Lynn Kiss me
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7363-0140-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2,5, 90 Seiten
Reihe: Ross Siblings
ISBN: 978-3-7363-0140-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
"Kiss me" vereint zwei Novellas zur Erfolgsreihe von Cherrie Lynn in einem E-Book! Brian, Evan und Seth sind zurück und haben heiße Überaschungen für die Damen ihrer Herzen im Gepäck! Für Brian und Candace geht es auf der Weihnachtsfeier von Evan und Kelsey heiß her und alle, die wissen wollen, was wirklich zwischen Marcy und Seth auf dem Rücksitz des alten Pontiacs passiert ist, kommen in diesem E-Book ganz auf ihre Kosten. (ca. 90 Seiten)
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1
Seth »Ghost« Warren rieb sich über den immer noch leicht schmerzenden, glatt rasierten Schädel. Wenn er doch bloß heute nicht arbeiten müsste, dachte er zum wohl hunderttausendsten Mal. Gestern Nacht hatte er es ordentlich krachen lassen, und das dumpfe Pochen hinter seiner Stirn erinnerte ihn nachdrücklich daran, warum er nur noch selten dermaßen über die Stränge schlug. Bei guten Freunden, guter Musik und guter Stimmung, so wie gestern in Dallas nach dem Rockfestival, vergaß er das zuweilen. Aber mal wieder richtig Dampf abzulassen war die Kopfschmerzen wert … das redete er sich zumindest ein.
Glücklicherweise verlief die Schicht im Dermamania bis jetzt relativ ereignislos, er hing eigentlich mehr im Laden ab, als dass er wirklich gearbeitet hätte. Kompliziertere oder größere Aufträge hätte er sowieso einem der anderen Künstler überlassen, denn er verstand sich heute nur als Hilfskraft. Es sei denn, ein Stammkunde von ihm tauchte auf und flehte ihn an.
Er checkte gähnend sein Handy, auf dem immer neue Nachrichten von einer ihm unbekannten Nummer eintrudelten. Allem Anschein nach ein Mädchen, obwohl er sich an keinen Ausrutscher in der letzten Zeit erinnern konnte. Ghost erinnerte sich nicht einmal daran, überhaupt seine Nummer rausgegeben zu haben. Aber er wollte derjenigen, mit der er möglicherweise im Vollrausch eine tiefschürfende Unterhaltung geführt hatte, nur ungern mit Wer zum Teufel bist du überhaupt? antworten, das wäre dann doch etwas unhöflich. Obwohl er selbst nüchtern nicht gerade für seine guten Umgangsformen bekannt war.
Mit einem weiteren Gähnen sah er sich im Laden um, da er es leid war, sich die Geschehnisse der letzten Nacht zusammenzureimen. Ihm fiel auf, dass es ungewöhnlich ruhig war. Normalerweise waren immer irgendwelche anzüglichen Witze oder zumindest laute Musik zu hören. Es war geradezu still. Eine merkwürdige Stimmung, das bildete er sich nicht bloß ein. Außerdem hatte Brian, sein bester Freund und leidgeprüfter Chef, die spöttischen Bemerkungen über seine neue Freundin heute seltsam gelassen ertragen. Das Mädchen hatte sich gerade hinten im Büro zum Lernen eingeschlossen. Oder um sich vor ihren Eltern zu verstecken. Oder so. In den gut vierzehn Jahren, die er Brian kannte, war sein Kumpel noch nie wegen einer Frau so angespannt gewesen. Erst recht nicht, nachdem er gerade flachgelegt worden war, wie Ghost vermutete, da die beiden Turteltäubchen sich gestern Abend ausgeklinkt hatten.
Andererseits hatte Starla ihm neulich anvertraut, dass Brians neue Eroberung möglicherweise noch Jungfrau war. Also war letzte Nacht vielleicht gar nichts gelaufen.
