Krishnamurti | Können Konflikte enden? | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Krishnamurti Können Konflikte enden?


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7558-1090-2
Verlag: DuMont Buchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

ISBN: 978-3-7558-1090-2
Verlag: DuMont Buchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In der Menschheitsgeschichte gab es kaum eine Zeit ohne Krieg. Weltfrieden scheint ein unerreichbares Ideal zu sein. Selbst in unseren alltäglichen Beziehungen gelingt uns ein konfliktfreier Umgang kaum. Und doch sehnen wir uns alle genau danach: einem Leben in Sicherheit und Harmonie. In visionären Vorträgen betrachtet der weltbekannte Denker Jiddu Krishnamurti, inwiefern die Spaltungen in unserer Welt auf Dogmen und Machtgefällen fußen und unsere Beziehungen durch persönliche Überzeugungen und Ängste zerrüttet werden. Dabei widmet sich Krishnamurti ganz elementaren Fragen: Warum verfallen wir Ideologien? Warum ist unser Denken niemals objektiv? Warum suchen wir nach Sicherheit und wann wird diese Suche zum Verhängnis? Wie können wir gesunde Beziehungen führen? Und schließlich: Können Konflikte enden? Krishnamurti zeigt, warum wir in Konflikten leben, wie wir unser eigenes Denken und Verhalten ändern können und was es braucht für ein friedliches Miteinander.

JIDDU KRISHNAMURTI wurde in Südindien geboren, absolvierte seine Ausbildung in England und lebte lange Zeit in den Vereinigten Staaten. Er reiste in aller Welt, um Reden und Vorträge zu halten. Jiddu Krishnamurti nahm für sich in Anspruch, keiner Kaste, Nationalität oder Religion anzugehören. Seine Lehren wurden in 75 Büchern veröffentlicht und in 30 Sprachen übersetzt.
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WAS IST DIE TIEFERE FUNKTION DES GEHIRNS? OFFENSICHTLICH NICHT DAS LEBEN IM KONFLIKT.

Wir haben über Frieden gesprochen – warum die Menschheit, die seit Jahrtausenden diese Erde bevölkert, keinen Frieden hat. Es gab unzählige Kriege, und weitere werden folgen. Trotz aller technologischen Errungenschaften, trotz aller Friedensbeteuerungen der Religionen: Warum erleben wir nie Frieden, weder draußen in der Welt noch in uns? Die Welt, die wir geschaffen haben, die Gesellschaften, in denen wir leben, sind unser Werk und das Werk der Generationen vor uns, und auch die kommenden Generationen werden ihren Stempel aufdrücken. Wir leben in einer sehr gefährlichen, ungewissen, unsicheren Welt, und es scheint keinen Frieden auf dieser Erde zu geben – warum?

Wir haben uns diese Frage bereits gestellt. Wir haben untersucht, warum menschliche Wesen, die scheinbar so klug und intelligent sind – was ich im Übrigen bezweifle –, es nicht vermocht haben, eine Welt zu schaffen, in der wir alle in Frieden leben können. Darüber haben wir gemeinsam gesprochen und sind dabei auf eine bestimmte Frage gestoßen: Was ist die grundlegende Funktion des Gehirns? An diesem Punkt haben wir eine Pause eingelegt. Bei der Frage, warum das Gehirn, das sich über Jahrtausende hinweg entwickelt hat, das unglaubliche Erfahrungen jeglicher Art macht – Leid, Freude, Ungewissheit, Tod –, warum dieses Gehirn unser Problem nicht lösen konnte. Wer aber kann es lösen? Neue Führer, neue Staatsmänner, neue Priester, eine neue Ideologie? All das haben wir schon durchprobiert. Der Mensch hat alles versucht, um Frieden in der Welt und in sich selbst zu schaffen. Und das Gehirn, ein hochkomplexes Organ, das außerordentliche technologische Fortschritte bewirkt hat, ist ausgesprochen primitiv geworden und hat keines seiner Probleme gelöst.

