E-Book, Deutsch, 301 Seiten
Kogler Die Kunst der Höchstleistung
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-211-37853-3
Verlag: Springer Vienna
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Sportpsychologie, Coaching, Selbstmanagement
E-Book, Deutsch, 301 Seiten
ISBN: 978-3-211-37853-3
Verlag: Springer Vienna
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Sportliche Höchstleistungen stellen sich ein, wenn Kopf, Bauch und Handeln als 'Eines' erlebt werden. Der Autor betreut seit langem Spitzensportler und widmet sich dem Zusammenspiel von Denken, Fühlen und Handeln. Er adaptierte das Selbstmanagement-Konzept des US-Psychologen Kanfer und stellt ein integratives Verfahren von der Diagnose bis zur Intervention vor. In einfachen Schritten können Sie für Höchstleistungen wichtige Verhaltensweisen entwickeln. Mit Tipps und Beispielen aus vielen Sportarten von hohem praktischen Wert. Gut lesbar und gerichtet an Spitzensportler, Trainer, semiprofessionelle Laien und Eltern sportlich begabter Kinder.
Psychologe und Psychotherapeut; Leiter des Instituts für Psychosomatik und Verhaltenstherapie, Wissenschaftspublizist u. a. auch bei ORF, unterstützt und betreut Leistungssportler seit 1987 bei Olympischen Spielen und anderen sportlichen Großveranstaltungen
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;VORWORT;8
2;INHALTSVERZEICHNIS;16
3;EINFÜHRUNG;24
4;TEIL I GRUNDLAGEN DES SELBSTMANAGEMENTS;32
4.1;Kapitel 1 DAS ICH-LABOR;34
4.1.1;1.1. SELBSTDISZIPLINIERUNG …;34
4.1.2;1.2. … ODER SELBSTENTWICKLUNG?;35
4.1.3;1.3. IN SICH SEIN;35
4.1.4;1.4. MIT DEM KÖRPER DENKEN;36
4.1.5;1.5. SINN FINDEN;37
4.2;Kapitel 2 WAS SELBSTMANAGEMENT AUSZEICHNET – UND WARUM ES KEIN „ALLEINMANAGEMENT“ IST;40
4.2.1;2.1. MILLION DOLLAR BABY;41
4.2.2;2.2. DER TRAINER ALS KATALYSATOR;41
4.2.3;2.3. TRANSPARENZ UND WERTSCHÄTZUNG;43
4.2.4;2.4. SELBSTWERTSTREBEN STATT GELTUNGSSTREBEN;43
4.3;Kapitel 3 DIE FORMEL FÜR DAS „ ICH-LABOR“;46
4.3.1;3.1. DER SELBSTMANAGEMENTPROZESS;46
4.3.2;3.2. PSYCHOLOGIE SPORT WISSENSCHAFT;51
4.3.3;3.3. WIE IN DER WISSENSCHAFT;52
4.3.4;3.4. DIE „LIEBE ZUR WAHRHEIT“ IM ICH-LABOR;54
4.4;Kapitel 4 SCHRITT FÜR SCHRITT IM SELBSTMANAGEMENT;56
4.4.1;4.1. „SCHRITT EINS“: BEZIEHUNG UND GÜNSTIGE AUSGANGSBEDINGUNGEN SCHAFFEN;62
4.4.2;4.2. „SCHRITT ZWEI“: AN DER MOTIVATION UND DEN ZIELEN ARBEITEN;62
4.4.3;4.3. „SCHRITT DREI“: DIE VERHALTENSANALYSE ODER DER „IST-ZUSTAND“;65
4.4.4;4.4. „SCHRITT VIER“: VOM IST ZUM SOLL;66
4.4.5;4.5. „SCHRITT FÜNF“: DIE PLANUNG, DIE AUSWAHL UND DER EINSATZ VON METHODEN;67
4.4.6;4.6. „SCHRITT SECHS“: EVALUATION DER FORTSCHRITTE;68
