Hohlbein | Der Ring des Sarazenen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Reihe: Die Templerin

Hohlbein Der Ring des Sarazenen

Templerin 2
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-19816-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Templerin 2

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Reihe: Die Templerin

ISBN: 978-3-641-19816-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die junge Friesin Robin ist in der Rüstung eines Tempelritters unterwegs ins Gelobte Land. Sie gerät in die Fänge eines Sklavenhändlers und soll als Haremsdame verkauft werden! Als einziger Schutz bleibt ihr der geheimnisvolle Ring, den sie einst von ihrem treuen Freund und Begleiter Salim bekam.

Ein historischer Abenteuerroman von Erfolgsautor Wolfgang Hohlbein.
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2. KAPITEL


Zu ihrer eigenen Überraschung fand Robin in dieser Nacht doch noch Schlaf, auch wenn er alles andere als ruhig oder gar erfrischend war. Sie erwachte zwei- oder dreimal, das letzte Mal mit hämmernden Kopfschmerzen, einem schalen Geschmack im Mund und dem sicheren Gefühl einer nahenden Katastrophe.

Umständlich richtete sie sich auf den mit Stroh gefüllten Leinensäcken auf und fuhr sich mit der Hand über die Augen, um die Benommenheit wegzuwischen, die noch immer ihren Blick verschleierte. Es war nicht mehr vollkommen dunkel in der Kabine, aber auch noch nicht wirklich hell. Fleckiges Zwielicht sickerte durch das bunte Bleiglasfenster herein und unterstrich die unwirkliche Stimmung. Sie vernahm ein Durcheinander von Geräuschen, die sie einzeln nicht ausmachen konnte, die in ihrer Gesamtheit jedoch ihre Beunruhigung noch steigerten. Sie blieb einen Moment lang reglos sitzen, lauschte auf das Hämmern ihres Herzens und versuchte, sich an die zurückliegende Nacht zu erinnern. Sie hatte geträumt und das flüchtige Gefühl zurückbehalten, dass ihr etwas Schreckliches widerfahren würde.

Die Tür flog auf, und Salim stürmte herein. Für einen Sekundenbruchteil stockte sein Schritt, anscheinend war er überrascht, sie schon wach vorzufinden, dann aber warf er die Tür hinter sich zu und war mit zwei weit ausgreifenden Schritten neben ihrem Bett. »Die Verfolger«, sagte er knapp.

Robin blinzelte ihn verständnislos an. »Was?«

»Es sind keine Piraten und auch keine Kreuzfahrer«, sagte Salim. Er machte eine unwillige Geste. »Vier Schiffe, vielleicht mehr! Sie kommen näher. Piraten würden sich niemals an einem mit Rittern überfüllten Ordensschiff vergreifen, das einen harten Kampf, aber kaum Beute verspricht. Es müssen Schiffe aus Saladins kleiner Flotte sein!«

»Aber das …«

»… kann kein Zufall sein, ich weiß«, fiel ihr Salim ins Wort. »Abbé hatte Recht. Wir sind verraten worden. Sie werden angreifen, sobald es hell geworden ist.«

»Schiffe Saladins?«, murmelte Robin verständnislos. Ihre Gedanken wirbelten wild durcheinander. Sie war noch immer schlaftrunken und hatte alle Mühe, Salims Worten irgendeinen Sinn abzugewinnen. Vielleicht wollte sie es auch gar nicht.

»Vier Schiffe«, bestätigte Salim grimmig. »Sie beginnen, uns einzukreisen. Bei gutem Wind sind ihre Schiffe langsamer als wir, aber dieser Narr Horace denkt ja nicht daran, ihnen einfach davonzusegeln, solange wir noch können.«

Robin blinzelte nervös. »Was meinst du denn damit?«

»Sieh dich doch um! Der Wind hat jetzt schon nachgelassen und es würde mich nicht wundern, wenn wir geradewegs in eine Flaute hineinlaufen würden. Dieser ahnungslose Trottel scheint sich auf einen Kampf geradezu zu freuen!«

»Es sind zu wenige«, murmelte Robin benommen.