Als der letzte Kunde das Tattoostudio verließ, nutzte Starla die Gelegenheit für eine Zigarettenpause. Brian saß hinter dem Empfangstresen und starrte schon seit Minuten ins Leere. Ghost nutzte die Gunst der Stunde. »He, Kumpel, was ist los?«
Brian riss den Kopf hoch und setzte ein fröhliches Gesicht auf, sichtlich bemüht, sich nichts anmerken zu lassen. Ghost blieb skeptisch. Mir machst du nichts vor, Kumpel.
»Gar nichts«, erwiderte Brian.
»Blödsinn.« Ghost verschränkte die Arme vor der Brust. Wenn er genauer darüber nachdachte, dann hatten Brian und seine Neue – Candace, so hieß sie doch? – heute den ganzen Tag ein wenig neben der Spur gewirkt. »Raus damit.«
Brian winkte ab. »Nur wieder so ein Scheiß mit ihrer Familie. Zu behaupten, dass sie mich ansehen, als sei ich eine Wanze, die sie am liebsten zerquetschen würden, ist noch untertrieben.«
»Musst du dir das echt geben?«
»Ob ich muss? Nein.«
»Ich mein ja nur.«
»Was meinst du?« Brian warf einen Blick über die Schulter zurück in Richtung Bürotür und senkte die Stimme. »Soll ich sie etwa aufgeben, nur weil sie mit einem Haufen Arschlöcher verwandt ist?«
»Du hast sie doch noch nicht mal angerührt.«
»Oh doch, das habe ich.«
Mist, also war es doch schon passiert. »Ist trotzdem noch nicht zu spät, dich vom Acker zu machen.«
»Ich will mich aber nicht vom Acker machen. Sie …« Brian fuhr sich durchs Haar. »Scheiße. Kannst du dich noch an Jameson Andrews erinnern, aus der Schule?«
»Einen Wichser wie den vergesse ich nicht so leicht. Hab ich ihn nicht mal vermöbelt?«
Brian kniff die Augenbrauen zusammen. »Hast du?«
»Da klingelt jedenfalls was.«
»Na ja, damit wären wir schon zwei. Jameson ist Candace’ älterer Bruder. Ich hab ihn bei ihr vorm Haus beinahe bewusstlos geschlagen. Vor den Augen seiner Mutter.«
Ghost strich sich den kurzen Kinnbart glatt. »Nicht gerade der beste Weg, um einen guten Eindruck zu hinterlassen.«
»Kein Kerl nennt meine Freundin ungestraft eine Hure, und das hat er getan. Seine eigene Schwester!« Brian stöhnte frustriert auf und stieß sich vom Tresen ab. »Ich will nicht weiter drüber reden. Ich bringe sie jetzt nach Hause. Ihr könnt auch abhauen, wenn ihr wollt. Heute ist eh nichts los.«
»Starla hat später noch einen Termin, glaube ich. Ich werd bei ihr bleiben.«
»Cool.«
Als Brian abzog, kam auch Starla wieder in den Laden geschlurft. »Mir ist echt langweilig«, verkündete sie und hüpfte auf den Hocker am Tresen, vor dem der Computer stand. »Außerdem klingeln mir noch die Ohren von gestern Abend. Macht Brian die Fliege?«
»Ja. Er sagte, wir könnten auch gehen, wenn wir wollen.«
»Geht nicht. Jason kommt um halb sieben.« Sie zwirbelte das von pinken Strähnen durchzogene blonde Haar zu einem lockeren Knoten zusammen.
