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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 544 Seiten

Reihe: Jane Hawk

Koontz Gehetzt

Actionthriller
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95967-801-8
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Actionthriller

E-Book, Deutsch, Band 2, 544 Seiten

Reihe: Jane Hawk

ISBN: 978-3-95967-801-8
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die allseits beliebte Lehrerin Cora Gundersun beendet ihr Leben und das vieler Unschuldiger in einem riesigen Feuerball. Als später nach Hinweisen für ihre Tat gesucht wird, findet man ein Tagebuch, das nur den Schluss zulässt, dass die Täterin geisteskrank war.
Jane Hawk weiß es besser - hat sich ihr Mann doch ebenfalls aus heiterem Himmel das Leben genommen. Auf ihrer Suche nach Antworten hat sie eine Verschwörung bis in höchste Regierungskreise entdeckt - und jagt nun deren Hintermänner. Mittlerweile ist die FBI-Agentin die meistgesuchte Person der USA. Doch ihre mächtigen Gegner haben nicht damit gerechnet, dass Jane bereit ist, alles zu riskieren, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.
»So gut Suizid war, dieses Buch ist noch besser.« Booklist
»Ein vielschichtiger Thriller, bei dem die Charaktere den Ton angeben und der fast unmöglich wegzulegen ist.« Bookreporter



Dean Koontz ist in Pennsylvania geboren und aufgewachsen. Er begann parallel zu seiner Tätigkeit als Lehrer zu schreiben. Seine Frau Gerda erkannte schnell sein Talent und unterstützte ihn in den folgenden Jahren finanziell, sodass er sich voll auf seine Karriere als Schriftsteller konzentrieren konnte. Inzwischen wurden seine Werke in 38 Sprachen übersetzt und mehr als 450 Millionen Mal verkauft. Dean lebt mit Gerda und ihrem Golden Retriever Elsa in Südkalifornien.

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ZEHN

Falls Lawrence Hannafin glaubte, Jane sei paranoid wie Leute, die sich mit Hüten aus Alufolie vor Strahlen schützen zu können glaubten, ließ er sich nichts davon anmerken. Er saß auf der Bettkante und schaffte es, in seinem flauschigen Bademantel, barfuß, beide Hände entspannt auf den Oberschenkeln, seriös zu wirken. Er hörte aufmerksam zu.

Sie sagte: »Historisch gesehen beträgt die Selbstmordrate in den USA zwölf pro hunderttausend. Seit ungefähr einem Jahr ist sie auf fünfzehn gestiegen.«

»Nehmen wir mal an, Sie hätten recht und sie ist tatsächlich höher. Na und? Für viele Leute sind dies schwere Zeiten. Mit lahmender Wirtschaft und sozialen Umwälzungen.«

»Aber die Zunahme betrifft fast nur erfolgreiche Männer und Frauen, die meisten glücklich verheiratet, nie wegen Depressionen in Behandlung. Offiziere wie mein Mann Nick, Journalisten, Ärzte, Wissenschaftler, Banker, Rechtsanwälte, Polizeibeamte, Lehrer … Diese Fanatiker eliminieren Leute, von denen ihr Computermodell behauptet, sie würden die Zivilisation in die falsche Richtung lenken.«

»Wessen Computermodell?«

»Shennecks. David Michaels. Far Horizons’. Das irgendwelcher staatlicher Stellen, die mit ihnen gemeinsame Sache machen. Ihr Computermodell.«

»Wie werden sie eliminiert?«

»Haben Sie nicht zugehört?«, fragte sie und war für einen Augenblick nicht mehr die beherrschte FBI-Agentin. »Nanomaschinen als Kontrollmechanismen. Gehirnimplantate, die sich selbst zusammenbauen. Sie werden den Opfern injiziert, die dann …«

Er unterbrach sie. »Wer würde sich das freiwillig injizieren lassen?«

Jane hielt es nicht länger auf ihrem Platz. Sie sprang auf, trat ein paar Schritte von Hannafin weg und betrachtete ihn stirnrunzelnd, wobei ihre Pistole lässig auf einen Punkt vor seinen Füßen zielte. »Natürlich wissen sie nicht, dass sie eine Injektion bekommen haben. Irgendwie werden sie vorher sediert, erhalten die Injektion im Schlaf. Auf Tagungen, an denen sie teilnehmen. Wenn sie auf Reisen sind, allein und verwundbar. Im Gehirn entsteht der Kontrollmechanismus binnen weniger Stunden nach der Injektion, und später haben die Opfer keine Erinnerung mehr daran.«

