Holmes | Ein Weg des Herzens | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Holmes Ein Weg des Herzens

Spiritualität und Teile-Arbeit (IFS)
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-86781-407-2
Verlag: Arbor Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Spiritualität und Teile-Arbeit (IFS)

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-86781-407-2
Verlag: Arbor Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Tom Holmes ist bekannt geworden durch seinen eigenen Ansatz der Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen. Seine Besonderheit liegt darin, dass er Spiritualität mit der systemischen Therapie mit der inneren Familie (Internal Family System, IFS) verbindet. 'Ein Weg des Herzens' beschreibt Heilungsprozesse, die eintreten können, wenn spirituelle Ressourcen in den IFS-Prozess integriert werden. Dies illustrieren ausführlich geschilderte und transkribierte Fallbeispiele, in denen spirituelle Erfahrungen eine entscheidende Rolle spielen. Es zeigt sich, dass das, was IFS als »Selbst« bezeichnet, viele Qualitäten mit dem teilt, was in spirituellen Traditionen als »Herz« beschrieben wird. Wird dieser Herzensraum durch die innere Arbeit geöffnet, kann Heilung geschehen. Stimmen zum Buch: 'Die Kombination von Spiritualität und Teile-Arbeit ist das kraftvollste Mittel, das ich gefunden habe, um sich selbst innerlich zu stärken und leichter mit dem Leid anderer von einem Ort des friedvollen Mitgefühls aus gegenwärtig zu sein.' Tom Holmes

Dr. Tom Holmes, PhD, ist emeritierter Professor der Western Michigan Universität (WMU) in Kalamazoo, USA. Seit 1985 bildete er dort graduierte Studierende in Psychotherapie aus. Von 1996 bis 2006 lehrte er im Rahmen des Holistic Health Care Programmes an der WMU. Ende der 1980er Jahre absolvierte er die Ausbildung in der Systemischen Therapie mit der Inneren Familie bei Richard C. Schwarz. Seit dieser Zeit lehrt und verwendet er das Internal Family Systems-Modell (IFS).
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Ein Modell zur Integration von Teile-Arbeit und Spiritualität


Als ich eine Kollegin in der IFS-Methode ausbildete, die als meine Co-Therapeutin arbeitete, wurde mir bewusst, wie wichtig Spiritualität bei der Teile-Arbeit sein kann. Hier füge ich dem, was ich in meinem letzten Buch von dieser ausschlaggebenden Sitzung berichtet habe, eine Analyse hinzu, um modellhaft zu verdeutlichen, wie wir spirituelle Ressourcen in die Teile-Arbeit einbeziehen können.

Meine Co-Therapeutin Nancy und ich arbeiteten über mehrere Sitzungen mit einer Klientin, die ich hier Martha nenne, und die seit fast einem Jahr bei Nancy war. Schwerpunkt unser Teile-Arbeit waren Dynamiken in Verbindung mit Trauma, das Martha als Kind erlitten hatte. Wir konnten mit IFS erhebliche Fortschritte erzielen und das Vertrauen ihrer Beschützerteile gewinnen, was Harmonie in ihrem inneren System förderte.

Nach einigen Sitzungen gewährten die Beschützerteile uns Zugang zu einem „verbannten“ Teil. Martha berichtete, dass ihr System diesen sehr jungen Teil tief im Inneren in einer Lichtkugel eingeschlossen hatte, um ihn zu schützen. Aufgrund unserer früheren Arbeit konnten wir nun diesem Teil helfen, seinen Platz in ihrem System wieder zu finden. Als sie sich diesem Teil aus dem Selbst näherte, kam ein kindlicher Teil aus dem Licht hervor und auf sie zu. Er war sehr verletzlich, aber frisch und unschuldig. Ich fand erstaunlich zu sehen, wie Marthas inneres System diesen wehrlosen Teil in seiner Ganzheit und Reinheit in diesem Licht erhalten und geschützt hatte. Er wurde von den anderen Teilen freudig willkommen geheißen. Martha, Nancy und ich spürten den Glanz, der oft bei dieser Art von Integrationserlebnis in einer Teilearbeitssitzung aufkommt.

