Jones | Der Krieger | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Jones Der Krieger

Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-641-22301-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-641-22301-4
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



A. D. 9, im Norden Europas.

Die germanischen Stämme sind nahezu in die Knie gezwungen. Der Wille Roms wird von den Legionen mit eiserner Härte durchgesetzt. Der römische Statthalter Varus soll die letzten nördlichen Germanenstämme unterwerfen. Ihm zur Seite steht Arminius, ein germanischer Fürst, der nun wie viele seiner Stammesgenossen auf Seiten Roms kämpft. Doch Arminius, der es als Fremder geschafft hat, in höchste Ränge aufzusteigen, wird von vielen Römern bis aufs Blut gehasst. Für Varus ist Arminius ein Garant zum Überleben, denn nur er kennt die dichten Wälder und das tückische Gelände des wilden, barbarischen Landes. An einem schicksalhaften Tag ändern sich für beide Krieger die Pfade ihre Lebens: In den finsteren Wäldern Germaniens kommt es zu einer gewaltigen Schlacht, welche die Geschichte Europas für immer verändern wird …



Geraint Jones war als Soldat in Irak und Afghanistan, bevor er nach seinem Ausscheiden aus dem Militär zu schreiben begann. Jones ist fasziniert von der Antike und dem Überlebenskampf des Menschen. Mit seinem Roman Der Krieger erschafft er den Auftakt zu einer Blockbuster-Historienserie, die Ihresgleichen sucht.

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3

Anfang des Sommers war die Stadt Minden von mehreren Hundert Cheruskern bewohnt gewesen, Angehörigen jenes germanischen Volksstammes, der Arminius’ Geschlecht die Treue geschworen hatte. Wie in den beiden vorherigen Jahren hatte der Statthalter der germanischen Provinzen – ein Aristokrat namens Varus – drei seiner fünf Legionen hinter den Steinmauern ihrer Kastelle am Rhein hervorgeholt und durch die angrenzenden Gebiete marschieren lassen, um Freund wie Feind gleichermaßen zu beeindrucken. Auf Arminius’ Rat hin hatte der Statthalter beschlossen, das Feldlager in diesem Sommer in Minden aufzuschlagen. Eine Zeltstadt war entstanden, die zwanzigtausend Soldaten beherbergte.

Vor der Ankunft der Römer war Minden nicht mehr als eine bloße Siedlung gewesen. Nach der Ankunft der Armee war es immer noch eine Siedlung, nur dass diese Siedlung jetzt über jede Menge Prostituierte verfügte, darunter auch einige Einheimische, die die Gelegenheit nutzten, die ihnen so unverhofft sozusagen in den Schoß gefallen war. Andere waren der Armee aus den Winterquartieren entlang des Rheins gefolgt. Und sie kamen nicht allein. In ihrer Begleitung waren Musiker, Gaukler, Diebe und die inoffiziellen Frauen und unehelichen Kinder der Soldaten. Den Legionären war es verboten zu heiraten, doch solange ihr Anhang den Kommandanten keine Probleme bereitete, drückten diese ein Auge zu.

Außerdem hatte die Truppe einen gewaltigen Durst mitgebracht, und so gab sich jedes zweite Haus in Minden, mochte es noch so klein und schäbig sein, als Wirtshaus aus. In die anderen Häuser wurden die jungen Frauen des Ortes eingesperrt, um ihre Jungfräulichkeit nicht zu gefährden.

Dies alles erzählte mir Pavo, mein neuer Zenturio. Er war noch ziemlich jung für diesen Posten, was entweder bedeutete, dass er besonders tüchtig war oder über Beziehungen verfügte. Der gut aussehende Mann strahlte das für seinen Rang erforderliche Selbstvertrauen aus, doch sein verächtlicher Blick verriet eine gewisse Bitterkeit, die an ihm zu nagen schien.

Zunächst hatten wir das germanische Lager schweigend durchquert. Pavo hatte mich anfangs wie einen streunenden Hund durch Grunzen und schnelle Handbewegungen herumgescheucht. Ich war ihm hinterhergetrottet und hatte weiter die Rolle des Verwirrten gespielt. Irgendwann war mir aufgefallen, dass er sich ständig nach mir umdrehte. Anscheinend hatte ich seine Neugier geweckt, und als wir uns dem Hauptlager und Minden selbst näherten, plauderte er mit mir über die Siedlung und den diesjährigen Feldzug wie mit einem alten Freund.

