E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
Jarrett GRIFF NACH DEN STERNEN
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-769-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-95446-769-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine dunkle Nacht im Jahre 1772 vor der rauhen Küste Neuenglands. Heimlich schleicht sich die grazile Elza Raeburn in Männerkleidung an Bord eines Bootes, das ein englisches Schiff kapern soll, das vor der Küste gestrandet ist. Wie groß ist die Verblüffung des wettergegerbten Kapitäns Gardner Griffin, als er herausfindet, dass in den groben Seemannssachen ein bezauberndes Mädchen steckt. Doch so zerbrechlich, wie Eliza wirkt, ist sie nicht! Seit ihrer Kindheit unternimmt sie mit ihrem Vater beutereiche Schmuggelfahrten. Und kein Mann, auch nicht der herrische Gardner, soll ihr Befehle geben! Als er sie jedoch heftig küsst, wissen beide, dass dies der Anfang einer leidenschaftlichen Liebe ist, die sich jedoch in vielen gefährlichen Situationen bewähren muss. Auf Gardner, den Revolutionär gegen die Krone, ist ein hohes Kopfgeld ausgesetzt, und auch nach Eliza wird gefahndet. Immer wieder bringt Gardners Rivale Josiah Buck die beiden Liebenden in große Gefahr. Wenn Buck auch nicht ihre Heirat verhindern kann, so gelingt es ihm doch, Eliza auf ihrem Schiff an die Engländer auszuliefern. Nur noch ein gefährliches Segelmanöver könnte Gardner seine geliebte Eliza rettem...
Hinter dem Pseudonym Miranda Jarrett verbirgt sich die Autorin Susan Holloway Scott. Ihr erstes Buch als Miranda Jarret war ein historischer Liebesroman, der in der Zeit der amerikanischen Revolution angesiedelt war und 1992 unter dem Titel "Steal the Stars" veröffentlicht wurde. Seither hat Miranda Jarrett mehr als dreißig Liebesroman-Bestseller geschrieben, die in 11 Sprachen übersetzt wurden.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Providence, Rhode Island
Juni 1772
Zufrieden lächelnd sah Eliza Raeburn der Gruppe Hafenarbeiter zu, die das letzte Fass Rum im Laderaum der „Peacock“ verschwinden ließ. Sie klappte das in Leder gebundene Frachtbuch auf ihrem Schoß zu und stand auf.
Es war ein langer Tag gewesen. Seit sechs Uhr war sie nun schon hier. Jetzt war es später Nachmittag, und die Masten warfen immer längere Schatten auf das Wasser.
Die Fässer Rum sollten die letzte Ladung sein, die ihr Vater auf die Reise schickte, und bald, vermutlich in der nächsten Woche, würde sie wieder mit ihm nach Saint Kitts segeln. Sosehr sie ihren Heimathafen Providence auch liebte, so ungeduldig wartete sie stets darauf, dass sie in See stachen.
Zweimal, manchmal dreimal im Jahr fuhr sie mit Captain Raeburn an der Küste entlang zu den Westindischen Inseln, und die „Peacock“ war ebenso sehr ihr Zuhause wie das gelbe Schindelhaus in der Angel Street.
Eliza knotete die Bänder des breitkrempigen Huts auf und nahm ihn ab. Jetzt strich ihr die sanfte Brise über das ganze Gesicht und spielte mit ihrem Haar. Sie wusste sehr wohl, wie glücklich sie sich schätzen konnte, einen Vater wie James Raeburn zu haben. Als sie sieben gewesen war, war ihre Mutter gestorben, und in seiner tiefen Trauer hatte James sich entschieden, Eliza mit auf sein Schiff zu nehmen, anstatt sie bei ihren Angehörigen zu lassen.
Er behandelte sie wie einen Schiffsjungen, und daher wuchs sie mit den Freiheiten, aber auch den Pflichten eines Jungen auf. Als sich erwies, wie geschickt sie mit Zahlen umgehen konnte, überließ James es ihr, seine Bücher zu führen, und bald kümmerte sie sich auch um seine Korrespondenz mit den anderen Kaufleuten. Sie teilte sein Gespür für einen profitablen Handel, das riskante Spiel um heiße Ware.
Schon bald war sie darin so geschickt wie ihr Vater, und er begann auf sie hören, wenn es um die Erschließung neuer Märkte und Investitionen ging. Zusammen hatten sie es zu beträchtlichem Wohlstand gebracht, und außer der „Peacock“, deren Eigner sie waren, besaßen sie auch Anteile an einem halben Dutzend anderer Schiffe.
