E-Book, Deutsch, 686 Seiten
Jones Der Ruf der Träume
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96148-704-2
Verlag: dotbooks GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Roman
E-Book, Deutsch, 686 Seiten
ISBN: 978-3-96148-704-2
Verlag: dotbooks GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Eine Liebe über die Grenzen der Zeit hinaus: Der epische Roman »Der Ruf der Träume« von Liane Jones jetzt als eBook bei dotbooks. Zwei ineinander verflochtene Schicksale: Die New Yorkerin Jane wird von mysteriösen Träumen heimgesucht. Als sie den walisischen Dichter Gwyn kennenlernt und Stück für Stück ihr Herz an ihn verliert, werden ihre Visionen stärker. Durch Gwyns Gedichte taucht Jane immer tiefer in die uralte Legende von Prinz Madoc und seiner Geliebten Ceinwen ein. Jane scheint eine besondere Verbindung zu der jungen Frau zu haben: Sie spürt Ceinwens Liebe zu Madoc und leidet unter seinem entsetzlichen Verrat. Jane droht, sich mehr und mehr in der Vergangenheit zu verlieren. Muss sie nun auch dasselbe Schicksal wie Ceinwen erleiden - oder kann ihre Liebe zu Gwyn sie retten? Fesselnd und romantisch zugleich: Eine Legende, verwoben mit einer mystischen Liebesgeschichte vor der traumhaften Kulisse der grünen Hügel und Gebirgszüge von Wales. »Großartig. Ein überzeugendes Debüt.« Today Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der epische Liebesroman »Der Ruf der Träume« von Liane Jones - für alle, die Diana Gabaldons »Outlander«-Reihe lieben. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
Liane Jones wurde 1958 in South Wales geboren und hat bereits mehrere Romane und Sachbücher veröffentlicht. 1992 gewann sie den begehrten Betty Trask Award. Bei dotbooks veröffentlichte sie ihre Romane »Liebesreigen« und »Der Ruf der Träume«.
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»Was tust du da?« Harrys Stimme ließ sie hochschrecken. Sie war so sehr in ihre Arbeit vertieft gewesen, daß sie das Öffnen der Tür überhört hatte. Blinzelnd sah sie ihn an: Er stand auf der Schwelle und wirkte aufreizend frisch und energiegeladen. »Ich arbeite«, erwiderte Jane. »Du fällst über dieses Blatt Papier her, als würdest du es hassen!« »Tu ich auch.« »Pscht!« Harry schloß die Tür und ging zu seinem eigenen Schreibtisch hinüber. »Blasphemie. Ist nicht alles, was Professor Jewell schreibt, eine Freude zu lesen?« Jane rieb sich die Stirn, um ihre Kopfschmerzen zu lindern. »Er glaubt das ganz bestimmt. Ich werd noch wahnsinnig, ehe ich das hier redigiert habe – es ist siebentausend Worte lang!« Harry legte seine Bücher hin und streckte sich träge. »Tritt kürzer!« meinte er. Janes Blick flackerte über sein gutaussehendes Gesicht. Sie war müde, enttäuscht, und sein schnoddriger Tonfall kränkte sie. Harry konnte sich das allerdings leisten. Er war Junior Professor, ein angesehenes Mitglied der Universität, und sein Posten bei der West Side Review war eine weitere Perle auf seiner Krone. Jane war lediglich bezahlte Angestellte, dem Namen nach zwar Redaktionsassistentin, erledigte aber in Wirklichkeit die ganze harte Schufterei. Sie war diejenige, die dafür zu sorgen hatte, daß die Zeitschrift jeden Monat erschien, und sie tat die gesamte, wenig Ruhm einbringende Arbeit hinter den Kulissen. Harry war der absolute Gegensatz zu ihr. Er lümmelte sich gerade in seinem Sessel und wirkte einen jeden Zentimeter wie der Strahlemann mit privilegiertem Hintergrund. So hätte er sich auch auf der Säulenveranda seines Familienbesitzes in Virginia entspannen können. »Professoren werden nicht reich, mein Sohn. Sie kommen auch nicht nach Washington.