E-Book, Deutsch, Band 1, 100 Seiten
Reihe: Die neue Praxis Dr. Norden
Lindenau Noch einmal von vorn
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7409-5896-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die neue Praxis Dr. Norden 1 - Arztserie
E-Book, Deutsch, Band 1, 100 Seiten
Reihe: Die neue Praxis Dr. Norden
ISBN: 978-3-7409-5896-1
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
1967 in der schönen bayerischen Landeshauptstadt geboren, bin ich ein echtes 'Münchner Kindl'. Bereits im Alter von acht Jahren entdeckte ich die Welt der Bücher für mich, die mich seither nicht mehr losgelassen hat. Sprache war und ist für mich ein fantastisches, vielfältiges Ausdrucksmittel, dessen Gebrauch ich von Kind an in Tagebucheinträgen, Kurzgeschichten und Erzählungen geübt habe. Dieses Talent entdeckte und förderte schließlich meine Schwiegermutter, die wunderbare Romanautorin Gerty Schiede. Sie war es, die mich in die Welt , das Leben und Wirken des Dr. Norden und seiner großen, glücklichen Familie einführte. Sie lehrte mich, die Welt mit seinen Augen zu sehen. Inzwischen selbst Mutter von vier Kindern und ausgestattet mit viel Neugier und einer lebhaften Fantasie fand und finde ich in dieser Serie endlich ein schönes Medium, um über all das zu schreiben, was unser Leben so lebenswert macht: Liebe, Kinder, Freude, Irrungen und Wirrungen. Mit meinen Geschichten möchte ich meinen Leserinnen und Lesern immer wieder aufs Neue schöne, unterhaltsame, spannende Stunden schenken mit der Sicherheit, dass das Gute über das Böse siegt und die Liebe stärker ist als der Hass. Das ideale Umfeld und die Ruhe zum Schreiben finde ich in meinem Haus, das inmitten idyllischer Natur in einer kleinen Stadt nahe München liegt. Hier lebe ich seit vielen Jahren mit meiner Familie, Hund und Katze. Meine größte Inspiration sind meine wunderbaren Kinder, die es mir leicht machen, das lustige, aufregende, mitunter auch anstrengende aber unbezahlbare Leben in einer Großfamilie, wie die Nordens es führen dürfen, am eigenen Leib zu erleben. Sie sind es auch, die mich immer wieder mit neuen Ideen für Titel und Geschichten versorgen. Aber auch meine vielfältigen Interessen, Familie, Freunde und Nachbarn sorgen dafür, dass mir die Ideen für immer neue Erlebnisse rund um meinen täglichen Begleiter Daniel Norden und seine Familie nicht ausgehen.
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Noch hatte der Wecker nicht geläutet. Danny musste erst in ein paar Minuten aufstehen. Er träumte gerade von der Floßfahrt auf der Isar, die er am Tag zuvor mit Freunden unternommen hatte, als er plötzlich ein lautes Brummen wahrnahm, das er zunächst in seinen Traum einbaute, bis ihn etwas Haariges an seinem Gesicht berührte und er erschrocken hochfuhr.
»Guten Morgen, Doc, nichts passiert.«
»Wer bist du, und wie bist du hier hereingekommen?« Danny setzte sich sofort auf, als er das Mädchen am Fußende seines Bettes stehen sah, das soeben mit ihm gesprochen hatte. Es hatte langes rotes Haar, trug ein moosgrünes Kleid zu schwarzen Leggins und war höchstens dreizehn oder vierzehn Jahre alt.
»Ich bin Ophelia, Ophelia Mai, ich wohne seit einer Woche im Haus nebenan, schön, dass wir uns endlich kennenlernen.« Sie kam um das Bett herum, setzte sich auf die Bettkante und reichte ihm die Hand. »Hereingekommen bin ich über den Balkon. Die Tür stand offen, und das Rankgitter an der Hauswand ist eine perfekte Aufstiegshilfe. Die allerdings auch von einem Einbrecher genutzt werden könnte. Nur mal so als kleiner Hinweis.«
»Danke, ich werde darüber nachdenken, es zu entfernen.«
»Warum gleich so radikal? Sie könnten auch dornige Rosen daran hochziehen. Das verhindert das Klettern und verschönert die Hauswand. Das Zimmer ist noch ein bisschen kahl, finden Sie nicht?« Ophelia ließ ihren Blick durch den großen Raum mit den schneeweiß gestrichenen Wänden gleiten.
Die Einrichtung beschränkte sich auf das blaue Boxspringbett, einen weißen Kleiderschrank und eine Fächerpalme im blauen Porzellankübel.