4.4.7;4.7. „SCHRITT SIEBEN“: ERFOLGSOPTIMIERUNG UND TRANSFER;70
4.4.8;4.8. IHRE PERSÖNLICHE BEWERTUNG;72
4.5;Übung I SELBSTTEST: DER „DREH“;76
5;TEIL II ENTWICKLUNGSFELDER AUF DEM WEG ZUR HÖCHSTLEISTUNG;82
5.1;Kapitel 5 „ERKENNE DEN UNTERSCHIED!“;84
5.1.1;5.1. DIE „W-FRAGEN“;85
5.1.2;5.2. DOSIERTE DISKREPANZERLEBNISSE;86
5.1.3;5.3. REGEL „TRIFF EINE UNTERSCHEIDUNG“;87
5.1.4;5.4. REGEL „STELLE DIE FRAGE“;88
5.2;Kapitel 6 DIE MAGIE DES TALENTS;90
5.2.1;6.1. DAS TALENT DER TALENTLOSEN;90
5.2.2;6.2. WAS IST TALENT;91
5.2.3;6.3. ENTWICKLUNG VON TALENT;92
5.2.4;6.4. PSYCHOLOGISCHE ELEMENTE DES TALENTS;93
5.2.5;6.5. SCHLUSSFOLGERUNGEN AUS DER TALENTFORSCHUNG;94
5.3;Kapitel 7 NEUGIER UND INTERESSE;98
5.4;Kapitel 8 DIE „ INNERE SPRACHE“ UND DER STRESS;100
5.4.1;8.1. REGELN UND UMSETZUNG DES „INNEREN DIALOGS“;101
5.4.2;8.2. DAS „INNERE TEAM“;102
5.4.3;8.3. SELBSTBEOBACHTUNG UND REFLEXION DER „INNEREN SPRACHE“;103
5.5;Kapitel 9 DER „INNERE BEFEHL“;106
5.5.1;9.1. GEDANKEN UND INNERE BEFEHLE;107
5.5.2;9.2. DIE DREI TRAGENDEN ELEMENTE;107
5.5.3;9.3. DAS B-A-B – SCHEMA;108
5.6;Kapitel 10 BESONDERE ERKLÄRUNGSMUSTER FÜR ERFOLG UND MISSERFOLG;114
5.6.1;10.1. SELBSTSCHUTZ DURCH ZUSCHREIBUNGEN;115
5.6.2;10.2. KONTROLLIERTE ENERGETISIERUNG;116
5.7;Kapitel 11 KONTRAFAKTISCHES DENKEN ODER DER „HÄTTIWARI“;118
5.7.1;11.1. HOCHMOTIVIERT AUF PLATZ 3;119
5.8;Kapitel 12 IRRWEG „NAIVE“ THEORIEN;122
5.9;Kapitel 13 DIE EMOTIONEN;126
5.9.1;13.1. DIE KOMPONENTEN DER EMOTIONEN;126
5.9.2;13.2. DIE ALTE KUNST DER GEFÜHLSREGULATION;130
5.9.3;13.3. … UND: SPORT ALS KUNST;131
5.9.4;13.4. EMOTIONSMANAGEMENT;131
5.10;Übung II VERMITTELN SIE IHREN „DREH“!;134
5.11;Kapitel 14 SELBSTVERTRAUEN UND SELBSTENTWICKLUNG;138
5.12;Kapitel 15 DAS MOMENTUM – IHRE PERSÖNLICHE SCHWUNGKRAFT;140
5.12.1;15.1. DIE CHEMIE DER HEMMUNG;141
5.13;Kapitel 16 KOMMUNIKATION;144
5.13.1;16.1. DAS KOMMUNIKATIVE QUADRAT „HEUTE WARST DU GUT“;144
5.13.2;16.2. MISSVERSTÄNDNISSE IN DER KOMMUNIKATION;146
5.13.3;16.3. WEITERE REGELN UND TECHNIKEN DER GESPRÄCHSFÜHRUNG;148
6;TEIL III WAHRNEHMUNG, AUFMERKSAMKEIT UND KONZENTRATION;150
6.1;Kapitel 17 WAHRNEHMUNG;152
6.1.1;17.1. ORIENTIERUNGSREAKTION: WIR SEHEN, WAS WIR SEHEN MÜSSEN;152
6.1.2;17.2. WIR SEHEN, WAS WIR SEHEN WOLLEN;153
6.1.3;17.3. KINO IM KOPF;153
6.1.4;17.4. JACQUES MAYOL AUF BREITFORMAT-TUNNELFAHRT;154
6.1.5;17.5. BILDREGIE IM WAHRNEHMUNGSKINO;154
6.1.6;17.6. IM RAUSCH DER TIEFE;155
6.1.7;17.7. DER APNOE-WAHNSINN;156
6.1.8;17.8. „GANZHEITLICHE WAHRNEHMUNG“ ALS ERFOLGSFAKTOR;156
6.1.9;17.9. DAS EINZELNE UND DIE „ WAHRNEHMUNGSGESTALT“;157
6.1.10;17.10. DIE ANGST UND DER ELFMETER;157
6.1.11;17.11. DER GENIALE PASS;158