« Das war das Urteil von Harrys Vater über Akademiemitglieder gewesen. Harry hatte den Cornell Dargener Fellowship gewinnen müssen, damit sich George Crown mit der Wahl seines Sohnes versöhnte. Harry trug vielleicht nichts zum Vermögen der Crowns bei, aber er würde berühmt werden. Möglicherweise käme er dennoch hoch hinaus. Siehe Kissinger. Und sieh mich an, dachte Jane. Harry und viele andere von Brockham mochten sich mit den Politikern, Anwälten und Firmenbossen messen; sie maß noch immer ihren Abstand zum Wohlstand. Manchmal mußte sie über die arroganten Klagen seiner Kollegen schmunzeln; zu anderen Zeiten verspürte sie dabei ein Gefühl der Verzweiflung und Verunsicherung. Gleichgültig, wie gut sie wäre, sie würde niemals jene Sicherheit besitzen, mit der Harry geboren worden war: die Sicherheit des Habens, der Begabung. Auch würde sie nie als selbstverständlich hinnehmen, daß die Welt einfach für einen da war und wie bei einem Festmahl alle Versprechungen und Gelegenheiten vor einem ausbreitete. Harry sagte zu Jane, daß sie um so mehr Grund dazu habe, stolz zu sein, und sie wußte, daß er recht hatte. Renoxia, ihre kleine Heimatstadt in North Dakota, hatte ihr nicht gerade das geschenkt, was man einen guten Start ins Leben nennen konnte. Mit sechzehn Jahren war sie allein in einem Greyhound-Bus geflohen. Sie besaß keine Qualifikationen, keine Referenzen, und niemand hatte ihr eine großartige Zukunft vorausgesagt. Sie war nach New York gekommen und hatte in dieser grauslichen Mission aus dem neunzehnten Jahrhundert gewohnt, wo sie sich fürs Bad anstellte, Eintöpfe in den Gemeinschaftsküchen kochte und die Kleider für die Arbeit des kommenden Tags bügeln mußte – eine unendliche Reihe langweiliger Jobs in Geschäften und Büros. Nach zwei Jahren war sie in ein Apartment umgezogen, das sie mit jemandem teilte, nach einem weiteren Jahr hatte sie mit dem Besuch der Abendschule begonnen. Drei weitere Jahre hatte sie benötigt, um ihre Abschlüsse zu erhalten. Schließlich war sie mit vierundzwanzig Jahren Studentin des Films und der Literatur an der Brockham University geworden, an der Upper West Side. Und jetzt saß sie hier, führte einen akademischen Grad hinter ihrem Namen und hatte eine Arbeit, für die viele Leute Schlange standen. Professor Jewell, der Dekan der anglistischen Fakultät, hatte sie noch als Studentin persönlich für den Posten herausgepickt. »Es wird eine große, mutige, kämpferische Kunstzeitschrift werden!« hatte er zu ihr gesagt, wobei er mit den Händen vor ihrem Gesicht herumgefuchtelt hatte. »Eine Publikation mit Mumm in den Knochen, die keine Angst vor Auseinandersetzungen hat. Keines dieser korinthenkackerischen, feigen Pamphlete. Natürlich werden wir Bücher und Stücke rezensieren und Essays und Gedichte veröffentlichen, aber wir werden gute Interviews mit Saft und Kraft durchführen und auch gute Besprechungen von Filmen und Fernsehspielen schreiben. Das machen Sie doch alles mit dem kleinen Finger! Wir geben Ihnen ein Büro. Sie haben Büroerfahrung, nicht wahr?« Er hatte sehr wohl gewußt, daß sie Büroerfahrung hatte – mehr als genug, um eine kleine, von der Universität unterstützte Zeitschrift zu leiten. Jane hatte Zweifel verspürt, ob sie die Stelle annehmen sollte: Sie hatte gehofft, von der Büroarbeit wegzukommen, sobald sie ihren Abschluß bekam, und sie freute sich nicht darauf, tagaus, tagein mit Professor Jewells Ego zurechtkommen zu müssen, aber eine echte Möglichkeit, sich zu weigern, hatte nicht bestanden. Eine solche Gelegenheit konnte man sich einfach nicht entgehen lassen. Janes Büro war jetzt achtzehn Monate alt, und die West Side Review blühte und gedieh. Sie lebte von Abonnenten und wurde in einigen Buchhandlungen hier vor Ort, in Soho und Greenwich Village verkauft – und während der vergangenen Monate war es Jane gelungen, die Anzeigenakquise zu steigern. Natürlich war sie als Duane Jewells Zeitschrift bekannt, und die Namen der Mitherausgeber, fast alles jüngere Akademiker wie Harry, kamen den Lesern als nächste in den Sinn. Jane bezweifelte, ob irgend jemandem ihr Name aufgefallen war, der in bescheidener Schriftgröße im Impressum auftauchte. Aber sie wußte, daß sie gute Arbeit leistete. Was jedoch nicht die Aufgabe erleichterte, die wichtigtuerischen Artikel herunterzukürzen, wie den Beitrag dieses Monats von Professor Jewell. »O verdammt!