E-Book, Deutsch, 605 Seiten
Martial Epigramme
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3134-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 605 Seiten
ISBN: 978-3-8496-3134-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Epigramme sind eine Sammlung von 12 Büchern mit insgesamt 1557 Epigrammen. Martial beschrieb in den meisten seiner Epigramme das Alltagsleben der Römer und stellte es ironisch, satirisch und teilweise vulgär dar. Wichtige Themen sind dabei der Unterschied zwischen Armut und Reichtum, Rechtschaffenheit und Laster sowie die Licht- und Schattenseiten des Lebens. Er charakterisiert und verspottet außerdem mit wenigen Worten und pointierten Wortspielen auffallende römische Typen, so zum Beispiel unfähige Ärzte, unbegabte Dichter, betrogene Ehemänner und eitle Schönlinge, wobei er jedoch niemanden persönlich anspricht, sondern sprechende Namen verwendet.
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Drittes Buch
1
Dieses, wie immer es sei, schickt dir von fernen Gestaden
Gallien, welches von Roms Toga den Namen empfing.
Liesest du dies, dann lobst du vielleicht das frühere Büchlein:
Jenes, auch dies ist mein, was dich das Bessere dünkt.
Freilich gefällt wohl mehr was erzeugt in der Herrscherin-Stadt ist:
Über ein gallisches muß siegen ein heimisches Buch.
2
Sage, wem ich dich schenken soll, mein Büchlein!
Eile, dir den Beschützer aufzusuchen,
Daß nicht, schleunig entführt in schwarze Küchen,
Thunfischbrut du mit feuchtem Blatt bedeckest,
Oder Hülle des Pfeffers sei'st und Weihrauchs.
In den Schoß des Faustinus fliehst du? Klug ist's.
Wandern darfst du nun, eingesalbt mit Zedrus,
Und, geziemend geschmückt an beiden Stirnen,
Staat mit deinen bemalten Nabeln machen,
Auch umhülle dich zierlich feiner Purpur,
Und es glühe von Scharlach stolz die Aufschrift.
Schützet er dich, so fürcht' auch nicht den Probus!
3
[Du verbirgst dein schönes Gesicht mit schwärzlichem Mittel,
Doch mit dem Leibe, dem nicht schönen, entstellst du das Bad.
Glaub' es, die Göttin selbst sagt dir mit unseren Worten:
»Bade mit offnem Gesicht oder in Tunika dich!«]
4
Gehe nach Rom, mein Buch: wenn es forscht, von wannen du kommest,
Sag: »Aus der Gegend, wohin führt der Ämilische Weg.«
Fragt es, in welchem Land, in welcher Stadt ich verweile,
Magst du berichten, ich sei in des Cornelius Stadt.
Forscht es, warum ich's verließ, sag' aus in Kürze das viele:
»Ekel ward ihm, umsonst Träger der Toga zu sein.«
Sagt's: »Wann kommt er zurück?«, so erwidere du: »Als ein Dichter
Ging er; er kommet, sobald Sänger zur Zither er ist.«
5
Willst du, mein kleines Buch, das du ohne mich nach der Stadt eilst,
Vielen empfohlen sein oder ist einer genug?
Einer, glaube, genügt, dem nicht ein Fremder du sein wirst,
Julius ist es, von dem immer dir redet mein Mund.
Suche sogleich ihn auf an der ersten Schwelle der Tekta:
Sein Haus ist, was vorher Daphnis bewohnete, jetzt.
Er besitzet ein Weib, das dich mit Händen und Busen
Wird aufnehmen, wenn auch staubig du gehest zu ihr.
Sei's, daß beide zugleich du seh'n sollt'st oder die eine
Oder den anderen eh'r, sage, daß Marcus sie grüßt,
Und es genüget: ein Brief als Empfehl dien' andern: wer glaubet,
Daß er empfehlen sich noch müsse den Seinigen, irrt.
6
Siehe, der dritte Tag nach des Maies Iden erschien dir,
Marzellin, dem zu weih'n doppeltes Opfer du hast.
Er ließ deinen Erzeuger zuerst das himmlische Licht schau'n,
Er nimmt von dir zuerst, was auf der Wange dir sproß.
