Harrison | Gebieter des Sturms | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 02, 450 Seiten

Reihe: Elder Races

Harrison Gebieter des Sturms


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8025-8941-6
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 02, 450 Seiten

Reihe: Elder Races

ISBN: 978-3-8025-8941-6
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Wyr-Krieger Tiago Black Eagle gebietet über die Stürme und ist einer der Mächtigsten seines Volkes. Er soll die hübsche Thistle Periwinkle beschützen, die Erbin des Thrones der Dunklen Fae, nachdem ein Attentat auf ihr Leben verübt wurde. Ihre ätherische Schönheit weckt schon bald ungeahnte Gefühle in dem abgebrühten Krieger Tiago.



Thea Harrison ist ein Pseudonym der Autorin Teddy Harrison. Bereits im Alter von neunzehn Jahren begann sie zu schreiben und veröffentlicht seither mit großem Erfolg Liebesromane. Derzeit lebt sie in Nordkalifornien.

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1

Man ignorierte es nicht, wenn einen der Lord der Wyr per Gebrüll zu sich bestellte, denn in der Regel kündete das von einer mittleren Katastrophe. Man ignorierte es vor allem dann nicht, wenn man einer seiner Wächter war.

Tiago verließ das Starbucks im Erdgeschoss des Cuelebre Towers und joggte durch das nördliche Treppenhaus in den neunundsiebzigsten Stock. Natürlich hätte er den Aufzug nehmen können, doch er fühlte sich eingesperrt und rastlos. Er hätte auch den Coffeeshop durch den Straßenausgang verlassen, sich in seine Wyr-Gestalt verwandeln und auf das Dach des Towers fliegen können, um dann zwei Stockwerke nach unten zu laufen, aber er wollte das Brennen des Aufstiegs in Muskeln und Lunge spüren. Zu sehr nagte der Frust an ihm.

Er mochte moderne Städte nicht und zählte die Minuten, bis er New York hinter sich lassen konnte. Ein regnerischer, feuchter Frühling war schwülen dreißig Grad gewichen, ohne sich mit angenehmen Frühsommertemperaturen aufzuhalten. Der Juni glich eher einem August. Abgase, Bauschutt und Abfälle, Restaurantgerüche, Reinigungschemikalien und all die anderen Ausdünstungen der modernen Menschheit brutzelten in der Luft. Die Gerüche brannten in seiner Kehle und machten ihn reizbar. Er fühlte sich fehl am Platze.

Er gehörte zu jenen uralten Wyr-Wesen, die aufgrund ihrer immensen Lebenserwartung als unsterblich galten. Die Alten unter ihnen waren entweder in dem Schöpfungsfeuer entstanden, aus dem das Sonnensystem hervorgegangen war, oder schon vor so langer Zeit zur Welt gekommen, dass ihre Herkunft sogar ihnen selbst ein Mysterium war. Jahrtausendelang hatten sie in ihren Tiergestalten gelebt, doch als sich die neue Spezies, der Mensch, zu verbreiten begann, lernten die alten Wyr, ihre Gestalt zu verwandeln, um sich unbemerkt unter ihr zu bewegen.

Die Zivilisation war eine Tanzveranstaltung, und zu diesem Ball kamen die uralten Wyr zu spät. Sie legten Masken an und schlüpften mit lautloser, raubtierhafter Anmut in den Ballsaal. Mit scharfen Augen, die in den tiefen Schatten hinter ihren aufgesetzten Fassaden glitzerten, beobachteten sie alles und prägten es sich ein. Sie lernten die Drehungen und den Rhythmus der Tänze ebenso wie die gesellschaftlichen Konventionen, lernten, wann sie sich verbeugen und ihre Lippen auf einen Handrücken drücken mussten und wie man lächelte und Guten Abend, Bitte und Danke und Ja, ich möchte mehr Zucker in meinen Tee sagte.

Die ganze Zeit über registrierten sie den flatternden Puls am Halsansatz der Tänzer, den Schweißgeruch und die beschleunigte Atmung. Sie registrierten diese Dinge, weil sie noch wussten, dass sie Tiere waren, die eine Rolle spielten. Als sie die Sprache lernten, war urwüchsig das erste Wort, das sie verstanden, denn genau das waren sie. Trotz ihrer lächelnden menschlichen Masken waren sie wilde Kreaturen, die ihr Leben mit Zähnen und Klauen zu verteidigen wussten. Sie hatten nicht vergessen, wie der Blutschwall aus einer Halsschlagader strömte, wenn sie ihrer Beute das Leben aus dem Leib rissen.

