E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Katsuya
Hope / Sternfederverlag Katsuya - Sei Mein
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69157-014-4
Verlag: Sternfeder Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Band 1 der Dark Romance Reihe
E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Katsuya
ISBN: 978-3-69157-014-4
Verlag: Sternfeder Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
'Trau dich endlich und schreibe deine ersten Wörter', flüsterte ihr damals eine leise Stimme ins Ohr. Und so tippte S.M. Hope zaghaft und schüchtern ihre ersten Wörter. Ein wahrer Kontrast zu ihren Geschichten, denn diese sind frech, spicy und dark. Liebesgeschichten mit Hindernissen, dunklen Geheimnissen und gemeine Cliffhanger sind ihre Leidenschaft.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
„Ich will aber nicht ins Krankenhaus. Wie stellt ihr euch das bitte vor? Wohin mit Maja?“ Ob ich mich wie ein trotziges Kind anhöre? Definitiv, aber diese Situation überfordert mich. Frustriert raufe ich mir meine dunkelbraunen langen Haare.
„Sophie! Sei doch bitte vernünftig. Denk an deine Gesundheit! Das bekommen wir schon irgendwie hin.“ Irgendwie … Majas Oma schaut mich mitfühlend an. Auch wenn meine Beziehung mit ihrem Sohn kläglich gescheitert ist, hält sie zu mir. Wie häufig standen wir schon so zusammen? Hier in meinem viel zu engen Flur. Ich, verzweifelt und den Tränen nahe. Sie, mit einem mitleidigen Blick auf der Suche nach den richtigen Worten. Viel zu oft, um es mitzählen zu können.
Sophie! Reiß dich zusammen, ermahne ich mich selbst im Stillen, als ich Majas Oma mustere. Majas Oma – wie lange habe ich schon ihren Namen nicht mehr genannt? Ich bekomme ihn nicht über die Lippen, zumindest noch nicht, aber irgendwann … Meine Augen schauen direkt in ihre. Die letzten Jahre sind nicht spurlos an ihr vorbeigezogen. Sie ist stark ergraut und Sorgenfalten zieren ihr Gesicht. Von ihren lebensfrohen blauen Augen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Ja, die letzten Jahre haben sie definitiv verändert – mich aber ebenso. Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken.
„Komm, lass uns bitte nicht weiter darüber diskutieren. Pack deine Sachen und ich fahre dich. Mach dir um den Rest bitte keine Sorgen.“ Gerade noch rechtzeitig reißt sie mich aus den Gedanken. Die Erinnerungen an meine Vergangenheit würde ich am liebsten aus meinem Gedächtnis löschen, für immer … Jetzt ist aber nicht die Zeit, mich damit zu befassen. Gekonnt schiebe ich die dunklen Bilder beiseite, lächle stattdessen und schlängle mich an ihr vorbei, Richtung Schlafzimmer. Unglaublich, dass mich eine lächerliche Mandelentzündung so aus der Bahn wirft. Seit drei Wochen schleppe ich sie bereits mit mir rum. Zwei Antibiotika wurden mir bisher verschrieben, aber keines davon hat angeschlagen und nun soll mir ein drittes intravenös verabreicht werden. Genervt stopfe ich fünf Höschen, zwei Schlafanzüge, zwei Jogginganzüge, ein T-Shirt, verschiedene Socken und Hygieneartikel in eine Tasche. Handy, Ladekabel und ein Buch kommen in die Handtasche.
„Mehr nimmst du nicht mit?“, fragt Majas Oma mich verunsichert. Ich verdrehe innerlich die Augen, schüttele aber nur den Kopf. Sie meint es nur gut, das weiß ich, aber mein Plan ist es, nicht länger als drei Tage zu bleiben. Länger will und kann ich Maja nicht allein lassen. Obwohl sie mittlerweile schon fast neun Jahre alt ist, wird sie immer mein kleines süßes Mädchen bleiben, das ich um jeden Preis beschützen möchte.