Was ist die Funktion des Gehirns? Einfach nur so weiterzuleben wie bisher? Eine Menge Wissen auf allen möglichen Gebieten anzusammeln, damit wir einander vernichten und die Erde wie die Natur zerstören können? Ich hoffe, wir sind Menschen, die das Leben ernst nehmen, also nicht leichtfertig damit umgehen und sich diese Frage daher zwangsläufig stellen. Wenn wir offen und ehrlich sind, kümmern sich die meisten von uns doch nur um sich selbst. Wir beschäftigen uns nur mit unseren eigenen Interessen, ob wir nun hochgebildete Individuen sind oder keine besondere Erziehung genossen haben. Die Kultivierten oder Religiösen unter uns identifizieren sich vielleicht mit irgendwelchen höheren Zielen, aber schon diese Identifikation entspringt dem Eigeninteresse. Und das Gehirn, unser Gehirn, ist genau damit beschäftigt – mit persönlichen Problemen, mathematischen Fragen, technischen Schwierigkeiten. Letztlich kümmern wir uns nur um uns selbst. Das ist eine Tatsache. Wie sehr wir auch unser Eigeninteresse hinter großmütigem Engagement, hinter Meditation, hinter der Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppen verbergen mögen, bewusst oder unbewusst werden wir von Eigeninteresse beherrscht. Wenn wir einen ehrlichen Blick in unser Innenleben werfen oder auf unsere politischen und religiösen Aktivitäten oder Ähnliches, dann sehen wir, dass wir uns im Grunde nur für uns selbst interessieren. Wir leben so seit Anbeginn der Zeit und tun das immer noch. Und das Gehirn arbeitet also nur in diesem sehr kleinen, begrenzten Feld.

Ist das also die Funktion des Gehirns, sich um sich selbst zu sorgen, um seine eigenen Probleme, seine Freuden und Leiden, um Schmerz, Ehrgeiz, Gier und Emotionen dieser Art? Trotz des daraus entstehenden Chaos in der Welt? Jeder Mensch will etwas leisten, etwas zustande bringen, erleuchtet werden oder ein bedeutender Unternehmer werden – schlussendlich unterscheiden sich diese Ziele nicht voneinander. Wir haben unser Gehirn, das ein ganz außerordentliches Werkzeug ist, auf etwas Kleinliches und Begrenztes reduziert. Es kann technologisch ausgesprochen erfolgreich sein, Waffen erfinden, chirurgische Instrumente, Medikamente, Kommunikationsmittel und Computer – an diesen Dingen hat das Gehirn mit außerordentlichem Elan und ebensolchem Talent gearbeitet –, und doch ist ebendieses Gehirn nur damit beschäftigt, sich selbst zu schützen.

Das Gehirn lebt von Erinnerungen, nicht von Tatsachen. Das müssen wir verstehen, wenn wir herausfinden wollen, wie das Gehirn arbeitet und wie ein Gehirn aussehen muss, das bis zu seiner tiefsten Funktion vordringen kann. Wir arbeiten hier nur mit Tatsachen, und Tatsache ist, dass wir eine Reihe von Bewegungen der Erinnerung sind – wie wir das am Vortag festgestellt haben. Das Gedächtnis, das nichts mit Fakten zu tun hat, ist außerordentlich wichtig geworden. Mein Vater ist tot. Er ist fort, und ich erinnere mich. Das ist Gedenken, und ich lebe weiter in freudiger Erinnerung der Dinge, die wir miteinander geteilt haben. Wir sind also eine Reihe von Bewegungen der Erinnerung und der Zeit. Erinnerung ist Zeit. Erinnerung ist eine Reaktion aus Erfahrung, Wissen und den Dingen, an die Sie sich erinnern. Das ist das Selbst. Das ist es, was wir sind.

Ich weiß nicht, ob Sie je untersucht haben, was die Gegenwart ist, das »Jetzt«. Ist es das Ende der Erinnerung? Oder wissen wir einfach nur nicht, was das »Jetzt« ist? Kann ich ein bisschen bei diesem Thema bleiben? Die Null wurde von den alten Hindus erfunden, und in der Null sind alle anderen Zahlen enthalten. Ist das »Jetzt« also die Totalität aller Zeit? Wir haben gesehen, dass das Gehirn sich nur um sein Eigeninteresse kümmert, dass es Erinnerungen ansammelt und so zu einem schwachen Werkzeug der Psyche wird. Wenn ich den ganzen Tag nur über mich selbst nachdenke, ist das eine recht kleinliche Angelegenheit. Aber selbst wenn ich über die ganze Welt nachdenke, ist das kleinlich.

Wie also hat das Gehirn sich in diesem engen Kreis des Selbst verfangen? Das Selbst, das »Ich«, das Ego, all das sind nur Worte und Erinnerungen. Dieses Selbst ist unglaublich wichtig geworden, und wenn Sie sich nur für sich selbst interessieren, dann ist Ihr ganzes Handeln begrenzt. Und wo es Grenzen gibt, gibt es Konflikte. Ich bin Jude, Sie sind Araber – das ist eine Begrenzung, begrenztes Stammesdenken. Und ich hänge an meiner Begrenzung, so wie Sie an der Ihren hängen. Daher kommt es ständig zu Konflikten. Wenn Sie darauf beharren: »Ich bin Russe«, und sich mit diesem Land, seiner Tradition, Sprache und Literatur identifizieren, dann ist das sehr eng begrenzt. Das Gehirn, das im Selbst Sicherheit sucht, hat sich mentale Schranken auferlegt.

