Kern | Die Zeitenwende | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Kern Die Zeitenwende

Band 1: Der Dauerkrisenmodus
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-2750-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 1: Der Dauerkrisenmodus

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-7597-2750-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sommer 2022. Zweifelsfrei hält der Dauerkrisenmodus die Welt in Atem. Für den Schriftsteller André Dahlmann entwickelt sich eine prekäre Lebensrealität, die ihn zunehmend überfordert. Denn er wird nicht nur mit der Corona-Pandemie konfrontiert, sondern auch mit dem fürchterlichen Ukraine-Krieg. Welche Konsequenzen hat es für ihn und andere? Dehnt sich möglicherweise der Kriegsschauplatz nach Westeuropa aus? Ungewissheit entsteht, die unbestreitbar Angst erzeugt. Schonungslos rechnet der Autor literarisch mit den Fehlern der Politik ab, in der Hoffnung, besser mit der neuen Wirklichkeit klarzukommen.

Der Autor Jan Kern, Jahrgang 1968, lebt und arbeitet. Er ist Industriekaufmann, Dichter und Kunstmaler. Seit 1998 begann er seine Erfahrungen und Beobachtungen in Form von Gedichten aufzuschreiben. Mittlerweile widmet er sich auch der Prosa. U.a. veröffentlicht er den zweiteiligen Roman Wendepunkte des Lebens.