Während der Fahrt sprechen wir kein Wort miteinander. Sie ist auf die Fahrbahn konzentriert und ich lasse meinen Blick durch das Beifahrerfenster schweifen. Immer weiter entfernen wir uns von der ländlichen Idylle und fahren Richtung Stadt. Umso größer die Entfernung von meiner Wohnung wird, desto größer wird das mulmige Gefühl in meinem Bauch, verursacht durch unzählige Gedanken und Sorgen, die mir im Kopf herumschwirren. Die größte Sorge gilt Maja. Wir sind es nicht gewohnt, länger als eine Nacht voneinander getrennt zu sein. Was ist, wenn sie nachts wach wird und mich vermisst? Ich kann nicht bei ihr sein und sie in den Arm nehmen. Dieser Gedanke zerreißt mich jetzt schon. Sie ist alles, was mir geblieben ist und der Grund, warum ich mich damals aus der Hölle befreien konnte. Sie gab mir die nötige Kraft zum Kämpfen und daran wird sich auch nie etwas ändern. Maximal drei Tage, dann bin ich wieder bei ihr. Diesen Satz wiederhole ich in meinen Gedanken immer wieder und versuche, mich selbst damit zu beruhigen. Meine Nervosität steigt mit jedem verdammten Meter, dem wir uns dem Krankenhaus nähern. Unruhig rutsche ich auf dem Sitz hin und her und mein Blick wandert vom Beifahrerfenster herunter zu meinen Händen. Ernüchternd stelle ich fest, dass zwei von den verführerischen, rot lackierten Fingernägeln während der Autofahrt bereits abgebrochen sind. Richtig gelesen, verführerisch. Ja, ich bin zwar Mama, aber dennoch schlummert auch noch eine andere Seite in mir. Eine Frau, die es liebt, den Männern mit ihrem Sexappeal den Kopf zu verdrehen. Selbstverständlich hat sich mein Sexleben im Laufe der Jahre etwas verändert, denn damals bestand meine Abendroutine aus wildem und hemmungslosem Sex und nun? Aus Hausaufgabenkontrolle, Abendessen zubereiten, Kuschelzeit und hin und wieder mit einer Einschlafbegleitung, in der ich meist selbst mit einschlafe. Ich möchte mich nicht beschweren, ich liebe Maja über alles und würde niemals etwas über sie stellen, erst recht keinen Mann. Aber ja, in mir existiert immer noch die verdorbene und von Lust geleitete Seite und ich genehmige mir hier und da ein heißes Abenteuer, sofern es die Zeit zulässt.
Wehmütig blicke ich ein letztes Mal auf meine rot lackierten Nägel, bevor der weiße, große, hässliche Krankenhauskomplex meine komplette Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Fassade ist größtenteils in Weiß gehalten und die türkisen Farbakzente des sonst so tristen Gebäudes sollen es einladender wirken lassen. Leider ohne Erfolg – zumindest was meine Wenigkeit betrifft. Zwei junge Frauen laufen lachend an unserem Auto vorbei und eine von ihnen hält einen dicken Blumenstrauß in der Hand. Die Glücklichen. Sie statten nur jemandem einen Besuch ab und dürfen dann wieder nach Hause. Nach Hause … Der sarkastische Teil in mir wird laut: Freu dich, Sophie. Endlich raus aus dem Alltagsstress. Schlafen und lesen, wann ich möchte. Und so viel Netflix schauen wie schon seit Jahren nicht mehr. So gesehen eine intensive Me-Time – bloß halt im Krankenhaus. Aber nein, viel lieber wäre ich gesund und im stressigen Alltag. Ich atme ein letztes Mal tief ein, drücke Majas Oma fest und bedanke mich fürs Fahren.
Widerwillig gehe ich in den hässlichen Komplex und werde sofort von dem typischen Geruch nach Krankenhausessen und Desinfektionsmittel erschlagen. Schon allein das genügt, dass ich am liebsten auf der Stelle wieder umkehren und die Flucht ergreifen möchte. Dieses Mal verkneife ich es mir, tief einzuatmen, und gehe direkt zur Anmeldung. Dort sitzt eine desinteressierte ältere Frau. Ich gehe lächelnd auf sie zu, begrüße sie und zeige ihr meine Einweisung.
