Hoeppner | Hexensabbat und Dämonentänze | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 133 Seiten

Hoeppner Hexensabbat und Dämonentänze

Mystische Erzählungen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7554-3488-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Mystische Erzählungen

E-Book, Deutsch, 133 Seiten

ISBN: 978-3-7554-3488-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Kurzgeschichten über Hexen, Dämonen und böse Männer.   'Die Seuche ist das Werk der Hexen. Sie bringen Pestilenz und Tod über Goslar. Schon der heilige Hieronymus sagte 391 nach Christus Zauberer und Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen'.   So loderten alsbald die Scheiterhaufen, stank es in der Stadt nach verbranntem Fleisch, brüllten die Verurteilten qualvoll vor Schmerz und jubilierte das Volk.   Doch hin und wieder kam eine ermordete Hexe zurück, um Rache zu üben an ihren Peinigern. Wer in ihre Hände fiel, lernte, was Grauen wirklich bedeutete.   Diese und weitere spannende Geschichten über Hexen und Dämonen sind in dieser Edition enthalten, um den Autor kennenzulernen.

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Das Fieber der Hexen

Es ist Altlicht. Die Nacht vor Neumond, wenn letztmalig die abnehmende Mondsichel sichtbar ist. Düster ist der Wald, in dieser sternenklaren Nacht Mitte Mai, im Jahre 1360 des Herrn. Eine Gruppe von fünf mystisch gekleideten Menschen schleicht auf schmalen Pfaden durch das dichtstehende, harte Holz, das der Namensgeber für diesen Höhenzug ist: Harz. Ihr Ziel ist der „Alte Mann“, ein von Naturgewalten geschaffenes Gesicht im Granit der Kästeklippen, oberhalb des Okertales, zwischen Hexenküche und Mausefalle. Voran schreitet Aradia, die Schamanin, die Hexe. Sie ist eine kleine Frau von zierlicher Gestalt. Ihr rabenschwarzes, langes Haar quellt an ihren Schläfen unter der Kapuze aus Bärenfell hervor. Aus demselben Material ist ihr bis zu den Knien reichender Umhang. Darunter schließen sich die hellbraunen Stiefel aus Hirschleder an. Über die Augen hat sie sich einen breiten Streifen Schwarz gelegt. Hergestellt aus geriebener Kohle in Leinöl. Von der Stirn über ihr linkes Auge zieht sich zudem ein senkrechter Strich. Entfernt wirkt es wie ein christliches Kreuz mit zwei ungleichen Schenkeln. Doch das ist nicht das Schaurige, das Geheimnisvolle, das die Anführerin der Gruppe ausmacht. An den Schläfen ragen aus ihrer Bärenfellkappe große Hirschgeweihe hervor, die von einer unsagbaren Last künden, Aradias aufrechten Gang aber nicht beeinträchtigen. Ihre vier Begleiter, drei Männer und eine Frau sind nicht minder magisch aufgemacht. Hingegen sind sie nicht in Fällen gekleidet, sondern in sehr dunklen Stoffen, die durch eine Beize aus Tannin mit Eisenvitriol und weiteren Eisensalzen schwarz gefärbt sind. Alle haben sie Runen und die Symbole alter Götter in ihr Gesicht und auf ihre Arme aufgemalt. Wer diese Menschen sähe, müsste zwangsläufig glauben, die Gesandten des Teufels hätten die Erde betreten. Lediglich die Tatsache, dass Aradias Begleiter Musikinstrumente tragen, hätte sie stutzig werden lassen können. Der Schrecken indes wäre geblieben. Allerdings sind diese Fünf alles andere als Vasallen des Satans. Sie wollen Eir anrufen, die Göttin der Heilkunst, aus dem Geschlecht der Asen. Von ihr erhoffen sie die Kräuter und die Mixtur genannt zu bekommen, die das „Fieber der Hexen“ bekämpfen mag. Eine Pestilenz, die seit dem letzten Herbst über Goslar und den Harz hereingebrochen ist und der schon sehr viele Kinder erlegen sind. Ein Fieber, das die Quacksalber und Pastoren den Hexen zugeschrieben haben, um gleich die Schuldigen auszumachen, die es zu jagen und zu töten gälte. Aradia und ihre Gefährten hingegen sprechen von der braunen Fleckenseuche, da sie die Körper der Erkrankten mit hellbraunen Pusteln übersät, die die Größe von Daumennägeln haben.   