6.1.12;17.12. GLEITEND ZUM ZIEL;159
6.1.13;17.13. GESTALT-ÜBUNGEN (GEGEN GESTALT-BLINDHEIT);160
6.1.14;17.14. BLICK INS NICHTS;160
6.2;Kapitel 18 AUFMERKSAMKEIT UND KONZENTRATION;162
6.2.1;18.1. KOGNITIVES CODIEREN;162
6.2.2;18.2. MIT DEM KÖRPER „SEHEN“;163
6.2.3;18.3. JACQUES, DER DELPHIN;163
6.2.4;18.4. KINÄSTHETISCHES EMPFINDEN UND „GESPÜRTES WISSEN“;164
6.2.5;18.5. ZWISCHEN BUCKELPISTE …;165
6.2.6;18.6. … UND „FETZENLABERL“;165
6.2.7;18.7. KÖRPER-BLINDHEIT;166
6.2.8;18.8. KONZENTRIERTE BLICKE;167
6.2.9;18.9. GUTE GEGENSTANDSWAHRNEHMUNG;167
6.2.10;18.10. TRAINIEREN, TRAINIEREN, TRAINIEREN;168
6.3;Kapitel 19 UMSCHALTEN ZWISCHEN DOKUMENTATION, CINEMASCOPE UND KÖRPER-MOVIE;170
6.3.1;19.1. SEHEN = INTERPRETIEREN = WISSEN = LERNEN;171
6.4;Übung III REGIE AM EIGENEN KÖRPER;174
6.5;Kapitel 20 HEMINGWAYS ALTER FISCHER;176
6.5.1;20.1. DER ALTE MANN UND DAS MEER;176
6.5.2;20.2. SANTIAGO – EIN BILD FÜRS LEBEN;178
6.6;Kapitel 21 DIE SPIELERISCHE ENTDECKUNG DER KONZENTRATION;180
6.6.1;21.1. DAS „SPIEL DER NEUGIERDE“;180
6.6.2;21.2. SPIELEN WIE EIN GOTT;181
6.6.3;21.3. DENKEN ALS FORM „KÖRPERLICHER BEWEGUNG“;181
6.6.4;21.4. DIE JAGD NACH DEM FLOW;182
6.7;Kapitel 22 KONZENTRATION, AUFMERKSAMKEIT – ODER EINFACH WAHRNEHMUNG?;184
6.7.1;22.1. DAS ALLGEMEINE TRAINING VON KONZENTRATION;185
6.7.2;22.2. VON DER TRAININGS- ZUR WETTKAMPFKONZENTRATION;187
6.7.3;22.3. VORBEREITUNG DER KONZENTRATION;188
6.7.4;22.4. MIT PASSENDEN ÜBUNGEN ZUR KONZENTRATION;188
6.8;Übung I VZEITLUPEN-LIEGESTÜTZ;190
6.9;Kapitel 23 DIE NEGATIVE KONZENTRATION;194
6.9.1;23.1. FATALE FIXIERUNG AUF FEHLER;194
6.9.2;23.2. PETER DURCHBRICHT DIE NEGATIVSPIRALE;195
6.9.3;23.3. KONZENTRATIONSZYKLEN;198
6.9.4;23.4. WIEDERHOLEN. WIEDERHOLEN UND VERDICHTEN;199
7;TEIL IV MOTIVATION;202
7.1;Kapitel 24 BILLARDFIEBER – 10.000 DOLLAR IN EINER NACHT;204
7.2;Kapitel 25 DIE WAHREN ABENTEUER SIND IM KOPF;210
7.2.1;25.1. ALLES KANN MOTIV SEIN, AUCH DAS GELD;211
7.3;Kapitel 26 MOTIVREDUKTIONISMUS UND MOTIVFÜLLE;216
7.3.1;26.1. MOTIVE TRAGEN UND TRAGEN UND TRAGEN …;216
7.3.2;26.2. BILLARDFIEBER: DU BIST KEIN VERLIERER;217
7.3.3;26.3. KONZENTRATIONSARBEIT IST MOTIVARBEIT;218
7.3.4;26.4. REVANCHE;218
7.4;Kapitel 27 DER PERSÖNLICHE STIL;222
7.4.1;27.1. GRENZERFAHRUNGEN;223
8;TEIL V KURZINTERVENTIONEN IM SELBSTMANAGEMENT;226
8.1;Kapitel 28 DIE „EINFACHEN REGELN“ DES DENKENS UND HANDELNS;229
8.2;Kapitel 29 EINE KURZINTERVENTION;232
8.2.1;29.1. BEISPIEL LÄUFERIN F;232
9;TEIL VI TECHNIKEN UND METHODEN;236
9.1;Kapitel 30 HYPNOSE;238
9.1.1;30.1. KLASSISCHE HYPNOSE;239
9.1.2;30.2. WIRKUNG DER TRANCE;240
9.1.3;30.3. VORGEHEN IN DER HYPNOSE;242
