Lukian | Dichtungen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 921 Seiten

Lukian Dichtungen


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3096-6
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 921 Seiten

ISBN: 978-3-8496-3096-6
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Lukian von Samosata war ein bekannter griechischsprachiger Satiriker der Antike. Dieser Sammelband beinhaltet seine wichtigsten Werke: Lukians Traum Nigrinus Timon Der Hahn oder der Traum des Micyllus Der Lügenfreund oder Der Ungläubige Ikaromenippus oder Die Luftreise Der Parasit oder Beweis, daß Schmarotzen eine Kunst sei Das Schiff oder die Wünsche Das Gastmahl oder die neuen Lapithen Der Verkauf der philosophischen Sekten Der Fischer oder die wieder auferstandenen Philosophen Prometheus Göttergespräche Meergöttergespräche Charon oder die Weltbeschauer Totengespräche Die Überfahrt oder der Tyrann Die Höllenfahrt des Menippus oder das Totenorakel Jupiter Tragödus Die Götterversammlung Der überwiesene Jupiter Saturnalische Verhandlungen Das Lebensende des Peregrinus Die entlaufnen Sklaven Der Kyniker Alexander oder der falsche Prophet Demonax Panthea oder die Bilder Verteidigung der Bilder Hetärengespräche Herodot oder Aetion Zeuxis oder Antiochus Der Bernstein und die Schwäne des Eridanus Bacchus Die Dipsaden Toxaris oder die Freunde Wie man die Geschichte schreiben müsse Die wahre Geschichte Lucius oder der magische Esel Der Skythe oder Anacharsis und Toxaris Der Eunuch oder der Philosoph ohne Geschlecht Der ungelehrte Büchernarr Der doppelt Angeklagte Prometheus Tragopodagra

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Timon


 Timon, Jupiter, Merkur, Plutus, Penia, Gnathonides, Philiades, Demea, Thrasykles.