Die ganz schwache Mondsichel des Altlichts ist schon untergegangen, als das Feuer unheimliche Schatten auf die Felswand wirft. Bärenförmige Monster mit einem Hirschgeweih, die zuweilen ihren Pelz öffnen, als würden Fledermäuse ihre Flügel ausspannen. Die Figuren tanzen, springen, drehen sich um sich selber, sind urplötzlich in Luft aufgelöst. Immer dann, wenn Aradia auf der anderen Seite des großen Feuers tanzt, ihr Schatten in den Wald anstelle auf den „Alten Mann“ geworfen wird. Die zierliche Frau mit dem rabenschwarzen Haar tanzt in wilden Verrenkungen um das Feuer herum. Sie stellt Tiere nach, Geister und Götter. Hat sie ihren Umhang aus Bärenfell mit ihren Händen geöffnet, sieht sie wie ein Todesengel aus, der seine Fittiche ausgestellt hat. In dieser Pose ist ihr fahles Unterkleid aus Baumwolle zu sehen. Es ist mit Runen und Symbolen bestickt, mit Federn der Eule und der Raben, Krallen des Wolfes und des Bären. Um ihren Hals trägt sie einen blauen Edelstein, geschliffen in der Form eines Auges. Ein Talisman, der die Göttin Eir herbeisehnen soll. Ebenso wie die Beschwörungsformeln, die Aradia hin und wieder laut und klar singt. In einer längst vergessenen Sprache. Meistens jedoch ruft Leila die Göttin der Heilkunst an. Dann in einem Flüstergesang, der in der Musik ihrer Gefährten untergeht. Leila selber spielt die Schamanentrommel. Ihr Rahmen ist aus dem Holz der Esche gefertigt. Dem heiligen Baum. Yggdrasil, die Weltesche, unter der die drei Nornen Urd, Werdandi und Skuld das Schicksal der Menschen weben. Leila spielt diese mit einer Wolfshaut bespannte Rahmentrommel mit den Fingern, der Hand oder einem Knochen als Schlägel. Doch egal, welche Wahl sie trifft, immer erzeugt sie einen trancemäßigen Rhythmus. Ihr Takt ist hingegen nicht das wirklich Mystische in der Musik. Das wird erzeugt durch die anderen Instrumente, eine Drehleier, eine Flöte und ein armdicker, zwei Meter langer Holzstamm, der ausgehöhlt ist. Der kräftige Mann, der in ihn hineinbläst, hat sein langes, schwarzes Haar zu einem Zopf geflochten, den er auf dem Rücken trägt. So wirkt die gespenstige Bemalung in seinem Gesicht besonders stark. Es passt zu seinem bis auf den Boden reichenden, schwarzen Umhang sowie den Tönen, die er mit seinem eigenwilligen Instrument erzeugt. Mal sind es brummende, rollende Basstöne, als kämen Kugelblitze den Berg herunter und wollten sich gegenseitig überholen. Setzt der Mann den Mund hingegen anders an, erzeugt er schnarrende, hellere Töne, die nicht weniger fremdartig wirken. Diese harmonieren mit dem schwingenden, leicht krächzenden Melodien der Drehleier und geben das magische Grundgerüst, auf dem sich das Flötenspiel legt. Die mit zauberhaften Zeichen bemalten und in beängstigende Gewänder gehüllten Musizierenden schreiten in einem langsamen Tempo ebenfalls um das Feuer herum. In entgegengesetzter Richtung, wie sich Aradia bewegt sowie außerhalb von ihrer Tanzbahn. Stunde um Stunde beschwören sie die Göttin Eir. Nicht