Kelman | Schrei, wenn du kannst | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 387 Seiten

Kelman Schrei, wenn du kannst

Thriller
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-918-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 387 Seiten

ISBN: 978-3-98690-918-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Sie stürzt sich in eine Jagd auf Leben und Tod ... Der fesselnde Thriller »Schrei, wenn du kannst« von Judith Kelman als eBook bei dotbooks. Ein Triebtäter lauert kleinen Mädchen auf ... Eine Reihe von Morden und Kindesentführungen erschüttert die Kleinstadt Westport in Connecticut. Als die junge Rettungshelferin Lenny ein Mädchen aus tödlicher Gefahr befreit, wird schnell klar, dass sie vom selben Serientäter vergewaltigt wurde - und dem Tod nur um ein Haar entkommen ist. Für Lenny ist es wie ein Schock, denn sie erlebt einen Flashback zu ihrer eigenen dunklen Vergangenheit, die sie seit Jahren in sich begraben hat. Sie wird alles tun, um den Killer zu schnappen und die entführten Kinder zu befreien - auch wenn sie sich damit in Lebensgefahr bringt ... »Schnell, spannend und äußerst fesselnd!« Dean Koontz Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Psychothriller »Schrei, wenn du kannst« von Judith Kelman ist so atemlos spannend wie Mary Higgins Clark und so abgründig wie Harlan Coben. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Mit mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren ihrer Bücher ist Judith Kelman eine Meisterin der psychologischen Spannung. Sie wurde für ihren Thriller »Fürchte dich vor mir« mit dem Mary Higgins Clark Award ausgezeichnet und war Vorsitzende der Mystery Writers of America. Sie lebt in New York City. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Thriller um Rechtsanwältin Sarah Spooner mit den Bänden »Wo das Dunkel herrscht« und »Wenn die Unschuld stirbt« sowie die Standalone-Thriller »House on the Hill«, »Schrei, wenn du kannst« und »The Black Widow«.
Kelman Schrei, wenn du kannst jetzt bestellen!

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KAPITEL 2


Lennie

Das Feuerwehrauto bog quietschend in die Griscom Woods ein. Nick Marzullo stellte die Sirene ab. Durch das blitzende Licht wehte feiner Schnee, und das Eis knirschte unter den riesigen Reifen wie zerstoßenes Glas. Der Wind heulte um die Ecken.

»Wo ist denn das Feuer, verdammt noch mal?« fragte Marzullo. Er war kurz und gedrungen, und mit einer eingequetschten Visage und dem aggressiven Mund war er die Antwort der Menschheit auf eine Bulldogge.

»Langsam, Zulu. Ich kann die Hausnummern nicht erkennen.« Captain Joe Perriman blinzelte durch das Schneegestöber auf das Riesenhaus rechts, die Nachbildung eines französischen Landhauses aus der Normandie. »Weiter, Mann, der Anruf war für zwei-eins-drei Ledgebrook. Wir sind immer noch bei den Zweistelligen.«

Früher war das riesige Griscom-Gelände Privatbesitz gewesen, bis es vor fünf Jahren an Entwicklungsunternehmen verkauft wurde. Die Baufirmen hatten das Gebiet mit künstlichen Teichen und Zierbäumen aufgepeppt. Jedes Grundstück war zwei Morgen groß und mit einem riesigen Haus bestückt, protzig und grell wie eine aufgetakelte Matrone.

Zwar standen die Häuser in großzügigen Abständen voneinander, aber dennoch hatte man die typische Vorstadtkrankheit nicht vermeiden können: Überfluß. Die ganze Umgebung stank nach Zuviel. Luxuswagen säumten die Straßen, und die manikürten Höfe waren mit verschwenderisch ausgestatteten Pools und Tennisplätzen vollgepfropft. Es war alles zu viel, zu neu, und es sah alles unecht aus.

»Da!« brüllte Perriman. »Da drüben, zieh rüber!«

Die Reifen quietschten, und mit einem Ruck blieb der Wagen direkt an der Kurve stehen, vor dem massiven Abklatsch eines Hauses im Tudorstil. Nur ein leichter Rauchgeruch hing in der Luft. Das deutlichere Zeichen eines Zwischenfalls war eine verwirrte Frau, die ohne Mantel im verschneiten Vorgarten stand.

Das Licht an der Tür fiel auf ihr angstverzerrtes Gesicht. Sie starrte zum Dach hoch und schrie beschwörend hinauf. Beißende Windböen zerrten an ihrem schwarzen Chiffonrock und ihrer cremefarbenen Seidenbluse. Der Schnee fiel auf ihr honigblondes Haar, doch das schien ihr völlig egal zu sein. Man mußte schon ein Herz aus Stein haben, um ihr markerschütterndes Geschrei zu ignorieren. Ich sprang vom Sitz.