 TIMON. »O Jupiter, Schutzgott der Freundschaft, der Geselligkeit und des häuslichen Glückes, Schirmer der Fremdlinge, Rächer des Meineids, Wolkenversammler, Blitzeschleuderer« oder mit welchem andern Namen die angedonnerten hirnwütigen Dichter – zumal wenn sie um Ausfüllung eines Verses verlegen sind – dich begrüßen: wo bleibt dein »mächtigkrachender Blitz«, dein »weitbrummender Donner« und dein »flammenzückender, allblendender, schrecklich-schmetternder Wetterstrahl«? – Augenscheinlich sind alle diese Dinge, das Geprassel der Worte abgerechnet, lauter Possenwerk und poetischer Dampf. Dein so viel besungenes »weittreffendes, immerfertiges Geschoß« ist, ich weiß nicht wie, gänzlich erloschen und erkaltet und hat auch nicht den kleinsten Funken von Zorn gegen die Lasterhaften mehr in sich. Ein Bösewicht, der im Begriff ist, einen falschen Eid zu schwören, würde sich eher vor einer gestrigen Lichtschnuppe als vor deines »allbezwingenden Blitzes Flamme« fürchten: Kurz, du scheinst ihnen anstatt des Donnerkeils einen Löschbrand zu schleudern, von dem sie weder Feuer noch Rauch befürchten; das ärgste, was ihnen begegnen kann, wenn er sie trifft, ist, mit Kohlstaub bedeckt zu werden. Ist es bei solcher Bewandtnis wohl zu verwundern, daß ein Salmoneus sich unterstand, dir   entgegenzudonnern? ein Unternehmen, womit ein so stolzer und hitziger Mann gegen einen so kaltlebrichten Jupiter noch wohl zu Rande zu kommen hoffen durfte. Denn warum sollte er das nicht, da du so hart schläfst, als ob du einen Schlaftrunk bekommen hättest, und weder Ohren für falsche Schwüre noch Augen für die andern Übeltäter der Menschen hast? Wie kann man anders denken, als daß deine Augen vor Alter endlich blöde und deine Ohren dickhäutig geworden sein müssen? Denn in deinen jungen Jahren ließ sich freilich nicht mit dir scherzen; da warst du leicht aufzubringen, und dein Zorn war schrecklich in seinen Ausbrüchen. Da vergönntest du den Lasterhaften und Gewalttätigen keinen Waffenstillstand. Dein Keil war noch in seiner vollen Kraft, deine Ägide immer in Bewegung; immer hörte man das Brüllen deines Donners, und deine Blitze fuhren immer hin und her, wie die Wurfpfeile in einem Scharmützel. Die Erde bebte noch, als ob sie in einem Siebe geschüttelt würde, der Schnee fiel klumpenweise, es hagelte Felsenstücke, und, um mich recht tragisch auszudrücken, reißend und gewaltig platzten damals die Regengüsse herunter, jeder Tropfe ein Strom! – dergestalt, daß unter Deukalions Regierung, ehe man die Hand umkehren konnte, eine so entsetzliche Überschwemmung entstand, daß alle Fahrzeuge, auf die sich die Menschen geflüchtet hatten, untergingen und mit Not ein einziger Nachen auf dem Lykorischen Berge sitzen blieb, worin ein lebendiger Funke sich erhielt, um einer   neuen, noch schlimmern Menschenrasse das Dasein zu geben. Dafür aber geben sie dir auch den verdienten Lohn für deine schläfrige Untätigkeit. Denn wer opfert dir wohl heutzutage noch oder bringt dir Kränze, wenn es nicht etwa irgendein Anwohner des Olympus ist, der es gleichwohl nicht als etwas, wozu er sich verbunden glaubte, sondern, ohne was dabei zu denken, aus bloßer alter Sitte und Gewohnheit so mitmacht? Kurz, sie machen so wenig Zeremonie mehr mit dir, daß du, o Edelster aller Götter, unvermerkt die Rolle eines zweiten Saturnus spielen wirst. Ich sage nichts davon, wie oft sie dir deine Tempel ausgeraubt: haben sie sich doch unterstanden, zu Olympia sogar an dich selbst Hand anzulegen! Und du, der sich den »Hochbrausenden« schelten läßt, wecktest nicht einmal die Hunde oder riefst die Nachbarn auf, damit sie zusammenlaufen und der Räuber, ehe sie noch mit ihrer Beute davongegangen, sich bemächtigen könnten: sondern der großmächtige »Gigantenwürger« und »Titanenbändiger« saß, mit einem zehnellenlangen Blitz in der Hand, da und ließ sich in aller Gelassenheit von den Dieben die goldnen Locken abscheren. – Wenn wird denn einmal die Zeit kommen, mein vortrefflicher Herr, wo du aufhören wirst, alle diese Dinge so sorglos zu übersehen? Wenn wirst du endlich einmal allem diesem Unfug Einhalt tun? Wie oft müßtest du wohl die Welt verbrennen oder ersäufen, um die Menschen für ihren überschwenglichen Übermut nach Verdienst zu züchtigen?

 Ich will, um jetzt nichts von andern zu sagen, nur dabei stehenbleiben, wie mir mitgespielt worden ist, mir, der ich so vielen Atheniensern aufhalf, so manchen armen Tropf zum reichen Manne machte, allen, die meiner Hülfe bedurften, unter die Arme griff, ja, wie ich wohl sagen kann, unermeßliche Reichtümer bloß durch die Leidenschaft, meinen Freunden Gutes zu tun, verschwendete. Seitdem ich durch dies alles arm geworden bin, will mich niemand mehr kennen, und ebendieselben Leute, die ehmals die Augen aus Ehrfurcht vor mir niederschlugen, sich beinahe auf den Bauch vor mir legten und an meinem Winke hingen, würdigen mich jetzt keines Anblicks mehr. Begegne ich ihnen von ungefähr auf der Straße, so gehen sie bei mir vorbei, wie man vor einem durch die Länge der Zeit zusammengefallnen Denkmal eines längst vergeßnen Toten vorübergeht, ohne daß einem einfällt, die Überschrift lesen zu wollen; ja manche nehmen, wenn sie mich von fern erblicken, einen andern Weg, als ob sie einem scheußlichen und unglückbedeutenden Gegenstande zu begegnen fürchteten, wenn sie mir begegneten, mir, den sie noch vor so kurzer Zeit ihren Wohltäter und Beschützer nannten. Und so hat mich denn die Not an diese äußerste Spitze des attischen Ufers getrieben, wo ich in dieser armseligen Kleidung um ein Taglohn von acht Kreuzern die Erde grabe und so nebenher mit meinem Grabscheit und diesen öden Felsen hier philosophiere. Ich gewinne doch wenigstens das dabei, daß ich die Menge Schurken   nicht vor Augen sehen muß, denen es wider ihr Verdienen wohlgeht. Denn ich gestehe, das ist mir unerträglich. Wie wäre es denn nun, o Sohn des Kronus und der Rhea, wenn du endlich einmal aus diesem langen tiefen Schlummer, womit du den Epimenides selbst überschlafen hast, erwachtest, deinen erloschnen Donnerkeil wieder anbliesest oder im Ätna anzündetest und durch ein gewaltiges Zornfeuer uns wieder den ehmaligen kraftvollen und jugendlich-raschen Jupiter zeigtest – wenn man anders nicht glauben soll, was die Kretenser von dir fabeln, sie, die den Fremden sogar dein Grab auf ihrer Insel zeigen?

