Kolu Vilja und das Räuberfest
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-641-09131-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 416 Seiten
Reihe: Viljas Abenteuer mit den Räubern
ISBN: 978-3-641-09131-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Die jüngste Straßenräuberin Finnlands schlägt wieder zu!
Die Sommerferien haben begonnen - und die 12-jährige Vilja ist stinksauer. Denn anstatt wie versprochen am ersten Ferientag von der gefährlichsten Räuberfamilie Finnlands entführt zu werden, muss sie nun ins Musikferienlager fahren. Jeden Tag Geige üben, jeden Tag Betten machen, einfach schrecklich! Doch in letzter Minute eilt Familie Räuberberg zu Viljas Rettung herbei - und ein herrlicher Sommer voller Raubzüge, mit Unmengen von Lakritzschnüren und einem aufregenden Räubersommerfest kann beginnen!
Das Einzige, was Vilja das ganze lange Schuljahr über durchhalten lässt, ist die Aussicht auf die Sommerferien: Pünktlich Anfang Juli wartet Vilja auf die Entführung durch die Familie Räuberberg. Doch irgendwas scheint in deren Planung schiefgelaufen zu sein, denn schließlich findet sich Vilja im Musikferienlager wieder - ein einziger Albtraum! Es gibt mittags wie abends gedünstete Möhren mit Reis, feste Schlafenszeiten, und dazwischen müssen die Kinder in albern klingenden Arbeitsgruppen auf ihren Musikinstrumenten üben. Vilja hat schon nach einem Tag genug davon, doch glücklicherweise muss sie auch nicht mehr länger warten: In einer spektakulären Befreiungsaktion holt die Familie Räuberberg sie ab, und nun endlich beginnen die großen Ferien, die Vilja sich erträumte: abends gegrillte Würstchen am Lagerfeuer, zwischendurch Zuckerwatte, Lakritze und Bonbons - und nicht zu vergessen die Streiche und Raubzüge, die Vilja so vermisst hat.
Siri Kolu, Jahrgang 1972, studierte Literaturwissenschaften und Theaterwissenschaften in Helsinki und arbeitet heute als Dozentin, Dramaturgin und Regisseurin. Vilja und die Räuber, der Auftakt zu ihrer erfolgreichen Kinderbuchserie, wurde 2010 mit dem Finlandia Junior Preis ausgezeichnet. 2015 kam die kongeniale Verfilmung des Buches in die internationalen Kinos. Siri Kolu lebt in Vantaa bei Helsinki.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1 in dem ein Hilferuf verschickt wird Mein Papa allein war schuld daran, dass die Räuberbergs das Geigen-Ferienlager überfallen mussten. Es war der dritte Juni. Der erste Juni, der zweitwichtigste Tag in meinem Leben, war so gegangen, wie er gekommen war. Am allerwichtigsten war natürlich der eine Tag im letzten Sommer gewesen. Damals hatte sich der Wilde Karlo spontan überlegt, mich als Spielgefährtin für seine Kinder zu klauen. Der letzte Sommer hatte aus mir eine waschechte Landstraßenräuberin gemacht – und dieser war nun auf dem besten Wege, in die Binsen zu gehen. Dabei hatte ich den ganzen tristen Winter auf den ersten Juni hingefiebert. Auf den Tag, an dem ich in einem rosa Räuberbus aus meinem öden Schulalltagsleben rausrasen sollte. Ich hatte den Räuberbergs eine Nachricht mit der Bitte, mir zu helfen, geschickt, aber das war schon zwei Tage her, und allmählich gab ich die Hoffnung auf. Es sah aus, als ob ich diesen Sommer wirklich in dem dämlichen Musik-Ferienlager verbringen würde. Mein Vater hatte mich dazu gezwungen, damit ich nicht wieder mit den Räubern verschwinden könnte. Ab jetzt würde ich also jeden einzelnen Tag allein in meinem eigenen, blöden Leben verbringen! SITUATIONSANALYSE Aufgeschrieben von Vilja 1) Seit drei Tagen stecke ich in einem Musik-Ferienlager fest, das in der Stadt Ypäjävuori stattfindet. 