E-Book, Deutsch, Band 83, 384 Seiten
Reihe: Julia Collection
Kay Julia Collection Band 83
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-0339-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 83, 384 Seiten
Reihe: Julia Collection
ISBN: 978-3-7337-0339-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
VERLETZTES HERZ von KAY, PATRICIA
Ihre neue Heimat Morgan Creek lässt langsam die Schatten von Amys Vergangenheit verblassen. Und als sie sich in Bryce Hathaway verliebt, scheint sich endlich wirklich alles zum Guten zu wenden. Vorausgesetzt, der angesehene Millionär erfährt nie, wer sie wirklich ist ...
GEHÖRST DU ZU EINEM ANDEREN? von KAY, PATRICIA
John traut seinen Augen nicht. Claudia Hathaway, die Frau, von der sein Cousin ihm seit Wochen vorschwärmt, ist die schöne Unbekannte, die er selbst seit Monaten nicht mehr vergessen kann. Doch jetzt muss er es, denn er will auf keinen Fall Philips Rivale um ihre Liebe sein.
DEINE LIEBE - DAS SCHÖNSTE GESCHENK von KAY, PATRICIA
Nie wird sie in diesem Kaff ihren Traummann finden! Enttäuscht beschwert sich Lorna bei ihrem geheimnisvollen Chatpartner, der in dieser Zeit ihr engster Vertrauter ist. Wie gerne hätte sie ihn auch im wahren Leben bei sich ... Sie ahnt nicht, dass er näher ist, als sie denkt ...
Patricia Kay hat bis heute über 45 Romane geschrieben, von denen mehrere auf der renommierten Bestsellerliste von USA Today gelandet sind. Ihre Karriere als Autorin begann, als sie 1990 ihr erstes Manuskript verkaufte. Inzwischen haben ihre Bücher eine Gesamtauflage von vier Millionen Exemplaren in 18 verschiedenen Ländern erreicht! Patricia ist die älteste von vier Schwestern und stammt aus dem amerikanischen Bundesstaat Ohio. Sie ist viel gereist und hat unter anderem in New York State, Kalifornien und Schweden gelebt, bevor sie und ihr Mann sich endgültig in Texas niederließen. Sie haben drei erwachsende Kinder und drei Enkelkinder. Ihre größten Hobbys sind Lesen und der Besuch von Musicals, vorzugsweise direkt am Broadway in New York.
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1. KAPITEL
Als Amy der lang gestreckten Kurve folgte, die die Landstraße beschrieb, tauchte am rechten Fahrbahnrand ein Ortseingangsschild auf. Sie musste zweimal hinsehen, dann trat sie vor Überraschung auf die Bremse.
WILLKOMMEN IN MORGAN CREEK, TEXAS
Sitz der Hathaway Bakery
5.445 Einwohner
„Hathaway Bakery?“, las sie laut. War das hier die Heimatstadt von Lorna Hathaway?
Seit einer Ewigkeit hatte Amy nicht mehr an Lorna gedacht, mit der sie sich damals auf dem College ein Zimmer geteilt hatte. Lorna war so nett und bodenständig gewesen. Hätte sie nicht beiläufig erwähnt, dass ihren Eltern eine Großbäckerei gehörte, wäre Amy nie auf die Idee gekommen, ihre Freundin könnte aus vermögenden Verhältnissen stammen.
Nach dem ersten Jahr verließ Lorna wegen der Trennung von ihrem Freund das Florida State College und kehrte zurück nach Texas, wo sie sich an der Universität in Austin einschreiben ließ. Irgendwann hatten die beiden Mädchen sich aus den Augen verloren.
Als Amy nun das Schild sah, kam es ihr wie ein Fingerzeig des Schicksals vor. Inzwischen war sie seit elf Stunden unterwegs und erschöpft, aber eine weitere Pause hatte sie nicht einlegen wollen. Es war schon schlimm genug gewesen, eine Übernachtung einlegen zu müssen.
Das Motel in Louisiana war abgelegen genug, damit Cole sie dort nicht aufspüren konnte – zumindest hoffte sie das. Neben den gefälschten Papieren hatte das geheime Netzwerk sie auch mit Kennzeichen aus Louisiana versorgt, die sie bei der erstbesten Gelegenheit anmontierte, um ihre Spur weiter zu verwischen. Doch Cole kannte ihren Wagentyp, und er konnte der Polizei Fotos von ihr und Calista geben.
