Lael Miller | Echo der Liebe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 192 Seiten

Reihe: Die McKettricks

Lael Miller Echo der Liebe


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86278-764-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 7, 192 Seiten

Reihe: Die McKettricks

ISBN: 978-3-86278-764-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Rance McKettrick ist reich, mächtig - und hat seit dem Tod seiner Frau viel zu selten gelacht. Da begegnet ihm das Schicksal in der hübschen Gestalt von Echo Wells. Die neue Buchhändlerin von Indian Rock ist lebenslustig, optimistisch, hinreißend provokant und in jeder Hinsicht genau das Gegenteil des spröden Ranchers: Er glaubt an nüchterne Fakten, sie an romantische Magie. Er kümmert sich um internationale Geschäftsbeziehungen, sie verkauft heimlich unterm Ladentisch Liebestränke, die bei den Einwohnern reißenden Absatz finden. Und trotzdem kann sich Rance keine verführerische Frau als Echo vorstellen. Was, wenn sie die einzige Frau auf der Welt ist, die seine verletzte Seele heilen kann?



Nach ihren ersten Erfolgen als Schriftstellerin unternahm Linda Lael Miller längere Reisen nach Russland, Hongkong und Israel und lebte einige Zeit in London und Italien. Inzwischen ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt - in den weiten 'Wilden Westen', an den bevorzugten Schauplatz ihrer Romane.

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1. KAPITEL

Der Hund hockte mit nassem, verfilztem Fell auf dem rutschigen Gehsteig neben Echo Wells’ rosa lackiertem VW Käfer. In der Hoffnung, nicht allzu nass zu werden, stürzte Echo aus dem Truckstop-Restaurant. Als sie den Hund sah, blieb sie wie angewurzelt stehen.

“Ich kann keinen Hund brauchen”, erklärte sie dem Universum und legte den Kopf in den Nacken. Der Regen wusch die die letzten Spuren ihres Make-ups weg.

Der Hund winselte. Das große Tier war von unbestimmter Farbe und Rasse. Eine leichte Vertiefung am Hals deutete darauf hin, dass er früher einmal ein Halsband getragen hatte. Seine Rippen zeichneten sich deutlich unter dem Fell ab. Auf einer Vorderpfote entdeckte sie einen bräunlichen Blutfleck.

“Ach, zur Hölle!”, rief Echo. Sie sah sich auf dem Parkplatz um. Abgesehen von ein paar kleinen Lastern und einem uralten Wohnwagen war er leer. Sie sah keine Menschenseele, und vor allem niemanden, der nach einem weggelaufenen Tier Ausschau hielt.

Der Hund schien schon seit Tagen allein zu sein, wenn nicht seit Wochen oder sogar Monaten. Bei der Vorstellung, wie einsam und verängstigt er sein musste, bekam Echo Mitleid. Entweder war er ausgesetzt worden – nach Echos Ansicht gab es in der Hölle einen speziellen Platz für Leute, die hilflose Tiere aussetzen – oder weggelaufen, während seine Besitzer getankt oder in dem Restaurant gegessen hatten.

“Ich habe den Wagen gerade putzen lassen”, erklärte sie dem Hund. Der Käfer war die einzige Eitelkeit, die sie sich leistete, ein unbesonnener Luxus, über dessen psychologische Bedeutung sie nicht allzu sehr nachdenken wollte.

Das Tier winselte erneut. Dann sah es so hoffnungsvoll mit seinen schwermütigen Augen zu ihr auf, dass Echos Herz dahinschmolz.

Resigniert lief sie um den Wagen und öffnete die Beifahrertür mit einer Hand, während sie auf der anderen die Schachtel mit dem Abendessen balancierte. Der Hund schlich geduckt neben ihr her. Er hinkte ein wenig.

“Komm schon”, lockte sie sanft. “Spring rein.”

Einen Moment zögerte der Hund, dann hüpfte er auf den Sitz – schmutzig und nass, wie er war. Echo seufzte, öffnete die Schachtel und fütterte, im Regen stehend, den Hund mit den Resten des Hackbratens. Das war’s dann wohl mit ihrem Plan, aus jeder Mahlzeit mindestens zwei weitere zu machen, um ihr Reisebudget nicht zu sehr zu strapazieren.

Der ausgehungerte Hund schlang sein Abendessen hinunter. Anschließend sah er Echo so herzergreifend an, dass ihr Tränen in die Augen schossen.