9.1.4;30.4. ZIELE DER HYPNOSE;243
9.1.5;30.5. HYPNOSE IM SPORT;245
9.2;Kapitel 31 KOGNITIVE METHODEN;254
9.2.1;31.1. ÜBUNGEN ZUM MANAGEMENT VON GEDANKEN;255
9.3;Kapitel 32 METHODEN DER KONZENTRATION;264
9.3.1;32.1. ALLGEMEINE KONZENTRATIONSÜBUNG;264
9.3.2;32.2. SCHULE DER SINNE;264
9.4;Kapitel 33 ENTSPANNUNGSMETHODEN;268
9.4.1;33.1 ENTSPANNUNGSATMEN;268
9.4.2;33.2. BLITZENTSPANNUNG;269
9.4.3;33.3. DIE KÖRPERREISE ZUR ENTSPANNUNG;269
9.4.4;33.4. PROGRESSIVE MUSKELENTSPANNUNG (KURZVERSION) 15 MINUTEN;271
9.4.5;33.5. SCHLÜSSELSCHLAF;274
9.4.6;33.6. ABSCHIRMEN;275
9.4.7;33.7. MUSIKENTSPANNUNG;275
9.4.8;33.8. GENUSSTRAINING;275
9.4.9;33.9. QI GONG;276
10;TEIL VII PRAXISBEISPIELE;278
10.1;Kapitel 34 TIPPS UND REGELN;280
10.1.1;34.1. KONZENTRATION IM TRAINING;280
10.1.2;34.2. ENTWICKLE DEINE NEUGIER UND DEINE IDEENLANDKARTE;280
10.1.3;34.3. UMGANG MIT DEM WETTER;281
10.1.4;34.4. DU MEINST, EINE(R) IST BESONDERS STARK;281
10.1.5;34.5. VOR DEM START;281
10.1.6;34.6. UMGANG MIT STURHEIT;282
10.1.7;34.7. STÄRKEN UND SCHWÄCHEN;282
10.1.8;34.8. GUTE KOMMUNIKATION;282
10.1.9;34.9. ICH MEINE, HEUTE IST „NICHT MEIN TAG“;283
10.1.10;34.10. UMGANG MIT UNSICHERHEIT;283
10.1.11;34.11. KURZE REGELN;283
10.1.12;34.12. DIE ZEHN TODSÜNDEN VON TENNISELTERN;284
10.2;Kapitel 35 DAS PSYCHOLOGISCHE TRAININGSBUCH;286
10.2.1;A. BEISPIELE FÜR ALLGEMEINE INFORMATIONEN;287
10.2.2;B. DER INNERE BEFEHL – DAS PRINZIP B-A-B;289
10.2.3;C. MEINE ZIELE;292
10.2.4;D. ANALYSE MEINER STÄRKEN UND SCHWÄCHEN – VOM IST ZUM SOLL;294
10.2.5;E. DAS WETTKAMPFDREHBUCH;296
11;TEIL VIII SELBSTMANAGEMENT AM AMAZONAS;298
11.1;EINE ENDLOSE WELLE;300
11.2;TRAINING UNTERHALB DER STAUMAUER;302
11.3;ZURÜCK AUF DER POROROCA;310
11.4;ABSPANN – DAS ABENTEUER SELBSTMANAGEMENT;311
12;LITERATUR;312
13;SACHWORTVERZEICHNIS;322
WAHRNEHMUNG (S. 129-130)
Wahrnehmung und der kreative Umgang mit ihr spielt in den meisten Sportarten eine fundamentale Rolle. Wahrnehmung ist kein passiver Akt. Was wir sehen, hängt unter anderem von unserem Wissen und unseren Erwartungen, aber auch von unserer Befindlichkeit ab. In einer herausfordernden und belastenden sportlichen Situation spürt der Athlet gewöhnlich die schwindenden Kräfte, den Substanzverlust und er richtet die Aufmerksamkeit auf den Pulsschlag. Die Wahrnehmungsorgane sind die propriozeptiven Rezeptoren. Die Gedanken wandern möglicherweise in Richtung Angst und Sorge. Es kann aber auch sein, dass der Athlet die Wahrnehmungssignale anders bewertet und den Substanzverlust so einschätzt, dass er in diesen Situationen noch immer zusätzliche Kräfte mobilisieren kann. Wahrnehmung und persönliche Bewertung