»Kitty, bitte!« hörte man ein ums andere Mal.

Captain Perriman war der Chef des Löschzugs. Schnell überquerte er den Rasen, stellte der Frau ein paar Fragen und machte plötzlich voller Wut kehrt.

»Mein Baby«, heulte die Frau hinter ihm her, »bitte, Sie müssen mir helfen!«

Perriman war stocksauer. »Dieses Weib denkt, daß ich das Leben meiner Leute aufs Spiel setze, nur um ihre dämliche Katze zu retten. Die spinnt!« Er spuckte die Worte wie Steine aus.

Er ging zum Wagen zurück, aber ich hielt ihn an: »Ich würde das gern machen, Captain.«

Perriman ist eine Gestalt aus Flächen und Winkeln: quadratische Kinnbacken, Hakennase, auf seinem Kopf heufarbene Stoppeln. Er ist massig, hat dicke Finger und legt sich gern mit anderen an.

»Vergiß es, Finn. Wenn du da hochkletterst, wirst du zerkratzt oder schlimmer.«

»Das klappt schon, Captain«, antwortete ich ruhig. »Ich kann prima mit Tieren umgehen.«

»Ich habe gesagt, vergiß es! Die dämliche Katze kommt schon runter, wenn sie genug hat. Oder hast du schon mal gehört, daß ’ne Katze von ’nem Baum gefallen ist – oder von ’nem Dach? Wohl kaum!«

»Sie selber weiß das offensichtlich nicht.«

»Zu dumm für sie«, schnaufte Perriman. »Ich hätte das Weib wegen falschen Alarms einbuchten sollen. Damit sie’s ein für allemal kapiert. Sie glaubt sonst, sie kann wegen allem und jedem anrufen.«

Aus den Augenwinkeln sah ich an der Ecke des Hauses, hinter der Heckenreihe, einen Kreis aus Steinen. Aus seiner Mitte wehten Rauchschwaden, die aus einem Haufen von verkohltem Schutt kamen.

Ein Kreis aus Steinen? Qualmende Asche? Das Bild kam mir eigenartig bekannt vor. Aber hartnäckig weigerte sich meine Erinnerung, mehr zu liefern.

Ich schob den Gedanken beiseite und wandte mich dem dringenderen Problem zu. Diese Frau, die so verloren und verzweifelt auf dem Rasen stand, brach mir das Herz.

»Bitte, Captain, sie ist doch völlig fertig. Lassen Sie mich die Katze für sie runterholen!«

Perriman schlug seinen Kragen hoch und polterte los. »Verdammt noch mal, Finn, bist du taub? Du wirst nicht dafür bezahlt, daß du für so ’ne verrückte Katzennärrin den Helden spielst.«

»Es dauert doch nur eine Minute ...«

»Feuerwehrleute löschen Feuer und retten Menschen, das ist doch hier kein Kitschfilm!«

»Bitte!«

»Nein – und nochmals nein! Wenn du da hochkletterst und dir deinen dämlichen Hals brichst, bin ich dran!«

»Bitte, Captain!«

Perriman hob verzweifelt die Hände: »Wer bist du, Finn? Ein halber Maulesel? Okay, verdammt, hol die blöde Katze. Aber mach schnell!«

»Mach ich. Danke!«

Bevor er es sich anders überlegte, lief ich zum Wagen, um eine Leiter und Hilfe zu holen. Ich nahm meinen Helm vom Kopf, der kalte Wind, der mir durchs Haar fegte, tat gut. Das Helmtragen war Pflicht, aber er drückte mir auf den Schädel wie ein Stein.

Auch wenn ich in voller Uniform bin, sehe ich nicht gerade stattlich aus. Mit meinen knappen ein Meter fünfundsechzig bin ich auch beträchtlich kleiner als ein typischer Feuerwehrmann. Für ein Poster, um Nachwuchs zu werben, eignet sich mein Gesicht auch nicht gerade. Meinen Augen fehlt dieses Stahlharte, mein Mund ist zu weich, meine Gesichtsfarbe zu bleich. Jeder selbstbewußte Dalmatiner nimmt sich an meiner Seite besser aus als ich. Einige meiner zweibeinigen Kollegen sind auch nicht so von mir überzeugt: Ich bin zu klein, zu sentimental. Ich habe Brüste.