“Mach dir keine Sorgen”, sagte sie zu ihm und zu sich selbst. “Alles wird gut.”

Sie schloss die Tür, ließ sich vom Regen die Hände waschen, rieb sie an ihrem alten braunen Burberrymantel halbwegs trocken und setzte sich hinters Steuer. Sofort beschlugen die Fenster.

“Das ist Arizona”, beschwerte sie sich bei ihrem neuen Reisegefährten. “Hier sollte es eigentlich sein.”

Der Hund seufzte.

“Du bist wirklich ganz schön nass”, bemerkte Echo sachlich. Sie zog an einem Hebel, um den Kofferraum zu öffnen, bot den Elementen erneut die Stirn und stieg aus, um den Quilt zu holen, den sie seit ihrer Kindheit mit sich herumschleppte. Nachdem sie den Hund darin eingewickelt hatte, zog sie ihren Mantel aus, warf ihn auf den Rücksitz und setzte sich wieder.

In den Stoff geschmiegt seufzte der Hund noch einmal, bevor er sich, so gut es angesichts seiner Größe ging, hinlegte. Als Echo auf den Highway 10 einbog, schnarchte er bereits.

Zweieinhalb Stunden später, am Stadtrand von Phoenix, fuhr sie auf den Parkplatz einer günstigen Hotelkette. Es hatte aufgehört zu regnen, die Luft war warm und schwül. Als der Hund sich gähnend aufsetzte, rutschte der Quilt zu Boden.

Echo musterte das Tier. “Ich hatte eigentlich gehofft, heute noch nach Indian Rock zu kommen”, erklärte sie ihrem schmutzigen Beifahrer. “Aber ich bin müde, und um ehrlich zu sein, stinkst du. Also werde ich uns jetzt ein Zimmer besorgen. Morgen früh fahren wir weiter. Warte hier.”

Mit einem leisen Jaulen sah der Hund sie an.

Sie tätschelte seinen verfilzten Kopf. “Keine Angst, Muttzo”, sagte sie. “Wir bleiben zusammen, bis wir deine Besitzer gefunden haben.”

Bevor sie ging, schnappte sie sich die Schultertasche und öffnete das Fenster einen Spalt. Sie hoffte nur, dass sie nicht nach Hund roch.

“Gute Neuigkeiten”, sagte sie, als sie nach einer Viertelstunde mit einem Schlüssel in der Hand zurückkam. “Wir haben ein Zimmer.” Vor Freude, sie zu sehen, fuhr der Hund ihr mit seiner rauen, nach Hackbraten riechenden Zunge über das Gesicht. “Ich habe natürlich behauptet, dass du ein kleiner Pudel bist.”

Echo fuhr um das Gebäude und parkte unter einer Laterne. Während sie einen ihrer Koffer aus dem Auto wuchtete, erledigte das Tier diskret hinter einem Busch sein Geschäft. Dann gingen sie gemeinsam durch den langen Flur zum Zimmer Nummer 117.

“Jetzt wirst du erst mal gebadet.” Echo lotste den Hund ins Badezimmer. Kaum drehte sie den Wasserhahn auf, stürzte er in die Wanne und begann, durstig zu trinken. Sie nahm den Duschkopf in die Hand und kniete sich auf den Boden.

“Na so was”, rief sie, nachdem sie ihn gründlich abgeduscht hatte und mindestens zehn Pfund Schmutz in den Abfluss geflossen waren. “Du weißt das vielleicht nicht, aber du bist ein weißer Labrador. Und noch dazu ein weiblicher.”

Echo riss eine kleine Packung Seife auf und schäumte damit das Fell ein. Doch da die Seife blitzschnell aufgebraucht war, kramte sie eine Flasche Shampoo aus ihrer Kosmetiktasche. Wieder seifte sie das Tier ein und wusch es anschließend gründlich ab.

“Du brauchst einen Namen”, beschloss sie, als sie ihn mit einem Handtuch trocken rieb. “Und irgendwie hast du etwas Geheimnisvolles und Mystisches an dir – ich glaube, das liegt an deinen Augen.” Sie überlegte. “Deshalb taufe ich dich auf den Namen Avalon.”