Ich bat Martha, die nun diesen Teil wieder ins System integriert hatte, zu überprüfen, ob es zum Ende der Sitzung noch etwas brauchte. Daraufhin geschah etwas Unerwartetes. Martha nahm ein durchscheinendes Gebilde wahr, das sich über ihrem Brustkorb auf- und ab bewegte. Sie sagte, es sei dasselbe Licht gewesen, aus dem das Kind aufgetaucht war. Nancy fragte, ob dieser Teil einen Namen habe. Daraufhin ereignete sich das Folgende:

Martha:

Nancy:

Martha:

Martha fragt innerlich die Stimme, ob sie noch irgendetwas für das traumatisierte Kind tun musste. Sie berichtete dann:

Dann sagte sie:

(Langes Schweigen … bewegte Stimme)

Nancy:

Martha:

(Langes Schweigen)

Eine große Kraft erfüllte den Raum, und Nancy und ich waren von dieser Erfahrung bewegt und sehr berührt. Als Psychotherapeut war ich äußerst erstaunt, dass solch eine spirituelle Erfahrung in unserer inneren Arbeit geschah und tiefe Weisheit aufkam.

Als ich anfing, die Bedeutung dessen zu erfassen, was geschehen war, wurde mir klar, dass Teile-Arbeit über Psychotherapie hinausreichen kann – als ein Weg, der das Herz erwecken konnte und es ermöglichte, Quellen der Weisheit und liebevoller Führung direkt zu begegnen. Dreißig Jahre später erforsche ich immer noch diese Dimension der Teile-Arbeit als ein Weg der Herzöffnung.

Während Marthas Erfahrung unerwartet und besonders intensiv war, sind Begegnungen mit dieser Art von „Teil“ nicht selten und machen für mich einen wesentlichen Teil der inneren Arbeit aus. Therapeutinnen wurde bei der Begegnung mit diesen besonderen Arten von „Teilen“ schon früh klar, dass diese sich von normalen Persönlichkeitsanteilen unterscheiden. Es schien sich vielmehr um Quellen innerer Führung zu handeln, die Weisheit und Heilung vermitteln konnten und daher „Führung“ genannt werden, was die Klarstellung etwas umgeht, ob es sich um eigene psychische Konstrukte oder geistige Wesenheiten handelt, die außerhalb von uns existieren. Sehr viele Menschen erleben sie als spirituelle Wesenheiten oder spirituelle Energie jenseits von ihnen selbst. Wie bei jeder inneren Arbeit überlasse ich es den Klientinnen, die eigene Erfahrung selbst so zu deuten, wie es für sie sinnvoll ist. Mittlerweile gibt es einen größeren Erfahrungsschatz über das Wesen dieser Führung und darüber, wie wir sie in den Heilungsprozess einladen können. Ich gebe mein Verständnis in diesem Kapitel weiter und führe später klinische Beispiele für die Wirksamkeit von Spiritualität im therapeutischen Heilungsprozess an, wobei auch innere Führung beteiligt sein kann.

Innere Führung wird meist als vielfältig und lebendig erlebt und kann in Gestalt einer unspezifischen, abstrakten Präsenz, als Licht, oder spezifischer als ein(e) Weise(r), oder als religiöse Charaktere wie Jesus oder Sophia auftauchen, stets mit weisem und liebevollem Wesen. Interessanterweise wartet sie meist, bis sie in die Arbeit eingeladen wird, obwohl sie oft im Hintergrund verfügbar ist.

