Klassen | Das Geheimnis der Apothekerin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 405 Seiten

Reihe: Regency-Liebesromane

Klassen Das Geheimnis der Apothekerin


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-7751-7107-6
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 405 Seiten

Reihe: Regency-Liebesromane

ISBN: 978-3-7751-7107-6
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In der Apotheke ihres Vaters ist Lilly Haswell glücklich, ist ihr doch jedes Kraut und jede Medizin vertraut. Dort kann sie die Dorfbewohner vergessen, die seit der Flucht ihrer Mutter keine Ruhe geben. Als sie nach London eingeladen wird, glaubt sie, nun endlich ihr Glück finden zu können. Doch als ihr Vater krank wird, entscheidet sie sich, die Apotheke zu übernehmen - wohl wissend, dass sie damit ihre gesamte Zukunft aufs Spiel setzt. Denn Frauen ist die Heilkunst versagt ...

Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com
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1


Maiglöckchen
Erhöht die Leistungsfähigkeit des Gehirns, wirkt gegen Vergesslichkeit
und hilft dem Gedächtnis wieder auf die Sprünge.

Culpeper's Complete Herbal

Lilly Haswell wusste, dass ihr ein langer Tag, eingesperrt in die vier Wände des Hauses, bevorstand. Sie war früh aufgestanden und atmete am Fenster die frische, herbe Luft eines Herbstmorgens in Wiltshire tief ein. Beim Herunterkommen nickte sie Mrs Fowler, die sich bereits am Herd zu schaffen machte, grüßend zu, verließ das Haus durch die Hintertür zum Garten und ging mit gemessenen Schritten durch das Dorf. Erst als sie um die Ecke des Pfarrhauses bog, beschleunigte sie ihr Tempo. Als sie den kleinen Hügel gegenüber von Bedsley Priors erreichte, machte sie sich fast im Laufschritt an den Aufstieg. Hin und wieder über eine Grasnarbe stolpernd, genoss sie das Prickeln in ihren Beinen und das Brennen in ihrer Lunge. Sie hielt erst inne, als sie den Gipfel erreicht hatte, den – zugegeben nur mäßig hohen – Grey's Hill. Als sie sich vornüberbeugte, um Atem zu schöpfen, fiel ihr das lange, rotbraune Haar über die Schultern. Sie hatte sich nicht die Zeit genommen, es ordentlich aufzustecken, obwohl sie wusste, dass sie das hätte tun sollen, vor allem jetzt, da sie nun doch schon achtzehn Jahre alt war.

Sie richtete sich wieder auf und genoss den Ausblick über Pewsey Vale mit seinen Kreidehügeln, den wenigen Bäumen und dem Abbild eines weißen Pferdes in der Ferne auf dem Kamm zwischen Milk Hill und Walker's. Sie hatte gehört, dass der Pfarrer von Alton Barnes häufig mit seinem Teleskop zum Adam's Grave, dem Hügelgrab oben auf dem Walker's Hill, stieg und von dort sogar die ferne Salisbury Cathedral sehen konnte. Lilly wünschte sich brennend, selbst einmal auf diesen Hügel steigen zu können, am liebsten an einem Sonntag nach dem Gottesdienst, wenn sie den ganzen Nachmittag für sich hatte. Sie hätte zu gern die Kirchturmspitze von Salisbury gesehen, ja sie würde fast alles darum geben, diesen Ort – und noch zahlreiche andere – mit eigenen Augen sehen zu können. Sie fragte sich, welche Anblicke und Freuden ihre Mutter wohl im Augenblick genießen mochte und wo sie wohl war. Sie war jetzt seit drei Jahren fort.

Lilly blickte auf das Dorf am Fuß des Hügels hinunter, mit seinem uralten Friedhof, den stillen Gassen und dem rechteckigen Dorfanger, auf dem lauter kleine Punkte zu sehen waren – weidende Schafe. Wie friedlich Bedsley Priors doch aussah! Und wie klein und unbedeutend.