Avalon, die offenbar verstand, dass das Bad zu Ende war, sprang aus der Wanne und blieb einen Moment unschlüssig auf der Badematte stehen, als erwarte sie einen Befehl. Doch als Echo nichts sagte, schüttelte sie sich heftig und tappte zurück ins Hotelzimmer.

Echo folgte ihr lachend, stöpselte den Föhn in die Steckdose und beobachtete entzückt, wie sich Avalons schneeweißes Fell unter der Wärme wunderhübsch kringelte. Als die Hündin trocken war, füllte Echo einen Eiskübel mit Wasser und stellte ihn auf den Boden. Erst dann ging sie zurück ins Badezimmer, um sich endlich selbst die dringend benötigte Dusche zu gönnen.

Als sie kurz darauf in einen Bademantel gehüllt und mit nach allen Himmelsrichtungen abstehendem Haar wieder ins Zimmer trat, lag Avalon zusammengerollt vor dem Bett. Sie öffnete ein braunes Auge und hob den Kopf ein wenig. In dieser Bewegung lag große Vorsicht, als rechnete sie damit, verscheucht zu werden.

Dieses Gefühl kannte Echo nur zu gut. Sie wusste, wie es war, wenn man versuchte, nicht gesehen zu werden, und sich gleichzeitig danach sehnte, zu jemandem zu gehören.

Ihr altes Leben in Chicago war genauso verlaufen. Immer hatte sie das Gefühl gehabt, an der Seitenlinie zu stehen und zu warten, ohne genau zu wissen, auf was.

“Hey”, sagte sie, bückte sich und streichelte Avalons weiches, glänzendes Fell. “Ich halte mein Wort. Wir bleiben zusammen, solange es nötig ist. Und teilen alles schwesterlich.” Sie streckte eine Hand aus. Zu ihrer Überraschung legte Avalon ihre Pfote hinein, als wollte sie ein Geschäft besiegeln.

Nachdem Echo ihr blondes Haar trocken geföhnt hatte, flocht sie es zu einem französischen Zopf, damit es sich nicht zu sehr kräuselte. In einem Baumwollnachthemd und mit geputzten Zähnen stieg sie kurz darauf ins Bett. Als sie das Licht ausknipsen wollte, winselte Avalon leise. Schon wieder brannten Echos Augen. “Na, dann komm”, sagte sie. “Hier oben ist genug Platz für uns beide.”

Avalon sprang aufs Bett, schmiegte sich an Echos Beine und schlief ein.

Und Echo, völlig zerschlagen nach all den Tagen im Auto, tat dasselbe.

Cora Tellington nahm ihre Enkelinnen Rianna und Maeve auf dem Gehweg vor überschwänglich in die Arme. Der neue Tag funkelte und strahlte wie ein frisch polierter Penny. Nur das Gesicht ihres Schwiegersohns, der gerade aus seinem riesigen Geländewagen stieg, trübte die Stimmung ein wenig.

Rance McKettrick betrachtete das Schaufenster neben Coras Laden, einer Mischung aus einem Schönheitssalon und einer Baton-Twirling-School. Offenbar bemerkte er, dass das Verkaufsschild aus dem staubigen Fenster verschwunden war.

“Hast du endlich den Laden verkauft?”, fragte er. “An was für einen Trottel?”

Seufzend musterte Cora den gut aussehenden Ehemann ihrer verstorbenen Tochter. Er war über einen Meter fünfundachtzig groß. Und trotz des teuren Anzugs gelang es ihm, wie ein wilder Cowboy auszusehen, der gerade von seiner Ranch geritten war. Sein Haar war dunkel – ständig juckte es Cora in den Fingern, es ihm anständig zu schneiden. In den markanten blauen Augen lag tiefer Kummer. Seit Julies Tod vor fast fünf Jahren schien Rance nicht mehr ganz am Leben zu sein. Wie eine Marionette erfüllte er seine Pflichten und Aufgaben, mehr aber auch nicht.

Auch Cora vermisste Julie, vielleicht sogar noch mehr als er, denn nichts auf der Welt war schmerzlicher, als das eigene Kind zu begraben. Aber ihren Enkelinnen zuliebe hatte sie sich mit ihrer Trauer abgefunden. Die Mädchen waren erst sechs und zehn Jahre alt. Sie brauchten ihre Großmutter. Natürlich brauchten sie auch Rance, der die beiden auf seine eigene, zerstreute Art liebte. Doch offenbar schaffte...



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