Kavka | Giftkuss | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Reihe: Arena Thriller

Kavka Giftkuss

Die Arena Thriller:
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-401-80177-3
Verlag: Arena
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Arena Thriller:

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Reihe: Arena Thriller

ISBN: 978-3-401-80177-3
Verlag: Arena
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Cleo ist völlig verzweifelt, als ihre beste Freundin Anja ermordet aufgefunden wird. Ausgerechnet Anja - die lebensfrohe, bei allen beliebte Anja! Trost findet Cleo bei der geheimnisvollen Katharina, einer Bekannten von Anja. Die Mädchen verbringen mehr und mehr Zeit miteinander. Doch Cleo ahnt nicht, dass Katharina nur ein einziges, aberwitziges Ziel verfolgt...
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1. Kapitel

Katharina blickte auf die Uhr. Noch zwei Minuten, darauf konnte sie sich verlassen. Er war immer pünktlich. Als Vorstandsmitglied eines großen Versicherungsunternehmens hatte er das schnell gelernt.

Und tatsächlich: Um genau 18.45 Uhr verließ er das Haus für seine große Runde. Etwa zweieinhalb Stunden war er freitags unterwegs, eine todsichere Angelegenheit, schon seit Jahren.

Katharina schloss kurz die Augen und atmete zweimal tief durch. Immer wenn sie ihn sah, wurde ihr schlagartig übel. Der Satz Ich finde dich zum Kotzen war für sie bittere Realität geworden. Doch heute durfte sie keinen Augenblick Schwäche zeigen. Sie beobachtete, wie er das 2000-Euro-Rennrad aus dem Fahrradschuppen holte.

»Papa, meinst du, der Weihnachtsmann bringt mir ein Fahrrad?«

»Der Weihnachtsmann ist doch kein Geldscheißer. Schlag dir das aus dem Kopf!«

Sie schluckte die Erinnerung und die Übelkeit runter. Sein aufrechter Gang strahlte Selbstsicherheit aus und seine Bewegungen waren zielgerichtet und kraftvoll. Nichts, rein gar nichts ließ den Bruch in seinem Leben erkennen. Wie ein Chamäleon, das die Farbe seiner Umgebung annimmt, hatte er sich seinem neuen Leben angepasst.

Sie spürte einen Schmerz in ihrer rechten Hand und entspannte sich. Ihre Faust hatte sich derart zusammengekrampft, dass der Nagel des kleinen Fingers die Haut verletzt hatte.

Lässig, mit weit gespreizten Ellenbogen, rollte er in der Mitte der Auffahrt hinunter, als wollte er klarmachen, welch enorme Daseinsberechtigung er hatte. Endlich verschwand er hinter dem eisernen Tor.

Sina, die zweite Frau ihres Vaters, hatte Katharina bereits vor einer halben Stunde mit ihrem roten BMW aus der Garage fahren sehen. Zu einem dienstlichen Abendessen, wie sie ihr selbst am letzten Dienstag erzählt hatte. Fehlte nur noch Anja. Auch sie würde gleich kommen, denn wenn sie um 19 Uhr bei Cleo sein wollte, musste sie sich jetzt aufs Fahrrad schwingen.

Katharina betrachtete ihre kleine Wunde und leckte vorsichtig den Dreck weg. Mit der anderen Hand befühlte sie prüfend die Innentasche ihrer Jacke. Das Fläschchen und die Spritze waren noch da. Sie drehte sich nach rechts und schaute über die riesige Rasenfläche und den Pool.

Obwohl sie das Haus nun schon seit fünf Jahren kannte, überwältigte sie der Anblick dieses grenzenlosen Reichtums noch immer. Die makellos polierte Fensterfront des Wohnzimmers und die glatte Wasseroberfläche des Swimmingpools spiegelten die Abendsonne wider. Die Holzliegestühle waren mit Plastikplanen abgedeckt und die Sonnenschirme ordentlich zusammengeschnürt, wie es sich gehörte.

