E-Book, Deutsch, Band 2, 216 Seiten
Reihe: Die Zeitenwende
Kern Die Zeitenwende
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-4545-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band 2: Chance oder Untergang
E-Book, Deutsch, Band 2, 216 Seiten
Reihe: Die Zeitenwende
ISBN: 978-3-6951-4545-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor Jan Kern, Jahrgang 1968, lebt und arbeitet in seiner Geburtsstadt Hamburg.
Autoren/Hrsg.
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2. Kapitel
Hamburg, d. 30.07.2022
Passabel geschlafen. Um ca. 8.55 Uhr stand ich auf und frühstückte. Irgendwie musste ich in die Gänge kommen. Die Müdigkeit machte sich stark bei mir bemerkbar. Eine anstrengende Zeit lag hinter mir. Der Dauerkrisenmodus hinterließ zweifelsfrei seine unverwechselbaren Spuren. Wann findet dieser Wahnsinn sein wohlverdientes Ende? Es ist eine Frage, die ich mir in letzter Zeit sehr häufig gestellt habe. Vermutlich werde ich sie in meinen Gedanken wohlmöglich oftmals wiederholen. Ich hoffe, dass ich den Lesern damit nicht zu sehr auf die Nerven gehe. Es ist eben eine schwierige Zeit für uns alle. Und jeder verarbeitet die Konflikte anders. Ich tue es beispielsweise durch die Schriftstellerei. Andere lenken sich mit irgendwelchen Freizeitaktivitäten ab, um zwischendurch auf andere Gedanken zu kommen. Entscheidend ist hierbei, dass wir einen Weg finden, mit der Situation bestmöglich klarzukommen.
Es wird weiterhin viel von uns abverlangt, was uns unbestreitbar einiges an Nervenstärke und Kraft kosten wird. Der Ukraine-Krieg kann sich noch jahrelang hinziehen, da keine Seite ihr Gesicht verlieren will. Die Corona-Pandemie wird dank des Soziopaten Lauterbach künstlich in die Länge gezogen. Der bedrohliche Klimawandel ist schon voll da und kann nicht mehr gestoppt werden. Die Energiekrise wird nicht von heute auf morgen beseitigt werden. Und die hohe Inflation braucht einiges an Zeit, bis sie sich auf ein gesundes Maß reduziert und sich nicht mehr wie eine gefährliche Flutwelle auf uns zubewegt.
Genug über die aktuelle politische Situation gegrübelt. Nach der körperlichen Reinigung und einen weiteren Kaffee setzte ich mich an den PC und machte mich an die Endbearbeitung von „Dulsberg, Mode & weitere Corona-Enthüllungen“. Denn vor Weihnachten möchte ich das Buch unbedingt bei BOD publizieren. Immerhin kam ich bis zur Seite 58. Damit konnte ich mehr als zufrieden sein.
Am Nachmittag ließ allerdings meine Konzentration spürbar nach, sodass ich das Schreiben abbrach. Außerdem brauchte ich dringend eine kulinarische Stärkung. Ein Hungergefühl machte sich bei mir bemerkbar, dass ich nicht mehr ignorieren konnte. Um ca. 13.45 Uhr gab es daher Mittagessen. Ich aß selbstgemachte Pfannkuchen mit Kirschmarmelade.
Um ca. 15.20 Uhr fiel mir die Decke auf dem Kopf. Schnell warf ich mich in die Klamotten und verließ das Haus. Mit der U-Bahn fuhr ich in die Innenstadt. Es schien wieder die Sonne, sodass ich nicht anders konnte, als einen längeren Spaziergang zu machen. Dabei zog es mich wie sooft zum Kiez von St. Georg. Warum übt dieser Stadtteil eine so eine magische Anziehungskraft auf mich aus? Genau beantworten kann ich diese Frage ehrlich gesagt nicht. Vielleicht bin ich einfach nur verkorkst.
Unterwegs sah ich einige weibliche Muschis, die ihre Liebesdienste für Geld anboten. Einige Fragen schossen mir in diesem Zusammenhang durch den Kopf. Gibt es tatsächlich weniger Prostituierte auf dem Markt? Oder verlagerte sich nur der Arbeitsplatz auf ein anderes Territorium? Kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich diesbezüglich über keinerlei Insiderinformationen verfüge. Ist es für den Weiterverlauf meiner Geschichte wichtig? Eher nicht.
Aus der Ferne sah ich Rosa. Sie saß draußen vor dem „White Eagle“. Sie unterhielt sich angeregt mit einigen Männern. Offensichtlich hatte sie Probleme mit ihrem Handy. Es schien nicht wirklich zu funktionieren. Ihre negative Stimmung konnte ich in ihrem Gesicht deutlich erkennen. Es führte mir vor Augen, warum ich auf keinen Fall ein Handy haben will. Ich möchte unabhängig davon sein. Die Mobiltelefone haben eingebaute Macken und müssen relativ schnell ersetzt werden. Nach wenigen Jahren schwächeln in der Regel die Akkus. So wird den Verbrauchern systematisch das Geld aus der Tasche gezogen. Und in Anbetracht der hohen Inflation möchte ich kein Geld für technischen Schrott ausgeben. Zumindest ist es aus meiner Sicht verständlich. Im Prinzip bin ich ein übriggebliebenes Relikt des ausgehenden 20. Jahrhunderts. (Manche nennen mich wohl zu Recht einen „Analog-Dinosaurier“ .) Ich kann kein Gefallen an den Handys gewinnen. Muss ich tatsächlich überall und zu jederzeit erreichbar sein?
