E-Book, Deutsch, 280 Seiten
Lips Verführerische Abgründe
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-96000-306-9
Verlag: Elysion Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sein erster Schritt
E-Book, Deutsch, 280 Seiten
ISBN: 978-3-96000-306-9
Verlag: Elysion Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
»Solange wir auf den fertigen Vertrag warten, würde ich mir gern etwas genauer anschauen, was ich gerade durch den Handel bekommen habe. Zieh dich aus.« Leonard Herzbach - erfolgreiche Marketingmogul - querschnittgelähmt Nie hätte Leonard damit gerechnet, in eine solche Situation zu kommen. Nach einem schweren Autounfall ist er plötzlich nicht mehr gut genug. Nicht für seine Verlobte Lisa und auch nicht für seinen Vater, der ihm die Geschäftsführung von Mogula entzieht. Doch er ist bereit, für sein Recht, seinen Erfolg und seine Firma zu kämpfen und zu beweisen, dass er trotz Rollstuhl alles erreichen kann. Maria Müller - kunstbegeisterte Kassiererin - jüngere Schwester von Lisa Entsetzt hält sie die Kündigung ihres Vaters in den Händen. Ihr ist klar, dass Leonard wegen Lisas Verrat jeglichen Kontakt zu ihrer Familie abbrechen will. Aber ohne diesen Job bei Mogula würde ihr Vater erneut jeglichen Halt verlieren. Sie fleht Leonard an, seine Entscheidung zu überdenken. Doch mit seiner Bedingung hat sie nicht gerechnet. Ist sie bereit, ihren Körper für sechs Monate seinem eiskalten Kalkül zu unterwerfen, obwohl ihr Herz eigentlich seine Liebe will?
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Kapitel 2
Zwei Wochen später kann ich schon das erste Projektmeeting ansetzen. Ich habe noch immer Schmerzen durch die Prellungen am Oberkörper und das Korsett zur Stabilisierung meines Rückens bringt mich um, aber das soll mich nicht aufhalten. Ich will endlich raus aus dem Krankenhausbett und mein Leben wieder aufnehmen. Auch wenn die Ärzte protestieren, unterschreibe ich den Wisch, dass ich auf eigene Gefahr hin das Krankenhaus verlasse. Tom hilft mir in den Rollstuhl und wir fahren gemeinsam in seinem Familyvan zu Mogula.
»Hast du dir das Ding gekauft, weil ihr noch mehr von deiner Sorte in die Welt setzen wollt?«
Tom zuckt mit den Schultern. »Leila ist ein Sonnenschein. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als ihr Vater zu sein, und mit der richtigen Frau ist das Familienleben eine echte Bereicherung.«
Seine Worte versetzen mir erneut einen Schlag. Die richtige Frau. Er glaubt daran, dass es sowas geben kann. Tom ist ein Träumer. Nina ist jetzt noch wundervoll. Solange er in seine Rolle passt. Vater, Liebhaber, Versorger. Aber wie würde sie reagieren, wenn er das nicht mehr könnte?
»Wir fahren in drei Monaten in den ersten Urlaub mit Leila. Ich bin so gespannt, wie sie auf das Meer reagiert. Sie liebt Wasser.« Tom plappert von seiner heilen Welt und ich starre aus dem Fenster, um den Neid abzuschütteln, der an mir hochkriecht. Ich wollte auch eine Familie mit Lisa gründen. Sie war zwar immer skeptisch gewesen, weil sie ihre Figur durch die Schwangerschaft nicht ruinieren wollte, aber wir hätten einen Weg gefunden. Ich schüttle den Kopf, um diese Gedanken loszuwerden. Sie sind längst nicht mehr wichtig. Es wird keine Kinder mit türkisfarbenen Augen geben, die mich nach der Arbeit zuhause begrüßen. Ich habe nur noch Mogula. In dieses Baby werde ich meine Zeit und Mühen investieren, damit das Unternehmen noch mehr wachsen kann. Lange genug habe ich die Firma führungslos gelassen. Wenn ich wieder arbeiten kann, werde ich mich schneller erholen. Ich liebe meinen Job und gemeinsames Brainstorming mit meinem Team hat mich schon immer von allen Sorgen abgelenkt.
Wie falsch ich doch gelegen habe. Diese Sitzung ist ein einziges Desaster.