Ihm zufolge hatte es überhaupt keinen richtigen Feldzug gegeben. Statthalter Varus hatte die drei Legionen von der westlichen Rheinseite aufmarschieren lassen, um mit dieser Machtdemonstration die streitlustigen germanischen Stämme einzuschüchtern. Doch anstatt die Gebiete der Länge und Breite nach zu durchstreifen, hatte sich Varus damit begnügt, seine Zelte in Minden aufzuschlagen und dort Hof zu halten, den Tribut von den verbündeten Stämmen zu kassieren und diejenigen, die sich nicht blicken ließen, ungeschoren davonkommen zu lassen. Aus eigener Erfahrung wusste ich jedoch, dass nicht alle Germanen willens waren, die römische Besatzung noch länger zu tolerieren.

»Und jetzt, Herr?«, fragte ich den Offizier.

»Hast du etwas gesagt?«, fragte er. Anscheinend war er in Gedanken gewesen.

Ich nickte respektvoll und wiederholte meine Frage.

»Jetzt?«, knurrte er. »Jetzt packen wir unsere Sachen und marschieren zum Rhein zurück. Ein ganzes verdammtes Jahr ohne Beute.«

Kriegsbeute. Das also war seine Schwäche. Pavo war entweder geldgierig, verschuldet oder – was am wahrscheinlichsten war – beides. Hatte ihn Arminius etwa damit in der Hand?

Jetzt, da ich endlich den Mund aufgemacht hatte, zerstreute Pavo meine Besorgnis mit einem heuchlerischen Lächeln. »Ich habe von dem Hain und den Männern gehört, die dort geopfert wurden«, sagte er.

Das überraschte mich nicht. Soldaten tratschen wie die Waschweiber. Die Geschichte hatte sich zweifelsohne bereits im ganzen Lager verbreitet.

»Tja, dass du ganz allein hier bist, wirft natürlich Fragen auf.« Er blieb stehen und legte freundschaftlich eine Hand auf meine Schulter. »Aber darüber musst du dir keine Sorgen machen, hörst du? Wenn es Probleme gibt, dann komm einfach zu mir.«

Ich nickte dankbar und wir gingen weiter. Anscheinend war der Zenturio der Meinung, dass ich unter Arminius’ Schutz stand. Das Wohlwollen des Fürsten erstaunte mich ja selbst, und ich konnte es mir nur mit der Laune eines Augenblicks erklären.

Wir betraten das Lager durch ein offen stehendes Holztor. Wachposten patrouillierten auf dem Wehrgang darüber. Zu beiden Seiten des Tors verlief ein von angespitzten Holzpfählen gekrönter Erdwall, der bereits von grünem Gras bedeckt war. Was als vorübergehendes Lager gedacht gewesen war, stand nun schon seit Monaten. Dennoch folgte es dem vertrauten Aufbau eines römischen Heerlagers. Eine breite Straße verlief schnurgerade vom nördlichen zum südlichen Tor. In der Mitte des Lagers befand sich das Hauptquartier, in dem vermutlich der Statthalter residierte. Die Soldaten waren gemäß der Schlachtordnung aufgeteilt: eine Legion nach Kohorten, eine Kohorte nach Zenturien, eine Zenturie nach Contubernia. Römische Disziplin vom Feinsten. Obwohl ich noch nie einen Fuß in dieses Lager gesetzt hatte, wusste ich allein aufgrund des Weges, den wir zwischen den säuberlich aufgereihten Zelten einschlugen, wohin wir gingen – zum Quartiermeister.

Dieser stand hinter einem langen Holztresen, blankpoliert von der Ausrüstung Tausender Soldaten. Mit seiner blassen, von Muttermalen übersäten Haut und seiner massigen Statur glich er einem Marmorklotz. Meiner Erfahrung nach waren hässliche Menschen in der Regel entweder besonders freundlich oder jähzornig.

»Scheiße, was willst du, Pavo?«

Dieser Quartiermeister war offensichtlich Letzteres.

»Der Mann hier braucht Ausrüstung.« Pavo deutete mit dem Daumen auf mich.

»Dass wir einen Neuzugang kriegen, hat mir niemand gesagt«, knurrte der Koloss. »Was ist das für einer?«, fragte er Pavo, als wäre ich überhaupt nicht da.

