Leigh Breeds - Callans Schicksal
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8025-8930-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 01, 320 Seiten
Reihe: Breeds-Serie
ISBN: 978-3-8025-8930-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Als Journalistin ist Merinus Tyler ständig auf der Jagd nach einer guten Story. Eines Tages stößt sie auf Hinweise, dass das Militär genetische Experimente an Menschen vorgenommen hat. Und es gelingt ihr tatsächlich, einen der Supersoldaten aufzuspüren, der vor seinen Schöpfern geflohen und untergetaucht ist. Callan Lyons trägt Löwenblut in sich und besitzt übermenschliche Kräfte. Von ihrer ersten Begegnung an weckt der attraktive Callan eine wilde Leidenschaft in Merinus. Doch das Militär und die Gen-Forscher sind Callan dicht auf den Fersen.
Lora Leigh lebt mit ihrer Familie in Kentucky. Mit ihren erotischen Liebesromanen hat sie sowohl im Bereich der Romantic Fantasy als auch des Romantic Thrill eine große Leserschaft gewonnen.
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1
Washington D. C.
»Das hier ist meine Geschichte.« Merinus starrte ihre sieben Brüder und ihren Vater an und sagte das mit fester Stimme, entschlossen, sich diesmal durchzusetzen.
Sie wusste, dass sie keine beeindruckende Figur abgab. Mit einem Meter zweiundsechzig war es verdammt hart, die Männer der Familie, die alle über ein Meter achtzig waren, zu überzeugen, dass ihr etwas ernst war. Aber bei dieser Sache musste sie es einfach versuchen.
»Denkst du nicht, dass du dir da ein bisschen zu viel zumutest, Zwerg?« Caleb, Chefredakteur des National Forum und ihr zweiältester Bruder, sah sie mit einem leicht überheblichen Lächeln an.
Merinus ignorierte die Provokation. Sie blickte an dem langen Tisch entlang direkt in das nachdenkliche Gesicht ihres Vaters. John Tyler war derjenige, den sie überzeugen musste, nicht seine idiotischen Nachkommen.
»Ich habe hart gearbeitet, Dad, ich kann das.« Sie gab sich alle Mühe, ihrer Stimme den stahlharten, entschlossenen Klang zu geben, den sie schon so oft bei ihrem ältesten Bruder gehört hatte. »Ich verdiene diese Chance.«
Sie war vierundzwanzig Jahre alt, das jüngste von acht Kindern und die einzige Tochter. Sie hasste Make-up, verabscheute Kleider und gesellschaftliche Ereignisse und musste sich von ihren Brüdern oft anhören, dass sie eine Enttäuschung für das gesamte weibliche Geschlecht sei. Sie wollte Journalistin werden, und sie wollte etwas verändern. Sie wollte dem Mann begegnen, dessen Bild vor ihr auf dem Tisch lag, und herausfinden, ob seine Augen wirklich so strahlend goldbraun waren. Vielleicht steckte mehr von einer Frau in ihr, als die anderen ahnten.
Sie war besessen, das musste Merinus sich innerlich eingestehen, und ihr war klar, dass sie das um jeden Preis verbergen musste. In dem Moment, in dem sie das Bild dieses Mannes gesehen hatte, war sie nervös geworden, voller Angst, dass seine Feinde ihn erwischten, bevor sie ihm das Angebot ihres Vaters unterbreiten konnte.
»Wieso glaubst du, dass du die Beste für diese Aufgabe bist, Merinus?« Ihr Vater beugte sich vor und umklammerte die Kanten des Tisches mit den Händen. Seine blauen Augen musterten sie ernst und nachdenklich.
»Weil ich eine Frau bin.« Sie gestattete sich ein kleines Lächeln. »Mit einem der sieben Ungeheuer hier wäre sofort so viel Testosteron im Raum, dass er umgehend ablehnen würde. Aber einer Frau wird er zuhören.«
»Wird er ihr zuhören oder versuchen, sie zu verführen?«, fragte einer ihrer anderen Brüder barsch. »Dieser Vorschlag ist inakzeptabel.«
Merinus hielt den Blick auf ihren Vater gerichtet und betete, dass ihr ältester Bruder Kane den Mund halten würde. Ihr Vater hörte auf ihn, wenn es um sie ging, und wenn er es für zu gefährlich hielt, dann würde John Tyler ihr niemals erlauben zu gehen.