Gab er ihm auch das große Geschenk des lieblichen Lebens,
Lieberes hat der Tag nimmer dem Vater gewährt.
7
Jetzt lebet wohl, elende hundert Quadranten,
Die als das Trinkgeld eines müden Vorläufers
Der rot gesott'ne Badewärter austeilte.
Was sinnt ihr aus, die eure Freund' ihr aushungert?
Des stolzen Königs Sporteln sind verabschiedet.
Kein Dreh'n und Winden hilft: ihr müßt das Mahl geben.
8
Thais ist Quintus' Schatz. Die mit einem Auge? Die Thais?
Thais ist eines Aug's, beider ihr Buhle beraubt.
9
Cinna, so wird mir erzählt, soll Verslein gegen mich schreiben.
Wessen Gedichte man nicht lieset, der schreibet auch keins.
10
Monatlich hat, Philomusus, für dich zweitausend der Vater
Ausgesetzet und gleich unter die Tage verteilt,
Daß die morgende Not dein heutiges Schwelgen beschränke
Und für die Laster du nur habest das tägliche Geld.
Und er hat, als er starb, dich zum einzigen Erben gesetzet:
Mein Philomusus, es hat dich dein Erzeuger enterbt.
11
Wenn nicht Thais dein Schatz und er nicht einäugig ist, Quintus,
Weshalb glaubst du, daß dir gelten das Distichon soll?
Etwas doch Ähnliches wär's, wenn ich Thais sagte für Lais.
Sage, was Thais verwandt mit der Hermione hat!
Du bist Quintus jedoch; nun, so laß uns ändern den Namen:
Will nicht Quintus, so sei Thais vom Sextus geliebt.
12
Feine Salbe, gesteh' ich, reicht'st du gestern
Deinen Gästen, doch nichts zu essen gab es.
Artig ist es, zu duften und zu hungern.
Wer nicht speiset, Fabullus, und gesalbt wird,
Der erscheint mir wie eine wahre Leiche.
13
Weil du die Küchlein nicht anbrechen willst und die Fische
Und du den Eber, den längst muffigen, Nävia, schonst,
Schiltst und zerreißt du den Koch, da es unverdaulich und roh sei.
Unverdaulichkeit hol' ich mir also da nicht.
14
Es kam nach Rom der Hungerleider Tuccius
Gereiset aus Hispania.
Die Mär der Sporteln ward ihm unterweges kund:
Um kehrt er am Pons Mulvius.
15
Wie mich dünket, so ist Roms größter Gläubiger Cordus.
»Er, der so arme? Wie das?« Weil als ein Blinder er liebt.
16
Kleiner König der Schuster, du gibst Kampfspiele dem Volke,
Und was der Pfriem dir gebracht, raubet dir wider der Dolch.
Trunken bist du gewiß: denn nüchtern tät'st du das nimmer,
Daß du auf deines Fells Kosten zu spielen begehrt'st.
Aber du hast gespielt um dein Fell: doch merke dir's, rat' ich,
Daß du bei deinem Fell, Schuster, dich haltest hinfort!
17
Als bei dem Nachtisch jüngst ein Gebäck man lange herumtrug,
War es so heiß, daß daran arg sich verbrannte die Hand;
Aber es brannte noch mehr des Sabidius Gaumen: er blies drum
Drei-, viermal mit dem Mund, ohne zu zaudern, hinein.
Kühl ward's freilich dadurch und schien die Finger zu dulden,
Aber berühren konnt's keiner: es wurde zu Kot.
18
Daß du den Hals erkältet dir hab'st, beklagst du im Vorwort.
Da dich's entschuldigt, warum, Maximus, liesest du vor?
19
Sehen läßt sich ein Bär, den hundert Säulen benachbart,
Dort, wo künstliches Wild schmücket den Platanushain.
Hylas, der schöne, versucht' im Scherz die geöffneten Kiefer,
Und in den Rachen hinein taucht' er die zierliche Hand.
Aber im Dunkeln verbarg das Erz die verruchteste Viper,
Ach, und das Raubtier war durch ein noch ärg'res beseelt.
Erst am erhaltenen Biß empfand der Knabe die Tücke
Sterbend: daß falsch der Bär war, o wie böses Geschick!
20
Gib, was mein Canius Rufus tut, mir kund, Muse:
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