Lyn | Till Death | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 600 Seiten

Reihe: The Never Sky Series

Lyn Till Death

Im Namen des Todes
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69051-035-6
Verlag: VAJOSH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Im Namen des Todes

E-Book, Deutsch, Band 1, 600 Seiten

Reihe: The Never Sky Series

ISBN: 978-3-69051-035-6
Verlag: VAJOSH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Prinzessin Deyanira, Todesbotin und größte Feindin Requiems, kann ihrer Welt nichts weiter als den Tod schenken. Als sie also die Chance erhält, durch eine Heirat Frieden zu bringen und dem Königreich ihres Vaters endlich ihren Wert zu beweisen, ergreift sie sie. Doch sie wird auf hinterhältige Weise dazu verleitet, den falschen Mann zu heiraten, wodurch die Zukunft des geschädigten Reiches auf dem Spiel steht. Ihre einzige Hoffnung auf Widergutmachung besteht darin, die Lebensbringerin zu finden. Ein Mädchen, das der Welt Heilung schenken soll. Auf ewig an ihren Ehemann gebunden, muss sie darum kämpfen, ihre Freiheit und ihr Herz zu behalten. Vor allem, als sie zur Gejagten wird.

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Die Definition von Wohlwollen war in dieser gottlosen Welt schon vor langer Zeit verloren gegangen. Gestohlen mit der Unschuld eines Kindes und gefangen in den letzten Ranken eines unbeantworteten Gebets. Entrissen, zusammen mit der letzten Hoffnung und auf dem Friedhof bei Tollivers Pointe begraben. Doch Pflicht kam vor Moral. Deaths Versprechen herrschte überall.

Nachdem ich die Slums von Perth hinter mir gelassen hatte, stieg ich, todmüde, in meine Kutsche und ließ die Zügel schnallen, um das Pferd zu wecken. Es war schwarz wie die Nacht, bewegte sich wie ein Schatten und brauchte keine Anweisungen von mir, um die Kutsche durch die engen Straßen zu ziehen, vorbei an der Flut flackernder Straßenlaternen und weiter zum Haus meines Vaters, meinem Gefängnis. Eine ständige Erinnerung daran, dass ich als vielleicht ein ganz anderes Leben geführt hätte, wäre ich nicht als Todesbotin geboren worden. Ein Leben mit einer Mutter.

Eine Stunde später stand Regulas in perfekter Haltung, perfekt gebügelter schwarzer Kleidung und mit einem perfekten Grinsen in seinem gealterten Gesicht vor meiner Zimmertür. »Er wartet.«

»Er wartet immer.«

»Auf seine geliebte Tochter«, sagte er und betonte jede einzelne Silbe dieses sarkastischen Wortes.

Er war Mitglied im Rat meines Vaters und hatte einst Angst vor mir gehabt. Wie die meisten. Doch im Laufe der Jahre hatte sich seine Angst in Selbstgefälligkeit gewandelt. Und obwohl ich die Hand ausstrecken und ihm seinen unnatürlich dicken Hals umdrehen könnte, erinnerte sich der niedere Teil von mir daran, dass ich nicht wie die Todesbotinnen war, die vor mir kamen. Das Schicksal hatte mich zur Waffe gemacht, ich hatte dieses Leben nicht gewählt. Genauso wenig wie das einer Prinzessin.

Ich stellte meine Füße auf den Boden, richtete mich auf, fuhr mit einem Finger über das kunstvolle Muster auf Chaos’ geschwungenem Griff und fühlte mich wohl mit der Waffe, die meinen Oberschenkel nie verließ. »Ich bin ein Mitglied dieses Königshauses, Regulas.« Ich verengte meinen Blick, bis er zusammenzuckte. »Du wirst dich nicht wieder vergessen.«

Er verbeugte und räusperte sich, obwohl seine Worte von Verärgerung durchzogen waren. »Vergebt mir, Eure königliche Hoheit.«

»Nur weil mein Vater beschlossen hat, dass du auf Förmlichkeiten innerhalb der Mauern seines Schlosses verzichten kannst, heißt das nicht, dass ich das auch getan habe., Vergiss deinen Platz nicht, solltest du die Sonne wiedersehen wollen. Ich gehorche zuerst Death und dann meinem König.«

Er blieb gebeugt, während er darauf wartete, dass ich ihn wegschickte. Sein kahler Kopf war gerötet, die Lichter an der Decke brachten die prallen Adern zum Vorschein. Ich suchte nach Schmutz unter meinen Nägeln und nach Spinnweben in den Ecken, bevor ich ihn schließlich entließ. Mit der Hand auf dem kalten Metallknauf überlegte ich, wie ich aus meinem Schlafzimmer entkommen könnte. Doch dieser Luxus würde warten müssen. Mein Vater war kein geduldiger König.