18.53 Uhr. Die Haustür ging auf. Sie beobachtete, wie Anja ihr Fahrrad aus der Garage holte und sich daraufsetzte. Katharina kroch etwas tiefer ins Gebüsch, denn Anja würde über den Rasen fahren. Der Weg durch den Wald war kürzer und sie nahm ihn immer, wenn ihre Eltern nicht da waren. Ihr blonder Pferdeschwanz flatterte im Fahrtwind und ihr knallroter Lippenstift ließ sie selbstbewusst und fröhlich wirken. Einmal so unbeschwert sein wie sie. Wie oft hatte sich Katharina das in den letzten Jahren gewünscht. Heute Nacht würde sie diesem Wunsch ein großes Stück näher sein.

Das Gartentor zum Wald quietschte laut und das Knirschen der Fahrradreifen auf den Steinchen des Waldweges entfernte sich schnell. Erst als Katharina nichts mehr hörte, kroch sie aus ihrem Versteck.

Zunächst entfernte sie alle Spuren, die sie mit ihren Schuhen hinter dem Busch verursacht hatte, dann ging sie barfuß und auf Zehenspitzen über den Rasen. Sie wusste, dass sie übertrieb, denn bei dem gut gepflegten, gerade erst geschnittenen Gras und der trockenen Witterung würden nicht einmal Spezialisten der Spurensicherung Rückschlüsse auf ihre Schuhe ziehen können, aber besser zu viel Vorsicht als zu wenig.

Am Eingang angekommen, zog sie sich erst die Gummihandschuhe an, dann holte sie den Schlüssel aus der Hosentasche und öffnete die Haustür. Eigentlich ein vertrauter Handgriff, doch heute fühlte sich alles neu an. Kein Wunder. Heute kam sie ja auch nicht zum Putzen, sondern um ihren Vater zu töten.

Allein die Eingangshalle war so groß wie ihre gesamte Wohnung. Es war angenehm kühl und die Mischung aus Holzpolitur, Schuhputzmittel und teurem Parfum flößte ihr wie immer Respekt ein. Sie nahm das Gift und die Spritze aus ihrer Jackentasche, faltete die Jacke ordentlich zusammen und legte sie rechts neben der Eingangstür auf den Boden. Ihre Schuhe stellte sie dazu. Jeder Handgriff saß. Nun durchschritt sie die Eingangshalle, vorbei am weißen Garderobenschrank, an der Ahnengalerie, an der Treppe, die in die oberen Stockwerke führte, vorbei an der angelehnten Wohnzimmertür bis ganz nach hinten zur Küche.

Angesichts dieses perfekt geputzten Raumes stellte sich Zufriedenheit bei ihr ein. Sie mochte saubere Menschen und Anjas Mutter gehörte definitiv dazu. Am Dienstag hatte Katharina die Küche blitzsauber hinterlassen, heute war Freitag und sie sah fast noch genauso aus. Sie öffnete die Kühlschranktür und fand sofort die Milchtüte.

»Anja, du sollst doch nicht von der Minus-L-Milch trinken. Die hab ich für Günther gekauft wegen seiner Laktose-Intoleranz.«

Als Katharina neulich diesen Satz gehört hatte, wusste sie, wie er sterben würde. Sie holte die Milchtüte heraus und drehte den weißen Deckel ab. Erleichtert stellte sie fest, dass sie die Spritze nicht benutzen musste, denn die Milch war bereits angebrochen. Er hätte das Einspritzloch wahrscheinlich nicht entdeckt, aber so war es auf jeden Fall sicherer. Vorsichtig öffnete sie ihr kleines Fläschchen und schüttete das Gift in die Tüte. Es roch stark nach Bittermandel. Sie war aber zuversichtlich, dass er genug getrunken haben würde, bis er merkte, dass etwas nicht stimmte. Sie hatte ihn schließlich lange genug beobachtet und kannte seine Gewohnheiten.

Während sie die Milchtüte wieder zuschraubte, dachte sie darüber nach, wie einfach alles gewesen war. Kaliumzyanid stand in der Gerichtsmedizin unter »K« im Medizinschrank und der Schlüssel dafür lag in Professor Scholls oberster Schreibtischschublade. Ein Zaubermittel, genau richtig für ihre Zwecke. Sie wiederholte in Gedanken, was sie gelernt hatte: Sobald das Salz auf Magensäure stößt, entsteht giftige Blausäure. Dann dauert es höchstens noch fünf Minuten bis zum Tod durch Ersticken. Die Säure hemmt das Enzym, das für die Sauerstoffzufuhr der Zellen sorgt. Er würde Krämpfe haben, aber nicht lange. Und sie würde es mit ihm gemeinsam durchstehen.