müde werden sie in ihrem Spielen und Tanzen, selber haben sie sich in Trance versetzt. Gelegentlich werden neue Scheite ins Feuer gelegt, bis die „Blaue Stunde“ naht. Die Zeit, wenn die Schwärze der Nacht in das Blau der Morgendämmerung übergeht. Nun sinkt Aradia vor der Glut auf die Knie, verbeugt sich vielfach, murmelt Zaubersprüche, bis sie sich lang auf die Erde ausstreckt und wie tot liegen bleibt. Instrument für Instrument verstummen. Zuerst die Flöte, dann die Drehleier, darauf der Baumstamm. Übrig bleibt für eine kurze Weile das Trommeln der Finger auf der Wolfshaut, deren Takt immer langsamer wird, bis er gänzlich abreißt. Übrig bleiben einzig und allein das Rauschen des Windes in den Wipfeln der Bäume und der Gesang des ersten Rotkehlchens. * Am Morgen des nächsten Tages, an einem anderen Ort Schultheiß Tervoort, der Vogt von Goslar, wie stets gekleidet in teurem Tuch, steht im Kontor seines Handelshauses und schenkt seinen Gästen einen edlen Rotwein ein. Sein Besuch besteht aus dem Pastor Eraßmus Lindemann sowie dem Quacksalber und Alchimisten der Stadt, Caspar Oberbach. Die Audienz ist nicht willkürlich zusammengekommen, Schultheiß Tervoort, als Silberminenbesitzer der reichste Mann der Stadt und somit die schwerwiegendste Stimme im Rat, sieht seine Macht gefährdet, wenn nicht bald etwas gegen das Hexenfieber unternommen wird. Unmut regt sich im Volk ebenso wie im Rat, weil über diesen Winter unzählige Kinder zu Gott berufen wurden. Erste, mutige Ratsherren haben ihm schon Untätigkeit vorgeworfen und ihm somit die Verantwortung für das Massensterben in die Schuhe geschoben. Deshalb ist jetzt geboten, Tatendrang zu zeigen. Die Bürger Goslars, noch mehr aber die Ratsherren muss er, Schultheiß Tervoort, jetzt davon überzeugen, dass er der einzig richtige Mann ist, mit dem die Pestilenz bekämpft werden kann. Ansonsten könnte er von seiner Funktion als Vogt abgesetzt und somit von den Fleischtöpfen verbannt werden. Denn als Koryphäe im Rat besitzt er Zugang zu allen anstehenden, größeren Geschäften in Goslar und weiß geschickt, seine Zustimmung zu geben, wenn die richtige Summe in seinen Geldbeutel fließt. Lautstark verlachte der Silberminenbesitzer im letzten Herbst das neue Fieber und verhöhnte die Menschen als Schwächlinge, die von ihm befallen wurden. Da die Krankheit im ersten Schritt die Kinder der Ärmsten der Stadt dahinraffte, fand er damals jubilierende Zustimmung zu seiner Ansicht. Heute ist das Anders, das braune Fleckenfieber ist längst beim Adel, dem Klerus und den Kaufleuten angekommen. Ignoranz, Arroganz und Verleugnung sind nun nicht mehr zweckmäßig. „Nun, Herr Caspar Oberbach, Quacksalber und Alchimist der Bergarbeiterstadt, was schlagt ihr vor zur Eindämmung der Pestilenz?“ In der Stimme des Vogts schwingt Spott mit. Ein Ausdruck an Überheblichkeit, die den Angesprochenen schuldig sprechen soll. „Wie schon im Winter vorgeschlagen, sollten die Menschen sich Pestmasken aufsetzen und den Schnabel mit keimtötenden Kräutern wie Fichte, Zimt, Thymian und Eukalyptus, aber auch Essigwasser füllen sowie einen großen Abstand zueinander halten, große Versammlungen meiden und vor allem sich von Kindern fernhalten. Ebenso rate ich, die Kinderarbeit in den Silbermienen bis zum Ende des Fiebers im Einklang mit dem Besuch der Kloster- und Stadtschulen auszusetzen.“ Der Alchimist dreht seinen Dreispitz...



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