E-Book, Deutsch, Band 4, 0 Seiten
Reihe: Die Bäckström-Serie
Hunt Der dunkle Kreuzzug
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-15117-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 4, 0 Seiten
Reihe: Die Bäckström-Serie
ISBN: 978-3-641-15117-1
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich haben die Menschen und die vogelähnlichen Zor eine Möglichkeit gefunden, die insektoiden Vuhl-Gestaltwandler wirksam zu bekämpfen. Die Zor nennen es „Die Kraft des Wahnsinns“, es handelt sich dabei um Hass in seiner konzentriertesten Form. Owen Garret, der diese Mentalwaffe entdeckt hat, gibt sein Wissen an den geheimnisvollen John Smith weiter. Der erkennt seine Chance und ruft die Bewegung „Flammender Stern“ ins Leben, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Vuhl vollständig auszurotten. Doch Smith hat noch weitaus ehrgeizigere Pläne. Seine Gefolgsleute unterwandern den Geheimdienst und die Flotte, um die Macht im Sol-Imperium an sich zu reißen und auch die Zor auszulöschen. Nur eine Handvoll Menschen und Zor versucht, den Holocaust und eine neue Diktatur zu verhindern. Doch auch sie ahnen nicht, dass sie von einer Macht manipuliert werden, die weit jenseits ihres Horizonts agiert …
Walter H. Hunt, 1959 in Massachusetts geboren, arbeitete lange Jahre als Programmierer, bevor er sich dem Schreiben widmete. Mit seinem ersten Roman „Die dunkle Schwinge“, dem Auftakt zu einer großen SF-Abenteuer-Serie, landete er auf Anhieb einen großen Publikumserfolg.
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
Das Sol-Imperium hatte eine Position bezogen, die es ihm erlaubte, einen Krieg fortzuführen, der von Menschen ausgetragen wurde, die nie etwas anderes gekannt hatten. Nach einer Generation war sogar ein Zustand erreicht, dass diejenigen, denen noch der Frieden vertraut gewesen war, fast schon vergessen hatten, wie er sich anfühlte.
Autor unbekannt
Der Dunkle Kreuzzug und seine Geschichte
Frühes Fragment, erschienen ca. 2430
Februar 2422
Tamarind-System
Im befremdlichen Halblicht, das im Korridor des Alien-Schiffs herrschte, wandte sich Sergeant Sam Navarro zu seinem Trupp Imperialer Marines um. Da sich im Visier seines Helms ein Farbenwirbel spiegelte, der gut einen Meter entfernt war, ließ sich sein Gesicht kaum erkennen.
»Das ist es«, sagte er. »Alle bereit?«
Rückmeldungen kamen über sein Anzug-Kom. Die Männer und Frauen sahen müde und abgekämpft aus, und das aus gutem Grund: Seit fast vier Stunden hielten sie sich bereits auf dem nur halb fertigen Schwarmschiff auf und bahnten sich langsam ihren Weg hindurch von der Stelle aus, an der ihr Landefahrzeug die Hülle durchdrungen hatte.
Alan Howe, Fühlenden-Spezialist Nr. 9, machte von allen den erschöpftesten Eindruck. Er stand so ruhig da, wie er nur konnte, und Navarro vermutete, dass er alle Mühe hatte, die Stimmen auszublenden, die zweifellos die ganze Zeit über auf ihn eindrangen, während sie weiter vorrückten.
»Colonel Howe?«
»Bin noch hier, Sam.« Die Stimme kam nur leise über das Kom. »Es will zwar, dass ich ganz allein die Tür einrenne, aber … es geht mir gut.«
»Wir machen das genau nach Plan, Sir«, entgegnete Navarro. »Sie erledigen Ihren Teil, wir kümmern uns um unseren.«
»Hört sich gut an.«
»Becker und Czernowski sind in Position.« Navarro hielt einen Handschuh an sein rechtes Ohr, als wolle er damit andeuten, dass er mit ihnen in Kom-Kontakt stand. »Wir sind alle in Position. Auf mein Zeichen, Ladies and Gentlemen.«
Es folgte ein Moment unnatürlicher Stille. Howe straffte die Schultern, als sammele er Kraft.