Der Gedanke an seine letzten fünf Minuten löste Panik und Vorfreude zugleich in ihr aus. Was, wenn er sie ein zweites Mal zurückwies? Würde sie das aushalten? Gedankenverloren kratzte sie mit der scharfen Deckelkante des Giftfläschchens an der Handwunde, bis sie wieder blutete. Blödsinn. Im Angesicht des Todes wird er mich um Vergebung anbetteln, was sonst? Die freudige Erwartung ließ ihr Herz höher schlagen.

Sie lehnte sich an den Küchentresen und ging noch einmal alles Schritt für Schritt durch: Der Platz draußen neben dem Küchenfenster ist ideal, von dort kann ich das Haupttor und die Küche einsehen. Sobald er kommt, werde ich alles, was in der Küche passiert, genau beobachten. Beim Todeskampf werde ich bei ihm sein. Und wenn es dann zu Ende ist, hole ich die bereitgestellte Schubkarre aus dem Wald. Mit der gehe ich durch die Bäume am Rand des Grundstücks bis zur Terrasse. Auf die Weise hinterlasse ich keine Spuren. Dann muss er in die Karre, der erste schwierige Part. Im Haus alles säubern, zweimal abschließen, wie Anja. Zurück zum Gartentor geht’s schön bergab und auf dem kurzen Waldweg zum Auto habe ich noch nie jemanden gesehen außer Anja und ihrer Freundin, und die sind heute nicht da. Mit dem Wagen brauche ich fünf Minuten zum Friedhof, ich parke in der Seitengasse direkt an der Friedhofsmauer. Die hohe Hecke schirmt mich ab. Über die Mauer klettern, ein Kinderspiel, die Schippe liegt im Auto. Dann Teichmanns Grab noch tiefer buddeln, nicht viel, aber etwas. Schließlich ihn über die Mauer hieven – der schwierigste Part. Die Tankstelle verdeckt zwar die Sicht, doch es kommt schon mal vor, dass sich jemand dahinter verirrt. Nicht drüber nachdenken, es wird klappen! Rein ins Loch. Sobald der alte Teichmann morgen Vormittag über ihm beerdigt ist, wird ein für alle Mal Schluss sein.

Sie schaute auf die Uhr. Noch etwa zwei Stunden. Gerade als sie anfangen wollte, die abschließende Spurenbeseitigung durchzugehen, hörte sie den Schlüssel in der Haustür. Sie erstarrte.

»Hallo? Ist da wer?«, hörte sie jemanden rufen.

Anja. Oh nein! Sie hatte die Tür nicht zweimal abgeschlossen. Panisch schaute sie sich nach einem Versteck um, denn raus konnte sie nicht mehr, das Küchenfenster war von innen mit Kräutern und Blumen vollgestellt und auf die Schnelle nicht zu öffnen.

Die Milch. Da stand noch die Milch neben dem Kühlschrank! Doch lediglich die Gedanken flogen. Ihr Körper blieb starr am selben Fleck, als würde er in alle vier Himmelsrichtungen gleichzeitig gezerrt werden.

Klack-klack-klack. Anjas hochhackige Schuhe erzeugten ein bedrohliches Geräusch auf dem Marmorboden.

»Katharina? Bist du da?«

Die Jacke und die Schuhe! Sie hatte sie erkannt.

»Ja«, antwortete Katharina automatisch und endlich löste sich ihre Starre. Sie griff im Schrank unter dem Spülstein nach dem erstbesten Putzmittel, dem Silberputztuch. Dann öffnete...


Zara Kavka hat nach dem Studium der Theaterwissenschaft viele Jahre als Redakteurin beim Kinderfernsehen gearbeitet. Als sie dann selber Kinder bekam, fing sie mit dem Schreiben an und kann seitdem nicht mehr damit aufhören. Viele ihrer Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sie lebt mit ihrer Familie in München.



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