»Mag sein, dass noch etwas fehlt, aber findest du es nicht ein wenig unpassend, einen fremden Mann am frühen Morgen in seinem Schlafzimmer aufzusuchen?«, fragte Danny, der seine Beine angezogen hatte und darauf achtete, dass die Bettdecke nicht verrutschte.
»Darin sehe ich in diesem Fall kein Problem. Ich habe bisher nur Gutes über Sie gehört, Doc«, antwortete sie mit einem aufrichtigen Lächeln.
»Du weißt aber schon, dass man nicht alles glauben darf, was man so hört.«
»Die Informationen über Sie erschienen mir zuverlässig. Aber gut, überprüfen wir sie. Ich sage Ihnen, was ich über Sie gehört habe, und Sie sagen mir, ob es stimmt«, schlug Ophelia vor.
»Meinetwegen, was hast du gehört?«, fragte Danny.
»Es heißt, dass Sie dieses Haus von Fanny Moosinger geerbt haben, einer alten Dame, die vor Kurzem gestorben ist. Sie hatte keine Kinder und auch sonst keine Verwandten. Sie hat Sie als Erben bestimmt, weil Sie ihr vor fünf Jahren das Leben gerettet haben. Richtig oder falsch?«
»Ich habe ihr geholfen, als sie in Not war.«
»Also, richtig. Sie waren damals in demselben Restaurant wie Fanny zum Abendessen, als die arme Frau einen allergischen Schock erlitt. Sie drohte zu ersticken, was Sie mit einem Luftröhrenschnitt verhindert haben. Richtig oder falsch?«
»Richtig.«
»Fanny war derart von Ihnen beeindruckt, dass sie Sie in den letzten Jahren jedes Mal an diesem Tag ihrer Rettung, ihrem zweiten Geburtstag, wie sie sagte, in dieses Restaurant zum Essen einlud. Richtig oder falsch?«
»Richtig.«
»Ich habe auch gehört, dass dies schon ihre zweite Praxis ist. Die erste haben Sie aufgegeben, weil sie nach einer großen Enttäuschung einen Neuanfang brauchten. Richtig oder falsch?«
»Richtig, aber jetzt habe ich genug gehört.« Danny hatte keine Lust, an eine Zeit erinnert zu werden, die er vergessen wollte.
»Meine Mutter sagt, dass es sogar oft vorkommt, dass jemand seine Jugendliebe wiedersieht und sich aus seinem aktuellen Leben verabschiedet. Der einzig richtige Weg für den, der zurückbleibt, ist der komplette Neuanfang. Sie haben also erst einmal alles richtig gemacht. Meine Mutter würde Ihnen raten, das Neue größer als das Alte zu gestalten, dann werden Sie den Schmerz besiegen. Meine Mutter ist Psychologin. Sie kennt sich mit diesen Dingen aus.«
»Sicher tut sie das. Danke für die nützlichen Gartentipps und die Lebensberatung. Mich interessiert aber trotzdem der Grund, warum du in mein Schlafzimmer eingestiegen bist. Was ist das?!« Er sprang entsetzt aus dem Bett, als er in diesem Moment etwas Großes, Pelziges an seinen Beinen spürte.
»Da haben Sie Ihre Antwort. Das ist der Grund, warum ich hier bin«, entgegnete Ophelia kichernd, als eine rotgetigerte Katze unter der Bettdecke hervorkroch. »Das ist Ortrud. Sie fühlt sich von offenen Fenstern und Balkontüren magisch angezogen. Ich habe gesehen, wie sie über Ihren Balkon geklettert ist, und bin ihr gefolgt, damit sie bei Ihnen keinen Schaden anrichtet.«
Das war also das haarige Etwas, das ihn aus dem Schlaf gerissen hatte. Dieses Brummen, das er wahrgenommen hatte, war vermutlich das Schnurren der Katze gewesen. »Du hättest einfach an der Haustür klingeln können«, sagte er.
»Stimmt, aber so bleibt unsere erste Begegnung unvergesslich. Richtig oder falsch?«, fragte Ophelia und nahm Ortrud auf ihre Arme.
»An Selbstbewusstsein mangelt es dir offensichtlich nicht«, stellte Danny schmunzelnd fest.
»Richtig«, antwortete Ophelia. »Sie sehen übrigens wirklich gut aus, Doc«, sagte sie und richtete ihren Blick auf Danny, der mit verwuscheltem Haar und nacktem Oberkörper, nur mit einer weinroten langen Schlafhose bekleidet, vor ihr stand.
»Willst du mich in Verlegenheit bringen?«
»Aber nein, Doc, ich habe nur eine objektive Beobachtung in Worte gefasst. Bleiben Sie locker.«
»Ich gebe mir Mühe«, sagte Danny, und auf einmal mussten sie beide laut auflachen.