»Jetzt«, sagte Navarro und eröffnete das Feuer auf die Wand vor ihnen. Die anderen folgten seinem Beispiel und richteten den Beschuss auf die gleiche Stelle, bis sich die Wand zu spalten begann. Navarro und seine beiden besten Schützen sprangen als Erste durch die Öffnung, rollten sich nach vorn ab und feuerten gleichzeitig um sich, dann folgten ihnen die anderen. Im gleichen Augenblick brach auch Beckers Trupp in einem Winkel von neunzig Grad zu Navarros Leuten durch und feuerte in den kreisrunden Raum.
Unmittelbar nachdem Navarros Vorhut in den Kontrollraum des Schwarmschiffs vorgedrungen war, folgte ihnen Alan Howe mit gezogener Pistole. Die war jedoch nicht seine vorrangige Waffe; vielmehr kämpfte er mit seinem Verstand, um die mentalen Attacken der Vuhl abzuwehren. Von dem Moment an, da sie an Bord des Schiffs gelangt waren, hatte er ihre beharrlichen Stimmen in seinem Kopf vernommen. Besonders eine von ihnen war so hartnäckig, dass sie schließlich alle anderen verdrängt hatte und in schmachtendem Tonfall auf ihn einredete. Unmittelbar bevor sie in den Kontrollraum eindrangen, war sie plötzlich verstummt.
Die Brücke war in aktinisches blaues Licht getaucht. Für das menschliche Auge wirkten die Kurven und befremdlichen flachen Winkel äußerst merkwürdig. Wände und Decke wurden abwechselnd von farbigen Lichtwirbeln beleuchtet, die sich mal bewegten, mal kurz anhielten und sich dann weiterbewegten. Es gab weder Monitore noch Tische oder gar Stühle, stattdessen kreisrunde Projektionen und unregelmäßig geformte feste Objekte, die mitten in der Luft schwebten. Der Boden war eine klebrige Masse, die träge gegen die Stiefelsohlen schwappte und über die man besser nicht nachdachte.
Mittendrin stand eine Vuhl-Drohne, in einen eng anliegenden, transparenten Druckanzug gehüllt. Alan hatte noch nicht allzu viele lebende Exemplare gesehen, und erst recht keines aus so geringem Abstand. Nur ein Vuhl war je lebend gefasst worden, im ersten Jahr des Krieges. Er war in der Gefangenschaft an einer Art Schlaganfall gestorben.
Der längliche mattschwarze Insektenleib wurde von vier kräftigen Beinen getragen, die wie beim Menschen jedes ein Kniegelenk aufwiesen. Die vordere Hälfte des Rumpfs war vertikal aufgerichtet, zwei Arme wuchsen daraus hervor, die in Hände mit mehreren Fingern ausliefen. In diesen Händen hielt der Vuhl eine transparente Kugel – eine Art Kontrollgerät, wie Alan vermutete. Der Kopf war wie ein abgerundeter Kegel geformt, zwei Augenstiele ragten daraus hervor, die innerhalb der den Schädel umgebenden Blase des Druckanzugs ständig in Bewegung waren. Das Gesicht war vor allem von einem großen Maul mit Reißzähnen sowie gefährlich aussehenden Beißzangen geprägt.
Alan, hörte er in seinem Kopf. Willkommen.
Die Stimme hallte aus allen Winkeln seines Verstands wider. Es war, als würde alles in diesem Raum gleichzeitig zu ihm sprechen, als würden die Worte seine Stiefelsohlen und die klebrige Masse auf dem Boden darunter durchdringen, als würde die Stimme durch das Energiefeld seines Schutzanzugs zucken.
Aus einer Entfernung von nur wenigen Metern war die Macht der Drohne fast unglaublich intensiv; sie hatte die gut fünfzehn Marines im Raum längst in ihren Bann geschlagen. Navarros und Beckers Trupps waren stehen geblieben, die Waffen hielten sie im Anschlag, doch sie waren mitten in ihrer Bewegung erstarrt.
Bis auf Alan Howe regte sich niemand mehr.
Das ist nicht gut, dachte er.
Kommen Sie näher, sagte die Drohne.
Nein, danke, erwiderte er. Ich bleibe, wo ich bin. Es kam ihm vor, als würde er gegen einen Sturm anbrüllen.