Er traf sich mit mir ausschließlich im Thronsaal und war jeden Moment, den wir miteinander verbrachten, zu förmlich. Mein Vater hasste Death und die Macht, die er mir gestohlen hatte, als er mich im Mutterleib zu seiner Botin ausgewählt hatte, der Ersten und Einzigen von königlichem Blut, die diesen Titel je getragen hatte. Ein König hatte Macht über sein Reich, aber er begehrte die Kontrolle über seine Familie.

Zwei schwer bewaffnete Wachen, beide mit ausdruckslosen Gesichtern und langen Schwertern auf dem Rücken, öffneten gleichzeitig die Türen. Sie sahen mich nicht einmal an, doch ich konnte beim Vorbeigehen beobachten, wie eine der beiden schluckte. Seine Waffen waren nur Schau, bestenfalls zum Verstümmeln geeignet; meine waren Seelenaussauger und garantierten eine Ewigkeit an Deaths Hof.

Die mit Eisen umwickelten Obsidiansäulen brachen aus dem Boden hervor, als wären sie aus der Hölle verbannt worden, um den Thronsaal meines Vaters aufrecht zu halten. Oben auf der fünfzig Stufen hohen Treppe saß er auf seinem Podest und starrte auf die Welt herab, als hätte er sie herbeigerufen.

»Deyanira.« Seine Stimme hallte von den Wänden wider. »Musst du mich immer enttäuschen?«

Vor zehn Jahren hätten seine Worte vielleicht eine Reaktion bei mir hervorgerufen. Doch nach so langer Zeit war ich abgestumpft und zuversichtlich, dass es besser war, den Mund zu halten, als etwas zu erwidern. Stattdessen flehte ich die alten Götter im Stillen an, mich von dieser Folter zu erlösen. Von diesem Leben, in dem ich niemals Liebe, Freundlichkeit oder Lachen erfahren würde.

Die Einzige, die ich je haben würde, war Ro. Und selbst sie war wankelmütig. Dennoch wanderte mein Blick zu Regulas, der hinter meinem Vater stand und etwas murmelte, mit dem gleichen Grinsen im Gesicht wie vorhin.

Ich bewegte mich nicht, wich nicht zurück und atmete nicht, während ich darauf wartete, dass er zu sprechen begann. Schließlich ergriff er die glatten Kanten seines Throns und stieg die Stufen herab, einen lauten, gestiefelten Schritt nach dem anderen. Die Hände hinter seinem Rücken verschränkt, umkreiste er mich wie ein Aasgeier und betrachtete mich, wie er es immer tat.

»Berichte!«, forderte er.

Ich starrte geradeaus, nicht gewillt, meine grünen Augen, die gleiche Farbe wie seine, auf den Boden zu senken. »Der Name des Opfers war Thomas Vanhutes. Er hatte eine heruntergekommene Wohnung in der Bettlergasse gemietet, in der Nähe des . Er starb im –«

»Im Schlaf. Ja. Du bist eine barmherzige Mörderin. Und der Maestro? Jagt er dich noch immer?«

»Natürlich tut er das, aber es gab keine Anzeichen von ihm oder seinen Männern.«

»Findest du es nicht seltsam, dass du ihm auf wundersame Weise immer wieder entkommst? Du hast doch keine Geheimnisse vor mir, oder?«

Ich seufzte und gab die gleiche Antwort wie bereits viele Male zuvor. »Es ist kein Wunder, Vater. Ich bin nur gut in dem, was ich tue. Ich bin mir meiner Umgebung und der Gefahren immer bewusst.«

»Und wir alle sind dankbar dafür.«

Die Entrüstung in seinem Ton entging mir nicht. Ich biss die Zähne zusammen. Er wusste, dass ich sie alle foltern konnte. Er nahm an, dass Deaths Magie mich zum Töten zwang. Doch mein sturer Wille erlaubte mir Gnade. Ich hatte eine Wahl.

