E-Book, Deutsch, 432 Seiten
Reihe: Soulless
Mann Soulless
3. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7504-5346-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Buch ohne Worte
E-Book, Deutsch, 432 Seiten
Reihe: Soulless
ISBN: 978-3-7504-5346-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Action, aber immer ein Hauch Romantik: Die deutsche Autorin Michaela Annika Mann wird 1995 in Schwäbisch Hall geboren. Der Wunsch, Autorin zu werden, entsteht bereits während der Schulzeit, als sie ihre Leidenschaft für Bücher entdeckt. Mit ihrem Debütroman "Aftermath - Die Zeit danach", der sich im Genre Dystophie bewegt und Dezent an "The Walking Dead" erinnert, erfüllt sie sich ihren Traum, doch sie gibt sich damit nicht zufrieden. Bereits kurze Zeit später arbeitet sie an einem neuen, mehrteiligen Werk und schlägt mit der "Soulless"-Reihe eine völlig neue Richtung im Bereich Fantasy-Romance ein.
Autoren/Hrsg.
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Das Glöckchen am Eingang klingelte, als der letzte verbliebene Besucher die Bücherei verließ. Mein Blick wanderte abermals zur Uhr, doch die Zeit verging quälend langsam. Ich musste noch zwei Stunden warten, bevor meine Schicht vorüber war. Zum Glück machte ich diesen Ferienjob nur noch wenige Tage.
Es wunderte mich nicht sonderlich, dass in dieser Bücherei nicht viel los war. Sie war, selbst für eine Schulbücherei, recht klein. Es gab lediglich zwei Räume, die mit hochgradig langweiligen Büchern vollgestopft waren. Zwischen den einzelnen Regalen gab es mehrere Tische, an die man sich setzen konnte, um in den fünf Minuten vor dem Unterricht noch seine Hausaufgaben zu erledigen.
Es war logisch, dass hier keine Partys stattfanden. Der muffige Geruch der alten Bücher lud nicht gerade dazu ein. Ich wäre auch nicht hier, hätte ich einen anderen Ferienjob gefunden.
Seufzend stand ich auf und kam hinter dem Tresen hervor. Jemand hatte zwei Bücher achtlos auf dem Tisch liegen lassen, daher räumte ich sie zurück an ihren Platz.
Die Regale waren gut sortiert, doch die abgenutzten Bücher ließen alles etwas chaotisch wirken. Selbst die Regale waren abgenutzt, denn immer wieder waren Buchstaben oder Symbole in das alte Holz eingeritzt worden. Eine Blüte fiel mir dabei besonders ins Auge. Es war eine Magnolie und gehörte damit zu den wenigen Blumensorten, die ich benennen konnte.
Meine Mutter hatte Magnolien geliebt. Sie wuchsen früher rund um das Haus, doch seit sie vor etwa einem Jahr gestorben war, verwilderten ihre Blumenbeete und waren mittlerweile kaum noch zu erkennen. Gedankenversunken strich ich über die eingeritzten Blütenblätter.
Plötzlich hörte ich das kleine Glöckchen vom Eingang. Kurz darauf schallte mein Name einmal quer durch die Bücherei. »Cassandra! Wo steckst du schon wieder?!«
»Ich bin hier«, antwortete ich sofort und lief mit schnellen Schritten zurück an den Tresen. Wie erwartet stand Mr. Wheeler ungeduldig davor und trommelte mit seinen Fingern auf das Holz. »Ich musste die Bücher aufräumen«, sagte ich entschuldigend. »Wie kann ich Ihnen helfen?«
Mr. Wheeler kümmerte sich um die Bücherei und sorgte dafür, dass alles nach seinen Regeln ablief. Er war eigentlich ganz nett, doch bei seinen Büchern verstand er wenig Spaß.
»Wie es aussieht«, begann er in seiner tiefen Stimme, »ist hier nichts mehr los. Du kannst die Regale abstauben, wenn dir langweilig wird.«
Das war es schon seit Anfang der Woche und daran würde auch ein bisschen Abstauben nichts ändern…
Nachdem Mr. Wheeler sich umgesehen hatte und anscheinend mit meiner Ordnung zufrieden war, verabschiedete er sich und verschwand wieder. Er hatte zumindest so viel Vertrauen zu mir, dass ich alleine abschließen durfte, wenn meine Schicht vorüber war. Natürlich würde er am nächsten Morgen wieder auf mich warten, aber immerhin etwas…
Seufzend schnappte ich mir ein sauberes Tuch und trat an das erste Regal. Es war schon eine Weile her, seit jemand abgestaubt hatte. Dicke Flusen türmten sich in den untersten Reihen, wo die unbeliebten Bücher standen. Übellaunig fuhr ich über jedes Brett und wanderte anschließend zum nächsten Regal. So, wie ich Mr. Wheeler kannte, würde er mich morgen kontrollieren, weshalb ich mir zumindest etwas Mühe geben musste.
Irgendwo blieb mein Staubtuch hängen. Wahrscheinlich stand ein Spreißel ab. Ich zerrte etwas an dem Tuch, doch plötzlich löste sich nicht nur das, sondern auch die komplette Leiste.
dachte ich stumm und begutachtete den Schaden. Die Leiste war kaum fünfzig Zentimeter lang und zudem recht schmal. Es war ausgerechnet das Stück mit der schön eingeritzten Magnolie, das ich in der Hand hielt. Es schien nichts abgebrochen zu sein. Ich blickte zurück auf das Regal und bemerkte erst jetzt das schmale Fach, das die Leiste verdeckt hatte.