Als ihre Mutter damals verschwand, war Lilly von einer Flut von Gefühlen überwältigt worden, einer Mischung aus Fassungslosigkeit, Kummer und Schuldgefühlen. Sie war sich ganz sicher, dass sie, Lilly, irgendetwas gesagt oder getan haben musste, was ihre Mutter aus dem Haus getrieben hatte. Dennoch spürte sie zugleich ganz tief drinnen so etwas wie ein verbotenes Prickeln, eine Faszination, für die sie sich schämte. Sie schämte sich, aber trotzdem war irgendetwas anders geworden. Veränderung gebar Veränderung, das wusste sie, und inzwischen sehnte sie sich geradezu danach. Obwohl Lilly noch immer inständig darum betete, dass ihre Mutter zurückkehren möge, wusste sie doch genau, dass ihr Leben ohne diesen Einschnitt im alten Trott weitergegangen wäre. Sie wäre für immer gefangen gewesen, begraben in der Arbeit in einem unbedeutenden Geschäft in einem unbedeutenden Dorf. Und das, so wusste Lilly genau, wäre ihr niemals genug gewesen.

Sie seufzte tief auf und machte sich an den mühseligen, holprigen Abstieg, zurück zu den nie endenden Pflichten einer Apothekerstochter.

Vor dem Pfarrhaus verlangsamte sie ihren Schritt zu einem gemächlichen Schlendern und ging am Fleischerladen und am Krämer vorbei zum Kaffeehaus. Dort erspähte Mary sie durch das Fenster und bedeutete ihr, kurz zu warten. Lilly blieb stehen. Ihre Freundin kam an die Tür – ihre Freundin Mary, die seit fast einem ganzen Jahr keinen weiteren Anfall mehr gehabt hatte, wofür alle dankbar waren.

»Morgen, Lill.« Mary drückte ihr ein warmes, in Papier gewickeltes Päckchen in die Hand. »Das muss sein. Du musst doch was essen nach deinem langen … ähm … Spaziergang.« Mary lächelte wissend, ihre leuchtend blauen Augen unter den rotblonden Brauen strahlten.

Lilly nahm das Gebäck lächelnd entgegen. »Danke. Johannisbeere?«

»Was sonst? Jetzt lauf schon. Ich sehe dich später.«

Lilly knickste neckisch und ging über den Hof zum Laden ihres Vaters. Dabei fiel ihr auf, dass das Schild mit der Apothekerrose und der Aufschrift Charles Haswell, Apotheker schäbig aussah und dass die weiße Farbe an der Einfassung des vielfach geteilten Bogenfensters bereits abzublättern begann. Sie musste Vater sagen, dass das Holz einen neuen Anstrich brauchte.

Einen Augenblick lang stand sie einfach nur da und schaute durch das Ladenfenster, wie es ein Kunde tun mochte, während sie das süße Brötchen verspeiste, das Mary ihr gegeben hatte.

Drinnen, auf dem Fensterbrett, stand der große, kunstvoll gearbeitete Apothekermörser ihres Großvaters mit dem Haswell-Familienwappen, umgeben von farbigen Ballonflaschen mit fertig zubereiteten Arzneien. Sie trugen goldfarbene Aufschriften wie Royal English Drops, Gaskoins Pulver, Echte Venezianische Melasse und viele andere mehr.

Über drei Wände des Ladens zogen sich deckenhohe Regale, angefüllt mit langen Reihen blau-cremefarbener Gefäße aus Lambeth-Keramik. Auf jedem war in lateinischer Sprache sein Inhalt verzeichnet: C. ABSINTHII – Wermut, der zur Behandlung der Wassersucht eingesetzt wurde; O. VULPIN – Fuchsschwanz, destilliert in Quellwasser, gut für Brustbeschwerden.

Unter den Regalbrettern befanden sich zahllose Schubladenfächer für getrocknete Heilpflanzen, ihre Blätter, Samen oder Wurzeln.

Die vordere Theke war leergeräumt. Hier wurden Tabletten gepresst und Pillen gedreht. Auf der hinteren Theke befanden sich die Gerätschaften für die Herstellung von Arzneien und mehrere Nachschlagewerke, so zum Beispiel das Lewis's New Dispensatory und Culpeper's Complete Herbal. Mörser und Stößel, Waagen, Fläschchen und Aderlassmesser, zusammen mit Auffangschalen für das Blut und Blutegeln, die in Gefäßen mit Wasser schwammen und ständig hungrig gehalten wurden, lagen und standen bereit.