Ihre Hoffnung bestand darin, dass er die Suche auf Florida konzentrierte, wo sie aufgewachsen war und wo ihr verwitweter Vater lebte. Dennoch war sie am Morgen bereits um sechs Uhr weitergefahren, um den Vorsprung nicht zu verlieren, den sie hoffentlich immer noch besaß.
Auf dem Rücksitz regte sich Calista in ihrem Kindersitz.
„Hi, Sweetie“, sagte Amy. „Hast du gut geschlafen?“
Calista machte eine unzufriedene Miene. „Mommy, hab Hunger.“
Aus ihrer Reisetasche zog Amy eine Tüte Knabbergebäck und reichte sie ihrer Tochter nach hinten, doch die verschränkte trotzig die Arme. „Ich will Fritten. Und einen Hamburger“, forderte sie.
„Honey, damit kann ich nicht dienen, aber ich verspreche, ich halte sofort an, wenn es irgendwo Hamburger gibt“, erwiderte Amy.
Daraufhin begann Calista zu weinen und zerrte am Gurt ihres Sitzes.
Amy war auch nach Weinen zumute, doch sie zwang sich, Ruhe zu bewahren, und fuhr weiter nach Morgan Creek. Was sie machen würde, wenn sie dort ankam, war ihr noch nicht klar. Sie wusste nur, sie selbst und Calista benötigten dringend eine Pause.
Fünf Minuten später erreichte sie die Stadt, fuhr an einem halben Dutzend Geschäfte, einer Bank und zwei Kirchen vorbei, bis sie an einer Ecke eine Tankstelle entdeckte. Sie musste ohnehin tanken, dann konnte sie auch dort anhalten.
Die heiße Augustluft schlug ihr entgegen, als sie ausstieg. Während ein Tankwart sich um den Wagen kümmerte – Amy hatte fast vergessen, dass es nicht nur Tankstellen mit Selbstbedienung gab –, ging sie mit Calista zur Toilette, damit sie sich frisch machen konnten. Bei der Frau an der Kasse fragte sie dann nach einem Telefonbuch.
„Klar, Sugar“, meinte die Frau hinter dem Tresen und holte ein dünnes, ramponiert aussehendes Verzeichnis hervor. „Wen suchen Sie denn?“
„Eine alte Freundin“, antwortete Amy vorsichtig.
„Ich kenne jeden hier in der Gegend.“
Amy zögerte, kam jedoch zu dem Schluss, es sei lächerlich, Lornas Namen für sich zu behalten. „Sie heißt Lorna Hathaway, aber ich weiß nicht, ob sie überhaupt noch hier wohnt.“
„Lorna? Na klar, Sugar, die kenn ich. Alle anderen Hathaways übrigens auch.“ Sie nahm das Telefonbuch wieder an sich, schlug es auf und zeigte auf eine Nummer. „Da steht sie.“
Amy notierte es, bezahlte und fuhr zur nächsten Telefonzelle. Ihr Mobiltelefon konnte sie nicht mehr benutzen, wenn sie vermeiden wollte, dass man ihre Telefonate zurückverfolgte.
Nach dem sechsten Klingeln wollte sie schon entmutigt auflegen, als sich doch noch eine Frau meldete, die unüberhörbar außer Atem war. „Hallo?“
„Lorna?“
„Ja.“
„Hier ist Amy, Amy Summers.“ Sie nannte ihren Mädchennamen. „Erinnerst du dich noch? Wir waren zusammen auf dem Florida State College.“
„Amy? Ich glaub’s nicht! Das ist ja schon Jahre her. Wohnst du immer noch in Florida?“
„Nein, ich ziehe gerade aus Louisiana weg.“
„Louisiana? Das erklärt natürlich, warum ich dich nicht finden konnte, als ich letztes Jahr in Orlando war und dich anrufen wollte.“
„Tatsächlich?“ Das klang vielversprechend.
„Ja. Du kannst dir nicht vorstellen, wie enttäuscht ich war. Ich habe sogar beim College angefragt, aber da kannte auch niemand deine aktuelle Adresse.“
Amy musste daran denken, wie Cole sie gedrängt hatte, ihr altes Leben hinter sich zu lassen, bis sie schließlich keinen ihrer Kontakte weiterpflegte. Auf diese Weise war es ihm gelungen, sie völlig zu isolieren und von allen Menschen fernzuhalten, die er als eine Bedrohung für seine totale Kontrolle über seine Frau ansah. Er wollte ihr sogar die Besuche bei ihrem Vater verbieten, doch zumindest in diesem Punkt war sie standhaft geblieben.