»Sehen Sie, jetzt haben wir uns beide locker gemacht. Wir werden gute Nachbarn werden, Doc, da bin ich absolut sicher. Wir sehen uns«, verabschiedete sich Ophelia, als Dannys Wecker läutete. »Einen schönen Tag noch.«
»Danke, dir auch, und nimm dieses Mal die Haustür«, bat er sie.
»Geht klar, Doc«, sagte das Mädchen und verließ mit Ortrud auf den Armen das Schlafzimmer.
Sie sehen sich ähnlich, dachte Danny. Ortrud hatte nicht nur rötliches Fell, sie hatte auch blaue Augen genau wie Ophelia, was ihm auf einmal derart merkwürdig vorkam, dass er die Möglichkeit in Betracht zog, dass er noch gar nicht wach war, sondern noch immer träumte.
Aber dann hörte er die Haustür klappern, und ein Blick hinunter in den Garten zeigte ihm, dass er nicht träumte. Ophelia und Ortrud, die durch eine Lücke in der Hecke auf das Nachbargrundstück huschten, waren Wirklichkeit. Ich werde mir die Hecke mal genauer ansehen müssen, dachte er, bevor er sich vom Fenster abwandte und ins Badezimmer ging.
*
Als er eine Viertelstunde später in weißer Jeans und weißem Poloshirt durch das helle Treppenhaus mit der knarrenden Holztreppe und dem Parkettboden in die Küche hinunterging, zog der Duft nach frischem Kaffee durch das Haus. Valentina war inzwischen eingetroffen. Sie stand in einer rotweiß gestreiften Schürze in der Küche und nahm die Pfanne mit den Rühreiern, die sie für Danny zubereitet hatte, vom Herd.
Danny fand noch immer, dass es eine gute Idee gewesen war, die Trennwand zwischen der ursprünglich recht kleinen Küche und dem größeren Esszimmer herauszunehmen. Er hatte nun einen lichtdurchfluteten Raum mit zwei großen Fenstern. Der restaurierte blaue Kachelofen war der Blickfang in diesem Zimmer mit den Küchenmöbeln aus weißem Holz und dem Esstisch mit den hellen Lederstühlen.
»Mei, Herr Doktor, Sie haben mich erschreckt!«, rief Valentina und fuhr überrascht herum.
»Das tut mir leid. Ist etwas mit Ihnen?«, fragte er, weil sie auf einmal ganz blass wurde. Bisher hatte er nicht den Eindruck gehabt, dass Valentina besonders schreckhaft war.
»Ich bin noch ein bissel durcheinander, wegen dieses Sportwagens, der mich beinahe überfahren hat.«
»Was genau ist passiert?«, hakte Danny nach und schaute ihr zu, wie sie das Bastkörbchen mit den knusprigen Brötchen, die sie auf dem Weg zu ihm beim Bäcker geholt hatte, auf den Tisch stellte.
»Mei, ich dacht wirklich, das war’s für mich. Ich komm aus dem Bäckerladen, will wie jeden Morgen die Straße überqueren, weit und breit ist auch kein Auto zu sehen, aber dann auf einmal, ich bin schon in der Mitte der Straße, da schießt so ein schwarzer Sportwagen mit heulendem Motor um die Ecke und rast direkt auf mich zu. Ich konnt gerad noch auf den Bürgersteig zurückspringen«, erzählte Valentina mit zitternder Stimme.
»Haben Sie sich etwas getan?«, fragte Danny besorgt.
»Glücklicherweise nicht, ich konnt sogar die Brötchentüte festhalten, die ich im Arm hielt. Eigentlich müssten Sie diesen Sportwagen gehört haben, er kam ja hier aus der Straße herausgeschossen.«
»Bewusst wahrgenommen habe ich ihn nicht, ich hatte allerdings auch Besuch«, antwortete er schmunzelnd und setzte sich an den Tisch.
»Geh, wer war denn da?«, hakte Valentina nach. Sie schob die Brille mit den dünnumrahmten Gläsern in ihr kurzes weißblondes Haar, bevor sie Danny den Teller mit den Rühreiern servierte.
»Zwei junge Damen aus der Nachbarschaft. Obwohl, wie alt diejenige ist, die es sich unter meiner Bettdecke gemütlich gemacht hatte, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht.«
»Unter Ihrer Bettdecke?«, wiederholte Valentina und sah Danny verblüfft an.
»Ja, schon«, entgegnete er und versuchte, ernst zu bleiben.
»Das heißt, Sie hatten gestern Abend Damenbesuch und die beiden sind geblieben. Aber gleich zwei, Herr Doktor? Und auch noch aus der Nachbarschaft, das wird Gerede geben«, seufzte sie, während sie ihm Kaffee einschenkte.
»Die beiden haben mich erst...




