E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Lasko Nietzsche: Rock dein Schicksal
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95802-321-5
Verlag: tao.de in Kamphausen Media GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-95802-321-5
Verlag: tao.de in Kamphausen Media GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wolf W. Lasko (Dr., Dipl.-Ing./Dipl.-Kfm.) ist Geschäftsführer und Gründer der Winner/s Edge Resulting-Gesellschaft für Strategie, Vertrieb und Innovation mbH. Er hat mehr als 20 Bücher zu Themen der Business- und Persönlichkeitsentwicklung geschrieben. Lebensmotto: Neugierde www.lasko.de
Autoren/Hrsg.
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Prolog
„Ich will nicht, dass man mir etwas nachmache; ich will,
dass jeder sich etwas vormache“.
(Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft)
Ein Vademecum für Nietzsche-Liebhaber
„Vade mecum“ heißt zu Deutsch „Geh mit mir“. Dieses Buch ist eine Einladung zu einem abwechslungsreichen Spaziergang durch individuelle Nietzsche-Landschaften mit einem neuen, systematisierenden Blick:
1. Sich erkennen (Wille zu persönlichem Wachstum)
2. Hindernde Werte entwerten (Wille zum Ballastabwerfen)
3. Sich neu erschaffen (Wille zu einem bejahenden Leben)
und kann ein gedanklich begeisternder Wegbegleiter, privat aber auch im beruflichen Alltag sein. Etwa bei der Zusammenarbeit mit Führungspersönlichkeiten und Managern der Wirtschaft trat klar zutage, welche enorm aktuelle – philosophische und praktische – Denkimpulse dieses Denkgenie aus dem vorletzten Jahrhundert auch dem modernen Unternehmertum zu bieten hat. Der „aristokratische Rebell“1 und konsequente Querdenker Friedrich Nietzsche passt vielleicht nicht unbedingt in unsere wohlstandsorientierte Öffentlichkeit, zu den auf Konsum und virtuelle Ablenkung programmierten Bevölkerungsmassen oder zu den Polit-Beamten hier in Deutschland und anderswo im Westen. Eher zu verorten sind seine durchaus noch zeitgemäßen Ideen vermutlich in einer unternehmerisch geprägten Gedankenwelt von Individualisten, die mit offenem Geist und starkem, schöpferischem Veränderungswillen in ihren wirtschaftlichen Wirkungsbereichen etwas bewegen wollen. Menschen, die Neues gestalten, die Eigenes verwirklichen und damit bei ihrem eigenen Selbst anfangen. Solche zeitgenössischen Querdenker sind – akademisch betrachtet – erfahrungsgemäß ganz überwiegend die reinsten Amateure. Also Mitmenschen, die das Philosophieren oder gar die Poesie um ihrer selbst willen lieben – und diese Begeisterung nicht zu ihrem Broterwerb gemacht haben. Für professionelle Amateure2 im Wortsinne jedoch, die sich unbefangen, mit gesundem Menschenverstand und mit Begeisterung der Gedankenwelt und den sprachlich mitreißenden Texten Friedrich Nietzsches nähern und die darangehen, sich lustvoll in seine philosophischen Provokationen zu vertiefen – kurz: für Dilettanten (der Wortstamm bedeutet ja „sich erfreuen“) ist dieses Buch geschrieben.
Avanti Dilettanti
Ein Dilettant3 ist bekanntlich intrinsisch gesteuert; Dilettanten tun eine Sache aus eigenem Antrieb, um ihrer selbst willen, aus Interesse, Vergnügen plus Leidenschaft. Der Ehrgeiz des Autors von „Nietzsche: Rock dein Schicksal“ war es also nicht, eine neue Nietzsche-Interpretation für Kathedergelehrte und Geistesoder Sozialwissenschaftler zu verfassen - Nietzsche selbst hat sein ursprüngliches wissenschaftliches Fach, die Altphilologie, bereits in seiner akademischen Leipziger und Basler Zeit mit scharfsinniger Logik höchst kritisch betrachtet als Spezialistentum, das oftmals die große Linie des Gesamtwerks aus dem Blick verliert. Dilettanten, die sich ihre literarische Neugier für den unmittelbaren Zugang zu seinen Werken bewahrt haben, ticken anders.
Der Appell des Buches lautet also: Lesen Sie dilettantisch! Lassen Sie sich spontan ein auf begeisternde Aphorismen Nietzsches und Zitate aus seinen Werken.
Nietzsches Werke kann man wissenschaftlich sezieren – oder sich einfach für sie begeistern
Friedrich Nietzsche zählt unbestritten zu den bedeutendsten – eindrucksvollsten, eigenwilligsten, zum eigenen Denken inspirierensten – Philosophen und Denkern der Moderne. Der Geist seiner Werke bewegt bis heute unzählige geistig neugierige Menschen. Dahinter mag Begeisterung für sein Pionierdenken, aber auch starkes wissenschaftliches Engagement und forscherischer Ehrgeiz stehen. Nietzsches literarisches Werk wird unter verschiedenen Aspekten logisch seziert und geistvoll mit der übrigen wissenschaftlichen Sekundärliteratur verglichen. Mit überbordender Lust an wissenschaftlicher Differenzierung werden seine Schriften biografisch analysiert und akribisch unterschieden nach den frühen, den unausgereiften und den späteren Phasen und Höhepunkten seines philosophischen Schaffens. Und es wird spekuliert, wo etwa der Beginn seiner geistigen Umnachtung zu verorten sei, als ihm dann bereits der Wahn die Feder geführt hatte. Da gibt es tiefgründige geisteswissenschaftliche Untersuchungen darüber, welche historischen und zeitgenössischen Geistesgrößen auf welche Weise Nietzsches Denken positiv oder negativ beeinflusst und geprägt haben und welche Denker er gar völlig ignorierte.
