Krampitz / Seltmann | Leben mit und ohne Gott | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Krampitz / Seltmann Leben mit und ohne Gott

Beiträge zur inneren Sicherheit
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7844-8020-6
Verlag: Langen-Müller
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Beiträge zur inneren Sicherheit

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

ISBN: 978-3-7844-8020-6
Verlag: Langen-Müller
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Frage nach Gott oder Göttern ist der Ursprung von Philsophie und Theologie,bildet ein zentrales Thema von Kunst und Literatur und selbst die Naturwissenschaften wären nicht das, was sie heute sind, wenn sich über den "Allmächtigen" nicht streiten ließe. Man denke nur an Einsteins Bonmot "Gott würfelt nicht", mit dem er in der Auseinandersetzung mit Niels Bohr der Quantenmechanik die Zufälligkeit austreiben wollte. Wie sicher ist also Gottes Existenz? Lenkt er unser Leben? Oder klafft dort, wo von ihm die Rede ist, eine inhaltslose Lücke?
Karsten Krampitz und Uwe von Seltmann schaffen mit diesem Buch ein Novum, das so naheliegend wie originell ist: Sie bieten ein Forum, in dem nicht nur eine "Partei" zu Wort kommt, sondern in dem die schillernd bunte Meinungsvielfalt der Gläubigen, Zweifler und Ungläubigen ihren Ausdruck findet. Ob in Form eines spitzzüngigen Essays, eines berührenden Schicksalsberichts, einer sachlichen Analyse, einer witzigen Anekdote oder einer kunstvollen Erzählung, immer geht es darum: Was hat Gott mit mir, dem Menschen,zu tun? Eine Sinnsuche der besonderen Art.

Krampitz / Seltmann Leben mit und ohne Gott jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Axel Noack


Noch nicht zu Hause, aber schon geborgen

Was mein Glaube mir bedeutet

Die Rede von Gott in unserer Zeit muss sich zwei besonderen Schwierigkeiten stellen. Am Abend des Tages wird deutlich werden: Jede Rede von oder über Gott wird irgendwann einen persönlichen Bezug haben müssen, wenn sie nicht leer und abstrakt bleiben will. Irgendwann gehören solche Sätze wie »Ich glaube …« oder »Ich kann nicht glauben, dass …« oder »Ich würde gerne glauben können …« dazu. Das kleine Wörtchen »ich« lässt sich am Ende nicht vermeiden. Das wusste schon Altmeister Bert Brecht, wenn er von seinem Herrn Keuner erzählt: »Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: 'Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallen lassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.'«