Die Uralten behielten ihre Verkleidungen und gewöhnten sich an sie, einige mit mehr Charme, Geschick und Vergnügen als andere. Aber sie alle trugen in ihrem Inneren diese unbändige Wildheit und das Bedürfnis, die geheimen, nicht kultivierten magischen Orte dieser Welt zu durchstreifen.

Als die Erde entstand, warfen Zeit und Raum Falten, in denen sich Dimensionsnischen von Anderland bildeten. Dort sammelte sich Magie an, die Zeit lief anders, moderne Technik funktionierte nicht, und die Sonne spendete ein anderes Licht. In den Anderländern und ihrer näheren Umgebung ließen sich viele Angehörige der sogenannten Alten Völker nieder: die Wyr und die Elfen, die Hellen und die Dunklen Fae, die Dämonen und die Nachtwesen, menschliche Hexen und alle möglichen monströsen Kreaturen.

Von Zeit zu Zeit verspürten jene uralten Wyr, die sich der menschlichen Zivilisation angepasst hatten, den Drang, sich aus den modernen Groß- und Kleinstädten zurückzuziehen. Sie wollten ihre menschliche Fassade abwerfen, ein Bad im archaisch silbrigen Sonnenlicht nehmen und sich selbst vergessen, während sie durch die Lüfte flogen oder in das magiegetränkte Grün der ältesten, unberührten Wälder eintauchten. Zwischen diesen Uralten und den jüngeren Wyr gab es einen fundamentalen Unterschied. Die Jüngeren waren in die Zivilisation hineingeboren worden. Sie kamen bereits gezähmt auf dem Ball an.

Tiago war nicht zahm. Er war sogar wilder als die meisten anderen der uralten Wyr. Er brauchte vollen Körpereinsatz, musste sich großen Herausforderungen stellen und sich frei bewegen können. Es war nicht klug, ihn zu lange in der Stadt festzuhalten.

Zweieinhalb Wochen waren vergangen, seit Rune ihn aus Südamerika zurückbeordert hatte, weil Dragos Cuelebre, der Lord des Wyr-Reichs, verschwunden war. Als Tiago gerade in den Staaten ankam, tauchte Dragos mit einer seltsamen Frau wieder auf. Die beiden erzählten eine Geschichte von Diebstahl, Entführung, Magie und Mord.

Seit Tiagos Rückkehr und Dragos’ Wiederauftauchen war eine Menge passiert. Einiges davon war lustig gewesen, zum Beispiel, Dragos’ neue Gefährtin aufzuspüren, als sie schon wieder entführt worden war, oder mit von der Partie zu sein, als Dragos endlich seinen Erzfeind Urien, den König der Dunklen Fae, besiegte.

Vergeltung, heiß serviert. Das war eine Party ganz nach Tiagos Geschmack.

Seitdem hatte es für ihn nur noch Aufräumarbeiten und unproduktive Beschäftigungen gegeben. Sichergehen, dass alle Goblins tot waren, die etwas mit der Sache zu tun gehabt hatten. Erledigt. Alle Dunklen Fae aufspüren, die zu Urien gehört hatten, und sie abschlachten. Erledigt. Eier schaukeln und schlafen gehen. Erledigt.

Er erreichte die Tür, auf der in einem Kreis die Nummer 79 aufgemalt war, und stieß sie kräftig auf. Mit großen Schritten lief er über den mit Marmor ausgelegten Flur.

Cuelebre Enterprises war ein multinationales Unternehmen, das eine unanständige Menge Geld einbrachte. Die Firmenangestellten und Mitarbeiter der Wyr-Regierung wurden ausnehmend gut bezahlt. Die Spesenkonten der Wyr-Wächter deckten Kleidung (die gewalttätige Seite des Wächterlebens machte das zu einer beträchtlichen Vergünstigung), Reisen, Nahrung und Waffen ab. Was brauchte ein Kerl mehr? Hin und wieder unterzog Tiago seinen stetig steigenden Kontostand einer gründlichen Prüfung, um sicherzugehen, dass die ganzen Zahlen auch stimmten, doch meistens ignorierte er ihn.