 JUPITER aus dem Himmel herabschauend, zu Merkur. Merkur, wer ist denn da unten in Attika am Fuße des Hymettus der lumpichte schmutzige Kerl mit Ziegenfellen um die Lenden, der so zu uns heraufschreit? – Jetzt krümmt er sich nieder und gräbt, deucht mich, in die Erde. Ein geschwätziger dreister Bursche! vermutlich ein Philosoph! denn sonst hätte er wohl nicht so gottlose Reden gegen uns ausgestoßen.

 MERKUR. Wie, mein Vater? Kennst du den Timon, des Echekratides Sohn von Kolyttos, nicht mehr, der uns so oft mit festlichen Opfern traktierte? den kürzlich noch so reichen Mann, der uns ganze Hekatomben auf einmal darbrachte und bei dem wir die Diasia so herrlich zu begehen pflegten?

 JUPITER. Ei! mit dem hat sich's garstig verändert! Was? der ansehnliche reiche Mann, der immer einen solchen Hof von Freunden um sich hatte?   Was ist ihm denn begegnet, daß er in diesen armseligen Zustand geraten ist? Denn nach dem schweren Grabscheit, das er führt, zu urteilen, kann er nichts Bessers sein als ein Gräber, der um Taglohn arbeitet.

 MERKUR. Ich könnte sagen, seine Güte und Menschenliebe und sein Mitleiden mit allen Dürftigen habe den armen Mann zugrunde gerichtet: aber die reine Wahrheit ist, daß es seine Torheit, übermäßige Gefälligkeit und Unvorsichtigkeit in der Wahl seiner Freunde getan hat. Der einfältige Mensch merkte nicht, daß er seine Gefälligkeiten an Raben und Wölfe verschwende und hielt alle die Wespen, die ihm seine Leber auffraßen, für Freunde, die sich aus Wohlwollen und gutem Herzen zu ihm gesellten, da sie doch nur des Fraßes wegen kamen. Es erging ihm also, wie man sich's vorstellen kann. Nachdem sie ihm gar säuberlich alles Fleisch rings um die Knochen abgenagt und, wo etwa noch ein wenig Mark darin war, auch dieses ganz und gar ausgesogen hatten, flogen sie davon und ließen ihn als ein dürres Gerippe liegen, ohne ihn mehr zu kennen noch anzusehen (denn was hätten sie davon gehabt?), geschweige ihm beizustehen oder nur einen kleinen Teil des Empfangenen zurückzugeben. Dies hat ihn nun dahin gebracht, daß er, mit dem einzigen, was ihm von seinem Vermögen übrigblieb, mit einem paar Ziegenfellen um die Schultern und einem Grabscheit in der Hand, der Stadt aus Scham den Rücken kehrte und sich um Taglohn zu Feldarbeiten hieher verdingte, wo er   seinem Elende nachhängt und schwarzes Blut dabei macht, wenn die Leute, die durch ihn reich wurden, mit der Nase in der Luft vorbeigehen und sich nicht einmal mehr erinnern können, daß er Timon heißt.

 JUPITER. Der Mann darf keinesweges länger übersehen und vernachlässigt werden, oder er könnt es uns billig übelnehmen, wenn wir es ebenso machten wie jene schurkischen Schmeichler und eines Menschen vergäßen, der uns die vielen fetten Hinterviertel von Rindern und Ziegen auf unsern Altären verbrannte, wovon ich den angenehmen Geruch noch immer in der Nase habe. Übrigens muß ich gestehen, daß ich – aus Mangel an Muße wegen der ungeheuern Menge von Meineidigen und...



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