Kempfle | Mord im Rotstiftmilieu | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 368 Seiten

Reihe: Bähr und Klein ermitteln

Kempfle Mord im Rotstiftmilieu

Ein Provinzkrimi
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-641-29203-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Provinzkrimi

E-Book, Deutsch, Band 2, 368 Seiten

Reihe: Bähr und Klein ermitteln

ISBN: 978-3-641-29203-4
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hinreißend komisch, mit charmanten Figuren und einem verzwickten Fall – der neue Provinzkrimi mit Isa Klein und Kommissar Bähr.

Ein Gasleck beschert dem jungen Englischlehrer Wonneberg einen ziemlich spektakulären Tod. Doch damit nicht genug: An seiner Schule herrscht durch sein plötzliches Ableben Personalmangel in einem wichtigen Prüfungsfach. Isa Klein ist zunächst mäßig begeistert von der Aussicht, Wonneberg zu vertreten. Erst als sie hört, sein Tod sei vielleicht kein Unfall gewesen, sondern eiskalter Mord, sieht sie ihre Chance gekommen, erneut tatkräftig zu ermitteln. Kommissar Bähr, offiziell mit der Aufgabe betreut, den verdächtigen Tod an der Schule aufzuklären, sieht ihre »Assistenz« gar nicht gern. Denn er weiß nur zu gut, welch magische Anziehungskraft Isa auf Fettnäpfchen, brenzlige Situationen und natürlich Mörder ausübt ...

Lesen Sie auch »Übung macht den Mörder« mit dem unschlagbar witzigen Duo Bähr und Isa Klein!
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Kapitel 1 


»Bitte beruhigen Sie sich doch.« Rektor Maier ließ seine Hände beschwichtigend vor den Köpfen des Kollegiums auf und ab wippen. Kurz zuvor hatte er mit einer unheilvollen Verkündung einen regelrechten Tumult im Lehrerzimmer ausgelöst. Jetzt plapperten alle wild durcheinander.

Isas Hand, die ein Käsebrötchen umklammerte, verharrte in Schockstarre einige Zentimeter vor ihrem geöffneten Mund. Sie hatte gerade abbeißen wollen, als Maier die Bombe hatte platzen lassen.

Alarmiert blickte sie zu dem Rektor, der wie ein Frosch seine Backen aufblähte und die Luft anschließend geräuschvoll entweichen ließ. Genauso sah er aus, wenn er in seine Tuba blies, dachte Isa. Nur, dass das hier nicht der Kirchplatz Grimmingens war, auf dem die Kapelle normalerweise zu feierlichen Anlässen aufmarschierte, sondern lediglich das Lehrerzimmer der örtlichen Gemeinschaftsschule.

»Ich sage ja gar nicht, dass jemand gehen muss!«, rief Maier erneut gegen den Lärm an. Es war zwecklos. Das schien auch er nun einzusehen. Mit einem resignierten Seufzer ließ er sich auf seinen Stuhl am Kopfende des ovalen Gruppentisches fallen und presste die Lippen aufeinander.

»Die Kollegen in Reutlingen tun mir einfach nur leid«, murmelte Renate. Isas Kopf fuhr zu ihr herum, und sie sah ihre Freundin aus schmalen Augen an.

»Ich bin gespannt, ob du immer noch so denkst, wenn es dich am Ende trifft«, zischte sie.

Renate zog beleidigt eine Schnute, und Isa tat ihre Gereiztheit direkt leid.

»’tschuldige«, murmelte sie kleinlaut. »Ich bin nur nervös. Wenn am Ende jemand gehen muss, dann ja wohl ich.« Immerhin hatte sie erst kürzlich für einen handfesten Eklat gesorgt.

Ein unangenehm hoher Klingelton übertönte das Stimmengewirr der Kollegen und schmerzte Isa in den Ohren. Über den Tisch hinweg warf sie ihrem Kollegen einen grimmigen Blick zu. Jens Koll, den sie heimlich nur Schmoll nannte, weil er ständig wegen Kleinigkeiten schmollte, saß ihr gegenüber und schlug mit einem lächerlich kleinen Schlägel gegen einen Klangstab. Im Gegensatz zu allen anderen schien er die Ruhe selbst zu sein.

Isa schnaubte verächtlich. Dieser Streber hatte ja auch nichts zu befürchten.

»Danke, Herr Koll«, murmelte Maier, erhob sich schwerfällig von seinem Stuhl und zog sein Karohemd glatt, das ihm über den wohlgerundeten Bauch gerutscht war.

