E-Book, Deutsch, 0 Seiten
Lorrah Star Trek - The Next Generation: Metamorphose
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11534-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
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ISBN: 978-3-641-11534-0
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf dem Planeten Elysia kommt es zu gewaltigen Gravitationsanomalien. Bei der Untersuchung der Phänomene unterzieht sich Data einem Ritual der Elysianer: der Prüfung durch die Götter. Der Androide wird mit einer Macht konfrontiert, die ihm seinen sehnlichsten Wunsch erfüllen kann und ihn zu einem Menschen aus Fleisch und Blut macht. Doch Data hat Schwierigkeiten mit seiner neuen Existenz: Er muss noch einmal die strengen Prüfungen bestehen, um zum Dienst auf der Enterprise zugelassen zu werden. Er kann nicht mehr über sein gigantisches, elektronisch gespeichertes Wissen und seine enorme Körperkraft verfügen. Und er registriert seltsame Vprgänge in seinem Inneren, die sich als Gefühle entpuppen ...
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Kapitel 1
Die U.S.S. Enterprise schwenkte in den Orbit von Starbase 173, und an Bord waren nur wenige Besatzungsmitglieder im Dienst. Auf dem Holo-Deck fand eine Party statt, um die Rückkehr Lieutenant Commander Datas zu feiern, und dabei ging es so ausgelassen und fröhlich zu, als sei er nicht einige Tage fort gewesen, sondern Monate oder gar Jahre.
Das Programm des Holo-Decks simulierte die Parklandschaft eines erdähnlichen Planeten. Man erreichte sie, indem man mit Hilfe von Trittsteinen einen Bach überquerte, und anschließend folgte man dem Verlauf eines Waldpfades. Jenseits davon erstreckten sich Wiesen, und der blaue Himmel bildete einen angenehmen Kontrast zum grünen Gras. Wind seufzte in den Wipfeln einzelner Bäume. In der Ferne ertönten sanfte Melodien, als spiele irgendwo ein verborgenes Orchester, doch die Musik erklang nicht laut genug, um Gespräche zu stören.
Überall herrschte Heiterkeit, doch ausgerechnet der Ehrengast bildete die einzige Ausnahme. Data lächelte und plauderte mit seinen Freunden, aber wer ihn gut kannte, kam schon bald zu dem Schluss, dass zumindest ein Teil der Freude künstlich war.
So künstlich wie ich, dachte er, als er der deutlich spürbaren Sorge Geordi LaForges auswich und sich Wesley Crusher zuwandte.
»Wie funktioniert das?«, fragte der Junge aufgeregt und blickte in das Sternenrohr, das er gerade von Data erhalten hatte. Der Fähnrich meinte nicht etwa »Wie schaltet man es ein?« oder »Wie verändert man die Darstellung?«, sondern »Auf welchem Funktionsprinzip basiert dieses Gerät?«
»Ich schlage vor, du untersuchst es in aller Ruhe«, sagte Data und nahm damit seine Verantwortung für Wesleys Ausbildung wahr. »Wenn du glaubst, eine Antwort gefunden zu haben, erwarte ich deine Erklärung.«
Der Junge grinste. »Ich finde es heraus. Stammt dieses Gerät von Ihnen, Data?«
»Nein. Ich habe den Materietransformer benutzt.«
»Aber es ist das Ergebnis Ihres Konstruktionsentwurfs, nicht wahr? So etwas sehe ich jetzt zum ersten Mal.« Wesley hob das Rohr, blickte hinein, drehte mehrere Einstellräder und betrachtete verschiedene Konstellationen. »Es scheint die Richtung zu erkennen und mir Sterne zu zeigen, die zu weit entfernt sind, um von unseren Instrumenten erfasst zu werden.«
Dr. Kate Pulaski trat näher, hörte die letzten Worte des Fähnrichs und runzelte die Stirn. »Bestimmt ist es ein Trick. Ein so kleines Gerät, mit dem man ferne Sterne beobachten kann, wäre sehr kostbar.«
»Es liegt ganz bei Wesley festzustellen, wie und ob es die vermeintlichen Funktionen erfüllt«, erwiderte Data.