Mit einem Ausdruck, der so wenig zu enträtseln war wie Hieroglyphen in einem Pharaonengrab, starrte Hannafin sie an, als sei sie eine Prophetin, die das von ihm längst erwartete Schicksal der Menschheit voraussagte – oder eine Verrückte, die Fieberträume für Tatsachen hielt. Was davon zutraf, konnte sie nicht beurteilen. Vielleicht verarbeitete er, was sie gesagt hatte, versuchte es zu begreifen. Oder vielleicht dachte er an den Revolver in der Nachttischschublade, den sie bei ihrem ersten Besuch gefunden hatte.

Zuletzt sagte er: »Und dann werden diese Leute, die Injektionen erhalten haben … sie werden gesteuert?« Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme ungläubig klang. »Wie Roboter, meinen Sie? Wie Zombies?«

»So augenfällig ist das nicht«, sagte Jane ungeduldig. »Sie wissen nicht, dass sie gelenkt werden. Aber Wochen oder sogar Monate später erhalten sie den Befehl, sich umzubringen, und können ihm nicht widerstehen. Ich kann Ihnen ganze Stapel Unterlagen zeigen. Unheimliche Abschiedsbriefe. Beweise dafür, dass die Justizminister von mindestens zwei Bundesstaaten illegal zusammenarbeiten, um diese Fälle unter den Teppich zu kehren. Ich habe mit einer Gerichtsärztin gesprochen, die bei einer Autopsie gesehen hat, dass beide Gehirnhälften mit einem Nanomaschinennetz überzogen waren.«

Sie hatte so viele Informationen zu vermitteln und wollte Hannafins Vertrauen gewinnen. Aber wenn sie zu schnell sprach, war sie weniger überzeugend. Sie merkte selbst, dass sie Gefahr lief, nur noch zu schwatzen. Fast hätte sie ihre Pistole weggesteckt, um ihn zu beruhigen, kam dann aber doch wieder davon ab. Er war ein großer Kerl, der gut in Form war. Sie fühlte sich ihm notfalls gewachsen, aber es gab keinen Grund, ihm eine Chance zu geben, wenn auch nur entfernt denkbar war, dass er sie ergreifen würde.

Sie atmete tief durch, sprach ruhig weiter. »Ihr Computermodell errechnet für jede Generation eine kritische Zahl von Amerikanern, die in der Lage sein sollen, die Kultur in eine falsche Richtung zu steuern, die Zivilisation mit gefährlichen Ideen an den Rand des Abgrunds zu bringen.«

»Ein Computermodell kann so angelegt werden, dass es jedes beliebige Ergebnis liefert.«

»Ach was. Aber dieses Computermodell liefert ihnen eine Rechtfertigung. Die kritische Zahl ist zweihundertzehntausend. Sie rechnen mit fünfundzwanzig Jahren pro Generation. Dann, sagt der Computer, reicht es aus, pro Jahr die richtigen achttausendvierhundert Störenfriede zu eliminieren, um eine perfekte Welt voller Frieden und Harmonie zu erschaffen.«

»Das ist verrückt!«

»Haben Sie noch nicht gemerkt, dass Verrückt das neue Normal ist?«

»Gefährliche Ideen? Welche gefährlichen Ideen?«

»Die werden nicht näher definiert. Aber die Verantwortlichen erkennen sie, wenn sie sie sehen.«

»Sie wollen Leute ermorden, um die Welt zu retten?«

»Sie haben Menschen ermordet. Ziemlich viele. Morden, um die Welt zu retten – wieso ist das so schwer zu glauben? Diese Idee ist so alt wie die Menschheit selbst.«

Vielleicht musste er sich bewegen, um diese schockierenden Ungeheuerlichkeiten zu verarbeiten. Er stand wieder auf, ohne jedoch aggressiv zu wirken, und versuchte auch nicht, an die Schublade mit dem Revolver zu gelangen. Jane trat an die Tür zum Flur, als er sich von ihr entfernte und am näheren der beiden Fenster stehen blieb. Er starrte auf die ruhige Wohnstraße hinunter und zog sich dabei mit einer Hand am Kinn, als sei er gerade erst aufgewacht und spüre noch einen Rest Schlaf, der wie eine Maske vor seinem Gesicht hing.