»Also, zum letzten Mal …«, sein strenger Blick traf die arme Heidemarie, die vor lauter Aufregung tomatenrot angelaufen war und sich mit der Hand Luft zufächelte.

»Es muss niemand gehen. Ich gebe nur weiter, was das Schulamt mir heute Morgen mitgeteilt hat. Nämlich, dass die Hermann-Hesse-Schule in Reutlingen dringend Ersatz für den verstorbenen Kollegen braucht. Sie wissen, dass wir jemanden für ein paar Stunden abgeben könnten, weil Frau Paul bald aus der Elternzeit an unsere Schule zurückkehren wird und wir dann den Luxus eines Überhangs haben.«

Bildete Isa sich das ein, oder huschten verstohlene Blicke in ihre Richtung? Sie hatte damals, vor zwei Jahren, Jule Pauls Platz an der Schule eingenommen. Von allen Kollegen hier war sie am kürzesten an der Grimminger Gemeinschaftsschule. Und sie hatte seither nicht unbedingt durch besonderes Engagement geglänzt. So bequem es gewesen war, sich aus allem rauszuhalten, könnte ihr das jetzt zum Verhängnis werden. Keinerlei Zusatzaufgaben zu übernehmen, machte sie nicht gerade unentbehrlich. Nicht so wie Schmoll oder die stets hilfsbereite Anna-Maria.

Die einzige Aufgabe, die Isa zuletzt gezwungenermaßen übernommen hatte, war gehörig schiefgegangen. Wenn man die eigenen Schüler aus Versehen eine Liste mit möglichen Verdächtigen in einem Mordfall verteilen ließ, machte das nicht gerade den besten Eindruck. Weder bei den Eltern noch bei den Kollegen, ganz zu schweigen vom Chef.

»Selbstverständlich werde ich versuchen, der Person, die sich freiwillig meldet, einen möglichst angenehmen Stundenplan zu erstellen, sodass die Pendelei nicht zu stressig wird«, fuhr Maier fort.

Isa kam ein Gedanke und sie hob die Hand, aber Maier redete einfach weiter. »Was nicht bedeutet, dass der- oder diejenige mit einer Arbeitszeitverkürzung rechnen darf.«

Schnell nahm Isa die Hand wieder runter.

»Hat sich Ihre Frage erledigt, Frau Klein?«

Sie nickte knapp und gab sich Mühe, den Blicken der Kollegen auszuweichen. Schmolls empörtes Schnauben entging ihr trotzdem nicht.

»Überlegen Sie es sich. Sie alle«, sagte Maier. »Ich möchte auf keinen von Ihnen verzichten und will auch niemanden zwingen. Aber Sie wissen um die Notsituation, in der die Hermann-Hesse-Schule gerade steckt.« Mit diesen Worten schloss er seine Ansprache und sank sichtlich ermattet auf seinen Stuhl zurück. Unter seinen Achseln zeichneten sich dunkle Flecken ab.

Kaum war er verstummt, setzte das allgemeine Gemurmel wieder ein. Diesmal allerdings etwas leiser und weniger hysterisch.

»Hast du den Nachruf schon gelesen?«, fragte Renate an Isa gewandt.

Die schüttelte den Kopf und biss endlich in ihr Käsebrötchen.

Die ganze Woche war von nichts anderem als dem dramatischen Gasunfall die Rede gewesen. Isas Eltern waren am Samstagabend unangekündigt bei ihr aufgekreuzt, um ihr die schreckliche Nachricht höchstpersönlich zu überbringen. Als würde sie wie eine Einsiedlerin von der Außenwelt abgeschottet leben und auf ihre Botschafterdienste angewiesen sein. Und dann waren sie bis weit nach Mitternacht geblieben.

»Der war noch keine fünfunddreißig«, sagte Renate und scrollte durch irgendwelche Bilder auf ihrem Handy. »Hier!« Sie hielt es Isa unter die Nase. Es war der Nachruf der Hermann-Hesse-Schule. Mit einem Bild des verstorbenen Kollegen, Marco Wonneberg. Isa musste zugeben, dass er nicht schlecht aussah. Ausgesehen , verbesserte sie sich in Gedanken. Jetzt war er vermutlich nicht mehr so ansehnlich.

»Du bröselst.« Renate zog ihr Handy weg und pustete auf das Display. »Vielleicht sollte ich mich melden«, murmelte sie dann leise vor sich hin.

Isa zog die Brauen zusammen. »Spinnst du? Weißt du, was das bedeutet? Die ständige Hin- und Herfahrerei. Ein fremdes Kollegium, lauter neue Schüler.«

Renate nahm die exzentrisch geschwungene Brille ab und blickte sie ungerührt aus ihren blaugeschminkten Augen an.