Offensichtlich gibt es da einen Widerspruch zwischen der mentalen Begrenzung und der grenzenlosen Natur des technischen Fortschritts. Ist es also die Funktion des Gehirns, in ständigem Konflikt und Widerspruch zu leben, sich nie davon zu befreien, stets in diesem engen mentalen Raum zu existieren? Oder ist es möglich, die Grenzen niederzureißen, wenn Sie die Natur des Selbst verstehen? Aber wer soll sie denn niederreißen? Diese Schranken wurden durch das Denken geschaffen, das Sicherheit innerhalb dieser Grenzen sucht. Dabei ist das Denken selbst begrenzt, weil es das Ergebnis der Erfahrung und des angesammelten Wissens ist, das in den Gehirnzellen gespeichert ist. Ich bin kein Experte, aber ein sorgfältiger Beobachter. Das Denken ist das Resultat von Erinnerungen, die an sich schon begrenzt sind, von Wissen, das immer begrenzt sein wird, und von Erfahrung, die niemals vollständig ist. Sehen Sie das?

Das Gehirn funktioniert also mit dem Werkzeug des begrenzten Denkens. Daher leben wir in ständigem Konflikt, in Streit, Schmerz und Kummer, weil wir in dieser Begrenzung, in den Erinnerungen, nach Sicherheit streben. Ist es die Funktion des Gehirns, Sicherheit zu suchen, um unser körperliches Überleben zu sichern? Natürlich müssen Sie dafür sorgen, dass Sie körperlich überleben, aber Sie streben ja nicht nur nach körperlicher, sondern auch nach psychischer Sicherheit – doch kann es so etwas wie psychische Sicherheit überhaupt geben? Bitte akzeptieren Sie nicht einfach das Gesagte. Schauen Sie sich all das gründlich an. Wir unternehmen diese Erkundung gemeinsam. Ich erlege Ihnen nichts auf, versuche auch nicht, Sie von irgendetwas zu überzeugen. Und das meine ich ernst. Ich will Sie nicht zu einer Philosophie bekehren, was schrecklich wäre. Stellen Sie sich einfach vor, wir schlendern zusammen über einen schattigen Weg, auf dem Lichttupfen tanzen, und genießen die Schönheit der Natur um uns herum. Wir unterhalten uns über ernsthafte Fragen, nicht über irgendwelche Kleinlichkeiten, weil wir beide ernsthafte Menschen sind. Und wir fragen uns: Haben wir unser Leben darauf reduziert, darauf, dass das Selbst in seiner Begrenztheit sicher ist? Wir kennen keine physische Sicherheit aufgrund von Kriegen, aufgrund von rassistischen und ideologischen Konflikten, die aus dem Stammesdenken entstehen. Politiker bereiten den Krieg vor – Sie wissen all das. Und mit Politikern können Sie nicht reden. Sie werden nicht zuhören, weil sie unbedingt ihre eigene Position sichern wollen. All das wissen Sie. Daher fragen wir uns: Ist es die einzige Funktion des Gehirns, Sicherheit in der Begrenzung zu suchen? Denn das ist es, was wir tun. Indem wir Sicherheit in der Begrenzung suchen, verursachen wir Chaos in der Welt, eine enorme Unordnung und Verwirrung.

Was ist die Funktion des Denkens? Denn es ist das Werkzeug des Gehirns....


Liebl, Elisabeth
ELISABETH LIEBL übersetzt aus dem Französischen, Englischen und Italienischen, u. a. übertrug sie die Werke von Malala Yousafzai, Tiziano Terzani, Papst Franziskus und Deepak Chopra ins Deutsche.

Krishnamurti, Jiddu
JIDDU KRISHNAMURTI wurde in Südindien geboren, absolvierte seine Ausbildung in England und lebte lange Zeit in den Vereinigten Staaten. Er reiste in aller Welt, um Reden und Vorträge zu halten. Jiddu Krishnamurti nahm für sich in Anspruch, keiner Kaste, Nationalität oder Religion anzugehören. Seine Lehren wurden in 75 Büchern veröffentlicht und in 30 Sprachen übersetzt.



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