Als ich trotz aller Warnungen vor zehn Jahren als erste Frau in die Feuerwehr von Stamford eintrat, hatte ich eigentlich keine besonderen Probleme erwartet. Ich hatte die Anzeige in den Ortsnachrichten gesehen und das als Omen genommen. Damals war ich völlig fertig und suchte eine Möglichkeit, mein Leben nachhaltig zu ändern. Viele meiner Freunde hielten das für eine ausgemachte Schnapsidee, doch gegen meine überentwickelte Hartnäckigkeit zogen diese Argumente nicht.

Eine Karriere bei der Feuerwehr schien für mich genau das Richtige: körperlicher Einsatz, Risiko, Heldentum. Menschen zu retten schien mir das Edelste und Erstrebenswerteste überhaupt. Ganz abgesehen davon, daß es bezahlt wurde, einer Krankenversicherung einschloß (sogar für Zähne) und eine traumhafte Rente.

Ich bin eigentlich ein halber Junge. Meine Narben aus diversen Schlachten beweisen das. Die leichte Krümmung meiner Nase verdanke ich einem saftigen Wurf bei den Baseball-Meisterschaften in der regionalen Liga. Andere denkwürdige Ereignisse auf und abseits des Feldes haben mir einen abgebrochenen Schneidezahn und eine Narbe in der Form einer fliegenden Möwe über meiner rechten Augenbraue eingetragen.

Mein Körper ist eher athletisch als mit Kurven gesegnet. Obwohl meine Brüste meine sonstige Norm überschreiten, sind sie in Wirklichkeit erheblich kleiner als in der Phantasie meiner infantilen Kollegen. In der Feuerwehruniform fallen sie schon gar nicht auf, auch nicht die Tatsache, daß ich eine Frau bin: in einem großen braunen Mantel mit leuchtenden, goldenen Streifen, abgetragenen, braunen sackförmigen Hosen und kniehohen, schwarzen Neoprenstiefeln.

Marzullo hatte damals schon seinen Platz als Fahrer des Löschwagens erobert. Wild Bill Hitsig, der andere Mann am Schlauch, hatte seine lange, linkische Gestalt gegen den Schlauch gelehnt. Hitsig ist hohlwangig und schielt. Ekelhaft wie monatelang abgestandene Milch. Wenn er atmet, produziert er sichtbare Wolken wie ein Drache. Aber ich biß die Zähne zusammen und ging auf ihn zu.

Wild Bill hatte sich seit meinem ersten Tag der Aufgabe verschrieben, mir das Leben zur Hölle zu machen. Das Weltbild dieses Kerls war so unerschütterlich wie idiotisch. Für ihn gehörte eine Frau an den Herd. Hardware, Sport, Beruf und vor allem Wissen (zumindest das mit dem Gehirn) war Menschen mit Haaren auf der Brust vorbehalten. Wild Bill konnte mich nicht als menschliches Wesen sehen, geschweige denn als normale Kollegin.

»Ich hol jetzt die Katze runter, Hitsig. Hilf mir bitte mit der Leiter, ja?« Hinter mir hörte ich die Frau schluchzen.

»Gott, Finn. Es ist ein blödes Tier! Es ist drei Uhr morgens und saukalt!«

»Perriman ist einverstanden. Hilfst du mir jetzt bitte?«

Er grinste geil und zeigte seine gelben Zähne. »Klar, Baby. Wie hättest du’s denn gern?«

Ich schluckte meinen Ärger runter und sah ihm gerade in seine Schielaugen. »Wenn wir schon von blöden Tieren reden ...«

»Halt die Klappe, dumme Kuh!«

»Es reicht«, bellte Perriman. »Nun mach schon, Finn. Hitsig, du hilfst ihr, und zwar sofort!«

Unter dem wachsamen Blick des Captains tat Wild Bill sein Bestes, um einen Menschen zu imitieren. Zur Abwechslung unterließ er es mal, mich auszutricksen oder zu unterlaufen. In kurzer Zeit hatten wir die Leiter fest ans Dach gelehnt. Ich stemmte mich gegen den bitterkalten Wind und kletterte hoch. Jetzt klang die Stimme der Frau plötzlich kratzend rauh.

»Kitty, bitte!«

Ich schaute über das dunkle Dach und suchte die verlorene Katze. Der Wind blies Schneewehen durch die Luft, doch sonst war auf dem Vorderdach nichts Lebendes zu entdecken. Vorsichtig kroch ich über die rutschigen Ziegel und nahm die Regenrinnen in Augenschein. Verrottete Blätter, Äste und anderer Müll hatte sich darin gesammelt. Eine kleine Katze hätte da schon reinfallen können und...



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