»Ah, eine Lektion«, sagte die Ärztin.
»Datas Unterricht macht Spaß«, warf Wesley ein und lächelte.
»Soweit es dabei um Technisches geht.« Pulaski nickte langsam. »Ich bin nicht sicher, ob du eine angemessen vielseitige Bildung bekommst, Wes.«
»Ich nehme auch an Seminaren für Geschichte, Musik und Literatur teil«, verteidigte sich der Junge. »Ich finde nur größeren Gefallen an Wissenschaft, das ist alles.«
Data nutzte die Gelegenheit, um Dr. Pulaski das für sie bestimmte und in weiches Papier gehüllte Geschenk zu geben. Als er vor einigen Tagen die Enterprise verlassen hatte, um Commander Bruce Maddox' Plan zu vereiteln, ihn zu demontieren, veranstalteten seine Freunde eine Abschiedsparty und überraschten ihn mit Geschenken. Doch er blieb nicht lange fort, kehrte nach kaum zweiundsiebzig Stunden zurück und fragte sich, wie er mit den Präsenten verfahren sollte. Es erschien ihm nicht richtig, sie zu behalten, doch er wusste auch, dass es unhöflich gewesen wäre, sie zurückzugeben. Aus diesem Grund beschloss er, seine Freunde mit eigenen Geschenken zu erfreuen. Sie lagen nun auf einem bunten Tuch am einen Ende des Picknicktisches, neben den Speisen und Getränken.
Data kannte Dr. Pulaski erst seit kurzer Zeit, und daher verstand er sie nicht so gut wie die anderen; ihr erging es offenbar ebenso. Da er kein Geschenk mit persönlicher Bedeutung für sie finden konnte, wählte er etwas, das allgemeine Bewunderung fand: eine Glockenblume von Artemis Drei, beziehungsweise eine möglichst genaue Reproduktion. Die lebenden Pflanzen gediehen nicht außerhalb ihrer natürlichen Umwelt, und deshalb war kein Export möglich. Seit zweihundert Jahren – seit der Entdeckung jener zarten Blüten, deren leises Läuten bei Menschen entspannend wirkte – versuchten Künstler und Gärtner, Glockenblumen nachzubilden. Einige von ihnen kamen dem Original ziemlich nahe, was ihnen großen Respekt und eine Menge Geld einbrachte.
Das Computersystem der Enterprise enthielt die entsprechende DNA-Struktur, aber Data wollte keine Schnittblume, die in wenigen Stunden verblühte. Er trennte sich auch von der Idee, eine andere Pflanze zu mutieren, entschied sich statt dessen für eine fast perfekte Kopie. Als ein Produkt des Holo-Decks erschien die künstliche Glockenblume so real und wunderschön wie das lebende Gewächs, mit einer wichtigen Ausnahme: Sie verwelkte nie. Im Gegensatz zu den üblichen Holographien brauchte man die ›Pflanze‹ auch nicht ein- oder auszuschalten. Sie stellte eine vollkommene Imitation dar. Data hatte die asymmetrische Form in besonders weiches Papier gewickelt.
Andere Besatzungsmitglieder näherten sich, während Dr. Pulaski ihr Geschenk auspackte. Als sich die letzten Streifen des dämpfenden Materials lösten, begann es zu läuten. Der melodische Klang entlockte dem Publikum ein staunendes ›Oh‹ und weckte das Interesse eines ungeladenen Gastes.
Mystery – eine Siamkatze, die das ganze Schiff für ihre Domäne hielt – war umhergewandert, ließ sich streicheln und mit kleinen Leckerbissen füttern. Es gab viele Tiere an Bord der Enterprise, aber ihr Aufenthalt blieb auf die Quartiere beschränkt. Mystery hingegen nahm sich die Freiheit, ganz nach Belieben irgendwo zu erscheinen, und sie trotzte allen Bemühungen, sie auf Dauer in für Tiere geeigneten Bereichen unterzubringen. Niemand wusste, wie es ihr gelang, Türen, Detektoren und Kraftfelder zu passieren. Daher ihr Name: Mystery – Geheimnis.
