Holtkamp Verblöden unsere Kinder?
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-7666-4103-8
Verlag: Butzon & Bercker
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Neue Medien als Herausforderung für Eltern
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-7666-4103-8
Verlag: Butzon & Bercker
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Längst haben Medien die Kinderzimmer erobert.
schülerVZ, Chatrooms, E-Mails und Handys
sind für Kinder und Jugendliche selbstverständliche
Wegbegleiter in ihrem Alltag. Viele Eltern
fühlen sich angesichts der Medienflut
überfordert und können kaum noch mithalten.
Welchen Einfluss haben die Medien auf
die Erziehung? Sind sie gar die heimlichen
Erzieher?
Wenn Kinder in einer Gesellschaft aufwachsen,
in der Multimedia, Fernsehen, Computer
und Internet selbstverständlich sind, kann die
Alternative nicht lauten, Kinder davon fernzuhalten.
Die eigentliche pädagogische Herausforderung
lautet: Erziehung der Kinder zur
Medienkompetenz!
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;5
2;Einleitung;9
3;1. Kinder und Jugendliche in der Mediengesellschaft;17
3.1;„Medienkids“;18
3.2;Aufwachsen in der Mediengesellschaft;24
3.3;So nutzen unsere Kinder Medien;31
3.4;Jugendliche sind multimedial vernetzt;36
4;2. Wenn „Sex und Crime“ den Alltag beherrschen;45
4.1;Die Suche nach den Medienwirkungen;47
4.2;Wie unser Gehirn Medienbilder verarbeitet;52
4.3;Macht Fernsehen dumm und dick?;59
5;3. Wie Handys unser Leben verändern;69
5.1;„Nichts geht ohne mein Handy“;70
5.2;Mobbing, Gewalt und Pornografie – die andere Seite der Handynutzung;74
5.3;Brauchen Kinder und Jugendliche eine Handykompetenz?;78
6;4. Im Sog der Computerspiele;81
6.1;Wenn das Blut in Strömen fließt – Ego-Shooter;85
6.2;Spielplatz Internet;89
6.3;Wie gefährlich sind Computerspiele?;91
7;5. Das neue Internet (Web 2.0);97
7.1;Communities erobern das Netz – SchülerVZ, StudiVZ und Co.;101
7.2;Elektronische Briefe und ICQ;111
7.3;Die Tophits aus dem Netz;115
7.4;„Mein Tagebuch im Internet“ – die Blogger;119
7.5;„Mein zweites Leben“ – Second Life;122
7.6;Vom Konsumenten zum Produzenten – Foto, Video und Audio;126
7.7;„Findest du mich nett?“ – Chatten;128
7.8;Schnäppchen oder Falle? – Kaufen im Internet;134
7.9;Werbeplattform Internet;137
8;6. Die hässliche Seite des Internets;141
8.1;Vorsicht: Datenklau und Spionage;144
8.2;Falsche Freunde – Cybermobbing;148
8.3;Hetze und Pornografie;150
8.4;Gewalt – nicht nur Quotenjäger im Fernsehen;154
8.5;Diagnose: Computersüchtig!;157
9;7. Leben in der Mediengesellschaft;167
9.1;Gibt es die „heile“ Kinderwelt?;168
9.2;„Lesen kommt vor Zocken“;172
9.3;Das „Wissen der Welt“;176
9.4;Schlau durch Computer und Internet?;179
9.5;Damit Eltern den Anschluss an die Mediengesellschaft nicht verlieren;184
9.6;Medienerziehung ist notwendiger denn je;189
9.7;Werteorientierung im Mediendschungel;198
10;8. Die Trauer bleibt! – Zum Amoklauf in Winnenden;203
11;Anhang;211
11.1;Eigene Mediennutzung;211
11.2;Fragebogen Kindersendungen;212
11.3;Persönliche Medienvorlieben;213
11.4;10 Tipps zum Umgang mit dem Fernsehen;214
12;Kommentierte Links;217
12.1;Fernsehen;217
12.2;Computerspiele;218
12.3;Handy;218
12.4;Medienkompetenz;219
12.5;Medienforschung;219
12.6;Schule;219
12.7;Internetportale für Kinder;221
12.8;Jugend;223
12.9;Jugendschutz;224
12.10;Beratung;226
13;Glossar;229
14;Ausgewählte Literatur;237
3. Wie Handys unser Leben verändern
„Ich bin gerade aus dem Zug gestiegen, gehe nun zum Imbissstand und bin in zehn Minuten zu Hause“, so oder ähnlich schallt es vielfach an Bahnhöfen. Das Handy verändert heutzutage die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit wie noch nie zuvor. Müssen wir vom Sitznachbarn wissen, welche Umsatzzahlen das Unternehmen für 2010 anvisiert und wie das Abendessen mit den Geschäftskunden gewesen ist? Ist es da überraschend, wenn in den Zügen handyfreie Waggons ausgewiesen werden? Doch nicht nur das Telefonieren an öffentlichen Plätzen in aller Lautstärke ist für viele Menschen ein Ärgernis, es geht noch schlimmer, wenn beispielsweise ohne Zustimmung der Beteiligten per Handy Videoaufnahmen gemacht werden, die später im Internet zu sehen sind. Sind das Ausnahmen? Leider nicht. Da machen sich Leute auf Kosten anderer einen Spaß, und das Internet ist voll mit solchen Videos.