»Einer von meinen Männern. Gib ihm seine Sachen, alles andere regeln wir später.«

»Wenn’s sein muss«, sagte der Quartiermeister und griff nach der Ausrüstung, die hinter ihm aufgestapelt war.

»Ist Titus schon zurück?«, fragte Pavo den Mann, der immer mehr Gegenstände vor sich auftürmte.

»Seit heute Morgen. Wenn du ihn vor mir triffst, sag ihm, dass ich ihn sprechen will. Anscheinend gibt’s hier bald Beute zu machen, und wenn er draufgeht, ohne mir vorher meinen Anteil zu geben, werd ich auf seine beschissene Leiche pissen.«

Pavo ging nicht auf diese wüste Drohung ein. »Welche Beute?«, fragte er stattdessen. »Der Statthalter wird bald aufbrechen. Wir marschieren zum Rhein zurück.«

»Wollte er, ja. Aber jetzt sieht’s anders aus. Hier gibt’s immer mehr Tote, und die sterben auf ziemlich unschöne Art und Weise. Gestern wollte ein Pioniertrupp eine Brücke auskundschaften. Sie sind bis auf einen einzelnen Mann niedergemetzelt worden. Und im Wald passierte noch Schlimmeres. Die Ziegenficker haben unsere Jungs bei lebendigem Leib verbrannt. Jetzt muss ich mich um die Bestattungsriten kümmern, als hätte ich nicht schon genug zu tun.«

Ich erstarrte vor Schreck, dabei hätte ich mir keine Sorgen zu machen brauchen. Der Quartiermeister hatte mich völlig vergessen. Seine Worte waren ausschließlich an Pavo gerichtet. Der Zenturio wiederum widerstand tapfer dem höchstwahrscheinlich unwiderstehlichen Drang, mich anzusehen.

»Das heißt noch lange nicht, dass es Krieg gibt. Varus ist ein fauler Sack.«

»Der schon, aber dieser Germane nicht.«

»Welcher Germane?«

»Arminius.«

Pavo tat weiter unbekümmert, obwohl ich spürte, dass die Neugier von ihm ausstrahlte wie Wärme von einem Ofen. Hoffentlich war mein eigenes Interesse nicht ganz so offensichtlich.

»Er trägt einen römischen Namen?«, fragte der Zenturio.

»Ja.« Der Quartiermeister wuchtete ein rostiges Kettenhemd auf den Tresen. »Sein Vater und sein Onkel waren Häuptlinge. Sie haben ihn als Geisel nach Rom geschickt. Er hat erst den neuen Namen angenommen und wurde dann Offizier der Kavallerie. Angeblich ein verdammt guter Soldat. Naja, Varus glaubt jedenfalls, dass diesem Germanen die Sonne aus dem Arsch scheint. Außerdem hat Arminius mit den anderen Stämmen noch ein paar Hühnchen zu rupfen.«

»Behauptet wer?«

»Die Gerüchteküche.« Der Koloss zuckte mit den Schultern. »Aber ich denke, da ist was dran. Dafür habe ich die Geschichte zu oft gehört.« Er betrachtete den Stapel vor sich und ließ sich schließlich dazu herab, mich mit seiner Aufmerksamkeit zu beehren. »Hier quittieren.«

Er schob mir ein Register hin, und ich überflog die einzelnen Posten: schwerer Wurfspeer, Kurzschwert, Dolch, Helm, Ledertornister, Umhängetasche und Tragstange. Dies alles fand auf dem leicht gekrümmten Schild Platz. Der Preis, der neben dem Gegenstand aufgeführt war, wurde von meinem Sold abgezogen. Von mir aus. Ich hatte nicht die Absicht, lange hierzubleiben.

Ich tat so, als könnte ich nicht schreiben, und markierte jeden Posten mit einem Kreuz. Es war immer von Vorteil, so wenig wie möglich von sich preiszugeben, insbesondere seinen Vorgesetzten gegenüber. Wenn sie mich für einen dummen Bauern hielten, hatten sie keine Hemmungen, so frei vor mir zu...


Jones, Geraint
Geraint Jones war als Soldat in Irak und Afghanistan, bevor er nach seinem Ausscheiden aus dem Militär zu schreiben begann. Jones ist fasziniert von der Antike und dem Überlebenskampf des Menschen. Mit seinem Roman Der Krieger erschafft er den Auftakt zu einer Blockbuster-Historienserie, die Ihresgleichen sucht.



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