»Ich brauche einen Werbespot, der die Generation Z anspricht.« Ich starre Mayer, unseren Marketingexperten wütend an. »Mit rosa Plüschhasen bekommen Sie heute keine Zwanzigjährige mehr vom Sofa. Wir müssen die jungen Singlefrauen erreichen. Wenn sie einmal mit einem Waschmittel zufrieden sind, dann werden sie für den Rest ihres elenden Daseins nicht mehr wechseln. Egal, ob sie die vollgekotzten Strampler oder die Socken ihres übergewichtigen Fabrikarbeiters waschen.«
Ich rolle hinter meinem Platz an der Stirnseite hervor und halte auf Mayer zu. »Und was denken Sie, mit welchem Produkt eben dieser Fabrikarbeiter wäscht, wenn seine Frau bemerkt, dass sie sich mehr vom Leben wünscht und ihn von heute auf morgen verlässt?«
Ich hebe die Augenbrauen und warte auf eine Antwort. Aber Mayer schaut mich nur erschrocken an. Es macht keinen Sinn, weiter auf ihn einzureden. Er ist so unsicher im Umgang mit mir, dass er seinen Schneid verloren hat, genauso wie alle anderen. Selbst in der Firma versuchen sie mich in Watte zu packen. Nur kein ernstes Gespräch, keine Diskussion. Es könnte den Chef an sein Trauma erinnern. Er könnte zusammenbrechen unter der Last seines schrecklichen Schicksals. So ein Bullshit! Dabei habe ich die Streitgespräche mit Mayer immer als Höhepunkt meines Tages erlebt. Er ist normalerweise einer meiner fähigsten Mitarbeiter, immer mit mir auf Augenhöhe und dieser blöde Rollstuhl hat ihn zu einem Duckmäuser mutieren lassen.
Ich starre ihn an, warte auf irgendetwas. Er sinkt immer weiter in sich zusammen.
»Darf ich Ihnen einen Kaffee bringen? Dann können Sie uns ihr Konzept noch genauer vorstellen, Herr Herzbach.« Xenia, meine Sekretärin legt ihre Hände auf die Knie und beugt sich zu mir vor. Was bin ich? Ein Kleinkind, dem man erklären muss, dass es jetzt keinen Lolly haben kann? Ich koche innerlich. Meine Hände ballen sich zu Fäusten. Wie gern würde ich ihr die Überheblichkeit aus dem Gesicht wischen. Mir fehlen nur die Nervenblitze in den Beinen. Mein Kopf ist völlig intakt. Der Kopf, der diese Firma aufgebaut und zu ihrem Erfolg geführt hat. Warum nimmt mich denn nur niemand mehr ernst?
Ich besinne mich auf meine Stellung, ignoriere Xenia und rolle zurück auf meinen Platz. Alle sehen mich an, als sei ich eine tickende Zeitbombe und sie haben Recht. Ich bin kurz davor, die Fassung zu verlieren. Ist es denn so schwer, mich zu behandeln, wie sie es noch vor einem Monat getan haben? Zwei auf der Intensivstation und zwei Wochen ohne die ganzen Schläuche, länger haben sie nicht gebraucht, um mich mit einem Stempel zu versehen.
»Xenia, bring jedem einen Kaffee, der einen haben will. Und jetzt reden wir über die Kampagne, ansonsten suche ich mir Mitarbeiter, die mit einem sitzenden Chef umgehen können.«
Zwei Stunden später sehe ich aus dem bodentiefen Fenster in meinem Penthousebüro und bin erschöpft. Das war die schwerste Sitzung meines Lebens gewesen. Hätte ich meinem Team einen waschenden Nudisten als Hauptdarsteller in dem Clip vorgestellt, hätten sie diese Idee auch noch gelobt. Jeder behandelt mich wie ein rohes Ei und gefährdet damit die Firma.
Ich lasse den Blick über die Geschäftsgebäude schweifen. Viele Büros sind hell erleuchtet und ich sehe die Angestellten geschäftig durch die Zimmer eilen. Auch auf den Straßen unter mir muss alles schnell gehen. Die Ampelphasen reichen geradeso aus, dass die Businesspeople von einer Straßenseite zur anderen hetzen können, bevor die Fahrzeuge in allen Abstufungen von Grau und Beige, sich wieder in Bewegung setzen. München ist eine schnelle Stadt. Sie hängt Menschen gnadenlos ab, die der Geschwindigkeit nicht standhalten. Anscheinend sehen mich selbst die Menschen, denen ich ihren Wohlstand garantiert habe, nicht mehr auf der Überholspur, sondern mit einem Defekt auf dem Pannenstreifen. Haben sie Recht?