laufen gemeinsam ab. Es liegt an einem selbst, ob man am Fußballfeld nur Chaos oder einen Angriff sieht, der im Mittelfeld gerade aufgebaut wird. Im eigenen Kopf „Bildregie" führen zu können, ist deshalb mehr als wichtig. „Spitzenregisseure" können variieren, wie sie sehen. Im Idealfall scheinen dann das Spielfeld oder der Tennisplatz zu einem riesigen Organismus zu werden, mit dem man verwachsen ist, sodass alles irgendwie automatisch passiert und fast jeder Pass oder Schlag sitzt.
17.1. ORIENTIERUNGSREAKTION: WIR SEHEN, WAS WIR SEHEN MÜSSEN
Kein Selbstmanagement ohne Selbst- oder Weltbeobachtung. Das bedeutet, dass man dieses „genaue Hinsehen" auch beherrschen muss. Ja, man muss darin sogar richtig gut sein. Das hört sich seltsamer und merkwürdiger an, als es ist. „Hinsehen" ist keineswegs die einfachste und selbstverständlichste Sache der Welt, denn die Formen des Sehens sind äußerst vielfältig. Die den Menschen zwingende Form des Sehens resultiert aus der biologischen Orientierungsreaktion, die Iwan Pawlow erstmals 1927 beschrieben hat. Unsere Augen und Ohren wenden sich instinktiv jedem plötzlichen Reiz zu.
Die Reaktion ist Teil unseres evolutionären Erbes. Sie wirkt wie ein eingebauter Sensor für überraschende Bewegungen und mögliche räuberische Gefahren. Die Orientierungsreaktion ist Ursache für ein oft peinliches Phänomen. Man ist zu Besuch bei Nachbarn und muss immer wieder auf einen in der Ecke stehenden eingeschalteten Fernseher sehen. Man ist wie gebannt hingezogen, und wendet den Kopf immer wieder zum bewegten Fernsehbild, obwohl man es gar nicht will. Das ist die Folge der biologischen Orientierungsreaktion. Bei einer typischen Orientierungsreaktion erweitern sich die zum Herz führenden Blutgefäße, das Herz schlägt langsamer. Blutgefäße, die große Muskelgruppen versorgen, ziehen sich zusammen. Das Gehirn konzentriert sich auf die Aufnahme zusätzlicher Informationen, während der restliche Körper ruht.
17.2. WIR SEHEN, WAS WIR SEHEN WOLLEN
Wer „hinsieht" und etwas sehen will, muss wissen, dass man zugleich auf Details und auf das Umfeld achten muss. Man muss dem inneren Drang widerstehen, sich mit ein paar schnellen Eindrücken zu begnügen. Das ist zwar „ökonomisch" und vielleicht im Menschen angelegt, aber nicht zielführend, wenn man sich oder andere wirklich beobachten will. „Beobachten" ist so besehen eine „Technik", eine besondere Fertigkeit. Daraus folgt, dass es keine neutrale Wahrnehmung gibt: Wir nehmen die Welt nicht wie eine Kamera auf, die – im Rahmen des technisch Möglichen – genau das festhält, was sich an Gegenständen vor ihrem Objektiv befindet.




