James | Sie sehen mit dem Herzen, Mylord! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 0566, 256 Seiten

Reihe: Historical MyLady

James Sie sehen mit dem Herzen, Mylord!


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6341-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 0566, 256 Seiten

Reihe: Historical MyLady

ISBN: 978-3-7337-6341-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Kutschenunfall in einer eiskalten Winternacht beschert Beatrice ein unvergessliches Erlebnis: Sie und ihr Mitreisender Lord Taris Wellingham müssen in einer abgelegenen Scheune Unterschlupf suchen, wo sie sich überraschend schnell näher kommen. In seinen starken Armen, unter seinen zärtlichen Berührungen erwacht in ihr eine nie gekannte Leidenschaft. Doch als der Morgen graut, blickt Taris ihr nicht in die Augen. Voller Scham glaubt Beatrice, dass der Lord sie für zu unscheinbar hält und die Liebesnacht bereut. Sie ahnt nichts von seinem düsteren Geheimnis ...



Romane von Georgette Heyer prägten Sophias Lesegewohnheiten. Als Teenager lag sie schmökernd in der Sonne auf der Veranda ihrer Großmutter mit Ausblick auf die stürmische Küste. Ihre Karriere als Autorin nahm jedoch in Bilbao, Spanien, ihren Anfang. Nachdem ihr drei Weißheitszähne gezogen wurden, lag sie aufgrund starker Schmerzmittel tagelang flach. Die Zeit vertrieb sie sich mit einem Stoß Mills & Boons-Romane. Unter dem Einfluss der Medikamente dachte sie, so etwas kann ich auch schreiben. Nach mehreren Romanen, die in der Reihe Harlequin Historical erschienen sind, ist sie der Meinung, endlich ihren Traumberuf gefunden zu haben. Aber genauso wie das Schreiben genießt sie die Besichtigung von europäischen Kunstschätzen mit ihrem Ehemann, einem Maler. Ihre drei fast erwachsenen Kinder, zahlreiche Haustiere und Hausrenovierungen, die nie vollständig abgeschlossen sind, verschaffen ihr den nötigen Ausgleich zu ihrer Autorentätigkeit.
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2. KAPITEL

Als sie eine halbe Stunde später ins Freie schlüpften, hatte sich das Wetter weiter verschlechtert. Sorgsam setzte Taris Wellingham den Wagenschlag wieder an Ort und Stelle und verstopfte die Lücken, die er rechts und links ertastete, mit Schnee.

In gewissem Sinne war Beatrice erleichtert, von der Kutsche fortzukommen und etwas zu tun, denn in der extremen Kälte war das Warten schlimmer als dieser gemeinsame Vorstoß, tätig zu werden, wenn auch ihr Herz schneller schlug vor Angst, dass der Sturm sie abdrängen und sie sich im Dunkeln verirren könnte.

Als ob der Mann ihre Gedanken gelesen hätte, streckte er eine Hand aus und legte sie über die ihre, zog sie so mit sich zu den Pferden, die sichtlich unruhig waren.

Taris ließ seine Finger über den Kopf des großen kräftigen Grauen direkt vor ihm gleiten und über die Seite bis hinab zum ledernen Geschirr, das von der Kälte ganz steif war.

„Sie nehmen dieses.“

Er bot ihr seine verschränkten Hände als Steighilfe, und sie schwang sich ohne Rücksicht auf Anstand und Sitte im Herrensitz auf den Pferderücken. Fest fasste sie die Zügel und lenkte das Tier auf den Fahrdamm. Gott sei Dank hatte ihr Hut eine breite Krempe, die die Schneeflocken auffing und ein wenig vor dem Wind schützte. Sie sah zu, wie Taris ebenfalls aufsaß und sein Pferd zu ihr lenkte. Er trug nun wieder seinen Mantel, dazu, tief über die Ohren gezogen, einen Hut, den er sich von dem jungen Mann ausgeborgt hatte.

„Wir reiten nach Süden.“

Also in die Richtung, die sie sowieso verfolgt hätten, eine vernünftige Entscheidung, da auf der bisher zurückgelegten Strecke meilenweit keine Behausung, kein Gebäude am Wegrand zu sehen gewesen war.

Bitte, Gott, lass da ein Haus oder eine Scheune sein oder Reisende, die den Weg kennen. Bitte lass uns Wärme und Sicherheit finden und Männer, die die anderen retten. Gebetsmühlenartig wiederholte Beatrice diese Bitte an eine stets gegenwärtige, allmächtige Gottheit, wenn auch der Gedanke an all ihre anderen über die Jahre nicht erhörten Gebete sie ein wenig beunruhigte.

