Keller | Nennt mich Wellenkamm | Buch | 978-3-03973-085-8 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 250 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 204 mm

Reihe: Edition Blau

Keller

Nennt mich Wellenkamm

Roman
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-03973-085-8
Verlag: Rotpunktverlag

Roman

Buch, Deutsch, 250 Seiten, Format (B × H): 125 mm x 204 mm

Reihe: Edition Blau

ISBN: 978-3-03973-085-8
Verlag: Rotpunktverlag


Amiy ist eine erfolgsverwöhnte Influencerin, aber als sie auf einem luxuriösen Kreuzfahrtdampfer beim dritten Gin Tonic über Bord geht, kümmert das niemanden. In höchster Not wird die Schiffbrüchige von einem Segelboot gerettet, auf dem sich sieben Reisende jeden Abend Geschichten aus der Zukunft erzählen. Amiy verwandelt sich in »Wellenkamm« und taucht ab in diese Geschichten, in eine Welt, die den Klimakollaps im letzten Moment abgewendet und sich neu erfunden hat: ehemalige Erdölraffinerien sind zu Industriemuseen geworden, Hochhäuser in hängende Gärten verwandelt, Superyachten werden zu Wohnungen und Werkstätten umgebaut, die Geschlechtergerechtigkeit ist endlich hergestellt, in Mali ergrünt die Savanne und im Pazifik werden die von Hurrikans zerstörten Inseln zu neuem Leben erweckt.

Christoph Keller errichtet keine utopischen Luftschlösser, sondern spürt, mit viel Fachwissen und einer Prise Humor, einer möglichen Zukunft literarisch voraus.

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– Look, sagte Jody, sie tanken.
– Sie tanken, ja.
– Sieht so aus, als wäre es eine Zeremonie, nicht? Diese Innigkeit, wie sie ihr Fahrzeug betanken, diese betonte Langsamkeit, die Hand an diesem Stutzen, wie sorgsam sie den einführen. Ob sie auch lauschen, wie der Sprit in den Tank fließt?
– Es ist eher der Geruch, sagte ich, den Stoff riechen, ich glaube, das macht sie irgendwie high, jedenfalls zeigt das fossile Zeitalter, dass es funktioniert hat, bei Männern hauptsächlich.
– Addicts, sagte Jody nur.
Der Tankvorgang stoppte mit einem Klack nach fünf Gallonen, mehr gab es nicht pro Person und Monat, alles blockchainmäßig abgesichert, manchmal machten die Ressource Allocation Units mit ihren fast_bikes auch Stichproben, weil Manipulation zwar schwierig war, aber nicht unmöglich. Fünf Gallonen war das Maximum, das wussten die beiden da draußen mit ihrem BMW, dennoch hielt der eine den Stutzen in der Hand, als sollte noch mehr kommen, der andere, seine Kappe tief ins Gesicht gezogen, steckte die Hände in die Hosentaschen, zuckte die Schultern. Sie blickten beide zur Zapfsäule, der mit der Kappe umkreiste sie langsam, als suchte er etwas, dann trat er dagegen, mit Schwung, die Säule stand jetzt leicht schief.


Keller, Christoph
Christoph Keller, 1959 in der Schweiz geboren, in Peru aufgewachsen, ist freischaffender Autor, Reporter und Podcaster. Er schreibt für Zeitungen und Zeitschriften wie Reportagen, surprise oder WOZ Die Wochenzeitung. Seine Podcasts veröffentlicht er auf der Plattform podcastlab.ch. Von 2010 bis 2019 leitete er die Redaktion Kunst & Gesellschaft von Radio SRF2 Kultur. Für seine Arbeiten wurde er unter anderem zweimal mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet. In der Edition Blau sind seine Romane Übers Meer (2013) und Afrika fluten (2023) erschienen. Christoph Keller lebt in Basel und segelt zeitweilig auf einem kleinen Boot übers Mittelmeer.



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