Die emotionale Abhängigkeit von dieser Technik empfinde ich als erschreckend. Beinahe entsteht bei mir der Eindruck, dass unsere Gesellschaft aus einer Masse von Drogenabhängigen besteht, die ohne diese sogenannte Errungenschaft nicht mehr existieren kann.
Rosa signalisierte nicht, dass ich zu ihr kommen soll, obwohl sie mich zweifelsohne gesehen hat. Ihr Handy schien ihr wichtiger zu sein als ich. Gekränkt fühlte ich mich allerdings nicht. Auf diese Weise sparte ich möglicherweise viel Geld für das Vögeln.
Später kam ich auch an der Kneipe „Zar und Zimmermann“ vorbei. Am Tresen saß unverkennbar Jessica. Ich konnte sie trotz schwacher Beleuchtung im Profil klar und deutlich erkennen. Vor ihr stand eine Tasse Kaffee. Sie nahm mich nicht wahr. Ihr Blick war der Wirtin zugewandt. Mit ihr führte sie eine angeregte Unterhaltung. Ich fasste den Entschluss, die Kneipe nicht zu betreten. Somit sparte ich erneut viel Geld.
Um ca. 18.15 Uhr trat ich die Heimreise an. Unterwegs einmal Leergut a 25 Cent gefunden. Keine Post im Briefkasten. Somit war mein Wochenende endgültig gerettet. Rückzug ins Schlafzimmer. Ich ließ mich von der HD-Glotze berieseln. Die FDP schlug ein Bonus für Hartz IV-Empfänger vor, wenn sie beim Heizen sparen. Offen gesagt wusste ich nicht, was ich davon halten soll. Ist dies tatsächlich eine angemessene Hilfe für die Betroffenen? Die Heizkosten schießen explosionsartig in die Höhe und die Sozialhilfeempfänger bekommen als Ausgleich nur ein kleines Leckerli zugeworfen. Ich dachte nur: „Typisch FDP“. Es wird wieder offensichtlich, dass es die Partei der Besserverdiener ist. Alibimäßig kümmert man sich auch auf diese Weise um die Bedürftigen. Dabei wird wohl verschwiegen, dass Bürger mit größeren Einkommen deutlich stärker entlastet werden. Die Ungerechtigkeit und die „soziale Kälte“ befinden sich auf den Siegeszug, wenn dies tatsächlich so umgesetzt wird.
Für die starksteigenden Energiekosten kann man nicht die Bürger verantwortlich machen. Es liegt in der Verantwortung der Politik „ihre“ Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und zwar möglichst ohne dass ein weiterer Schaden in der Gesellschaft entsteht. Die Krisensituation sollte nicht dazu dienen, die soziale Spaltung in unserem Land weiter voranzutreiben. Vielmehr sollte sie für das Gegenteil genutzt werden. Dank der „asozialen“ FDP entwickelt sich unser behagliches Zuhause in eine unbarmherzige und eiskalte Winterlandschaft, in der Menschen wie ich bald keine echten Überlebenschancen mehr haben werden, weil sich die Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern werden. Der Verteilungskampf wird uns immer stärker seine grausame Brutalität offenbaren, die zweifelsfrei schwerwiegende Konsequenzen für uns alle haben werden.
Hamburg, d. 31.07.2022
Passabel geschlafen. Um ca. 8.50 Uhr stand ich auf und frühstückte. Nach der körperlichen Reinigung setzte ich mich ins Wohnzimmer an den PC und arbeitete weiter an „Dulsberg, Mode & weitere Corona-Enthüllungen“. Rechts neben mir stand ein Kaffee, in der Hoffnung meine Müdigkeit überwinden zu können. Denn das Schreiben erforderte meine volle Konzentrationsfähigkeit.
Insgesamt kam ich mit meiner Arbeit voran und konnte zufrieden sein. Daher ging ich weiterhin davon aus, dass ich das Buch Ende November veröffentlichen kann. Es ist das achte Buch, was ich demnächst als Jan Kern herausbringen werde. Darauf konnte ich wahrlich stolz sein. Allerdings wäre es schön, wenn sich zwischenzeitlich ein paar Exemplare verkaufen lassen würden. Eine gewisse Auffrischung meiner Haushaltskasse wäre in Anbetracht der hohen Inflation durchaus sehr hilfreich. Vielleicht müsste ich bei regelmäßigen Einnahmen, die ich bei Bücherverkäufen erzielen würde, kein Leergut mehr sammeln. Jedoch wie soll ich dieses Ziel erreichen? Für die Vermarktung meiner Bücher kann ich zurzeit wegen der bestehenden Corona-Regeln nichts machen. Somit bleibt es vorerst leider nur Wunschdenken.
Um ca. 11.30 Uhr brach ich das Schreiben ab, weil die Konzentration spürbar nachließ. Der Kaffee half nur bedingt als „Hallo-Wach-Droge“. Dies musste ich notgedrungen akzeptieren. Ich machte etwas Handabwasch in der Küche. Natürlich nur mit lauwarmen Wasser. Der Ekelfaktor musste zweifelsohne überwunden werden. Der Sparzwang trieb mich regelrecht dazu. Ich hoffte, dass es sich später in der Abrechnung finanziell auszahlt. Viel Einsparungspotenzial habe ich ehrlich gesagt nicht mehr, weil ich schon vor der Energiekrise sehr sparsam im Verbrauch war.
Zusätzlich stellt sich mir in diesem Zusammenhang die Frage: „Wann können wir endlich wieder ein selbstbestimmtes Leben führen“? Je mehr Krisen hinzukommen, umso mehr sind wir von diesem Wunsch entfernt. Ständig müssen wir uns der jeweils neuen Situation anpassen, um mittelprächtig überleben zu...