Nein, so etwas sollte sie nicht denken, denn nur dankbare Untertanen des Herrn wurden erhört. Hatte Frankwell das nicht immer gesagt? Bewusst schirmte sie ihren Geist vor der Erinnerung ab. Die Augen gegen das Schneetreiben zusammengekniffen beugte sie sich tief über den Hals des Pferdes, dessen Wärme ihr ein wenig Erleichterung von der Kälte verschaffte.

Eine Viertelstunde später wusste sie, dass sie es nicht schaffte. Ihr ganzer Körper war taub vor Kälte. Taris Wellingham auf dem Pferd neben ihr machte den Eindruck, als fühlte er sich keineswegs unwohl, obwohl er, wie sie wusste, viel dünner bekleidet war als sie. Der Mann war wohl an derart unwirtliches Wetter gewöhnt, nahm sie an. Ein Mann, der so sicher durchs Leben schritt, wie es nur angeborenes Selbstbewusstsein ermöglichte. So ganz anders, als es bei ihr war.

Als die Umrisse zweier Reitersleute aus dem Schneegestöber auftauchten, konnte sie kaum glauben, dass sie echt waren.

„Da … vor uns …“, schrie sie und zeigte aufgeregt mit der Hand, erstaunt, dass Taris Wellingham auf den Anblick noch nicht reagiert hatte. Rufe drangen zu ihnen, und sie warteten still, bis die beiden vor ihnen anhielten.

„Die Postkutsche aus Colchester ist nicht angekommen, deswegen wurden wir ausgeschickt. Gehören Sie zu den Reisenden?“

„Ja“, rief Taris, „aber die andern sind gut fünfzehn Minuten hinter uns. Ein Rad brach von der Achse …“

„Was ist mit den anderen Passagieren?“

„Einer tot, zwei sind noch im Wagen, dazu der Kutscher, schwer verletzt.“

Einer der Männer fluchte.

„Fünfzehn Minuten, sagen Sie? Wir müssen die Leute zu Bob Winters Hof bringen für den Rest der Nacht, aber das ist noch mal zwanzig Minuten von hier entfernt, und Sie sehen aus, als würden Sie das nicht überstehen.“

„Was ist mit der Scheune vom alten Smith?“, schrie der andere. „Die ist voll mit Heu und hat feste Wände.“

„Wo ist die?“ Taris Wellingham klang müde; beunruhigt sah Beatrice, dass die Platzwunde an seiner Schläfe noch immer blutete.

„Noch fünf Minuten weiterreiten, dann kommt, mit einem großen weißen Stein markiert, links ein Seitenpfad. Den nehmen Sie. Warten Sie in der Scheune auf Hilfe. Wir schicken jemanden, wenn es möglich ist.“

Wenn es möglich ist? Allein die Vorstellung brachte Beatrice auf. „Ich kann nicht …“

Doch die Männer hatten ihre Tiere schon wieder angetrieben, die Not, der eisige Wind und die dicke weiße Schneedecke ließen sie vorwärtsdrängen.

„Es ist unsere einzige Chance!“, meinte Taris, und ein heftiger Donnerschlag gab ihm recht. Beim nächsten Blitz stieg Beatrices Pferd; zwar konnte sie sich oben halten, doch begann ihre verletzte Lippe durch den Ruck wieder zu schmerzen. Tränen schossen ihr in die Augen und rannen ihr heiß über die Wangen, das einzig Warme in der Eiseswelt ringsum.

„Es tut mir leid.“ Als sie zu ihm sah, stellte sie fest, dass seine Miene unbeteiligt war. Er gehörte wohl zu den Männern, die Dramen nicht ausstehen konnten.

„Halten Sie Ausschau nach dem Pfad, Mrs. Bassingstoke. Wir müssen einfach nur die verdammte Scheune finden.“

Reizbar. Selbstherrlich. Hochfahrend.

Einem solchen Mann gegenüber Schwäche gezeigt zu haben war ihr widerwärtig. Sie wischte sich die Tränen an dem nassen Samt ihres Umhangs ab.

Der Pfad war nicht zu finden. Kein Stein als Hinweis, keine Fußstapfen, keine Lücke in den Hecken am Straßenrand, keine Wagenfurchen, die eine häufig befahrene Strecke vermuten ließen.

