E-Book, Deutsch, Band 1, 288 Seiten
Reihe: Die Blütenfreundinnen
Martin Die Blütenfreundinnen
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7499-0779-3
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aussicht auf Heidefelder I Roman | Vier Frauen, die Mitten im Leben und doch an Scheidewegen stehen I Feel-Good-Momente in der Lüneburger Heide garantiert
E-Book, Deutsch, Band 1, 288 Seiten
Reihe: Die Blütenfreundinnen
ISBN: 978-3-7499-0779-3
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Es ist dem Zufall geschuldet, dass sich die Wege von Kristin, Lena und Nicole kreuzen. Vergeblich warten sie am Münchner Bahnhof auf den Zug, der sie nach Hamburg bringen soll. Letztlich schließen sich die drei zusammen und fahren im Mietwagen in Richtung Norden. Was als spontane Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich zu einer unerwarteten Freundschaft, die ihren vorläufigen Höhepunkt in der malerischen Lüneburger Heide findet, in der Nicoles Schwägerin Antonia wohnt. Nach einer schmerzhaften Trennung braucht diese moralische Unterstützung. Mit ihr wird aus dem Trio ein unschlagbares Quartett.
Als Antonia erfährt, dass ihr untreuer Ex-Lebensgefährte in der Lotterie gewonnen hat, schmiedet sie einen kühnen Plan. Sie beschließt, den Gewinn für sich einzustreichen. Ob das gutgeht? Ein Roman über Freundschaft, Mut und die unvorhersehbaren Wendungen des Lebens.
Ellen Martin ist das Pseudonym einer gebürtigen Hamburgerin. Die Autorin lebt gemeinsam mit ihrer Golden-Retriever-Hündin Lotte in der Lüneburger Heide. Sie kam erst spät in ihrem Leben zum Schreiben gekommen und veröffentlichte ihr Debüt mit 50 Jahren. Inzwischen hat sie bereits mehr als fünfzig Romane veröffentlicht.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Lüneburger Heide –
an einem Werktag im August
Antonia
Kalter Kaffee
Nicht alle Menschen können von sich behaupten, Erfüllung in ihrer Arbeit zu finden. Antonia gehört zu den Glücklichen, die diesen Luxus genießen können, doch bis es so weit war, musste sie einen langen und verschlungenen Weg zurücklegen.
Die erste Lehre, die sie in einer Konditorei begonnen hatte, brach sie ab, obwohl es für viele der Traumberuf schlechthin sein mag. Der Duft von frisch gebackenem Kuchen und die kunstvoll verzierten Torten lösten bei ihr nicht die erwartete Begeisterung aus. Auf der Suche nach ihrem Platz in der Berufswelt probierte sie es mit einer kaufmännischen Tätigkeit. Der Bürojob erwies sich ebenfalls nicht als das, was sie sich erhofft hatte. Die Monotonie und die fehlende Kreativität trieben sie schließlich dazu, ihre Anstellung zu kündigen und sich der Kunst zuzuwenden.
Im Gesang und Schauspiel sollten ihre Talente liegen, so dachte sie. Doch das war eine grobe Fehleinschätzung, denn der große Durchbruch blieb aus, und all ihre Träume zerplatzten wie Seifenblasen.
Antonias Familie schüttelte jahrelang fassungslos den Kopf über ihre Sprunghaftigkeit. »Wann wird sie endlich erwachsen?«, fragte ihr Vater mehr als einmal.
Mit Mitte dreißig war es so weit. Antonia fand ihre Berufung und ließ sich zur Altenpflegerin ausbilden. Endlich hatte sie eine Aufgabe gefunden, die Sinn und Struktur in ihr Leben brachten. Inzwischen blickt sie auf eine zwölfjährige Berufserfahrung zurück.
In der Seniorenresidenz, in der sie nach wie vor arbeitet, fand sie nicht nur ihre berufliche Bestimmung, sondern traf auch die Liebe ihres Lebens. Maik, ein Mann, den sie als Besucher kennenlernte, wurde zu ihrem festen Partner. Bereits nach vier Wochen zog er bei ihr ein. Seither gehen sie gemeinsam durchs Leben. Zwar können sie keine großen Sprünge machen, aber sie kommen finanziell über die Runden. Sobald seine Kinder aus erster Ehe volljährig werden und er keine Alimente mehr zahlen muss, wollen die beiden die Reisen unternehmen, von denen sie seit Jahren träumen.