Eliza führte ein angenehmes Leben, dennoch verspürte sie eine schwer zu beschreibende innere Leere und ahnte, dass ihr irgendetwas fehlte. Vermutlich liegt es nur daran, dass wir uns so lange in Providence aufgehalten haben, sagte sie sich jetzt. Wenn sie erst wieder auf See waren, würden ihre Zweifel von selbst verschwinden.
Ihr Vater würde erleichtert sein, dass die Verladung ihrer Fracht abgeschlossen war, denn obwohl er nicht darüber sprach, spürte Eliza, dass auch er in See stechen wollte. Mit zunehmendem Alter wurde er vorsichtiger, und die „Gaspee“, der britische Marineschoner, der die Handelsgesetze in der Narrangansett Bay durchsetzen sollte, bereitete ihm mehr Sorgen, als er jemals zugegeben hätte.
Er hatte sogar schon davon gesprochen, dass er den Handel mit Rum aufgeben und sich Gütern zuwenden wollte, die zwar nicht soviel Profit abwarfen, aber dafür auch weniger Interesse bei den Zollbeamten in Newport weckten.
Eliza teilte seine Ansicht nicht. Keiner der Kaufleute in der Kolonie zahlte die überhöhten Einfuhrzölle gern, mit denen ihre Waren belegt wurden. Was verstanden die aufgeblasenen Lords in London schon vom Handel in Rhode Island?
Doch Eliza fiel es immer schwerer, ihrem Vater zu widersprechen, seit die „Gaspee“ zwei Monate zuvor die Brigg von Captain Nathaniel Chase, ihrem Cousin, abgefangen und ihn selbst nach Boston gebracht hatte, wo er wegen Schmuggels vor Gericht gestellt werden sollte.
Gedankenverloren ließ Eliza ihren Hut an den Bändern herabbaumeln, während sie an Nathaniel dachte. Sie waren zusammen aufgewachsen, hatten ihre Geheimnisse ebenso geteilt wie den Schmerz an den aufgeschürften Knien, und für Eliza war Nathaniel zugleich Cousin, Bruder und bester Freund.
Sie konnte ihn sich gar nicht anders vorstellen als fröhlich lachend und mit lustig funkelnden Augen. Der Gedanke, dass er mit seinem sonnigen Gemüt in einer dunklen, stickigen Zelle des Bostoner Gefängnisses saß, war ihr unerträglich.
Sie hatte in einem Dutzend Briefe um seine Freiheit gebeten. An Admiral Montagu, Gouverneur Hutchinson und an einige weniger bedeutende Beamte hatte sie sich gewandt, aber diejenigen, die sie überhaupt einer Antwort gewürdigt hatten, gaben vor, nichts über den Verbleib ihres Cousins zu wissen.
Nathaniel war ganz einfach im menschenfeindlichen Behördenapparat der britischen Kolonialregierung verschwunden, und mit jedem Tag, den er dort blieb, wuchs Elizas Misstrauen gegenüber dem Staat, der ihn ihr geraubt hatte.
„Du hast fleißig gearbeitet, Kind“, sagte James Raeburn lobend und riss seine Tochter aus ihren trübseligen Gedanken. Obwohl seine Schultern mit den Jahren leicht gebeugt waren und das rote Haar von grauen Strähnen durchzogen war, sahen die beiden sich auffallend ähnlich. „Ist die letzte Lieferung von Parker vollständig verstaut?“
Erfreut über seine Anerkennung, nickte Eliza. „Jetzt fehlt nur noch unser eigener Proviant. Morgen ist Markttag, da werde ich mich darum kümmern.“
„Mehr Zwiebeln und weniger Kartoffeln diesmal.“
„Und schau dir das Schweinefleisch von Amos Wright genau an, damit er uns die Qualität liefert, die seinem Preis entspricht“, vollendete sie die Ermahnung mit mildem Spott. „Ich weiß, was du magst, Vater. Vergiss nicht, dass ich diese Aufgabe schon seit einiger Zeit verrichte, ohne dass der Captain oder die Mannschaft sich jemals beklagt hätte.“
Lächelnd tätschelte Ihr Vater ihr die Schulter. „Aye, das habe ich durchaus bemerkt. Und zudem bist du ein recht fähiger Quartermaster.“
„Nenn mir eine andere, die dein Haus so gründlich aufräumen und sorgsam verriegeln würde, bevor du ausläufst.“
Sein Lächeln verschwand augenblicklich. „Wenigstens darum werde ich dich diesmal nicht bitten müssen.“
Überrascht wartete Eliza auf eine Erklärung. Das Haus vor Einbrechern zu schützen gehörte zu jeder Abreise aus Providence, so wie das Lüften nach der Heimkehr üblich war. Irgendetwas stimmte nicht.