Ein kleines Buch lag darin. Vorsichtig griff ich danach und zog es aus dem schmalen Fach hervor. Ich ignorierte die dicke Staubschicht und betrachtete es etwas genauer. Der dunkelbraune Ledereinband war etwas abgenutzt, doch es war noch immer wunderschön. Ein ebenfalls ledernes Band wickelte sich mehrmals um die schmale Seite des Buches, als müsste es die Seiten zusammen halten. Ein kleiner Bleistift, der perfekt zwischen die Buchdeckel passte, war an einer ebenso kleinen Lasche befestigt. Das Buch war etwa fünfzig Seiten dick. Es sah wie ein altes Notizbuch aus und hatte auch keinen Titel am Buchrücken.
Ich steckte die Leiste zurück auf die Stirnseite des Regals und wackelte leicht daran, um sicher zu gehen, dass sie nicht gleich wieder herunter fiel. Verstohlen sah ich mich um, doch es war noch immer niemand in die Bücherei gekommen. Vorsichtig löste ich das kleine lederne Band und öffnete anschließend das Buch in meiner Hand. Es war ein wirklich altes Buch, doch die Seiten machten einen sehr guten Eindruck. Das Papier wirkte auch nicht abgenutzt. Es war ein schönes Buch, doch es war vollkommen leer. Ich blätterte grob durch die Seiten, doch ich konnte nichts entdecken.
Etwas verwirrt ging ich zurück hinter den Tresen und legte das Buch vor mich auf den Tisch. Es wäre wirklich eine Verschwendung, dieses Buch irgendwo verrotten zu lassen. Ich hatte ein Faible für Tagebücher und dieses kleine Ding war wie für mich gemacht. Wenn es niemand wollte, würde sicher nichts dagegen sprechen, wenn ich es an mich nahm. Es schien immerhin völlig unbenutzt zu sein.
Die nächste Stunde trödelte ich in der Bücherei herum und ging anschließend ein letztes Mal durch die verstaubten Regale. Ich sammelte noch ein umherliegendes Buch ein, bevor ich meine Schicht pünktlich beendete. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Schatz gefunden. Glücklich, wie ich war, steckte ich das kleine Buch in meine Tasche. Zwischen meinem Notizblock und meiner Wasserflasche fand sich noch genug Platz dafür. Ich sah mich nochmals um, bevor ich mir die Tasche über die Schulter warf, nach draußen ging und hinter mir zusperrte.
Draußen empfing mich eine ekelige Mischung aus kalter Luft und grauen Wolken, die mir augenblicklich die Lust nahmen. Über die Nachrichten waren teils heftige Gewitter für heute vorausgesagt worden, daher beeilte ich mich, die paar Straßen zu meinem Haus zu laufen, ehe es zu Regnen begann. Die Bücherei war zum Glück nicht weit von meinem Zuhause entfernt. Ein Punkt auf der Pro-Bücherei-Liste. Einer der wenigen, denn sonst hatte der Ferienjob nicht viel zu bieten. Selbst die Bezahlung war nicht gerade das, was ich mir erhofft hatte, doch ich brauchte das Geld.
Ich lebte alleine in dem Haus, das meine Mutter mir hinterlassen hatte. Ich war ein Einzelkind und meinen Vater hatte ich nie kennengelernt, doch ich war bereits alt genug, um auf mich selbst aufpassen zu können. Immerhin war ich diesen Sommer 21 Jahre alt geworden.
Ein Ferienjob war allerdings dringend nötig, denn neben der Schule und dem Haushalt hatte ich nicht mehr viel Zeit, um mir etwas dazu zu verdienen. Zum Glück war ich bereits im letzten Collegejahr. Der Stoff wurde immer schwieriger und die Noten immer wichtiger. Ich war noch nie wirklich schlecht gewesen, doch ich war noch lange kein Streber. Ich wollte nur einen ordentlichen Abschluss, damit ich eine gute Arbeit finden konnte und alles seinen gewohnten Lauf ging.
Als ich um die nächste Ecke bog, kam mein Zuhause bereits in Sicht. dachte ich stumm. Ich hatte viele Listen, die ich abarbeiten musste und der Garten stand irgendwo ganz tief unten. Es war eine Tätigkeit, der ich nicht viel abgewinnen konnte. Meine Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite waren davon sicher nicht erfreut, doch sie hatten zumindest Verständnis dafür.
Das Haus, das meine Mutter vor etwa drei Jahren abgezahlt hatte, war einfach perfekt. Obwohl es mich ständig an meine Mutter erinnerte, konnte ich mir nichts anderes vorstellen. Das Haus lag in einer ruhigen Seitenstraße von Minerva, Ohio. Die Nachbarn waren überaus freundlich und die Häuser sahen alle wunderschön aus, zumindest, wenn man den Vorgarten bei mir außer Acht ließ. Viele Häuser waren erst vor kurzem weiß gestrichen worden. Die ganze Straße entlang standen kleine weiß oder hellgrau gestrichene Häuser und erzeugten ein wunderschönes einheitliches Bild.
Ich kramte nach meinem Schlüssel, als ich von der Einfahrt aus zur Haustür lief, und sperrte auf. Wie gewohnt empfing mich die leere Wohnung. Es war kalt, sodass ich den Sweater gleich anließ und zuerst die Heizung einschaltete. Ich empfand es als Verschwendung, wenn ich sie den ganzen Tag laufen ließ. In der Küche fand ich noch etwas vom Vortag. Hühnchen und Reis. Ich schob alles samt Box in die Mikrowelle und machte es mir gemütlich.
Es dauerte etwas, bis ich mich in mein Kinderzimmer im oberen Stock...