2) Ich bin zusammen mit drei anderen Geigerinnen in der B-Stube. Unsere Gruppe heißt » Die Barbalalas«. Ich verlor die Namensabstimmung 3:1, obwohl so viele andere gute Dinge auch mit einem » B« anfangen: Die Bananen. Die Bantus. Die Bazillen. Die Banditen. Aber nein! Ich bin eine Barbalala für die nächsten drei Wochen, wenn mich nicht die Räuberbergs retten. 3) Glücklicherweise nennt sich eine Gruppe » Die Klangvollen Muscheln«. Das tröstet mich ein bisschen. 4) Es tröstet mich doch nicht! Ich werde sterben vor Peinlichkeit! 5) Ich benötige mehr Fakten, denn ich muss fliehen. 6) Was eine Flucht schwierig macht: – Das Ferienlager ist mit einem hohen Panzerzaun abgeriegelt. Das einzige Ausgangstor wird um zwanzig Uhr geschlossen und um acht Uhr morgens geöffnet. Dazwischen kommt man nicht raus, ohne das massive Schloss aufzubrechen. Und dafür bräuchte man ein großes Schneidegerät oder eine Eisensäge, die ich nicht besitze. – In den Stuben, beziehungsweise in den Zimmern, schlafen je vier Ferienlagerkinder. Es gibt einen Betreuer, der für jeweils zwei Stuben verantwortlich ist, und dessen eigenes Zimmer sich immer zwischen denen der Kinder befindet. – Wenn man vorhat, abzuhauen, muss man an drei schlafenden Geigerinnen und dem Zimmer des Betreuers vorbeischleichen. Auf dem Weg zum Ausgangstor muss man noch am Zimmer der Ferienlagerleiterin und am Haus des Verwalters vorbei. – Der Verwalter hält nachts Wache. Er hat außerdem einen Schäferhund. – – › ICH GLAUBE NICHT, DASS ICH ES ALLEINE SCHAFFE!!! 7) Glücklicherweise: – konnte ich die Räuberbergs über den gesperrten Bereich der Homepage von Bandit-H um Hilfe bitten. – habe ich ihnen geschrieben, dass sie hierherkommen und mich befreien müssen, weil ich eine Flucht nicht alleine schaffe. 8) Ein großes ABER: – Mein Hilferuf war ein totaler Flop. Ich habe die Nachricht nicht gründlich durchdacht, sodass in ihr nicht alle nötigen Informationen standen. Keine Ausreden! Ich war schlecht vorbereitet. Ich habe mich nicht gerade wie die Hellste unter der Sonne verhalten. Und bin wohl auch nicht der schlaueste Fuchs im Bau gewesen. 9) Können die Selbstvorwürfe nicht langsam mal aufhören?! Am Abend des ersten Tages war ich zum Büro der Ferienlagerleiterin Maijariitta Kasurinen marschiert und hatte gesagt, dass ich meinem Vater eine E-Mail schreiben müsste, weil ich mein Asthmaspray bräuchte. Ich hatte so beeindruckend gekeucht und geklagt, dass Kasurinen nicht auf die Idee gekommen war, nachzufragen, warum ich um alles in der Welt nicht anrufen könnte. In einem solchen Fall hätte ich natürlich gesagt, dass man bei Papas geheimen politischen Angelegenheiten kein Telefon benutzen dürfte. Aus mir wird scheinbar noch eine ziemlich ausgezeichnete Lügnerin! Ich hatte gehofft, Kasurinen würde für mich den Computer einschalten und dann aus dem Zimmer verschwinden, aber sie blieb weiter schwatzend hinter meinem Rücken stehen. »Man muss die Internetnutzung der Kinder überwachen«, hatte sie gesagt. »Auch wenn das in euren Augen noch so ärgerlich ist.« Obwohl ich sie böse anstarrte, hörte sie nicht mit ihrem Gequatsche auf. Eine perfekte, kasurinenmäßige Wortlava voller Verniedlichungen und kleiner Blümchen und Glitzeraufkleber schien dabei aus ihrem Mund zu fließen: »Das ist nicht besonders schwierig. Jetzt schreibst du nur in das Empfängerfeld: Jouni Vainisto, @-Zeichen und dann … Wo arbeitete dein Vater nochmal?« Aaargh! Während ihres Redeschwalls, in dem mehrmals ihr Lieblingssatz »Herrlich, herrlich, ’ne Lösung gibt’s immer!