Low | Der Löwe erwacht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten

Reihe: Die Königskriege

Low Der Löwe erwacht

Die Königskriege 1 - Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-12488-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Königskriege 1 - Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 480 Seiten

Reihe: Die Königskriege

ISBN: 978-3-641-12488-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Episch, packend, gigantisch – die große Saga um die Gründung Schottlands

Schottland, in den dunklen Jahren des ausgehenden 13. Jahrhunderts: König Edward I. will das Land unter die englische Krone zwingen. Der schottische Thron ist verwaist, die rivalisierenden Clans bekämpfen sich in einem blutigen Bürgerkrieg. Auf Seiten der von William Wallace und Robert Bruce gegen England geführten Rebellen kämpft der tapfere Sir Hal Scientler. In einem Strudel aus Verrat, Intrigen und gewaltigen Schlachten wird Scientler ein Geheimnis anvertraut, das die Zukunft Schottlands entscheiden könnte: Schon bald wird England die Fänge des Löwen fürchten …

Robert Low, Journalist und Autor, war mit 19 Jahren als Kriegsberichterstatter in Vietnam. Seitdem führte ihn sein Beruf in zahlreiche Krisengebiete der Welt. Um seine Abenteuerlust zu befriedigen, nahm er regelmäßig an Nachstellungen von Wikingerschlachten teil. Robert Low lebte in Largs, Schottland – dem Ort, wo die Wikinger schließlich besiegt wurden. 2021 ist der Autor verstorben.
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KAPITEL 1

BURG VON DOUGLAS, FAST EIN JAHR SPÄTER

AM VORABEND DES HEILIGEN BRENDAN, MAI 1297

Wie immer wurde der Junge von den Hunden geweckt, die unruhig um ihn herumschnüffelten. Wo es bisher warm gewesen war, wurde es plötzlich kalt, bis er fröstelnd erwachte.

Sowie er sich bewegte, war er von Hunden umgeben, die ihm mit hängender Zunge ihren stinkenden Atem ins Gesicht hechelten und mit hoffnungsvollen Augen um Futter bettelten. Sie kannten den Tagesablauf genauso gut wie er – oder noch besser, wie Malk, die rechte Hand des Berners behauptete.

Der »Hundejunge«, wie alle ihn nannten, erhob sich schnell, als er die kalte Luft von draußen spürte. Er zupfte sich das Stroh aus Haaren und Kleidern, fuhr mit den Füßen in die Holzpantoffeln und stolperte ins Halbdunkel des Zwingers, ein langes, niedriges Fachwerkgebäude, mit Lehm und Stroh verfüllt. Wegen der Feuergefahr gab es kein Licht, und die Hinterwand bestand aus solidem, eiskaltem Stein – sie war ein Teil des Brauhauses. Das einzige Licht fiel durch die Ritzen der Lehmwände auf den mit Stroh bedeckten Boden, der stank wie an jedem Morgen.

Er nahm eine Tunika aus rauer Wolle vom Haken, zog sie sich über den Kopf und fuhr in die Ärmel, dann blies er in die Hände, denn es war kalt, jetzt so kurz vor Sonnenaufgang. Irgendwo hustete jemand, und langsam erhoben sich weitere Gestalten aus dem Stroh – Stallburschen wie er, die in den neuen Tag blinzelten. Die Hunde, die auf ihre Fütterung warteten, jaulten, winselten und umkreisten sie mit wild wedelnden Schwänzen.

»Ruhig, ruhig«, sagte der Hundejunge besänftigend. »Immer mit der Ruhe. Gleich geht’s los.«

Natürlich wurde nicht gefüttert, wenn es auf die Jagd ging, denn volle Bäuche bedeuteten schlechte Läufer, und gerade die Läufer waren es, für die er, zusammen mit einer Handvoll weiterer Jungen, verantwortlich war. Spürhunde und Bluthunde waren es, insgesamt etwa dreißig, die sich winselnd um ihn drängten, während die übrigen Hunde, die getrennt untergebracht waren, damit sie sich nicht gegenseitig an die Gurgel gingen, jetzt ebenfalls in das heisere Bellen und Heulen einstimmten.