Einen Moment lang nahm Alan den Fetzen eines visuellen Eindrucks wahr: ein transparenter Würfel, gefüllt mit vielfarbigem Nebel, in dem weit oben eine silberne Sphäre trieb. Aus dem Inneren drang ein raues, kratzendes Geräusch, es klang wie … wie Gelächter?
Der Ór will Sie genauer untersuchen, sagte die Drohne. Er ist bereit zu …
Bereit zu was? Eigentlich wollte Alan auf diese Frage gar keine Antwort hören. Was der Ór sein sollte, war ihm zwar nicht klar, aber so bald musste er das auch nicht erfahren.
Er hoffte, General Agropoulous an Bord der Kenyatta II beobachtete aufmerksam, was sich hier abspielte, und schickte Verstärkung auf den Weg.
Der tosende Wind in seinem Geist flaute plötzlich ab. Die gedankliche Form von Belustigung wich einer anderen, die Zurückhaltung, Vorsicht, ja, sogar Angst vermittelte.
Das sonderbare Bild des Würfels verschwand.
Nein, sagte die Drohne in Alans Kopf. Nein …
Er war in der Lage, zur Seite zu schauen. Sam Navarros erstarrte Gestalt zuckte ein wenig, als würde sich der Griff der Drohne allmählich lockern.
Ein Licht blitzte auf, ein grelles Licht, das einen Moment lang blendete und aus allen Farben des Regenbogens bestand. Und dann brach die Hölle los: Waffen wurden abgefeuert, die zuvor unter dem Einfluss der Drohne auf die Marines blockiert gewesen waren, und trafen die Kreatur aus allen Richtungen mindestens zwei Dutzend Mal.
In Howes Verstand wurden die Schreie der Drohne durch die Projektionstechnik um ein Vielfaches verstärkt. Doch ihre letzten Worte brannten sich in sein Bewusstsein ein: Es ist besser zu sterben, als den Zerstörer zu wecken.
Dann verlor er zum Glück das Bewusstsein.
»General.«
Jim Agropoulous drehte sich um und sah Gyes’ru HeKa’ans gezogenes chya, das dieser nur wenige Zentimeter über der Brust des Patienten im Krankenbett hielt. Der Patient hatte die Augen geöffnet, doch von einem gelegentlichen Blinzeln abgesehen zeigte er keinerlei Regung. Es war offensichtlich, dass er wusste, welche Gefahr von der Klinge des Zor für ihn ausging.
»Name«, forderte Jim und stellte sich ans Fußende des Betts.
»Alan Cleon Howe«, antwortete der Mann im Bett und sah von dem ihm drohenden Zor zum General, der ihn soeben angesprochen hatte.
»Dienstgrad.«
»Hören Sie, Jim, Sie wissen …«
»Dienstgrad«, wiederholte der General.
»Fühlenden-Spezialist Nr. 9. Colonel, Imperiale Armee.«
»Dienstnummer und Posten.«
»392AH2397–04 143 – 209. Sonderattaché der Gruppe 127 der Imperialen Marines.«
»Zitieren Sie Abschnitt 124 des Militärgesetzbuchs. Beginnen Sie mit Absatz zwei.«
»Wie bitte?«
»Sie haben mich verstanden. Also lassen Sie hören.«
»Ich habe keine Ahnung, was in Abschnitt 124 steht, Jim, und das wissen Sie. Könnten Sie dann se Gyes’ru bitten, sein chya zurück in die Scheide zu stecken, bevor er irgendjemanden verletzt – insbesondere mich?«
»Also gut.« Jim Agropoulous seufzte und nickte dem Zor zu. »Stecken Sie die Klinge weg, se Gyes’ru. Er ist es wirklich.«
Der Zor-Krieger kam der Aufforderung nach, schob das chya in die Scheide und nahm eine entspanntere Haltung ein, während er einen Schritt nach hinten ging. »Ich bitte achttausendmal um Entschuldigung, se Alan. Sie verstehen die Notwendigkeit.«
»Ja, natürlich.«
Jim setzte sich auf die Bettkante. »Ich schwöre, wenn Sie angefangen hätten, aus dem Gesetzbuch zu zitieren, dann hätte ich Sie...




