuldigen Sie?“, sagte Nickl etwas lauter, um das Selbstgespräch des Mannes zu übertönen, „sind sie etwa Schornsteinfeger?“ Sofort stoppte der schwarzgekleidete Mann seinen Wutanfall, machte kehrt und schaute auf die beiden Jungen herab. Sein Zeigefinger schoss in den Himmel und mit kräftiger Stimme erklärte er: „Oh ja mein Kind, das bin ich! Der einzige Kaminfeger in ganz Hunkelstätt. Etwa noch nie etwas von ‚Dach und Fach Schrupser‘ gehört? Seit 1789 pflegt meine Familie alle Schornsteine in der Umgebung. Jedes Dach habe ich bereits erklommen. Keine Rußschicht war zu dick, für meine Kratzfedereinlage. Dank mir qualmen die Kamine munter weiter und das Christkind bleibt sauber am Heiligen Abend, wenn ihr versteht.“ „Wenn man einen Kaminfeger berührt, dann darf man sich doch auch etwas wünschen, oder?“ „Korrekt. Da hast du genau an der richtigen Stelle in der Schule aufgepasst mein Junge. Willst du?“ „Ja gerne!“ Nickl rieb sich die Hände und klopfte dem Mann zweimal auf seine staubige Schulter. „So, jetzt wünsche ich mir, dass sie uns als Gehilfen einsteigen lassen.“ „Was? Nein! Was redest du denn da? Um Gotteswillen…hahaha ihr doch nicht. Zulange in der Sonne gestanden, wie? Ach her je. Nein, nein, nein, nein, nein. Ich habe genug Gehilfen, meine Kleinen!“ Nickl und Packl schauten sich an, zwinkerten sich zu. „Wo sind denn dann ihre ganzen Gehilfen.“ Nickl grinste. „Na gut Kinder, na gut, ich will ehrlich zu euch sein. Diese Verräter von Mitarbeiter haben alle auf einmal gekündigt. Angeblich haben sie im Nachbardorf eine bessere Stelle bekommen. Eine bessere Stelle als bei mir? Das ist ja der Gipfel der Unverschämtheit. Kompletter Humbug. Eine Verschwörung. Ein Hirngespinst. Und ich, Stefan Schrupser, stehe alleine da, im Kampf gegen die verrußten Kamine meiner Kunden. Sei es drum.“ „Wir könnten ihnen helfen. Wir suchen gerade eine Arbeit um uns ein paar Groschen dazu zu verdienen. Vielleicht sind wir ja genau die Leute, die sie suchen. Wir haben den ganzen Tag Zeit und verlangen nicht viel.“ „Ihr beiden Knirpse wollt für mich arbeiten und Kamine säubern? Wisst ihr nicht, was für ein gefährlicher und bedeutender Beruf die Arbeit als Kaminfeger ist? Was für eine Geschicklichkeit es braucht, um nicht vom Dach zu fallen. Könnt ihr euch überhaupt annähernd vorstellen, welch jahrelange Ausbildung es benötigt, dieses Handwerk zu erlernen? Und jetzt kommt ihr hier mir nix dir nix an und wollt mich bequatschen, euch als Gehilfen aufzunehmen und sogar zu bezahlen?“ „Ja!“ „Nein!“ „Warum das nicht?“ Nickl hätte am liebsten direkt loslegt auf die Leiter zu steigen. Nur Packl war alles andere als begeistert, als auf Dächer zu klettern und in dunklen Schächten herumzustochern. Ihm wurde schon nur beim Blick von der Brücke im Waldstück schwindelig und sollte jetzt auf Dächer steigen? „Wir brauchen diese Stelle unbedingt. Schauen Sie uns an. Wir haben kaum Geld um uns überhaupt ein anständiges Eis zu kaufen. Wir haben löchrige Socken und zerknitterte Hemden.“ „Naja.. Ich habe viele Aufträge und mit abgesprungen Arbeitern kann ich eh nicht viel ausrichten. Wohlmöglich ist es tatsächlich Schicksal, dass wir drei uns über den Weg gelaufen sind. Kommt morgen zum alten Bergwerk, vor dem Gauderpass. Er liegt am Dorfrand. Immer den Schildern folgen und dann seht ihr den Steinbruch schon von weitem. Der ist ja kaum zu übersehen. Dort steht meine Hütte. Ihr könnt sie gar nicht verfehlen. Und jetzt…Schrupser hat immer etwas zu tun. Adieu, meine kleinen Freunde!“ „Adieu, Herr Schrupser! Wir werden da sein!“ Mit diesen Worten verschwand der Kaminfeger wieder und hinterließ einen strahlenden Nickl und eine große Staubwolke zurück. „Mensch, Packl, das gibt’s ja gar nicht! Wir beiden Taugenichtse haben eine Stelle! Wir verdienen echtes Geld!“ „Ich weiß nicht Nickl. Stell dir mal vor es wird uns dort oben auf den Häusern schwindelig oder wir plumsen runter. Das ist mir kein Geld der Welt wert.“ „Hab dich nicht so, Packl. Das kriegen wir schon hin und morgen, sag ich dir, ist kein Kamin von Hunkelstätt mehr vor...



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