Wieso wunderte Isa sich überhaupt? Mittlerweile sollte sie wissen, dass ihre Freundin ein viel zu weiches Herz hatte. Sie konnte niemandem etwas abschlagen und empfand sogar mit einem platt gefahrenen Regenwurm noch Mitleid.

»Guck nicht so«, sagte Isa trotzig, »der Kollege wird durch deine Selbstaufopferung auch nicht wieder lebendig. Soll doch diese Jule Paul gehen, wenn sie unbedingt arbeiten will.«

»Sie ist Mutter eines zweijährigen Kindes«, mischte Jens sich von der anderen Seite des Tisches ein – ungefragt, wie immer. »Da kann man ja wohl schlecht verlangen, dass sie jeden Tag eine solche Strecke auf sich nimmt.«

Sein Blick sprach Bände. Was er ihr fraglos eigentlich damit sagen wollte, hing unausgesprochen zwischen ihnen in der Luft. Nämlich, dass sie, Isa, kinderlos und noch dazu Single, die beste Wahl für diese Teilabordnung wäre. Und wie sie ihn kannte, würde er das Rektor Maier bei nächster Gelegenheit auch unter die Nase reiben. Sofern der noch nicht selbst drauf gekommen war.

»Ich hab selbst einen Dreijährigen daheim«, sagte sie und stopfte sich den letzten Bissen ihres Brötchens in den Mund.

»Redest du von deinem Dackel?« Jens lachte spitz auf, und Isa grinste ungeniert mit vollem Mund zurück. Trotzdem hatte er es zu ihrem Ärger geschafft, sie mit seiner unausgesprochenen Botschaft zu beunruhigen. Die Bilder aus vergangenen Zeiten an den Wänden des Lehrerzimmers taten ihr Übriges. Denn es war nicht zu übersehen, dass Jens und diese Jule Paul ein Herz und eine Seele waren. Ein Foto zeigte die beiden zwischen mehlbestäubten Teenagern beim Pfannkuchenbacken für einen guten Zweck. Ein anderes beim Abschlussball eines Jahrgangs, beide herausgeputzt, als wäre es ihr eigener. Und dann noch dieses Bild von Jens und Jule beim Segeltörn mit der damaligen Abschlussklasse. Über das ganze Gesicht strahlend, als wäre es das Schönste der Welt, mit pubertierenden, dauergeilen Teenagern nach Holland zu fahren, dem Schmelztiegel der Versuchung. Davon abgesehen wusste Isa aus sicherer Quelle, dass Jens sich den halben Trip über die Seele aus dem Leib gekotzt hatte, weil er seekrank geworden war.

»Schon mal drüber nachgedacht, ihn zum Schulhund ausbilden zu lassen? Dann könntest du ihn immer mitnehmen.«

Isa runzelte die Stirn. Sie war mit ihren Gedanken abgeschweift, sodass es einen Moment dauerte, ehe sie begriff, dass Anna-Maria von ihrem Dackel sprach. Der ernsten Miene ihrer Kollegin nach zu urteilen, war das kein Scherz gewesen.

»Er hasst Kinder«, murmelte sie und ignorierte den verwunderten Seitenblick, den Renate ihr zuwarf. Alfons war wahrscheinlich der menschenfreundlichste Dackel im Umkreis von dreihundert Kilometern. Treudoof und immerzu schläfrig, außer wenn es etwas zu fressen gab. Aber momentan war er darüber hinaus auch noch ihre passende Ausrede, um nicht stundenweise nach Reutlingen kutschieren zu müssen.

Der Schulgong verkündete das Ende der Pause, und Jens sprang wie von der Tarantel gestochen auf. Isa beobachtete kopfschüttelnd, wie er voller Elan seine Unterlagen zusammenpackte.

Weit weniger dynamisch erhoben sich nach und nach die anderen Kollegen und schlurften aus dem Lehrerzimmer.

»Kommst du?« Renate blieb in der Tür...


Kempfle, Sarah
Sarah Kempfle ist Lehrerin für Deutsch und Sport und unterrichtet zurzeit Gefängnisinsassen in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart. Wenn sie nicht gerade auf einem entlegenen Fernwanderweg unterwegs ist, widmet sie sich ihrer größten Leidenschaft, der Verbrecherjagd. Natürlich nur auf dem Papier. Sarah Kempfle ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und hat bislang einige Kurzgeschichten in Krimi-Anthologien veröffentlicht. »Übung macht den Mörder« ist ihr Debüt und der Beginn einer Reihe um die kriminalistisch begabte Lehrerin Isa Klein.



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