»Und die Lebensbringerin?«

Ich schluckte. »Nichts Neues.«

»Wir haben seit sechsundzwanzig Jahren keine Lebensbringerin mehr gehabt. Mehr Menschen als je zuvor erkranken, ohne dass jemand sie heilen kann. Sie muss sich verstecken. Es ist unmöglich, dass Ihr nichts gehört habt, Deyanira«, sagte Regulas hinter dem Thron meines Vaters. Seine klägliche Stimme hallte von den goldüberzogenen Wänden wider, bis es mir kalt den Rücken hinunterlief. Er hatte meinen Titel absichtlich ausgelassen.

»Ich bin nicht die Jägerin. Gib die Schuld jemand anderem. Gib dir selbst die Schuld, «, fuhr ich ihn an.

Er schlich die Treppe so eindrucksvoll hinunter wie mein Vater und spiegelte die stattliche Haltung des Königs wider. Und doch blieb er auf der drittletzten Stufe stehen, um sicherzustellen, dass er immer noch auf mich herabsehen konnte. »Unsere Wachen trainieren stärker als je zuvor. Entlang des Geheiligten Flusses gibt es Kämpfe unter den Menschen von Requiem. Wenn Ihr überzeugendere … Maßnahmen ergreifen würdet, um Antworten zu finden, wüsstet Ihr vielleicht, wo sie ist.«

»Ich bin keine Spionin.«

»Ihr seid kaum irgendetwas«, antwortete Regulas.

Ich hatte meine eigene Bewegung kaum registriert, als sein hoher Schrei durch den Raum schallte. Im ersten Moment stand dieser höhnisch grinsende Mann noch, im nächsten flogen seine Füße unter ihm weg, als Chaos gegen seine Schulter prallte.

Die Stufen stieg ich so langsam hinauf, wie er hinabgestiegen war, und drückte meine Stiefel in seinen Arm, während ich ihm die Klinge aus dem Körper riss und das frische Blut an seiner Hose abwischte. Ich ging in die Hocke und starrte ihn an. »Ich wurde mein ganzes Leben lang darauf trainiert, jemanden wie dich mit weniger als einem Gedanken töten zu können. Solltest du dein hundertstes Jahr erreichen wollen, wirst du nie wieder mit mir sprechen.«

»M-mein König?«, stammelte er und wagte nicht aufzustehen.

Ich stand auf und drehte mich um, um meinem Vater endlich ins Gesicht zu sehen. Der Anflug von Stolz hätte mich schockieren sollen, hätte ich nicht seine Liebe zur Gewalt gekannt. Seine absichtliche Distanz hatte die Kanten von allem, was ich war, nur noch geschärft. Ein Kind ohne eine einzige Berührung, ohne ein einziges sanftes Wort aufzuziehen, ließ eine Bestie heranwachsen. Einen Menschen, der weder Liebe noch Licht kannte. Eine Frau ohne Mitgefühl. Und doch war es mir wichtig, als wäre es mir schon vor meiner Geburt in die Seele gepflanzt worden. Ich wollte Liebe und Güte erfahren, verzweifelter, als er es sich je vorstellen konnte. Vielleicht war es diese Sehnsucht, die mich menschlich machte.

Vor Jahren hatte ich mich verkleidet und war in die Innenstadt gegangen, um einen Mann zu verführen. Nach mehreren Versuchen und mehreren leicht beeinflussbaren Partnern hatte ich gelernt, dass Berührung nicht genug war. Erzwungene Leidenschaft stillte nicht den Wunsch, jemanden hinter die Maske blicken zu lassen.

Der König trat an meine Seite. »Wenn man mit dem Feuer spielt, verbrennt man sich. Vor allem, wenn dieses Feuer meine Tochter ist. Geh und säubere dich, Regulas. Du bist beschämend.«

Ein zufriedenes Flackern machte sich in meinem Bauch breit. Als das Klicken der großen Tür im hinteren Teil des Thronsaals ertönte, fuhr mein Vater mit seiner sorgfältigen...



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