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2. Kapitel
An meinem Geburtstag erhielt ich insgesamt fünf Anrufe. Der erste Anruf erfolgte 9.40 Uhr. Ich ging nicht ran, weil ich die Nummer erkannte. „Happy birthday to you, happy birthday to you lieber André“, hörte ich die gutgelaunte Stimme meiner Nachbarin Heike May auf AB. Von meiner Seite habe ich den Kontakt zu ihr radikal und konsequent abgebrochen. Denn die Nachbarschaftshilfe überforderte mich immens, wie bereits zuvor erwähnt. Zunehmend entwickelte es sich zum „Psychokrieg“, der für mich immer unerträglicher wurde. Zumindest empfand ich es so. Diese Frau offenbarte mir extreme Stimmungsschwankungen in all ihren negativen Auswirkungen. Sie war stets sprunghaft launisch, manchmal sogar in Minutentakt. Darüber hinaus wurde sie mir gegenüber mehrfach respektlos. Teilweise klingelte sie mich frühmorgens, teilweise sogar nachts aus dem Bett und riss mich unsanft aus meinen wohlverdienten Schlaf. Ich bat sie mehrfach, häufig auch mit Nachdruck, es zu unterlassen. Sie meinte nur: „Stell dich nicht so an! Da erwarte ich Flexibilität von dir“. Und zum Schluss musste ich zu allen Überfluss auch noch ständig meinen ohnehin mageren Lohn hinterherlaufen. Ich musste mir hierbei Ausreden anhören wie beispielsweise „ich musste meine Fußpflege bezahlen“ oder „ich musste zum Friseur“. Darauf verspürte ich von meiner Seite verständlicherweise keine Lust mehr und beendete konsequent die Nachbarschaftshilfe. Diese Tätigkeit brachte mir ca. 60 bis 70 Euro pro Monat ein. „Viel Aufwand für vergleichsweise wenig Geld“, lautete mein Schlussfazit. Es entzog mir die Lebensenergie. Meine seelische und körperliche Kraft näherten sich bereits bedrohlich dem Nullpunkt. Darüber hinaus kamen andere Dinge einfach zu kurz. Dieser Tatbestand war eine Nebenwirkung, die ich zweifelsfrei wieder loswerden wollte. Folgenden Brief schrieb ich damals an meine Nachbarin: André Dahlmann Sentastraße 16 22083 Hamburg Heike May Lohkoppelstraße 59 22083 Hamburg Hamburg, d. 06.08.2020 Betreff: „Deine Stalker-Attacken“ Hallo Heike! Es reicht! Du nervst! Schluss mit dem Telefonterror! Meine Gesprächsbereitschaft beträgt ab sofort 0,0 %! Die Nachbarschaftshilfe ist bereits seit den 06.01.2020 beendet. Akzeptiere endlich meine Entscheidung! Deine ständigen Respektlosigkeiten habe ich endgültig satt. Darüber hinaus empfinde ich es als befremdlich, Lebensmittel von dir in meinem Briefkasten vorzufinden. Bisher habe ich diesbezüglich alles entsorgt und werde es auch künftig tun. Rufe mich nicht mehr an! Ich werde deine Anrufe ohnehin ignorieren. Tschüss. Gez. André Obwohl ich eindeutig Klartext sprach, rief sie mich in bestimmten zeitlichen Intervallen immer wieder an. Aus diesem Grund schrieb ich diesen harten Kurzbrief. Danach wurde es zum Glück deutlich weniger mit ihren Anrufen. Und die wenigen Störaktionen schaffe ich inzwischen emotional auszublenden. Für mich ist es ein gewaltiger Fortschritt in die richtige Richtung. Um ca. 10.30 Uhr klingelte das Telefon erneut. Diesmal ging ich ran. Denn ich erkannte die Nummer meines Arbeitgebers. „Hier André Dahlmann“. „Hier ist Nora aus dem Atelier. Alles Gute zum Geburtstag. Ich habe deinen Geburtstag nicht vergessen. Auch liebe Grüße von Arnold“. „Danke“. „Du hörst dich nicht gut an“. „Mir geht es auch nicht gut“. „Was ist los“? „Ich habe Post von der SAGA erhalten“. „Von der SAGA“? „Das ist mein Vermieter“. „Eine Mieterhöhung“? „So ähnlich“. „So ähnlich“? „Ich werde bei den Heizkostenvorauszahlungen um fast 70 Euro hochgestuft pro Monat. Alles wegen der aktuellen Energiekrise“. „Oje“. „Ich werde dies vorerst nicht an die Behörde weitergeben. Ich trage die Mehrbelastung vorerst selbst. Ich kann es mir zurzeit noch finanziell erlauben. Durch die Corona-Pandemie habe ich ein großes Plus auf meinen Konto angesammelt, was mir diese Möglichkeit verschafft“. „Du hast Angst“? „Ja, stimmt“. „Lass den Kopf nicht hängen“! „Ich bin wie immer stets bemüht“. „Feierst du“? „Morgen kommen Michael und Rita. Ursprünglich wollte ich alles kurzfristig absagen, was ich aber doch nicht machte. Vielleicht lenkt es mich ab“. „Viel Spaß“. „Danke“. Danach legten wir auf. Nora ist eine gute Freundin von mir. Unsere Freundschaft besteht seit ungefähr vier bis