»Swef, swef«, rief Gib, um sie zur Ruhe zu bringen, wobei er mit seinem Französisch angab, das er von Philippe, dem Berner, gelernt hatte. Die Hunde ignorierten ihn, und der Hundejunge lachte leise. Die weißen Spürhunde waren englische Talbots, erstklassige Nasen, aber ohne Ausdauer, und der Hundejunge hielt es für unwahrscheinlich, dass sie Französisch verstanden. Die bunt gescheckten Bluthunde hingegen waren eine schlesische Rasse, sie waren zum Laufen gezüchtet und machten den größten Teil der Meute aus. Wenn die Talbots erst einmal die Spur gefunden hatten, wurde sie von den Bluthunden aufgenommen und unermüdlich verfolgt, bis das Wild zur Strecke gebracht war.

Er hielt es für unwahrscheinlich, dass auch nur einer von ihnen Französisch verstehen würde – soweit Hunde überhaupt eine Sprache verstanden –, aber Frankreich wurde allgemein als die Heimat der herrschaftlichen Jagd betrachtet, und so hatten alle Hunde französische Namen, und der Hundeführer war ein Franzose, der seinen französischen Titel trug: berner. Doch das Wild, das sie hier jagten, war dasselbe – Hirsche, Rehe, Wildschweine und alles, was es sonst noch in diesem Tal gab mit seinen Ländereien, die dem Hause Douglas einst von Gott und König gegeben worden waren.

Als die Alanen und die Windhunde anfingen zu bellen und zu heulen, rührten sich hinter der dünnen Trennwand auch die anderen Stalljungen. Der Hundejunge fröstelte, aber nicht vor Kälte: Dort drinnen waren zwanzig Windhunde, kämpfende, knurrende, graue Laufmaschinen mit kalten Augen. Doch selbst sie wichen zurück und kniffen die Schwänze ein, wenn die beiden Neuankömmlinge, zwei riesige Hirschhunde mit rauem Fell, drohend ihre schwarzen Lefzen hoben.

Die Windhunde waren ohne Weiteres in der Lage, einen jungen Hirsch oder ein Reh so lange zu hetzen, bis das Tier zusammenbrach. Die Alanenhunde hingegen konnten auch einen ausgewachsenen Hirsch erledigen, wenn er einmal eingekesselt war. Aber nur Hirschhunde waren imstande, einen solch großen Hirsch nicht nur zu Tode zu hetzen, sie hatten hinterher immer noch überschüssige Kraft, um den Kadaver aus dem Unterholz zu zerren.

Douglas hatte bisher keine Hirschhunde gehabt, deswegen war es eine große Überraschung gewesen, als Sir Hal von Herdmanston und seine Reiter dieses Paar mitbrachten. Der Hundejunge hatte den Eindruck, dass es für eine einfache Jagdgesellschaft ziemlich viele Reiter waren, aber Jamie und die anderen hatten ihn aufgeklärt: Für Sir Hal war diese Jagdgesellschaft nur ein Vorwand, in Wirklichkeit war er von seinem Vater geschickt worden, weil er das Versprechen gegeben hatte, dem Douglas-Clan beizustehen, falls ihre Burg bedroht sein sollte. Offenbar befürchtete man, dass Lord Bruce von Carrick und seine Männer sich an der Lady und ihren Söhnen dafür rächen könnten, dass der Herr des Hauses sich gegen den englischen König erhoben hatte.

Es hatte den Hundejungen erschreckt, als er gestern diese vielen Menschen erblickte, die plötzlich die Burg bevölkerten – mehr Menschen, als er jemals zuvor auf einem Haufen gesehen hatte. Und noch mehr hatte es ihn erschreckt, als er merkte, wie ungehorsam die Hunde von Herdmanston waren, deren Geheul die Meute von Douglasdale in Aufruhr versetzte. Philippe der Berner war sehr ungehalten gewesen – aber zur Überraschung aller hatte das Auftreten des Hundejungen genügt, um auch diese beiden Bestien sofort zu besänftigen.

»Der hier ist Mykel«, hatte Master Hal zu ihm gesagt, und der Hund hatte den Jungen mit großen, ergebenen Augen angesehen. »Es ist ein altes Wort aus Lothian und bedeutet ›groß‹. Der andere heißt Veldi, was in derselben Sprache ›Kraft‹ bedeutet.«

Der Hundejunge nickte, sprachlos vor Ehrfurcht, dass der große, lachende Hal und seine ebenso großen, freundlichen Männer mit Namen wie Bangtail Hob und der Illmade Jock ihm überhaupt ihre Aufmerksamkeit schenkten. Veldi, dessen rosa Zunge hechelnd zwischen den weißen Fangzähnen heraushing, sah treuherzig mit seinen blau-braunen Augen zu dem Hundejungen auf, dessen Herz einen Hüpfer tat, weil er plötzlich zu der Überzeugung gelangt war, dass diese Tiere in Wirklichkeit in Hunde verwandelte Engel waren.