« brummte sie durch die zusammengebissenen Zähne. Die Kieferknochen schmerzten ihr jetzt ebenso wie der Kopf. Ihr fiel auf, daß Harry sie mitleidig betrachtete. »Soll ich dich allein lassen?« fragte er. Jane schüttelte den Kopf. »Nein. Tut mir leid. Ich werd ihn jetzt liegenlassen, und wir können zum Essen gehen.« Jane schob ihre Papiere von sich und stopfte sie in die überquellenden Ablagen, die eine Grenze um ihren Arbeitsplatz bildeten. Ihre Ecke des Gemeinschaftsbüros wirkte trist; ihr Beitrag zur Dekoration bestand aus zwei Postern und einer Weintraube aus Kunststoff, die von ihrer Leselampe herabhing. Harry blieb es überlassen, im Raum für Farbe und Leben zu sorgen. Obgleich er nur wenige Stunden in der Woche an seinem Schreibtisch saß, pulsierten die beiden Wände hinter ihm dank einer Unzahl von Postkarten, Drucken und Postern vor Leben. Selbst seine Bücherregale waren ein erfreulicher Anblick. Semesterlektüre und Bände mit jakobinischen Dramen hockten eng an eng mit düsteren Paperback-Thrillern; hübsche Erstausgaben von Sportbüchern standen gleich neben zeitgenössischen Romanen. Jane schaute gern aus dem Kuddelmuddel in ihrer Ecke zu Harry hinüber. Manchmal überlegte sie, was Harry wohl von seiner eigenen Aussicht hielt. Er hatte sich nie beklagt – obgleich er vor drei Wochen mühsam eine große Palme in einem Tontopf hereingeschleppt und sorgfältig auf ihrer Seite des Raums abgestellt hatte, in seinem Sichtfeld. Jane sah ihn jetzt an. Sein Blondschopf wirkte durch die lebhaften Farben auf der Wand dahinter wie ein Heiligenschein. Harry war ebenso alt wie sie – achtundzwanzig –, wirkte ihr jedoch weit voraus. Er paßte in diese Welt alter Gebäude und gestifteter Bibliotheken; ihr war bewußt, daß sie nicht dazugehörte. Im Vergleich zu Harry war sie ein Emporkömmling, und sie kam sich oftmals wie ein solcher vor. Darüber hinaus verspürte sie häufig die rastlose Energie des Emporkömmlings. Auch heute steckte sie ihr in den Knochen. »Was ist denn jetzt los?« Jane fiel auf, daß sie ihn anstarrte. In dem dunklen Glas des Bücherschranks gleich neben der Tür sah sie ihr eigenes Spiegelbild: das blasse, ovale Gesicht angespannt, die Schultern gehoben; das dunkle Haar stand ihr von der Stirn ab, wo sie daran gezupft hatte. Sie wirkte wie ein steifes Insekt, das bereit war, sich auf Harry zu stürzen. Jane ertappte sich oftmals voller Verlegenheit in solchen Posen. Sie wünschte sich Gelassenheit, aber sie war zu ungeduldig. Sie öffnete den Mund und wollte schon leugnen, daß irgend etwas nicht stimmte, als ihr jähes, lautstarkes Geschwätz zuvorkam. »Was, in Gottes Namen, ist das denn?« Auf dem Campusplatz draußen war eine Auseinandersetzung vom Zaun gebrochen. Stimmen wurden gehoben, eine dröhnende, männliche Stimme überschrie eine andere – offenbar ein wütender Protest. Sie gingen zum Fenster. Unten auf dem Platz stand Professor Jewell. Mit seinem frischen Gesicht stand er beeindruckend groß und breitbeinig, in eine Kordsamthose gekleidet, da und streckte die Brust unter dem Hemd mit Schachbrettmuster vor. Er sprach lautstark mit dem neuen Resident Poet. Jane erkannte auf einen Blick, daß sich der Professor der Tatsache wohl bewußt war, daß aller Augen auf ihm ruhten. Er blieb unnötigerweise in einigen Metern Entfernung von Gwyn Thomas stehen, warf den grauen Kopf zurück und brüllte aus vollem Hals. In der rechten Hand schwang er drohend ein...