fünf Jahren. Wir sind kein Liebespaar, um Missverständnisse an dieser Stelle des Textes vorweg aus dem Weg zu räumen. Genauso wenig gibt es keine sogenannte Freundschaft plus, wie es heutzutage häufig in Mode ist. Dies hätte wohlmöglich bei mir überflüssiges Gefühlschaos ausgelöst. Davon verfüge ich auch so schon genug im Überfluss. Ich muss es nicht noch durch „Beziehungsquark“ künstlich vergrößern. Stattdessen brauche ich diesbezüglich klare Verhältnisse. Dies gibt meinen Leben die erforderliche Struktur, die ich benötige, um meinen Alltag einigermaßen störungsfrei gestalten zu können. Daher ist unsere Beziehung nur rein platonisch. Ähnlich wie bei Bruder und Schwester. Unsere langjährige Freundschaft ist quasi wie Liebe ohne Sex. Nie zuvor hätte ich gedacht, dass so etwas tatsächlich zwischen Frau und Mann funktioniert. Nora arbeitet genau wie ich im „Atelier Kunterbunt“ . Sie ist eine sehr gute Künstlerin. Für einen Großteil meiner Bücher machte sie das Coverdesign, das unverwechselbar ihre Handschrift trägt. Ihre Arbeit ist absolut professionell. Sie bekam 10 Euro pro Stunde bar auf die Kralle. Normalerweise ist so eine Dienstleistung natürlich wesentlich teurer. Ich bekam eine gute Qualität sehr kostengünstig geboten. Dieser Tatsache bin ich mir durchaus bewusst. Für mich ist es bisher ein Geschenk des Himmels gewesen. Und sie erhielt ein Nebeneinkommen, um ihre schmale Haushaltskasse entscheidend aufzubessern. Fazit? Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Ende vorigen Jahres brach der Kontakt zu Nora abrupt ab. Sie war monatelang nicht telefonisch erreichbar. Auch das Atelier wusste lange Zeit nicht bescheid, was los ist. In dieser brenzligen Lage fühlte ich mich hilflos, da ich quasi nichts machen konnte. In Prinzip befand ich mich in einen Zustand der starren Unbeweglichkeit. Dies zerrte an meinen leidgeprüften Nerven, und ich bekam ein schlechtes Gewissen, weil ich keinen positiven Einfluss mehr ausüben konnte. Es war mir bewusst, dass sie in einer tiefen Sinnkrise steckte. Und ich konnte ihr nicht hilfreich zur Seite stehen. Ihre Katze musste sie im Herbst vorigen Jahres einschläfern lassen. Für sie wurde es ein traumatisches Erlebnis, weil sie zuvor eine starke emotionale Bindung zum Tier aufbaute. Ähnlich wie ich zu meiner Wohnung. Daher kann ich zumindest ansatzweise verstehen, was sie durchmacht. Sie verlor ihren seelischen Halt, und es folgte der innere Zusammenbruch. Sie ließ sich ins Eilbeker Krankenhaus einliefern, wie ich einige Wochen später erfuhr. Ihr Vermieter kündigte ihr die Wohnungen wegen ihrer Psychosen, wofür sie sich hinterher sehr schämte. Nun hat sie ihr Domizil in einen Frauenhaus, wo sie sich nicht wirklich wohlfühlt. Für sie ist es gefühlt ein offener Vollzug. Händeringend, fast verzweifelt sucht sie eine neue Bleibe, was aber bei der aktuellen Wohnungsmarktlage extrem schwierig ist. Für Menschen, die von Sozialleistungen abhängig sind, gilt es besonders. Zusätzlich verschärft sich die Situation durch den Ukraine-Krieg, da die Flüchtlinge wohntechnisch ebenfalls untergebracht werden müssen. Auch der Dringlichkeitsschein ändert nichts an dieser Tatsache. Ich drücke ihr die Daumen, dass sie bei ihrer Suche demnächst Erfolg hat. Nach ca. sechs Monaten meldete sie sich überraschend aus der Klinik. „Endlich ein Lebenszeichen von ihr“, kam mir als Gedanke. Sie wirkte einigermaßen stabil, was mich vorerst beruhigte. Dies gab ich weiter an meinen Vorgesetzten Arnold Brahms. Er meinte: „Es ist gut, dass sie ein Lebenszeichen von sich gab. So wissen wir jetzt Bescheid. Ich werde den Fachdienst über diese positive Entwicklung informieren. Das ist sehr wichtig“. An Arnolds Reaktion merkte ich, dass er sich große Sorgen machte und nun durch meine Information erleichtert ist. Ihre Weiterbeschäftigung im Atelier war wohl ernsthaft in Gefahr. Seit gut vier Wochen geht sie wieder kontinuierlich zur Arbeit, was wohl ein gutes Zeichen ist. Das Malen klappt bei ihr erstaunlich gut, auch wenn sie teilweise noch an sich und ihren Fähigkeiten zweifelt. Zu Unrecht, wie ich meine. Die Qualität ihrer Bilder kann sich nachwievor sehen lassen. Ich hoffe, sie bleibt weiterhin stabil. Um ca. 11.15 Uhr klingelte das...



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