Er erinnerte sich an den Bau des Cuelebre Towers. Die Erfindung der Neutronenbombe, die Katastrophe im Kernkraftwerk Three Mile Island, der Terroranschlag auf die Olympischen Spiele in München und der Bau des Cuelebre Towers waren die wichtigsten Ereignisse der 1970er-Jahre gewesen.

Oh ja, er hatte gut daran getan, sich von diesem Projekt fernzuhalten. Ihm hatte es völlig ausgereicht, um die Welt zu reisen und in Südafrika einen angestaubten kleinen Zauberer zu jagen, zu entmachten und zu töten. Dieser Zauberer hatte eine eigene Armee aufgestellt und eine Schwäche für die Macht entwickelt, die er mit den heiligen Riten von Menschen und Wyr erlangen konnte. Als Tiago nach New York zurückgekehrt war und er hatte Wert darauf gelegt, sich dabei angemessen Zeit zu lassen –, hatte Cuelebre Tower aus dem Boden aufgeragt und die Skyline der Stadt für immer verändert.

Die Außenfläche des Turms war glatt und glänzend, in ihr spiegelte sich der wechselhafte Himmel, während das Innenleben mit der Extravaganz goldgeäderter türkischer Marmorböden, schimmernder Milchglasleuchten und polierter Messingbeschläge gestaltet war, an strategischen Stellen gekrönt von unschätzbar wertvollen Kunstwerken und Skulpturen. Der gesamte Wolkenkratzer verkündete den Wohlstand und die Macht des Wyr-Lords Dragos Cuelebre.

Diese Errungenschaft hatte nicht nur architektonische oder ökonomische Bedeutung. Sie war mehr als nur ein politisches Statement gegenüber den anderen Alten Völkern. Das Jahr des Tower-Baus war als ein Wunder kollektiver Zusammenarbeit, persönlicher Dominanz und gnadenloser Herrschaft in die jüngere Folklore der Wyr eingegangen. So, wie er die widerspenstigen, explosiven Wyr vor all den Jahrhunderten unter seine Herrschaft gebracht hatte, knüppelte Dragos sie nun in die Moderne und zwang sie zur Fügsamkeit.

Zwar verpassten sich einige der Wyr während der besonders stressigen Zeiten des Tower-Baus und des anschließenden Einzugs von Firmen- und Regierungsbüros eine blutige Nase, doch niemand wagte es, einen Mord zu begehen. Tiago hatte den Wolkenkratzer in der letzten Phase der Einrichtung besichtigt. Alle Wyr waren in ihre jeweiligen Ecken geschickt worden, um ihr zerzaustes Fell oder ihre Federn zu glätten, buchstäbliche und metaphorische Wunden zu lecken, ihre Büros einzurichten und Akten auszupacken. Heute sprach ausnahmslos jeder, der am Bau des Towers beteiligt gewesen war, mit Stolz von jener Zeit und zwar ohne einen Hauch von Ironie.

Tiago erreichte den Konferenzraum. Es war ein großer Sitzungssaal für Führungskräfte, ausgestattet mit allen Schikanen: schwarze Ledersessel, ein großer, polierter Eichentisch, eine hochmoderne Telefonanlage für Konferenzgespräche sowie mysteriöse Gerätschaften aus schwarzem Metall, bei denen es sich, wie man Tiago erklärt hatte, um Designerkaffeemaschinen für Cappuccino und Espresso handelte. Er erinnerte sich nicht mehr daran, wie man sie bediente. Sobald er kapiert hatte, dass es keine neumodischen...


Harrison, Thea
Thea Harrison ist ein Pseudonym der Autorin Teddy Harrison. Bereits im Alter von neunzehn Jahren begann sie zu schreiben und veröffentlicht seither mit großem Erfolg Liebesromane. Derzeit lebt sie in Nordkalifornien.

Thea Harrison ist ein Pseudonym der Autorin Teddy Harrison. Bereits im Alter von neunzehn Jahren begann sie zu schreiben und veröffentlicht seither mit großem Erfolg Liebesromane. Derzeit lebt sie in Nordkalifornien.



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