Ich kann nicht mehr durch die Büros rennen und mir schnell Antworten oder neue Pitches abholen, während ich den Kunden am Telefon habe. Auch die Grünphasen der Ampeln reichen für mich nicht mehr aus. Noch bin ich zu unbeholfen im Umgang mit meinem fahrbaren Untersatz. Aber ist das ein Grund aufzugeben?
»Herr Herzbach, ihr Vater möchte sie sprechen.« Die Stimme von Xenia reißt mich aus meinen Gedanken.
»Ja, stell ihn durch.«
»Nein, er ist hier.«
Erschrocken fahre ich zu meinem Schreibtisch herum und starre auf das rote Licht der Sprechanlage. Mein Vater kommt nie hierher. Er brüstet sich immer damit, dass Mogula das einzige seiner Unternehmen ist, um das er sich keine Sorgen machen muss und es deshalb nur zu den Firmenfeiern aufsucht. Was macht er jetzt hier?
»Herr Herzbach? Möchten Sie ihren Vater empfangen?«
Ich schüttle die böse Vorahnung ab. »Natürlich Xenia, schicken Sie ihn herein.«
Ich habe noch nicht ganz ausgesprochen, da wird schon die Tür aufgerissen und kracht scheppernd gegen den Türstopper. Wäre dieses Stück Gummi nicht gewesen, hätte mein Vater sicherlich ein Loch in den Putz geschlagen. So ist mein Vater, energisch und stets mit einer Prise Aggressivität in seiner Aura. Als Kind habe ich mich bei ihm immer gefühlt wie ein Reh im Angesicht eines Wolfes. Ich durfte keine Schwäche zeigen, sonst wäre ich verloren gewesen. Noch heute verberge ich meine Gefühle hinter einer Maske aus Gleichgültigkeit, wenn er in meiner Nähe ist. Genau wie jetzt.
Ich straffe die Schultern und richte meinen Rücken kerzengerade auf. Meine angeknacksten Rippen protestieren, aber ich ignoriere sie. Es ist schon schlimm genug, dass ich nicht auf Augenhöhe mit ihm sein kann.
»Nimm Platz, Vater. Was führt dich zu mir?« Natürlich setzt er sich nicht, genießt den Vorteil, dass er von oben auf mich herabsehen kann. Innerlich fluche ich, aber nach Außen gebe ich mich gelassen und lehne mich zurück. Wie gern würde ich die Füße auf meinen Schreibtisch legen, um ihm zu zeigen, dass er mich nicht einschüchtern kann. Leider bin ich nicht mehr in der Lage mit einer solchen Respektlosigkeit aufzuwarten.
»Ich habe nicht viel Zeit, Junge.«
Ich runzle die Stirn, wegen dieser unpassenden Anrede. Junge? Hat er mich jemals Junge genannt?
»Der Vorstand hat eine Entscheidung bezüglich der Geschäftsführung von Mogula gefällt.«
Ich beuge mich nach vorn und starre ihm in die Augen. Das hat nichts anderes zu bedeuten, als dass er eine Entscheidung gefällt hat. »Wir setzen Benedikt als zweiten Geschäftsführer ein. Er ...«
Ich lasse ihn nicht aussprechen. »Das kann nicht dein Ernst sein. Dieser Idiot hat bereits zwei deiner Unternehmen gegen die Wand gefahren und jetzt willst du ihn auf Mogula loslassen? Das ist meine Firma. Ich habe sie groß gemacht.«
»... und jetzt sitzt du im Rollstuhl und brauchst Unterstützung.«
Ich kralle mich an der Tischkante fest. »Wie kommst du denn auf diese Idee? Ich kann nicht laufen. Nicht mehr und nicht weniger. Wie soll das denn meine Arbeit beeinflussen?«
Jetzt setzt sich mein Vater doch. »Wie willst du denn so zu Presseterminen, zu Geschäftsessen, zu Promo-Events? Du hast ja nicht mal eine Begleiterin. Lisa ist abgehauen, weil sie dich für schwach hält und genau das werden auch unsere Geschäftspartner denken. Benedikt kann dich bei all diesen Terminen vertreten und du kannst weiterhin der Kopf der Firma bleiben.«
»Wie oberflächlich kann man sein, Vater? Schämst du dich dafür, dass ich im Rollstuhl sitze? Deshalb bin ich nicht mehr der geeignete Sohn, der im Namen der Firma in die Kameras winken...




