E-Book, Deutsch, 315 Seiten
Hensel Lieder
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-2759-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 315 Seiten
ISBN: 978-3-8496-2759-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Luise Hensel war eine religiöse Dichterin. Ihre 'Lieder', zuerst mit Gedichten ihrer Schwester Wilhelmine vereinigt zeichnen sich hauptsächlich durch den Geist milder, inniger und sehnsüchtiger Frömmigkeit aus; ihr Abendlied Müde bin ich, geh' zur Ruh' zählt zu den Perlen der deutschen religiösen Lyrik.
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Die Bäume
Wohl alle Werke meines Herrn
Sind ganz vollkommen schön,
Doch mag ich fast vor allen gern
Die lieben Bäume sehn.
Sie lehren mich manch heilsam Stück
Für meinen Pilgerlauf,
Und ziehn wohl oftmals meinen Blick
Zum Himmel hoch hinauf.
Die alte, hohe Eiche spricht:
»Sei stark, o Menschenherz!
Im Glauben steh' und wanke nicht
Und streck' dich himmelwärts.«
Die Linde sagt: »Sei mild gesinnt,
Sei friedlich, sonder Harm,
Und breite jedem Müden lind
Den schattenreichen Arm.«
Mir winkt der Apfelbäume Frucht:
»Dein Glaube sei nicht Schein,
Und wenn der Gärtner Früchte sucht,
So ernt' er reichlich ein.«
Die Tanne rauscht: »Sei ernst, sei treu,
O Seel', in Freud' und Weh:
Dasselbe Kleid im linden Mai,
Dasselb' in Sturm und Schnee.«
Doch Birke, du mein liebster Baum,
In bräutlich schönster Zier,
Erblick' ich dich im weiten Raum,
So lacht das Herz in mir.
Im weißen Kleid, in grüner Kron',
O Bäumlein, stehst du hier; –
O ständ' ich, Herr! an Deinem Thron
Dereinst in solcher Zier! –
Ihr lieben Bäume, mahnet noch
Recht oft mein irdisch Herz
Und wendet meine Seele doch
In Sehnsucht himmelwärts!
Auf der Reise, 1821.
Trost in Jesus
Du hast in heißen Stunden,
Wenn mich der Schmerz besiegt,
So oft in Deinen Wunden
Dein armes Kind gewiegt.
Ich sah in hellen Gluthen
Dein göttlich Herz erglühn
Und sah in rothen Fluthen
Dein süßes Leben fliehn.
Dann konnt' ich mich nicht halten,
Ich rang in Todeswehn;
Mit Dir wollt' ich erkalten,
Mit Dir zum Grabe gehn.
Dann hab' ich wohl empfunden,
Wie Du mir Alles bist,
Und wie aus Deinen Wunden
Mir Tod und Leben fließt.
In Deines Blutes Fluthen
Taucht' ich die Seele mein
Und löscht' in heil'gen Gluthen
Der Erden-Liebe Schein.
In Dir sah ich verrinnen
Der Erde Lust und Pracht,
Die meine eiteln Sinnen
Zum Götzenbild gemacht.
Und die im Flitterglanze
Der Eitelkeit geschwebt,
Hat ernst im Dornenkranze
Nach Deinem Kreuz gestrebt.
Und bald hast Du nach oben,
Du heilig Gotteslamm,
Die Seele mir gehoben
Zum treu'sten Bräutigam.
Nun trinkt beim Hochzeitsmahle
Sie Deiner Liebe Wein,
Sie tanzt im Sternensaale
Vor Dir den ew'gen Reih'n.
Sie hängt an Deinem Munde,
Sie ruht in Deinem Arm;
In Deiner Herzenswunde
Begräbt sie Freud' und Harm.
Gieb mehr, o Gott! zu trinken,
Gieb mehr der süßen Gluth
Und laß mich ganz versinken
In jene Wonnefluth!
Sondermühlen, 1822.
Kindesgruß von drüben
O weine nicht! Ich bin dir nicht gestorben,
Ein ewig selig Leben ging mir auf.
O, sähst du ihn, den Kranz, den ich erworben,
Es hemmte gleich sich deiner Thränen Lauf.
Hier wohnt der Friede, leuchtet ew'ges Licht,
O weine nicht!
O weine nicht! – Was sollt' ich länger wallen
Im dunkeln Land, wo Tod und Sünd' euch schreckt?
Mir ist das Loos, das herrlichste, gefallen:
Mein Palmzweig grünt, mein Kleid ist unbefleckt.
Ich schau' in Wonne Gottes Angesicht. –
O weine nicht!
O weine nicht! Sieh, wie die Jahre schwinden,
Auch dich trägt bald dein Engel zu mir her.
Du wirst mich selig unter Sel'gen finden,
Und ewig trennt uns dann kein Sterben mehr.
Drum hebe fromm zu Gott dein Angesicht
Und weine nicht!
Sondermühlen, 1823.
Dies venit, dies tua, In qua reflorent omnia
O Sonne, wenn von Deinem Licht
Ein Strahl durch meinen Kerker bricht,
Wie schnell dahin ist aller Schmerz,
Wie jubelt himmelan mein Herz!
Vom Auge fällt der Freude Thau,
Der Blick strebt auf zum Himmelsblau,
Er suchet Dich, er findet Dich,
Und labt an Deiner Schöne sich.
O Jesus! süßer Nam' und Laut!
O Bräutigam, so lieb und traut!
Ich habe nichts, als Dich allein,
Ich wünsche nichts, als Dein zu sein.
O Freund, nach dem mein Herz sich sehnt!
O Stern, um den mein Auge thränt!
Erschein', erscheine, holdes Licht,
Das meinen dumpfen Kerker bricht!
Weh! daß ich Dich so oft betrübt!
Weh! daß ich Dich so spät geliebt!
Nicht wußt' ich es, wie gut Du bist,
Wie süß Dein heilig Lieben ist.
O Gnadenquell, berausche mich!
O Liebe, zieh mich ganz in Dich!
Lehr' mich der Leiden Liebesgrund,
Dann bin ich selig und gesund.
Sondermühlen, 1823
An die geliebte Heimgegangene
(A.K. Emmerich, † 9. Febr. 1824.)
Voll Wehmuth denke ich an Dich,
Die Du von mir geschieden,
Und meine Seel' umwölket sich
Und sehnt sich weg hienieden.
O, daß auch mich der stille Tod
Dem Stengel nur entpflückte!
O, daß ich bald das Morgenroth
Des letzten Tags erblickte!
Der Freuden, so die Welt mir beut,
Ist längst mein Herz entwöhnet
Und hat von ihrer Eitelkeit
Sich schmerzlich weg gesehnet.
O, möcht' ich Deine Krone sehn
Und hören Deine Weisen!
O, dürft' ich Dir zur Seite stehn,
Mit Dir Gott ewig preisen! –
Mein Vater! hilf mir diesen Schmerz,
Den tiefen Schmerz mir tragen,
Bis endlich heilt dies wunde Herz,
Bis mir Dein Licht will tagen.
Du weißt, Herr! daß kein Erdengut
Den Jammer mir kann stillen;
Du wollst mit Deiner Liebe Gluth
Mein sehnend Herz erfüllen!
»So walle deinen Pfad hinab –
Den Brüdern sollst du dienen;
Dann wird dereinst dein Pilgerstab
...