Zu gern hätte er ihnen dies mitgeteilt, aber er brachte nur stammelnd das Wort »Engel« heraus, worüber die großen Männer lachen mussten. Einer von ihnen schlug ihm so fest auf die Schulter, dass der Junge dachte, er wolle ihn in den Boden rammen.

»Engel? Na, du scheinst ja ein rechter kleiner Schlaukopf zu sein!«, sagte der, den die anderen Todd Wattie nannten. »Du wirst deine Meinung schon noch ändern, wenn diese Teufelskerle dich das erste Mal Hals über Kopf in den Dreck geschmissen haben!«

Der Hundejunge entnahm seinem Ton, dass die Hunde das mit ihm wohl mindestens einmal getan haben mussten, und er hätte schwören können, dass Mykel ihm zuzwinkerte. Darüber musste er grinsen, worauf Todd Wattie die Stirn runzelte und die anderen sich lachend auf die Schenkel klopften.

Sir Hal hatte ihm freundlich aufgetragen, sich gut um seine Tiere zu kümmern, und der Hundejunge hatte in das alte und zugleich junge Gesicht geblickt, mit dem Bart und den Augen, die aussahen wie vom Seenebel verschleiert, und von dem Augenblick an liebte er den Mann, und Mykel hatte die Schnauze unter seinen Arm geschoben und ihn mit seinen großen Augen angesehen.

Der Hundejunge hatte schon einmal einen so großen Hund wie Mykel gesehen, vor langer Zeit, als er gerade in Douglas angekommen war. Es war ein Wolfshund gewesen, hatte man ihm erklärt. Der Hund hatte ein raues, struppiges Fell gehabt und war ihm so groß erschienen wie ein Pony – aber er selbst war damals auch noch kleiner gewesen. Jetzt kam es ihm vor, als hätten die Hirschhunde noch längere Beine.

Der Wolfshund war gestorben, als der Hundejunge acht Jahre alt gewesen war, und zwei Jahre, nachdem seine Mutter ihn stolz, aber am Ende ihrer Kräfte, durch dieses Tor geführt hatte, das damals noch aus Holz gewesen war. Der Schild der Douglas hatte daran gehangen, mit den drei silbernen sechszackigen Sternen.

Jamie war trotz seiner hohen Geburt sein Freund. Er konnte lesen und wusste sogar, wo Frankreich lag. Der Hundejunge konnte nicht lesen und hatte nicht einmal eine Ahnung, wo England lag, er wusste nur, dass Schottland nicht weit von Douglasdale entfernt sein konnte.

Und er wusste, dass die Engländer aus England nach Douglasdale gekommen waren, denn Jamie sprach seit gestern von nichts anderem. Er empfand große Bitterkeit darüber, dass seine Mutter, die Lady, kampflos aufgegeben hatte, und jetzt machten sich die Männer von Carrick in der Burg breit, und der junge Lord Bruce, so selbstsicher, dass es schon fast an Arroganz grenzte, hatte ihr in aller Höflichkeit die Zügel aus der Hand genommen, im Namen Englands – obwohl er selbst gar kein Engländer war.

Das Einzige, dessen der Hundejunge sich sicher war und woran er nie zweifelte, auch wenn alles andere um ihn herumwirbelte wie Herbstlaub im Wind, war sein Alter: Er war jetzt elf Jahre. Er wusste es, weil seine Mutter damals sein Alter genannt hatte, und an ihre Stimme erinnerte er sich besser als an ihr Gesicht.

An seinen Vater hatte er keine Erinnerung, lediglich ein undeutliches Bild davon, wie er, das kleine Kind, in der Furche, auf dem Acker, hinter einem Mann hergestolpert war und zugesehen hatte, wie die Pflugschar Erde aufgeworfen hatte. Der Mann hatte...


Low, Robert
Robert Low, Journalist und Autor, war mit 19 Jahren als Kriegsberichterstatter in Vietnam. Seitdem führte ihn sein Beruf in zahlreiche Krisengebiete der Welt. Um seine Abenteuerlust zu befriedigen, nahm er regelmäßig an Nachstellungen von Wikingerschlachten teil. Robert Low lebte in Largs, Schottland – dem Ort, wo die Wikinger schließlich besiegt wurden. 2021 ist der Autor verstorben.



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