Er sagte: »Sie sind eine heiße Nummer auf der Webseite des National Crime Information Centers. Fotos. Ein landesweiter Haftbefehl. Sie sind angeblich eine Gefahr für die nationale Sicherheit, weil Sie Militärgeheimnisse gestohlen haben.«

»Lauter Lügen! Wollen Sie die Story des Jahrhunderts oder nicht?«

»Alle Polizeibehörden Amerikas nutzen das NCIC.«

»Sie brauchen mir nicht zu erklären, wie schwierig meine Lage ist.«

»Niemand entgeht dem FBI lange. Oder der Homeland Security. Nicht heutzutage, wo’s überall Kameras gibt und Drohnen und Autos, die über GPS ihren Standort melden.«

»Ich weiß, wie das funktioniert – und wie nicht.«

Er wandte sich vom Fenster ab, um Jane anzusehen. »Sie gegen den Rest der Welt, nur um Ihren Mann zu rächen.«

»Mir geht’s nicht um Rache. Ich will seinen guten Ruf wiederherstellen.«

»Wo liegt da der Unterschied? Und dann ist ein Kind in diese Sache verwickelt. Ihr Sohn. Travis, nicht wahr? Wie alt ist er – fünf? Ich will in nichts hineingezogen werden, was einen kleinen Jungen gefährden könnte.«

»Er ist jetzt in Gefahr, Hannafin. Als ich nicht aufgehört habe, wegen Nicks Tod und der übrigen Selbstmorde zu ermitteln, haben die Verbrecher mir gedroht, Travis zu ermorden. Ihn zu vergewaltigen und zu ermorden. Also bin ich mit ihm geflüchtet.«

»Er ist in Sicherheit?«

»Ja, vorläufig. Er ist in guten Händen. Aber damit er für immer sicher ist, muss ich diese Verschwörung restlos aufdecken. Die Beweise habe ich schon. USB-Sticks mit Shennecks Forschungsunterlagen, alle Stadien seiner Entwürfe für Gehirnimplantate, die Kontrollmechanismen. Protokolle seiner Versuche. Ampullen mit einsatzbereiten Mechanismen. Aber ich weiß nicht, wem ich im Bureau, bei der Polizei und sonst wo trauen kann. Ich brauche Sie, damit Sie die Story öffentlich machen. Ich habe Beweise. Aber ich darf sie nicht mit Leuten teilen, die sie mir wegnehmen und vernichten könnten.«

»Sie sind auf der Flucht vor der Justiz. Arbeite ich mit Ihnen zusammen, statt Sie der Polizei zu übergeben, bin ich ein Komplize.«

»Für Journalisten gilt eine Ausnahmeregelung.«

»Aber nur, wenn sie mir zugebilligt wird – und erst recht nicht, wenn Sie mir Lügen erzählen. Nicht, wenn alles nur Hirngespinste sind.«

Erbitterung ließ sie erröten und ihre Stimme rauer klingen. »Nano-Implantate werden nicht nur dazu benutzt, Tausende von Unerwünschten zu keulen. Es gibt weitere Verwendungen, die Sie anwidern werden, wenn ich sie Ihnen erläutere. Anwidern und erschrecken. Hier geht’s um Freiheit, Hannafin, um Ihre nicht weniger als meine. Um eine Zukunft voller Hoffnung oder in Sklaverei.«

Er wich ihrem Blick aus, sah wieder auf die Straße hinunter und stand schweigend da.

Jane sagte: »Ich dachte, ich hätte ein Paar Eier gesehen, als Sie aus der Dusche gekommen sind. Vielleicht sind die nur zur Dekoration da.«

Seine Hände hingen zu Fäusten geballt herab, was darauf hindeuten konnte, dass er seinen Zorn unterdrückte und sie am liebsten geschlagen hätte – oder dass ihn seine Unfähigkeit frustrierte, der furchtlose Journalist zu sein, der er in jüngeren Jahren gewesen war.

Aus der Tasche ihres Schulterholsters zog sie einen Schalldämpfer, den sie auf die Pistole schraubte. »Weg vom Fenster.« Als er sich nicht rührte, sagte sie: »Sofort!« und umfasste den Griff mit beiden Händen.

Ihre Haltung und der Schalldämpfer bewogen ihn, sich zu bewegen.

»Los, in den Kleiderschrank«, sagte sie.

Sein gerötetes Gesicht wurde sichtbar blass. »Was hat das zu...



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