« fiel, fing sie tatsächlich an zu singen und wies dabei mit ihrer Hand auch noch auf die jeweilige Notenhöhe! Ob sie wohl eigene Kinder hatte? Wenn ja, war ihr Nachwuchs mit Sicherheit schon völlig gaga!! Ich musste schnell handeln und täuschte einen Asthmaanfall vor. Sofort brachte mir Kasurinen ein Glas Wasser, das ich während eines weiteren Anfalls über ihre frisch ausgedruckten Notenblätter kippte (es lebe der Tintenstrahldrucker!). Während Kasurinen die Noten trocknete, hatte ich etwa zwanzig Sekunden Zeit, um den gesperrten Bereich der Bandit-H-Homepage zu öffnen, Heles Namen in das Empfängerfeld und die Nachricht » SOS Kleine Musikanten Ypäjävuori 1.6.-22.6.« zu schreiben. Zum Glück hatte ich im letzten Jahr jeden Abend tippen geübt, sodass ich mittlerweile ziemlich schnell war. Heles Internetseite war für uns eine wichtige Möglichkeit geworden, den Kontakt zu halten. Ihr Hobby, Barbies als Anarcho-Puppen zu stylen und sie im Internet zu verkaufen, hatte aus ihr in der Zwischenzeit ein ziemlich reiches Mädchen gemacht. Aus der geheimnisvollen Bandit-H-Schöpferin war sogar schon so etwas wie eine Kultfigur geworden! Ich benötigte noch ein bisschen mehr Zeit, also trat ich heimlich gegen den Kartonberg neben dem Tisch. Der Stapel krachte auf die nassen Notenblätter, und aus dem obersten Karton rutschten zahllose bunte Tütchen quer über den Boden. Kasurinens Atem pfiff wie eine Teekanne, als sie aufgeregt versuchte, Herr über die neue Katastrophe zu werden. Währenddessen löschte ich im Internet eilig alle Hinweise auf die besuchte Seite. Wieder ein Trick, den mir Hele beigebracht hatte. Erst danach fiel mein Blick auf die Pappkartons. Darauf stand ja tatsächlich »Schokokekse, 20 Stück, 200 Gramm pro Tüte«! Warum gab es hier Schokokekse, wenn im Speisesaal den Ferienlagerregeln entsprechend »zwecks nettem Beisammensein, dem Zauber der Musik und dem gesunden Leben« nur gekochter Reis und gedämpfte Möhren serviert wurden?! Hilferuf verschickt! Vor Glück hatte ich mich den ganzen gestrigen Tag über in einer Art Freudentaumel befunden. Ich überstand meine erste Einzelstunde, in der mir Bemerkungen über meine lahme Bogenführung und meine schlechte Spielhaltung an den Kopf geworfen wurden. Ich müsste nur noch eine sehr kurze Zeit die Zähne zusammenbeißen, hatte ich mich selbst zu beruhigen versucht. Alles würde sich ganz schnell zum Guten wenden. Meine Pechsträhne hatte schließlich schon lang genug gedauert – genau genommen begann sie exakt am Ende des letzten Sommers. Seitdem hatte ich mir oft gewünscht, niemals aus dem Räuberbus gestiegen und nach Hause zurückgekehrt zu sein! Mein Papa war damals sehr wütend gewesen, Mama war ganz außer sich, und meine Schwester Vanamo – na ja, sie war genau dieselbe Vanamo wie immer gewesen: Fürch-ter-LICH! Das gute Gefühl nach der Mail an Hele machte während der zweiten Nacht dem Angstschweiß Platz. Mittlerweile war ich sicher, dass mein Hilferuf überhaupt nicht richtig verstanden werden konnte! Warum um alles in der Welt hatte ich so was Blödes geschrieben? »Die Kleinen Musikanten, Ypäjävuori«. Das klang ja schon fast nach einer Werbung! Es hörte sich an, als wollte ich Hele und Kalle und die restlichen Räuberbergs zum Abschlusskonzert einladen, und nicht danach, dass ich sie bat, mich zu retten! Ich sah sie gedanklich schon im Publikum sitzen: die keksgelben Zöpfe des Wilden Karlos aufgebürstet und die Goldzähne von Gold-Piet sorgfältig poliert, sodass sie in der untergehenden Sommersonne glitzerten. Warum hatte ich nicht »Hilfe! Rettet mich!« geschrieben? Würde Hele meine Nachricht richtig deuten können? Verstand sie, dass » SOS« ein Hilferuf war? Wenn Hele meinen Code nicht knackte, konnte es sein, dass der geplante Räubersommer endgültig im Eimer war! Ich schloss mein Notizbuch und machte mich für...