„Da vorne bitte!“, antwortet sie mürrisch, ohne mich dabei wirklich zu beachten, und zeigt mit ihrem Zeigefinger hinter mich auf den Wartebereich. Okay, das fängt schon mal gut an. Dennoch bedanke ich mich freundlich und nehme in dem mir zugewiesenen Bereich Platz. Zum Glück bin ich die Einzige dort und hoffe, dass dadurch meine Wartezeit kurz ausfallen wird. Ich beginne, die Frau von der Anmeldung zu mustern. Sie hat kurz gelocktes, grau-blondes Haar, vermutlich eine Dauerwelle. Ihre schmalen Lippen betont sie mithilfe von knallig pinkem Lippenstift, allerdings ist dieser Farbton meiner Meinung nach viel zu grell. Passend zu ihrer Lippenstiftfarbe sind ihre Fingernägel lackiert. Fröhlich leuchtend – also das komplette Gegenteil zu ihrer momentanen miserablen Laune. Beim genaueren Betrachten erkennt man allerdings, dass sich Traurigkeit in ihren Augen widerspiegelt und sie ihre Lippen fest aufeinandergepresst hat. Ihre patzige Antwort eben hatte also rein gar nichts mit mir zu tun. Ein Punkt, an dem ich auf jeden Fall auch arbeiten sollte und muss – keine Sachen auf mich projizieren. Ich muss damit aufhören, mich ständig für alles verantwortlich zu fühlen, denn das bin ich nicht. Wenn jemand patzig antwortet oder schlechte Laune hat, bin ich nicht automatisch verantwortlich dafür. Auch wenn es Jahre gedauert hat, habe ich zumindest den Ursprung dieses Problems mittlerweile erkannt – meine Kindheit. Meine Mutter war launisch, narzisstisch und unberechenbar. Was auch immer bei ihr scheiße lief – ich war der Sündenbock – und das bekam ich auch mehr als deutlich zu spüren. Leider ähnelt mein Ex ihr in diesem Punkt sehr. Ja, die Vergangenheit prägt einen. Auch wenn man versucht, davor wegzulaufen, in bestimmten Situationen holt sie dich immer wieder ein. Katapultiert dich immer wieder zurück und längst totgeglaubte Verhaltensmuster dringen erneut durch. Der Schmerz sitzt tief in mir und das Päckchen, das ich mit mir rumschleppe, ist an manchen Tagen viel zu schwer für mich. Doch im Laufe der Jahre habe ich zumindest eines gelernt: den Schmerz und die Enttäuschung hinter dem strahlendsten Fake-Lächeln zu verstecken.
Plötzlich wird neben mir die Tür aufgerissen und ein junger Arzt bittet mich ins Behandlungszimmer.
Ich habe mich zwar erschrocken, stehe aber auf und begrüße ihn lächelnd. Mit pochendem Herzen betrete ich das Zimmer, stelle meine Tasche neben dem Behandlungsstuhl ab und nehme Platz. Er wirft einen kurzen Blick auf die Einweisung.
„Na dann wollen wir mal schauen“, sagt er in einer widerlichen und viel zu hohen Tonlage. Er grinst breit und entblößt so seine viel zu weißen Zähne. Gegen meinen Willen fange ich an, ihn zu mustern. Wenn ich sein Alter schätzen müsste, dann würde ich auf Mitte 30 tippen. Seine blonden Haare hat er streng nach hinten gestylt und trägt unter seinem Arztkittel ein weißes Marc-O’Polo-Shirt. Selbstverständlich ist der Kittel offen, damit jeder das Logo gut sehen kann. Dazu eine enge Skinny-Jeans. Wer hat sich so etwas nur ausgedacht? Die dicke Rolex an seinem linken Handgelenk funkelt mehr, als...