Aktuell ist Maik ohne sie verreist. Beruflich. Als Anlagemechaniker für Heizungs- und Klimatechnik nimmt er seit einer Woche in Kassel an einer Produktschulung teil. Gerade erhält Antonia eine Nachricht von ihm.
Mir brummt der Schädel. Ich muss nur noch das Abendessen überstehen, dann lege ich mich sofort hin. Kusssmiley Maik.
Einen Moment bedauert sie ihn, doch dann denkt sie, dass ihm kein Zacken aus der Krone gefallen wäre, wenn er sie kurz angerufen hätte. Gern hätte sie seine Stimme gehört, ihm von Frau Kellermann, einer liebgewonnenen Heimbewohnerin, berichtet, die heute friedlich eingeschlafen ist. Nach all den Jahren nimmt es Antonia noch immer emotional mit, wenn einer ihrer Schützlinge das Zeitliche segnet.
Um sich abzulenken, beschließt sie hinauszugehen und den Rasen zu mähen, obwohl das eigentlich Maiks Part ist. Er ist für den Garten zuständig, sie kauft ein, sorgt für das leibliche Wohl, kümmert sich um die Wäsche und säubert das Haus. Während sie darüber nachdenkt, wird ihr schlagartig bewusst, dass sie einen wesentlich größeren Beitrag leistet als er. Sie nimmt sich vor, diesen Punkt anzusprechen, sobald er zurückkommt.
Mit ganzer Kraft schiebt sie den schweren Motormäher nebst Auffangkorb in geraden Bahnen über das Grundstück, als sich jemand der Gartenpforte nähert. Mit geschärftem Blick nimmt Antonia die Person ins Visier. Sie erkennt Muriel, Maiks Ex-Frau. Was will die denn hier? Die hat ihr gerade noch gefehlt.
»Er ist nicht zu Hause!«, ruft Antonia ihr zu.
»Das weiß ich. Ich bin gekommen, um mit dir zu reden.«
Verwundert stellt Antonia den Mäher aus. Ihr ist nicht klar, was sie mit dieser Frau zu besprechen hätte. Sollte es wieder um das leidige Thema Kindesunterhalt gehen, wird sie bei ihrem festen Vorsatz bleiben, sich auf gar keinen Fall in diesen Dauerstreit einzumischen.
Muriel streckt Zeige- und Mittelfinger in die Luft. Eigentlich bedeutet dieses Handzeichen Peace, aber daran, dass sie in friedlicher Absicht gekommen ist, glaubt Antonia nicht.
»Zwei«, blafft Muriel aufgebracht. »Seit zwei Monaten ist Maik mit seinen Unterhaltszahlungen im Rückstand. Ich bin es wirklich leid. Was denkt er sich? Es sind auch seine Kinder.«
Antonia ist um Contenance bemüht. »Halte mich bitte da raus. Damit habe ich nichts zu tun. Kläre das mit ihm.«
»Das würde ich gern, aber er reagiert nicht auf meine Mails.«
Noch immer ist Antonia die Ruhe selbst. »Vermutlich hat Maik deine Nachrichten noch gar nicht gelesen. Er ist auf einem Seminar in Kassel.«
Muriels Blick spricht Bände. »Seit wann liegt Kassel an der Ostsee?«
»Bitte? Ich habe keine Ahnung, was du meinst.«
»Ahnungslosigkeit scheint ein grundsätzliches Problem bei dir zu sein.«
Das war unverschämt und eindeutig unter der Gürtellinie. Doch Antonia lässt sich nicht beirren. Sie beherrscht sich und lächelt Muriel mit zusammengepressten Lippen an.
»Maik ist nicht in Kassel auf einem Seminar, wie er dir weisgemacht hat, sondern macht Urlaub an der Ostsee. Ich präzisiere: Er verprasst das Geld, das meinen Kindern zusteht, und macht Liebesurlaub in Timmendorfer Strand.«
Antonia schluckt. Einen Moment hat es ihr die Sprache verschlagen, doch sie fängt sich schnell. »Wie kannst du so etwas Ungeheuerliches behaupten? Was versprichst du dir davon? Hast du nach all den Jahren noch immer vor, einen Keil zwischen Maik und mich zu treiben? Lass es, bitte. Ich bin für diesen Zickenkrieg nicht zu haben.«
»Zickenkrieg? Mach endlich die Augen auf! Maik belügt und betrügt dich nach Strich und Faden. Eigentlich sollte es mir egal sein. Aber er lässt im Hotel Seemöwe die Puppen tanzen, während ich nicht weiß, wie ich meine Kinder satt bekomme.«
Antonia ist fest davon überzeugt, dass Muriel nur Ärger stiften will, denn sie gibt nicht auf und insistiert weiter.