Links neben der hinteren Theke führte eine Tür zur Labor-Küche, in der ihr Vater in Kupferröhren, die wie Schlangenhäute aussahen, Arzneien erhitzte und destillierte. Rechts davon lag die Tür zum Behandlungszimmer ihres Vaters, in dem er mit Patienten sprach oder sie zur Ader ließ.

Schon jetzt war der Laden voller Menschen. Es herrschte emsiger Betrieb. Vater hatte die Hand auf Arthur Owens Schulter gelegt und sprach in mahnendem Ton auf den alten Schweinezüchter ein. Ihr Bruder Charlie, drei Jahre jünger als sie, staubte die Regale ab. Francis Baylor, der siebzehnjährige Lehrling ihres Vaters, stand hinter der vorderen Theke und war mit Mörser und Stößel beschäftigt. Sie freute sich, die beiden Jungen so fleißig zu sehen, und drückte die Ladentür auf, wobei sie den vertrauten Klang der Ladenglocke kaum noch wahrnahm. Im Innern des Ladens wurde sie von dem gewohnten Stimmengewirr und den bekannten Düften begrüßt. Schätze aus fernen Ländern und nahen Tälern, getrocknet, zerstoßen oder destilliert, erfüllten die Luft mit einem intensiven, exotischen Aroma. Nur in Augenblicken wie diesem, wenn sie von den windumbrausten Hügeln herunterkam, nahm sie den komplexen, sich ständig ändernden Duft wirklich war.

An den Deckenbalken waren Bündel aus Mohn und Kamille, Salbei und Minze zum Trocknen aufgehängt. Dazwischen pendelte in leicht makabrer Pose mit weit aufgerissenem Rachen ein Alligator. Da ihm mehrere Zähne fehlten, wirkte er allerdings nur wenig bedrohlich.

Als sie drinnen war, sah Lilly, warum der Lehrling ihres Vaters einen so ungewöhnlichen Fleiß an den Tag legte. Er bediente die kokette Dorothea Robbins, deren Vater die Sägemühle und die Lastkahn-Werft in dem nahegelegenen Weiler Honeystreet gehörten.

»Die Arznei ist natürlich nicht für mich«, sagte Miss Robbins gerade. »Mir geht es nämlich blendend.«

Francis Baylor wiegte bewundernd den Kopf. »Das sehe ich.«

Das Mädchen kicherte und Lilly verdrehte die Augen. Francis blickte auf und hatte, als er ihren Gesichtsausdruck sah, immerhin den Anstand zu erröten. »Würden Sie mich bitte einen Moment entschuldigen, Miss Robbins?«

»Natürlich.«

Der hoch aufgeschossene junge Mann kam um die Ladentheke herum und blieb bei Lilly stehen. Leise sagte er: »Vielleicht möchten Sie sich umziehen, Miss Lilly. Sie wollen doch sicher nicht, dass Mrs Mimpurse Sie mit schlammbespritztem Kleidersaum sieht.«

Sie sah an sich herunter. »Oh! Ich habe gar nicht gemerkt …«

Der Blick, den die hübsche Dorothea Robbins ihr zuwarf, sagte ihr, dass diese es sehr wohl bemerkt hatte. Das honigblonde Mädchen mit der adretten Haube musterte Lillys Kleid mit einem verächtlichen Lächeln.

Das laute Klirren zerbrechenden Porzellans ließ Lilly herumfahren. Charlie stand schreckerstarrt da, den Staubwedel in der Hand.

»Mist!« Er ging in die Hocke und fing an, die scharfen Scherben eines zerbrochenen Salbenkrugs aufzusammeln. »Nicht schon wieder!«

Lilly trat zu ihm. »Ist schon gut, Charlie. Es war einfach ein Missgeschick. Ich helfe dir. Pass auf, dass du dich nicht schneidest.«

Dorothea schlenderte an ihnen vorbei, ein Päckchen in der behandschuhten Hand und ein hochmütiges Lächeln auf den Lippen. Francis wäre in seiner Eile, ihr die Tür aufzuhalten, beinahe über Lilly und...


Klassen, Julie
Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com

Julie Klassen arbeitete sechzehn Jahre lang als Lektorin für Belletristik. Mittlerweile hat sie zahlreiche Romane aus der Zeit von Jane Austen geschrieben, von denen mehrere den begehrten Christy Award gewannen. Abgesehen vom Schreiben, liebt Klassen das Reisen und Wandern. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in Minnesota, USA. www.julieklassen.com



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