»Dachte ich mir. Hab B gesagt, dass ich dann mit dir hier bleibe.«
Starla zuckte mit den Achseln und stützte das Kinn in die Hand, es sah aus, als habe sie nicht vor, sich in nächster Zeit vom Bildschirm wegzubewegen. »Wie du willst.«
Klar, seine Kolleginnen kamen gut alleine zurecht, trotzdem, es gab eine Menge Perverser da draußen, daher ließ er sie nur ungern allein im Laden. Wobei Starla ihn oft damit aufzog, er sei der einzige Perversling, um den sie sich Sorgen mache, aber das meinte sie nicht ernst. »Ich habe eh nichts vor.«
»Wenn das so ist, sollte einer von uns Sushi holen gehen.«
Und mit »einer von uns« war offensichtlich er gemeint, denn Starla klebte weiterhin am Bildschirm. Auch gut, ihm fiel hier ohnehin die Decke auf den Kopf. Er fischte die Wagenschlüssel aus der Schublade an seinem Arbeitsplatz und ließ den Schlüsselring um den Finger kreisen, während er zur Tür ging. »Garnelen-Tempura?«
»Gepriesen seist du. Ich zahl’s dir später zurück.«
»Mir egal«, murmelte er, während er in die warme Frühlingsluft hinaustrat. Brians Truck fuhr gerade vom Parkplatz. Der arme Kerl. Als Ghost vor ein paar Jahren üblen Beziehungsstress gehabt hatte, war Brian immer für ihn da gewesen. Er hatte es echt nicht verdient, als einzigen Ratschlag ein »Ist noch nicht zu spät, dich vom Acker zu machen« zu hören. Aber nur so konnte man sich den ganzen unvermeidlichen Ärger ersparen – indem man sich gar nicht erst drauf einließ. Daran gab es nichts zu rütteln.
Ganz anders bei seinem 69er Pontiac. Wenn der Schwierigkeiten machte, würde Ghost ihn trotzdem behalten und einfach noch mehr Arbeit reinstecken. Im zwischenmenschlichen Bereich funktionierte das so nicht.
Ein beruhigender Gedanke. Kein Drama mehr. Nur ein bisschen Spaß mit Frauen, die auch nichts Festes wollten. Damit kam er klar. Im Gegensatz zu den Existenzängsten der Brookes und Rainas dieser Welt.
Beide hätten nicht gegensätzlicher sein können. Brooke war ihm davongelaufen, Raina war er nicht mehr losgeworden. Die Braut aus Dallas war nämlich nicht die Einzige, die ihn mit Nachrichten bombardierte, auch seine Ex war in letzter Zeit wieder mit ihrem dreadlockbedeckten Haupt aufgetaucht. Gott sei Dank war Raina nicht in den Laden gekommen. Sie brachte es fertig und pöbelte ihn bei der Arbeit an. Er war kurz davor, ihr als Klingelton Slipknots People=Shit zuzuweisen, was er sich für all jene aufhob, mit denen er nicht sprechen wollte.
Er bog auf den Parkplatz der Sushibar ein und beglückwünschte sich zu seinen neu gewonnenen Vorsätzen. Als er beim Einparken sah, wer noch hier war, hätte er sie jedoch am liebsten gleich wieder über Bord geworfen.
Es war Candace’ Freundin, Macy. Als sie vor ein paar Wochen mit Candace ins Dermamania gekommen war, hatte Ghost sich kaum noch auf die Arbeit konzentrieren können. Sie war einfach überirdisch schön. Eine Frau wie sie würde einem Kerl wie ihm normalerweise keinen zweiten Blick schenken, nur hatte sie das sehr wohl getan. Und wie. Er hatte sie mehr als einmal dabei ertappt, wie sie ihn angestarrt hatte. Gestern auf dem Weg nach Dallas hatte er Candace nach Macys Telefonnummer gefragt, allerdings mehr im Scherz. Candace hatte sich aber leider bedeckt gehalten. Naja, das hatte er auch nicht anders erwartet. Aber einen Versuch war es wert gewesen.
Und jetzt saß er unschlüssig da und sah Macy nach, die an ihm vorbei auf das Restaurant zuging. Ihre langen dunklen Locken fielen ihr offen über die Schultern, die schlanken, braun gebrannten und überraschend durchtrainierten Beine steckten in Shorts. Sie war eher nicht so der Typ kleine Prinzessin wie ihre Freundin Candace. Verdammt, er konnte an nichts anderes mehr denken als daran, wie sich diese muskulösen Beine um seine Hüften schlangen …
Er schüttelte den Gedanken ab und stieg aus dem Wagen, obwohl ihm eine warnende...