»Wenn du mir nicht glaubst, werden dich bestimmt diese Fotos überzeugen.« Sie zückt ihr Handy aus der Hosentasche und stellt es an.
Antonia schaut sich Aufnahmen an, die Maik mit einer fremden Frau im Strandkorb zeigen, beim Essen in einem Restaurant und Arm in Arm auf der Promenade spazierend. Ihr wird sofort klar, dass es sich um aktuelle Aufnahmen handelt, denn Maik trägt das blaue Poloshirt, das sie ihm vor Wochen zum Geburtstag geschenkt hat. Ihr bleibt die Luft weg. »Woher hast du diese Bilder?«
»Von einer Freundin, die ihn erkannt hat. Sie ist davon ausgegangen, dass es sich bei seiner Begleitung um dich handelt und ihr beide eine feudale Auszeit genießt, während ich jeden Euro dreimal umdrehen muss. Die Fotos hat sie mir geschickt, um darzulegen, dass der Mistkerl sehr wohl solvent ist. Er könnte Unterhalt zahlen, wenn er nur wollte, aber er will nicht, weil ihm seine Kinder schnuppe sind. Maik Schneider ist ein Schuft der übelsten Sorte. Das sollte dir jetzt auch klar sein.«
Mit zittriger Stimme bittet Antonia ihre Besucherin zu gehen und sie allein zu lassen.
Als sich die Gartenpforte schließt, fühlt sie sich wie betäubt. Die Bilder auf dem Handy wirken wie ein Schlag ins Gesicht, und die Welt um sie herum beginnt zu verschwimmen. Kraftlos lässt sie sich auf die Gartenbank fallen, versucht die Gedanken zu ordnen, doch alles fühlt sich an wie ein wackeliges Kartenhaus, das gerade zusammenzustürzen droht.
Die guten letzten Jahre mit Maik, die Träume von gemeinsamen Reisen, die scheinbare Harmonie und Loyalität – all das wird von Muriels Enthüllungen überschattet. Antonia kann nicht fassen, dass sie so hintergangen wurde. Der Mann, den sie innig liebt und dem sie blind vertraut hat, zeigt auf den Fotos ein völlig anderes Gesicht.
Wut, Enttäuschung und Verzweiflung kämpfen in ihr um die Vorherrschaft. Wie konnte sie so naiv sein und nicht merken, was er hinter ihrem Rücken treibt?
Was soll sie jetzt tun? Ihn sofort mit den Bildern konfrontieren oder warten, bis er zurückkehrt? Der Tag, der normal begann, nimmt eine unerwartete Wendung. Antonia beschließt, nicht untätig zu bleiben. Sie steht auf, geht ins Haus und schnappt sich ihren Wagenschlüssel.
Als die Sonne langsam hinter den Häusern verschwindet, fährt sie auf die Autobahn in Richtung Norden.
Während der neunzigminütigen Fahrt stellt sie sich darauf ein, Maik in flagranti zu erwischen. Sollte er sagen: »Es ist nicht das, wonach es aussieht«, würde sie für nichts garantieren können.
Sie fährt auf den Hotelparkplatz und stellt ihren Wagen direkt hinter Maiks Firmenwagen ab. Die Blöße, sich an der Rezeption nach seiner Zimmernummer zu erkundigen, gibt sie sich nicht. Sie ruft ihn an.
Er meldet sich nach dem fünften Klingeln mit schlaftrunkener Stimme. »Was gibt es, Toni? Ich war gerade eingeschlafen.«
»Komm raus! Ich will mit dir reden«, antwortet sie in einer Selbstsicherheit, die keinen Widerspruch zulässt.
»Wohin soll ich kommen? Wo bist du?«
»Ich stehe vor deinem Liebesnest und erwarte dich in spätestens fünf Minuten. Ich rate dir, pünktlich zu sein, andernfalls lasse ich meine Wut an deinem Benz aus.«
Er beendet das Gespräch vor ihr, versäumt es jedoch aufzulegen. Antonia wird Ohrenzeuge des nachfolgenden Wortwechsels.
»Verdammt. Meine Ex hat ihre Drohung tatsächlich in die Tat umgesetzt und Toni die Fotos von uns gezeigt. Jetzt ist sie hier und probt den Aufstand.«
»Ach, Schatz«, hört...