Ihr Vater wich ihrem fragenden Blick aus und beschäftigte sich stattdessen mit einem lockeren Knopf an seiner Jacke.
„Es gibt etwas, worüber du und ich reden müssen, Eliza“, begann er. „Und ich fürchte, es wird für keinen von uns leicht werden.“
Mit dem Daumen schob James seinen Hut in den Nacken und stieß einen langen Seufzer aus. Er hatte dieses Gespräch schon viel zu lange hinausgezögert. Jetzt blickte er seiner Tochter ins Gesicht, und der vertrauensvolle Blick ihrer dunklen Augen brach ihm fast das Herz.
„Wenn die ‚Peacock‘ in der kommenden Woche in See sticht, wirst du uns nicht begleiten. Ich kann und werde es nicht riskieren, dich auf dieser Reise mitzunehmen. Nicht jetzt, da die Briten es auf uns abgesehen haben.“
Eliza blickte ihn eine Weile ungläubig an. Das war nicht sein Ernst. In fünfzehn Jahren waren sie nicht ein einziges Mal getrennt gewesen, keinen Tag. Er durfte sie nicht zurücklassen. Er brauchte sie auf der „Peacock“!
„Ich habe mich entschieden“, verkündete er verlegen. „Du wirst sehen, die Zeit wird schnell vorübergehen, und du wirst mich kaum vermissen. Außerdem bist du nicht allein. Deine Tante Anne lebt nur zwei Häuser entfernt, außerdem hast du noch Beckah Nye und die anderen Freunde.“
„Aber wir sind den Zollschiffen doch immer davongesegelt“, protestierte sie. „Warum sollte es diesmal anders sein?“
„Weil die Zeiten sich geändert haben, Eliza“, sagte James bitter. „Die Navy hat Order, uns eine Lektion zu erteilen, und sie gibt sich die größte Mühe, uns zu fassen. Und wenn es ihr gelingt, werden wir nicht wie früher mit einigen strengen Ermahnungen und einer Geldstrafe davonkommen.“
Er schwieg kurz, ehe er fortfuhr: „Heutzutage werfen sie einen Mann schon in den Kerker, wenn sein Hut schief sitzt. Und wenn ihre Kanonen auf einen gerichtet sind, leistet man besser keine Gegenwehr. Denk daran, was Nathan widerfahren ist. Einer derartigen Gefahr darf ich dich nicht aussetzen.“
Trotzig hob sie das Kinn, warf das rote Haar zurück und stützte die Hände in die Hüften. „Ich fürchte mich nicht vor einem Kampf. Du weißt, ich schieße so gut wie jeder Mann. Du selbst hast es mich gelehrt. Ich habe keine Angst vor der ‚Gaspee‘.“
„Das bezweifle ich nicht, Eliza.“
„Warum nimmst du mich dann nicht mit?“
Sie stand vor ihm, mit vor Aufregung geröteten Wangen und blitzenden Augen, und James wurden die Gründe für seine Entscheidung wieder einmal schmerzlich bewusst. Irgendwie war aus dem langbeinigen Mädchen mit dem von der Sonne gebräunten Gesicht eine schöne Frau geworden.
Er wusste nicht, wann genau diese Verwandlung vor sich gegangen war, doch ihm war klar, dass kein anständiger Vater seine Tochter der britischen Marine ausliefern würde. Die Männer aus Rhode Island, die der Kommandeur der „Gaspee“ verhaftet hatte, waren geschlagen, misshandelt und erniedrigt worden, bevor man sie ins Gefängnis gesteckt hatte. James wollte sich nicht ausmalen, was eine Frau erwartete.
Nicht zum ersten Mal wünschte er, sie wäre verheiratet und führte ein Leben ohne ihn und die „Peacock“. Seine Tochter hatte eine bei Frauen seltene Rastlosigkeit, und es bedurfte schon eines willensstarken Mannes, um sie an einen Ort zu binden. Doch Eliza war, was ihre Verehrer betraf, stets vernünftig gewesen. Zu vernünftig, seiner Meinung...