„Schauen Sie auch gründlich?“

Herrgott, das fragte er sie nun schon zum fünften Mal! Sie wunderte sich, warum er abgestiegen war und sein Pferd am Zügel führte. So dicht am Straßengraben ging er, dass er fast hineinzurutschen drohte. Tastete er mit den Füßen nach etwas? Wonach? Was suchte er? Warum ritt er nicht einfach zügig in die angegebene Richtung?

Noch während dieser Überlegung wurde ihr die Antwort klar! Die fünf Minuten waren längst vorüber; was, wenn sie den Pfad verfehlt hatten …?

Plötzlich ragte eine Baumreihe vor ihnen auf.

„Hier! Hier ist es!“

Er wandte sich ihr zu und wartete. „Wo? Was sehen Sie?“

„Bäume, eine Allee, zehn Schritt nach links.“

Der Stein war genau an der bezeichneten Stelle, doch von Schnee bedeckt und im Weiß der Umgebung kaum zu sehen, sodass man den Pfad, den er markierte, nur erkennen konnte, wenn man von ihm wusste.

Als Taris Wellingham mit den Füßen gegen den Stein stieß, beugte er sich weit darüber und schob – mit einer seltsam verhaltenen Geste, wie Beatrice fand – den Schnee mit vor Kälte blau gefrorenen Fingern hinunter. So in sich gekehrt wirkte er, dass er vor den schwankenden Bäumen im Wehen des Sturms und mit seinem flatternden weiten Mantel sehr bühnenhaft aussah. Ein Mann, gefangen in einer Sekunde der Zeit, die harten Flächen seines Gesichts gen Himmel erhoben wie im Gebet.

Gott sei Dank, wir haben die Scheune gefunden, dachte Taris Wellingham und spähte mit zusammengekniffenen Augen ins Dunkel, mühte sich so angestrengt, den Weg zu erkennen, dass ihm die Augen tränten.

Beatrice-Maude Bassingstoke, die hinter ihm geblieben war, hatte während der letzten Augenblicke kein Wort gesagt, doch er hörte, wie ihre Zähne erschreckend laut aufeinanderschlugen.

„Schaffen Sie es noch bis zur Scheune?“, fragte er. Er klang sehr besorgt.

„Natürlich.“ So kalt war ihr, dass die Silben nur stockend aus ihrem Mund kamen.

„Brauchen Sie Hilfe?“

„N…nein.“ Sie war den Tränen nahe.

„Sind Sie immer so widerborstig, Mrs. Bassingstoke?“ Mit Wut konnte er besser umgehen als mit Nöten, und die Erfahrung hatte Taris gelehrt, dass ein bisschen Verdruss Frauen Kraft verlieh.

Doch diese hier war anders; ihr Schweigen wurde nun von einem Schniefen unterbrochen, gedämpft, vermutete er, hinter dem dicken Samt ihres Umhangs.

Eine Frau am Ende ihrer Kräfte, und wer konnte es ihr verdenken? Sie war nicht in der Kutsche sitzen geblieben und hatte erwartet, dass andere sie retteten, oder hatte die Kälte beklagt oder den Unfall. Sie hatte nicht wegen des getöteten Mitreisenden gejammert und sich nicht beschwert, als sie ihren Sitz für den verletzten Kutscher ungefragt räumte. Nein, diese Frau war eine Lady, die sich jeder Schwierigkeit mit der Seelenstärke einer Person gestellt hatte, die allen Unbilden gewachsen war. Bis jetzt. Bis zum Schluss, da die warme Scheune winkte und die Hoffnung auf Sicherheit.

Im Krieg, in den Jahren auf dem Kontinent, hatte er Ähnliches erlebt, wenn Soldaten erst nach der Schlacht zusammenbrachen, fassungslos, weil sie unverletzt davongekommen waren, wo doch so viele andere sterben mussten.

Diesen Punkt schien Mrs. Bassingstoke erreicht zu haben.

Er wünschte, er hätte ihre Miene lesen können, um zu sehen, wie ihr zumute war, doch er hatte nichts als ihr leises Schnüffeln, woran er sich halten konnte.

Als sie mit jedem Schritt in tieferen Schnee gerieten, fragte Taris sich allmählich, wie weit es wohl noch war, allerdings sagte eine Luftströmung ihm, dass in der Nähe ein Gebäude sein musste, durch das der Wind Auftrieb bekam.

Außerdem hatte er inzwischen die Fähigkeit entwickelt, Gegenstände quasi zu erahnen; die anderen geschärften Sinne glichen den...



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