»Zu wenige?«, ächzte Salim. »Was bei Allah soll das heißen – zu wenige?«

»Wären es sechs, würde Horace vielleicht die Möglichkeit in Betracht ziehen, dem Kampf auszuweichen«, antwortete Robin. Sie setzte sich vollends auf, fuhr sich erneut und diesmal mit beiden Händen durch das Gesicht und unterdrückte mit Mühe ein Gähnen. In einer Situation wie dieser wäre es ihr unangemessen vorgekommen. »Ich dachte, du dienst Abbé schon viel länger als ich.«

»Das stimmt, aber …«

»Dann solltest du eigentlich wissen, dass Tempelritter einem Kampf nur ausweichen dürfen, wenn der Feind ihnen mindestens um das Dreifache überlegen ist«, unterbrach ihn Robin. »Und erspar mir deine Meinung über diese Regel. Ich finde sie genauso verrückt wie du!« Sie schwang die Beine vom Bett, wankte einen Moment bedrohlich und streckte die Hand in Salims Richtung aus, damit er ihr beim Aufstehen half. Salim rührte sich nicht.

»Worauf wartest du?«

»Die Frage ist eher: Worauf wartest du?«, antwortete Salim.

»Dass du mir hilfst, aufzustehen und meine Rüstung anzulegen«, antwortete Robin. »Ich dachte, du wärst deshalb gekommen.«

»Das war wohl ein Irrtum«, grollte Salim. »Ich glaube fast, Dariusz hat Recht, weißt du? Du benimmst dich wie ein dummes Kind.«

»Was soll das heißen?«, fragte Robin scharf.

»Dass du ganz bestimmt nicht dein Kettenhemd und diesen albernen Helm anziehen und den Ritter spielen wirst«, antwortete Salim bestimmt. »Ganz im Gegenteil. Du wirst dich ankleiden und dich unter deiner Decke verkriechen, bis das alles hier vorbei ist!«

»Und warum, wenn ich fragen darf?«

»Weil unser ach so geliebter Bruder Horace ein kompletter Narr ist!«, antwortete Salim laut. Er schrie fast. War das Panik, was sie in seinen Augen erblickte? »Was für ein Irrsinn! Auf dem flachen Land kann er sich vielleicht mit einer doppelten Übermacht messen, aber nicht hier!«

»Wo ist der Unterschied?«, fragte Robin.

»Der Unterschied ist, dass ich diese Männer kenne«, sagte Salim. »Saladin besitzt nur wenige Schiffe, deshalb kann er es sich nicht leisten, dass auf ihnen durchschnittliche Mannschaften dienen. Wenn sie geschickt wurden, um Horace und die anderen abzufangen, dann werden sie in der Lage sein, diese Aufgabe zu erfüllen. Auf den Schiffen werden sich Faris befinden, die Elitekämpfer des Sultans. Sie stehen euch christlichen Ordensrittern weder in Ausbildung noch in Fanatismus nach. Wenn es wirklich zu einem Kampf kommt, dann werden wir ihn verlieren.«

Robin sagte nichts darauf, sondern sah den Tuareg nur erschrocken an. Salims Worte jagten ihr einen eisigen Schauer über den Rücken, aber zugleich bezweifelte sie auch, dass die Lage tatsächlich so schlimm war, wie Salim anzunehmen schien. Sie wusste nichts über Faris oder überhaupt irgendwelche Ritter des Sultans. Außerdem hatte sie Abbé und die anderen Tempelritter im Kampf erlebt und gesehen, wozu diese Männer fähig waren. Wer immer die Angreifer waren – wenn sie glaubten, es mit einer Hand voll naiver Kreuzzügler zu tun zu haben, die Dreschflegel und Sicheln gegen Schwert und Schild getauscht hatten, um ahnungslos in ihr Verderben zu segeln, dann würden sie eine tödliche Überraschung erleben.

»Und was genau willst du mir damit sagen, Heide?«, fragte sie.