Die Katze sprang jetzt auf den Tisch, um die Ursache des neuen Geräusches zu untersuchen. Pulaski ignorierte sie, hob den Blick von der Glockenblume und sah Data an. »Wundervoll!«, entfuhr es ihr mit aufrichtigem Erstaunen.
»Ich habe gehofft, dass sie Ihnen gefallen würde.«
»Aber sie kann unmöglich echt sein«, sagte die Ärztin und betastete ein Blatt. »Ach, Data, Sie haben doch keine so herrliche Pflanze geschaffen, nur damit sie eingeht, oder?«
»Es handelt sich um eine Reproduktion, Doktor«, erläuterte Geordi. »Data hat dabei die Materieumwandlung des Transporters benutzt.«
»Tatsächlich?« Wesley berührte eine der Blüten. »Selbst der Geruch ist organisch.«
Mystery hob zögernd eine Pfote zur Blume, und daraufhin wiederholte sich das Läuten.
»Wenn mein Versuch erfolgreich gewesen ist, müsste die Pflanze auf alle menschlichen Sinne echt wirken«, sagte Data.
Dr. Pulaski musterte ihn und lächelte ein wenig traurig. »Aber Sie können den Unterschied feststellen, nicht wahr?«
»Nur wenn ich Analysemöglichkeiten nutze, die über das menschliche Wahrnehmungsvermögen hinausgehen.«
»Worauf Sie für gewöhnlich verzichten«, erwiderte die Ärztin leise. »Es ist mir ein Rätsel, warum Sie solchen Wert darauf legen, Ihre Fähigkeiten einzuschränken.«
»Ich verstehe ihn.« Geordi legte Data die Hand auf die Schulter.
»Ich auch«, fügte Commander Will Riker hinzu. Der Erste Offizier der Enterprise war gezwungen gewesen, Datas Recht zu leugnen, selbst über sein eigenes Leben zu entscheiden. Data kannte die Ursache für Rikers Unbehagen, hatte mit ihm gesprochen und ihn gebeten, ebenfalls an der Party teilzunehmen, aber Will schien sich nicht besonders wohl zu fühlen. Sein sonst so überschwängliches Wesen wich einer für ihn untypischen Zurückhaltung; wahrscheinlich versuchte er, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen.
Geordi runzelte die Stirn und ärgerte sich ganz offensichtlich über Rikers Behauptung, den Androiden zu verstehen. Aber Data kannte Will besser als Geordi. Er wusste, dass der Erste Offizier neue Lebensformen, Bräuche und Traditionen sofort akzeptierte, und dabei spielte es keine Rolle, wie bizarr und grotesk sie sein mochten. Im Gegensatz zu vielen anderen musste Riker etwas nicht ganz und gar verstehen, bevor er es akzeptierte. Von Anfang an hatte er Data wie eine Person behandelt.
Ironie gehörte zu den menschlichen Gefühlen, die Data teilte. Ausgerechnet der Mann, dem er seinen innigsten Wunsch anvertraute, zu einem Menschen zu werden, war gezwungen, bei der Verhandlung gegen ihn Stellung zu beziehen, ihn als eine Maschine zu bezeichnen, auf die Starfleet Eigentumsansprüche erheben konnte. Riker hatte den Prozess verloren und sich gleichzeitig den Ärger von Datas Freunden zugezogen.
Selbst Kate Pulaski, die der Androide nicht zu seinen engsten Freunden zählte, bedachte den Ersten Offizier mit einem finsteren Blick. »Sie behaupten, Data zu verstehen, aber bei dem Verfahren riefen Sie niemanden von uns als Zeugen auf.«
»Glauben Sie, dass ich gewinnen wollte, Doktor?«, erwiderte Riker.
In den grünen Augen der Ärztin blitzte es. »Glauben Sie, dass ich Ihre Aussagen bestätigt hätte? Commander, die Meinungsverschiedenheiten zwischen mir und Mr. Data haben nichts mit seiner Autonomie zu tun. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig, und deshalb dürfen keine Experimente zugelassen werden, die seine Existenz bedrohen.«
»Sind Sie der...