»Ich werde vorsichtig sein«, erklärte sie ihm sanft. »Ich habe viel von dir und Kane gelernt. Ich will diese Chance. Ich verdiene sie.«
Und wenn ich sie nicht bekomme, dann werde ich es trotzdem tun. Sie wusste, dass ihre Brüder keinen Kontakt zu dem Mann herstellen konnten, aber sie konnte es. Sie unterdrückte ein Schaudern bei dem Gedanken. So mancher würde behaupten, dass er nicht einmal menschlich sei. Ein genetisches Experiment, gezeugt in einem Reagenzglas, von einer Leihmutter ausgetragen und ausgestattet mit einer DNA, die durch die Gene eines Tieres verändert wurde. Ein Mann mit allen Instinkten und den Jagdfähigkeiten eines Löwen. Ein absolut menschlich aussehender Mann – erschaffen, um zu töten.
Merinus hatte alle Berichte über die Experimente und das über dreißig Jahre zurückreichende Tagebuch der Wissenschaftlerin gelesen, die ihn damals ausgetragen hatte. Dr. Maria Morales war im College eine Freundin ihres Vaters gewesen. Sie hatte verfügt, dass die Kiste mit den Unterlagen im Falle ihres Todes an John Tyler gehen sollte. Und die Entscheidung, wer ihren letzten Wunsch erfüllen würde, lag bei ihm allein.
Maria wollte, dass er den Sohn, den sie damals bekommen hatte, an einem bestimmten Ort suchte und ihm dann dabei half, das geheime Genetics Council zu besiegen, indem er ihn überzeugte, an die Öffentlichkeit zu gehen. Nur dann wäre er irgendwann wieder in Sicherheit. Sie hatte genug Anhaltspunkte für weitere Nachforschungen geliefert, und Kane hatte sich um den Rest gekümmert. Sie besaßen jetzt die Namen der Council-Mitglieder und Beweise für deren Beteiligung. Ihnen fehlte nur noch der Mann, den diese Leute geschaffen hatten.
»Das ist zu gefährlich, um es ihr anzuvertrauen«, meinte Caleb erneut. Die anderen schwiegen, aber Merinus wusste, dass sie ihre Meinung schon bald kundtun würden.
Merinus holte tief Luft. »Entweder ich kriege die Geschichte, oder ich werde dem Idioten folgen, der sie kriegt. Ihr habt ohnehin keine Chance bei ihm.«
»Und das von einer Frau, die sich weigert, Make-up oder ein Kleid zu tragen?«, sagte Gray, ihr jüngster Bruder, und lachte abfällig. »Schätzchen, dir fehlt einfach das gewisse Etwas.«
»Man muss dafür keine Hure sein«, entgegnete sie ihm wütend. »Es ist einfache Logik, du Schwachkopf. Eine Frau, ob sie nun eine Hose oder ein Kleid trägt, wird die Aufmerksamkeit eines Mannes eher erregen als jeder andere Kerl. Er ist vorsichtig, er fasst nicht schnell Vertrauen. Marias Berichte bestätigen das eindeutig. Er würde keinem anderen Mann trauen, sondern sich bedroht fühlen.«
»Und er könnte genauso gefährlich sein, wie es seine Erschaffer geplant haben«, antwortete Caleb anstelle von Gray und fuhr sich mit den Fingern durch das kurze braune Haar. »Verdammt, Merinus, du hast in der Nähe dieses Bastards absolut gar nichts verloren.«
Merinus holte tief Luft. Sie senkte den Blick auf das Foto und bemerkte trotz des Hochglanzpapiers wieder diese trostlose Einsamkeit. Seine Augen faszinierten sie, selbst auf dem Bild. Viele Jahre der Traurigkeit spiegelten sich darin. Er war jetzt dreißig Jahre alt, ungebunden und allein. Ein Mann ohne Familie oder Rasse, zu der er gehörte. Das musste schrecklich sein, und dass man ihn auch noch jagte, war eine Tragödie.