„Und wo bist du jetzt?“
„Hier in Morgan Creek.“
„Ehrlich? Was hat dich denn hierher verschlagen?“
„Das ist eine lange Geschichte.“ Amy seufzte. „Ich bin auf der Durchreise, und da dachte ich, wir könnten uns treffen. Kannst du mir hier in der Gegend ein Hotel empfehlen … zumindest für eine Übernachtung?“
„Natürlich müssen wir uns sehen“, rief Lorna begeistert. „Aber vergiss das Hotel, du kannst bei mir schlafen. Ich habe genug Platz. Oh Amy, ich freue mich so, dass du dich gemeldet hast. Jetzt sag mir erst mal, wo du bist.“
Nachdem Lorna ihr den Weg beschrieben hatte, fuhr Amy los und fand mühelos das gelb gestrichene, mit Braun abgesetzte Haus im viktorianischen Stil. Ringsum verlief eine Veranda, auf der Amy eine Korbgarnitur und sogar eine Hollywood-Schaukel entdeckte. Ein perfektes Haus, das für eine Person allerdings viel zu groß zu sein schien. Nach dem Eintrag im Telefonbuch zu urteilen, war Lorna nicht verheiratet, aber vielleicht hatte sie trotzdem einen Partner und sogar Kinder.
Amy stellte ihren silberfarbenen Toyota am Straßenrand vor dem Haus ab und öffnete gerade die Fahrertür, da kam Lorna auch schon auf sie zugelaufen. Ihre Freundin hatte sich kaum verändert. Sie war natürlich älter geworden, aber immer noch schlank und blond, auch wenn sie ihr Haar nicht mehr schulterlang, sondern modisch kurz trug. Amys Haar war so lockig, dass sie es nie gebändigt bekam.
Lorna strahlte sie an, ihre hellblauen Augen sprühten vor Begeisterung. Ehe Amy die hintere Tür des Wagens öffnen konnte, um Calista aus dem Kindersitz zu nehmen, wurde sie von ihrer Freundin überschwänglich umarmt. „Amy! Es ist so wunderbar, dich wiederzusehen!“ Erst dann tat sie einen Schritt nach hinten und musterte sie. „Toll siehst du aus. Du bist überhaupt nicht älter geworden!“
„Und du konntest noch nie gut lügen“, gab Amy zurück und verzog den Mund. „Ich sehe entsetzlich aus, das weiß ich.“
„Du könntest nicht mal entsetzlich aussehen, wenn du es versuchen würdest.“
„Mommy!“
Lornas Augen wurden größer, sie beugte sich vor und warf einen Blick in den Wagen. „Und wer ist diese Kleine da?“
„Meine Tochter Calista. Warte, ich hole sie raus.“
Amy löste die Gurte des Kindersitzes. Neugierig betrachtete Calista die fremde Frau.
„Na, hallo, Calista“, gurrte Lorna. „Du bist ja ein hübsches Ding.“
Die Kleine lächelte breit, wobei sich in ihren Wangen tiefe Grübchen bildeten, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte.
„Amy, sie ist ja ein Schatz!“
Amy entging nicht der sehnsüchtige Tonfall in Lornas Stimme.
Gemeinsam brachten sie nun das Gepäck ins Haus. Amy hätte gern ausgiebig den gepflegten Garten bewundert. Doch ihre Sorge wog zu schwer, um sich an irgendetwas erfreuen zu können.
Im Haus war es angenehm kühl. Glänzender Parkettboden, wunderschöne Antiquitäten und stilvolle Teppiche zeugten von gutem Geschmack. An der Decke drehte sich leise surrend ein Ventilator.
„Wenigstens ist alles sauber“, meinte Lorna erleichtert. „Meine Putzfrau kommt zweimal die Woche her, und zum Glück war heute einer der beiden Tage.“
„Es ist herrlich“, erwiderte Amy. Doch es war nicht nur herrlich, sondern es strahlte zudem eine solche Ruhe aus, dass sie sich nicht mehr so nervös und ängstlich fühlte. Ihr kam es vor, als könne ihr hier nichts Schlimmes widerfahren.
„Sollen wir erst deine Sachen nach oben bringen, bevor ich dir das Haus zeige?“
„Es ist wirklich lieb von dir, dass du uns hier übernachten lässt, Lorna.“
„Hey, wir sind schließlich Freundinnen. Außerdem bin ich ganz aus dem Häuschen, dass du hier bist.“
„Das freut mich“, gab Amy zurück.
Sie gingen in den ersten Stock, wo Lorna sie in ein Zimmer führte, in dem ein Himmelbett mit blassgrüner Tagesdecke, eine Kommode, ein Kleiderschrank und ein Schreibtisch...