Einerseits verdienen die Leistungen solcher Nietzschekenner und Experten hohen Respekt. Andererseits stellt man sich gelegentlich die Frage: Handelt es sich da nicht ganz oft um wilde und üppige Spekulationen, um Glasperlenspiele im akademischen Elfenbeinturm? Interpretieren solcherlei Sekundärschriften nicht nur manche herausgepickten Details, nur einen ganz geringen, vielleicht auch zweitrangigen Bruchteil von Nietzsches Gesamtwerk? Wird da nicht manchmal auch Tertiär-Literatur über die gängige Nietzsche-Sekundärliteratur verfasst – Interpretationen, die schließlich zu staubtrockenen Hyperanalysen über Nietzsches Gesamtwerk führen, ohne dessen Vielfalt und Widersprüchlichkeiten wirklich gerecht zu werden?
Lesen Sie Nietzsche
Wenn der Leser die akademische Brille absetzt, dann verschwindet damit der Effekt, dass er sozusagen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Dann erschließt sich unmittelbar und einfach Nietzsches überwältigende, magische und philosophisch so moderne Gedankenwelt. 1. Sich erkennen (Wille zu persönlichem Wachstum), 2. Hindernde Werte entwerten (Wille zum Ballast abwerfen),3. Sich neu erschaffen (Wille zu einem bejahenden Leben).
Bei dieser Herangehensweise wird auf einen Blick das Verbindende sichtbar, der Sesam öffne dich durch die systemische Trilogie „erkennen – entwerten – neu erschaffen“: Die Kernbotschaften treten unmittelbar zu Tage. Eine davon tönt wie ein Grundakkord durch Nietzsches gesamtes Werk. Sie steht in „Die fröhliche Wissenschaft“ und lautet: „Du sollst der werden, der du bist.“ Das bedeutet: Am Beginn steht die Aufforderung und Herausforderung, sich anzustrengen. Der Lohn dafür ist eher ein mysteriöses Versprechen. Es steht in „Zarathustra Vorrede“: und lautet: „Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.“
Erkennen, entwerten, neu erschaffen
Um die Geburt tanzender Sterne in Nietzsches Werken zu beobachten, empfehlen sich also drei gedankliche Arbeitsschritte: erkennen – entwerten – neu erschaffen. Aus diesen drei Blickwinkeln ist das Buch mit seinen drei Teilen verfasst. Gemeinsam ist allen drei Teilen der Begriff „Wille“. Dieser nächste Schlüsselbegriff schafft einfache und überzeugende Wegmarkierungen, die durch das Gesamtwerk des Philosophen geleiten können, so komplex und vielschichtig sein Denken und Schreiben auch ist.
Wille zum selbstbewussten Übermenschen: erkennen
Es ist der Appell an den Einzelnen: Schaffe dir ein Bewusstsein für vorhandene Prägungen. Und: Mensch, entwickle dich, geh über dich hinaus. Das ist mit „Übermensch“ gemeint. Das Wort ist ein Weckruf, nicht geistig abzusacken, hinzufallen oder zu stagnieren. Gefordert ist der Einzelne vielmehr, eigenen Willen aufzubringen, um an sich zu arbeiten, sich aus seinen Konditionierungen herauszuarbeiten, sich dafür anzustrengen, Energie und Kraft da hineinzustecken. Das setzt voraus: sich der aktuellen eigenen Persönlichkeit überhaupt erst einmal bewusst zu werden und zu erkennen, dass zumeist andere – andere Menschen und andere Ideen – bisher Regie über das eigene Leben geführt haben und es weitgehend gestalten. Das meint, nicht in der einschläfernden Komfortzone des Gewohnten zu verharren, wo die Anpassung regiert. Sich nicht der Alltagsroutine mit ständiger medialer Ablenkung vom wirklichen Leben auszuliefern. Sondern den Autopiloten abzuschalten, das Steuer zu übernehmen und den Kurs der Fahrt im Leben selbst zu bestimmen.
Es geht also zuerst einmal darum, überhaupt den Einfluss fremder Konditionierungen auf das eigene Denken und Fühlen als blockierende Denkfallen zu erkennen. Wer in ihnen gefangen ist, verpasst individuelles Wachstum über sich selbst hinaus. Eine Veränderung in diese Richtung muss bewusst entschieden und gewollt sein. Den hohen Anspruch an den Einzelnen und die entsprechende Herausforderung fasst Nietzsche, wie gesagt, in den prägnanten Satz: „Du sollst der werden, der du bist.“4 Es kommt auf das Werden-Wollen an, gegen alle inneren Widerstände, gegen den inneren Schweinehund. Nietzsche nennt es innere Zucht, und Lehrer oder Erzieher sind in seiner uns etwas altertümlich anmutenden Sprache dann auch Züchter oder Zuchtmeister. „Der Schläfer muss erwachen“ (Dune – Der Wüstenplanet).
Überprüfen, was wertlos geworden ist: entwerten
Der nächste Arbeitsschritt ist: das, woraus die eigene Persönlichkeit – Nietzsche nennt es die „erste Natur“ – besteht, rigoros auf das zu überprüfen, was an ihr noch wertvoll und was nicht mehr hilfreich ist; in Frage zu stellen, welche Werte das eigene Selbst ausmachen. Es geht somit um Prägungen, die wir – meist unbewusst und unreflektiert – bereits als Kinder, Heranwachsende und später als erwachsene Zeitgenossen erfahren, aufgegriffen, verinnerlicht und stabil in unsere Person integriert haben. In Frage gestellt werden damit nachhaltige Einflüsse von Eltern, Geschwistern und...