»Ich werde nicht hierbleiben«, sagte sie laut genug, dass sie alle es hören konnten. »Ich werde demjenigen folgen, der sich auf den Weg macht, und ich werde nicht zulassen, dass ihr ihn jagt.«
Ein bedrückendes Schweigen breitete sich im Raum aus. Merinus konnte acht Augenpaare auf sich fühlen, die sie mit verschiedenen Abstufungen von Missbilligung im Blick ansahen.
»Ich gehe mit ihr. Ich kann den Forschungsteil übernehmen, und Merinus stellt den Kontakt her.« Als sie Kanes Stimme hörte, riss Merinus überrascht den Kopf hoch.
Der Schreck elektrisierte ihren Körper, als ihr klar wurde, dass ausgerechnet der Bruder, unter dem sie am meisten zu leiden hatte, bereit war, ihr in dieser Sache zu helfen. Es war kaum zu glauben. Kane war arrogant und zu neunzig Prozent der Zeit der größte Scheißkerl der Welt. Er war früher Commander bei den Special Forces gewesen und so herrisch, wie es ein Mann nur sein konnte.
Zum ersten Mal sah sie ihn direkt an. Sein Gesichtsausdruck war kühl, aber in seinen Augen stand Wut. Heiße zornige Blitze schossen aus dem dunklen Blau, und der leicht neckende Spott, den sie sonst immer darin erkannte, fehlte völlig. Die Intensität seines Blickes machte ihr fast Angst. Er war nicht wütend auf sie, das konnte sie sehen, aber Kane war verärgert. Und ein verärgerter Kane war nicht gut.
Merinus registrierte, dass ihr Vater sich auf seinem Stuhl zurückgelehnt hatte und seinen ältesten Sohn jetzt überrascht ansah.
»Du hast in diese Sache schon eine Menge Zeit investiert, Kane«, bemerkte John. »Mindestens sechs Monate. Ich dachte, du würdest dich gerne ein bisschen ausruhen.«
Kane blickte seinen Vater an und zuckte angespannt mit den Schultern.
»Ich möchte es zu Ende bringen. Ich werde in der Nähe sein, um ihr zu helfen, falls sie mich braucht, und ich kann die Untersuchungen durchführen, die zu gefährlich für sie wären. Wenn sie es schafft, heute Abend noch reisefertig zu sein, dann machen wir es auf ihre Art.«
»Ich bin bereit.« Merinus’ Antwort kam sofort. »Sag mir, wann’s losgehen soll.«
»Um vier. Wir haben acht Stunden Fahrt vor uns, und ich möchte die Gegend auskundschaften, bevor es morgen wieder dämmert. Zum Glück macht es dir nichts aus, dir ein paar Nägel abzubrechen, Kleine, weil dir genau das nämlich passieren wird.«
Er sprang abrupt auf, während die Männer um ihn herum heftig zu streiten begannen. Merinus konnte ihn nur schweigend ansehen, so überrascht war sie von seiner Entscheidung. Was zur Hölle hatte er vor?
Er ignorierte die hitzigen Proteste seiner Brüder. Sie argumentierten, dass es für Merinus nicht sicher sei und dass sie von »irgendeinem verdammten Tier-Hybriden« infiziert werden könnte. Merinus verdrehte die Augen, dann biss sie sich nervös auf die Lippe, als Kanes Gesicht zu einer Maske gefährlicher Wut erstarrte. Seine Augen wirkten wie tot. Sie konnte es nicht anders beschreiben. Es schien, als wäre jegliches Leben oder Licht in ihm erloschen. Es war ein schrecklicher Blick.
Im Raum wurde es still. Niemand legte sich mit Kane an, wenn er so aussah.
»Mach dich fertig, kleine Schwester«, sagte er ruhig, als er an ihr vorbeiging. »Und wenn du ein verdammtes Kleid oder einen einzigen Lippenstift einpackst, dann schließe ich dich im Schlafzimmer ein.«
»Oh, Kane«,...