»Du wirst dich nicht aus diesem Raum rühren, ganz egal, was passiert«, antwortete Salim ernst und ohne auf ihre Beleidigung einzugehen. »Wenn es wirklich zum Kampf kommt, bist du ohnehin nicht von Nutzen. Und wenn nicht, umso besser.« Er machte eine herrische Geste, mit der er jeden Widerspruch im Keim erstickte, und zog in der gleichen Bewegung etwas Kleines, Glitzerndes aus der Tasche. »Hier. Nimm.«

Automatisch streckte Robin zwar die Hand aus und blickte dann reichlich verständnislos auf den schmalen goldenen Ring hinab, den Salim in ihre Handfläche fallen ließ. »Soll das ein Antrag sein?«

Salim blieb ernst. Er musste nicht aussprechen, dass dies seiner Meinung nach nicht der passende Augenblick für Scherze war. »Wenn es zum Kampf kommt und wir unterliegen sollten«, sagte er, »dann wird dich niemand anrühren, solange du diesen Ring trägst.«

Verwirrt nahm Robin den Ring zwischen Daumen und Zeigefinger und hielt ihn ins Licht. Im ersten Moment war er ihr schmucklos vorgekommen, doch als sie genauer hinsah, gewahrte sie verschlungene arabische Schriftzeichen, die in das Gold eingraviert waren. Sie sah Salim fragend an, erkannte aber schon an seinem Blick, dass er ihr nicht antworten würde. Nach einer kleinen Ewigkeit hob sie resignierend die Schultern und schob dann den Ring auf den Mittelfinger ihrer linken Hand. Er passte so perfekt, als wäre er eigens für sie gefertigt worden.

»Zufrieden?«, fragte sie spöttisch.

»Zufrieden bin ich, wenn du mir dein Wort gibst, nichts Dummes zu tun«, antwortete Salim ernst. »Ich würde bei dir bleiben, um dich zu beschützen, aber ich fürchte, ich werde oben an Deck gebraucht. Gibst du mir dein Wort, dein Bett …«, er räusperte sich verlegen, »ich meine natürlich diese Kammer, nicht zu verlassen?«

»Ich schwöre es bei Allah«, antwortete Robin.

»Robin!«

»Also gut«, seufzte Robin. »Ich … verspreche es dir. Ich bleibe hier und rühre mich nicht von der Stelle, ganz egal, was passiert.« Sie hob die linke Hand und hielt den Ring abermals ins Licht, sodass das polierte Gold hell aufblitzte. »Wenn ich an die zurückliegenden Monate denke, dann hätte er mir eigentlich schon viel eher zugestanden.«

»Er bedeutet nicht das, was du vielleicht glaubst«, sagte Salim. Noch ein letzter, durchdringender Blick, dann trat er demonstrativ einen Schritt zurück – und bückte sich nach Robins Schwert, das an der Wand neben ihrem Bett lehnte.

»Wenn du dein Versprechen ernst gemeint hast, dann brauchst du das ja nicht«, stellte er fest.

Robin starrte ihn finster an, aber sie war klug genug, auf eine Antwort zu verzichten. Stattdessen hielt sie abermals die linke Hand in die staubflirrenden Lichtstreifen, die durch das Fenster hereinfielen, und ließ das Gold aufblitzen. Diese Geste schien Salim zu beruhigen. Er sah sie nur noch einen Moment lang betont grimmig an, dann drehte er sich mit einem Ruck herum und stürmte hinaus.

Robin dachte nicht im Traum daran, das Wort zu halten, das sie Salim gegeben hatte. Ihrer Meinung nach galt es ohnehin nicht, denn ein Versprechen, das unter Druck erpresst worden war, war kein wirkliches Versprechen. Außerdem hatte ihr Abbé einmal erklärt, dass ein Eid, den ein Christ einem Heiden leistete, nicht...


Hohlbein, Wolfgang
Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren. Seit er 1982 gemeinsam mit seiner Frau Heike den Roman »Märchenmond« veröffentlichte, arbeitet er hauptberuflich als Schriftsteller. Mit seinen Romanen aus den verschiedensten Genres – Thriller, Horror, Science-Fiction und historischer Roman – hat er mittlerweile eine große Fangemeinde erobert und ist einer der erfolgreichsten deutschen Autoren überhaupt. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Düsseldorf.



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