Eine weitere Erscheinung ist die „Abzocke“ von Kindern und Jugendlichen mit angeblich günstigen Handyverträgen, die sich im Nachhinein als äußerst kostspielig herausstellen. Zwar konnten die Verbraucherschutzzentralen in einigen Fällen helfen, es gab und gibt aber auch viele Fälle, in denen die horrenden Kosten bezahlt werden mussten. Diese Geschäftemacher versuchen mit allerlei Tricks, die Kunden dazu zu bringen, teure SMS-Dienste und Rufnummern zu wählen. Die Masche ist simpel und doch effektiv: Angebliche Bekannte schicken eine SMS und fordern zur Rückmeldung auf. Antwortet der Jugendliche darauf, landet er meistens in Chats mit teueren Folgekosten. Eine andere Masche ist es, Jugendliche per SMS aufzufordern, eine bestimme Nummer zu wählen, da er/sie angeblich einen Preis gewonnen habe. Den Gewinn gibt es zwar nicht, dafür aber eine happige Telefonrechnung.
Das Versenden einer SMS ist in der Regel kostengünstig, bei den Abzockern handelt es sich jedoch nicht um herkömmliche SMS, sondern um sogenannte „Premium SMS“, die zwischen zwei und fünf Euro pro Stück kosten. Die Preisstaffelung ist hier selbstverständlich nach oben offen.
Die Kostenfalle Handy ist durchaus real und so mancher Jugendlicher hat schon einmal ungewollt ein Abo per SMS abgeschlossen. Die Anbieter sind zwar gesetzlich verpflichtet, Kosten für eine Premium-SMS (ab zwei Euro) ebenso wie für den Abschluss eines Abos anzugeben, diese Informationen werden jedoch gerne so unauffällig wie möglich dargestellt. Man sollte daher diese Angebote immer sehr aufmerksam prüfen.
Trotz dieser Risiken: Handys sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und nicht nur bei Jugendlichen die täglich genutzten multimedialen Kommunikationsinstrumente.
„Nichts geht ohne mein Handy“
Bereits 44 Prozent der sechs- bis 13-jährigen Kinder können ein Handy ihr Eigen nennen und schon ein Sechstel der Sechs- bis Siebenjährigen verfügen über ein Mobiltelefon. Juristisch betrachtet gehören die Handys den Erziehungsberechtigten, insofern gehen auch die Angaben zwischen Erziehungsberechtigten und Kindern über den Besitz in der KIM-Studie etwas auseinander (vgl. KIM-Studie, 2006, S. 49).
Wer ein Mobiltelefon besitzt, benutzt es auch. Über 80 Prozent von Deutschlands Kindern erhalten im Durchschnitt einen Anruf pro Woche.
Bei der Handynutzung stehen an erster Stelle SMS-Nachrichten: 85 Prozent erhalten mehrmals pro Woche Kurzmitteilungen und 78 Prozent der Jugendlichen versenden solche. Danach folgt das Telefonieren (79 Prozent werden angerufen, 63 Prozent rufen an), 40 Prozent nehmen Filme und Fotos auf.
Beim Nutzungsverhalten lassen sich Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen beobachten: Letztere nutzen die Funktion der SMS intensiver und fotografieren mehr, Erstere spielen häufiger und verwenden die technischen Features (vgl. JIM, 2007, S. 57).
Wie gut die Jugendlichen untereinander vernetzt sind, zeigt die Anzahl der eingespeicherten Telefonnummern: Die Zwölf- bis 13-Jährigen haben 54 Nummern in ihrem Handy eingespeichert, bei den Zwölf- bis 19-Jährigen sind es im Durchschnitt 78 Einträge – mit fortschreitendem Alter erhöht sich auch die Anzahl der Nummern (vgl. JIM, 2007, S. 59).