Freilich, und das bezeichnet dann genau die zweite Schwierigkeit unseres Redens von Gott: In der gesellschaftlichen Öffentlichkeit gelten Sätze mit Bekenntnischarakter leicht anstößig. Glaubensfragen scheinen heute eher in den Intimbereich zu gehören, und so manchem Zeitgenossen fällt es leichter, über seine Sexualität zu sprechen als über seinen Glauben. Denn in der Tat kennen wir auch die aufdringliche, jedes Sachargument im Keim erstickende und für die Zuhörer oft genug peinliche Rede vom eignen Glauben.
Wer heute fromm redet, macht sich leicht lächerlich oder gerät unter Fundamentalismusverdacht.
In seinem berühmten Buch hält Dr. Asfra-Wossen Asserate daher fest: »Das Bekenntnis ,Ich bin ein Christ' werden die Manieren noch gestatten, wenn auch widerstrebend, denn Bekenntnisse sind nicht so recht nach ihrem Geschmack. Was die Manieren wahrscheinlich verbieten, ist das Werben für den Glauben, das Missionieren, das den Christen aber ganz ausdrücklich aufgegeben ist.« Eingedenk dieser beiden grundsätzlichen Schwierigkeiten rede ich nun über meinen Glauben und hoffe es so zu tun, dass sich niemand bedrängt oder in seinem eignen Nicht-Glauben gekränkt fühlt.
Mein Verdienst ist es nicht, dass ich glaube. Glauben können ist ein Geschenk, zu dem Eltern, Großeltern, Lehrer, Pfarrer und Freunde zwar an gewichtiger Stelle, am Ende aber nur bedingt beitragen können. Freilich soll man solches Zutun nicht unterschätzen und jeder kann sich glücklich preisen, der schon in der Kindheit mit praktisch gelebtem Glauben in Berührung kommen konnte.
Wenn man überhaupt vom »Glauben lernen« reden kann, dann eignet sich am besten der Vergleich mit dem Erlernen einer Sprache: Am leichtesten und intensivsten lernen wir unsere Muttersprache und eigentlich passiert das so ganz nebenbei und ohne Lehrbücher und Computerkurse. Wenn die Eltern vorsprechen, sprechen die Kinder bald mit. Viel schwerer ist es, eine Fremdsprache zu erlernen. Vor allem gilt: Ein bestimmter Sprachkurs, der dem einen wunderbar geholfen hat, funktioniert bei einem anderen gar nicht. Es gibt also kein gültiges Rezept. Aber wahrscheinlich wird auch für das Erlernen einer Fremdsprache zweierlei gelten dürfen: Erstens, ich muss es wirklich wollen und ich muss mich anstrengen. Zweitens, besser als alle Lehrbuchtheorie ist die praktische Übung, am besten in einer Gegend, wo die Sprache im Alltag gesprochen wird. Beide »Regeln« gelten auch für das Erlernen der Sprache des Glaubens bei denen, die sie erst als Erwachsene, also als »Fremdsprache« erlernen. Eine Garantie gibt es freilich nicht. Und nebenbei: Für Pfarrerinnen und Pfarrer zählt die Frage von Menschen, die gerne glauben würden, es aber irgendwie – trotz redlicher Bemühung – nicht schaffen, warum nun gerade sie nicht das Geschenk des Glaubens erhalten, zu den größten seelsorglichen Herausforderungen. Mit flotten Sprüchen ist da nicht geholfen.
Glauben und Gottvertrauen sind nicht nur eine Angelegenheit des Kopfes. Zur verstandesmäßigen Kenntnis muss die praktische Einübung kommen: Eine Sprache lernt man eben auch durch eigenständige Betätigung, durch Selbersprechen. Kirchen und Religionen bieten dazu gute Hilfestellung an. Durch Feste und Feiern, durch die Einteilung des Tages, der Woche und des Jahreskreises. Durch ein Engagement für eine »Kultur der Unterbrechung« des Alltags, beispielsweise durch den Schutz des Sonntags.
Die Alltagsvernunft scheint eine Reihenfolge nahezulegen: Erst muss ich glauben, dann kann ich auch Choräle singen, beten und mich segnen lassen. Die Wirklichkeit sieht aber sehr anders aus. Wie viele Menschen, die zu keiner Kirche gehören und sich selbst als ungläubig bezeichnen, singen – besonders in Ostdeutschland – in unseren Chören. Die Zahl der sogenannten »Konfessionslosen«, die sich mit großer Energie für den Erhalt, die Renovierung oder den Wiederaufbau ihrer Dorfkirche einsetzen, geht allein in unserer mitteldeutschen Landeskirche in die Tausende. Das Wunder der Dresdner Frauenkirche erleben wir heute an ungezählten kleinen unbekannten Orten. Glauben erlernt man – oder auch nicht – am besten im Vollzug: Mitsingen, Mitbeten, Pilgern, Sich-segnen-lassen usw. sind zunächst äußere Formen von großer innerer Wirkung. Schwierigkeiten haben damit allenfalls diejenigen kirchlichen Mitarbeiter, die zu sehr auf das kirchliche Innenleben orientiert sind. Die Kameraden der Feuerwehr, die Jäger des Schützenvereins, die Biker oder die Handwerkerinnungen haben hingegen in der Regel überhaupt keine Probleme damit, dass man für sie Gottesdienste abhält, für sie und ihre Tätigkeit betet und sie und ihre Arbeit segnet.
Was bewirkt der Glaube denn nun praktisch? Mein Glaube hilft mir ganz konkret in meinem alltäglichen Leben. Deshalb ist nach meiner festen Überzeugung Hilfe zum Glauben immer auch Hilfe zum konkreten Leben. Ich möchte an dieser Stelle nun einige Punkte anführen, in denen mein Glauben in meinem Leben immer wieder praktisch wirksam wird:

• Gottesfurcht treibt Menschenfurcht aus oder begrenzt sie wenigstens deutlich. Das ist eine alte Erkenntnis: Wer Gott fürchtet, also »gottesfürchtig« ist, hat weniger Angst vor Menschen. Ungezählte Belege für Christen im Widerstand gegen unmenschliche Verhältnisse durch die ganze Geschichte hindurch begründen genau diese Tatsache. Dass es auch in der DDR so viele Christen waren, die sich nicht einfach anpassten und mitliefen, ist für mich kein Zufall. Der Glaube macht mutiger. Das gilt selbst dann, wenn wir ehrlicherweise auch von Versagen und Ängstlichkeiten im Blick auf Christen und Kirchen sprechen.

• Immunisierung gegen »Dammbruchtheorien«. Der Glaube sieht in jeder Situation eine Gestaltungsaufgabe. Er immunisiert gegen die Resignation und alle, die sagen: »Das hat doch alles keinen Zweck mehr.« Wer das Kreuz Christi vor Augen hat, sieht nicht weg, wenn es schwierig wird. Mein Glauben währt dem Fatalismus. Die nur allzu bekannte Sorge um die Zukunft wird vom Glauben qualifiziert. Sie wird zur Neugier auf das, was Gott mit mir, mit uns und seiner Welt noch alles vor hat.

• Meine Dankbarkeit hat eine Adresse. Auch das ist eine alte Erkenntnis: Wer dankbar sein kann, hat ein besseres Verhältnis zu den Dingen. Wer sein Leben, sein Ein- und Auskommen, seine natürliche Umwelt und die Menschen an seiner Seite als Gabe Gottes sehen kann, wird sie (hoffentlich!) pfleglicher behandeln. Die Dankbarkeit ist eine Lebenshaltung, die Ressourcen schont.

• Ehrlichkeit mit mir selbst. Wer ehrlich mit sich selbst ist, wird schnell die Differenz wahrnehmen, die zwischen seinem »Wollen« und seinem »Vollbringen« liegt. Wir haben dafür viele gute Ausreden. »Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach« ist eine der bekanntesten. Ich habe mit mir und anderen die Erfahrung gemacht, dass mir oft genug gerade dann eine Tatkraft, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte, erwächst, wenn ich es schaffe, mein Zurückbleiben hinter meinen eigenen Grundsätzen ehrlich zuzugeben. Mein Glaube und mein Vertrauen in Gottes Güte geben mir immer wieder Kraft für einen Neuanfang und helfen mir, an meiner eignen Unzulänglichkeit nicht zu verzweifeln.

• Mein Ruf in der Not kennt einen Namen. Es ist besser zu rufen »Herr, hilf, ich geh unter!«, als nur schreien zu können: »Hilfe, ich versinke!« Wenn ich glaube, ist es selbstverständlich, dass ich mich in allen möglichen Nöten an Gott wenden kann.

• Orientierung für mein Tun auf dieser Erde. Wenn ich davon überzeugt bin, dass am Ende gilt: »… und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein« (Offenbarung 21,4), dann kann ich nicht so falsch liegen, wenn ich jetzt schon mal mit dem Tränenwischen beginne. Mit anderen Worten: Aus meinem Glauben an die Zukunft Gottes und dieser Welt erfahre ich eine Ausrichtung für mein gegenwärtiges Tun. Die Tatsache, dass ich mich um Menschen kümmere, die unter die Räder zu kommen drohen oder gekommen sind, ist eine unmittelbare Folge meines Glaubens.

• Geborgenheit auch über mein Sterben hinaus. Ganz wichtig für mich ist die Überzeugung, dass mein Glauben über dieses Leben hinausreicht. Und das hat schon mit dem Leben auf dieser Erde zu tun. Ich möchte ganz viel von diesem Leben erwarten, aber eben nicht alles. Bei aller Freude, die mir das Leben bereitet, möchte ich denken und sagen: »Das Beste kommt noch!« Was früher manchmal auf Grabsteinen zu lesen war, kann ich gut nachvollziehen: »Hier liegen die Gebeine von N.N. und warten auf die fröhliche Auferstehung!« Freilich, ob mein Glaube trägt, auch wenn...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.