Auch ohne spirituelle Führung ist das IFS-Modell ein sehr fruchtbares Heilwerkzeug zur Behandlung von seelischer Belastung und Trauma. Für meine Arbeitsweise wurden allerdings schon früh Spiritualität und die Heilkraft innerer Führung zentral, sie sind es vor allem, worin sich meine Arbeit und mein Unterricht von dem unterscheidet, wie IFS-Therapie sonst während der Ausbildung vermittelt wird. In meinen Ausbildungsgruppen weise ich sehr früh auf innere Führung hin und integriere Übungen, die unterstützend dabei sind, die eigenen inneren Quellen von Führung und Heilung zu finden.

Das Wesen innerer Führung


Die sorgfältige Betrachtung von Marthas Erfahrung kann das Wesen innerer Führung veranschaulichen, da es sich um einen prototypischen Ablauf handelt, der sich ohne jegliche Vorstellung davon ergab, dass etwas Spirituelles während der Sitzung auftauchen könnte. Zum damaligen Zeitpunkt meiner Anfangsjahre mit dem IFS-Modell war mir der spirituelle Aspekt der Arbeit noch nicht geläufig.

Bei Martha konnte man anfangs eher rational betrachten, wie das innere System diesen schützenden Lichtraum um den wehrlosen Teil gebildet hatte, um ihn darin in seiner Ganzheit zu bewahren. Mein „wissenschaftlicher“ Teil staunte darüber, wie klug das Gehirn doch war, als die Sitzung diese unerwartete Wendung nahm, die auch dadurch geschah, dass ich die übliche Frage zum Abschluss stellte, ob noch etwas benötigt wird. Da bereits einige Zeit damit vergangen war, den wiedergefundenen Kleinkind-Teil wieder ins System zurückzuführen, hatte ich nichts Besonderes erwartet. Diese Frage gab Martha jedoch Gelegenheit, das durchscheinende Gebilde wahrzunehmen, das sich oberhalb ihres Brustkorbs hin und her bewegte. Sie sagte, es sei dasselbe Licht, aus dem das kleine Kind aufgetaucht war. Auf Nancys Frage nach dem Namen kam der Prozess in Gang.

Es ist also wichtig, an so einer Stelle in einer Sitzung der Klientin Raum zu geben, nach innen zu schauen, um alle offenen Enden zu erkennen. Ich stelle generell eher offene Fragen, wie z. B. eine Einladung, den Teil zu fragen, was er mitzuteilen hat. In diesem Fall hatte Nancys direkte Frage eine gute Auswirkung. Martha antwortete: Ja … Fenster … Fenster zu deiner Seele … Ich sehe nur das Licht.

Spirituelle Führung erscheint wie hier oft als Licht, kann aber auch in sehr spezifischer Form auftreten, als weise Frau, als eine religiöse Gestalt, als Krafttier oder in anderer Form. Etwas, das ich bei innerer Führung regelmäßig beobachte, ist deren unaufdringliche Art. Diese Führung griff nicht in Marthas Erfahrung ein, sie gab ihr ein Bild, das sie nehmen konnte oder nicht, und das der Erforschung bedurfte, um sein Wesen zu zeigen. Später wurde mir klar, dass die Führung seit dem Zeitpunkt des Traumas als Beschützerin des verletzlichen Anteils gewirkt hatte, aber so lange wartete, bis sie in ihr Bewusstsein gebeten wurde. Ich bin mir nicht sicher, warum Führung oft wartet, bis sie eingeladen wird, aber ich habe ähnliche Beschreibungen des Wesens spiritueller Führung in vielen spirituellen Traditionen gefunden.

Was kann den Austausch mit Führung begünstigen?


Nancys Frage, ob das Licht eine Stimme habe, war hilfreich bei der Erforschung der inneren Führung, die manchmal mit einer Stimme zu uns spricht. Ein andermal geht Verständigung über eine gefühlte Ahnung oder ein Bild, das aufsteigt. Nancys Einladung war hilfreich, da sie einen Austausch eröffnete und Martha...



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