E-Book, Deutsch, Band 2675, 144 Seiten
Reihe: Julia
Mason Herrscher meines einsamen Herzens
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7515-2511-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2675, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-2511-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Leidenschaft Ja - Liebe niemals? Die schöne Bibliothekarin Helia ist verzweifelt! Überstürzt ist sie mit König Vasili Leos eine Vernunftehe eingegangen. Und hat sich dummerweise schon in den Flitterwochen Hals über Kopf in ihren adligen Ehemann verliebt! Dass er sie begehrt, weiß sie: In den Nächten verwöhnt er sie wieder und wieder. Aber dass er nicht an zärtliche Gefühle glaubt, bricht ihr fast das Herz. Alles Gold und allen Luxus ihres neuen Lebens würde sie für drei kleine Worte von Vasili geben: Ich liebe dich ...
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1. KAPITEL
Es war schon erstaunlich, wie gewöhnlich manche Tage erscheinen konnten. Die warme Sonne schien wie immer, die Geräusche in der Luft waren unverändert, die Menschen gingen ihrem normalen Alltag nach. Und doch war alles anders.
Prinz Vasili Leos, Thronfolger des kleinen mediterranen Insel-Königreichs Thalonien im Ionischen Meer, saß im verdunkelten Arbeitszimmer des Privatsekretärs des Königs. Ein Raum, den er immer zu vermeiden versucht hatte. Lediglich ein paar Sonnenstrahlen drangen durch die Jalousien und landeten auf einem hochglanzpolierten Schreibtisch, der komplett leer geräumt war – abgesehen von einem Brief, auf dem sein Name stand.
Ein Brief, der sein ganzes Leben auf den Kopf stellen würde.
Der König von Thalonien war tot. Vasili war jetzt König.
Sein Bruder Leander war mit dem Flugzeug abgestürzt. Es gab keine Überlebenden.
Der Privatsekretär Andreas Kyriakou sagte etwas, doch Vasili hörte kein Wort. Er war wie betäubt. Noch vor wenigen Stunden hatte er mit seinem Bruder, dem rechtmäßigen König, angestoßen. Und jetzt hatte er auf einen Schlag keine Familie mehr, und ihm wurde gesagt, dass es keine Zeit zu verlieren galt.
Vasili hatte nie König werden wollen. Er war nur ein Ersatz für den Notfall gewesen, mehr nicht. Der „Playboy-Prinz“, wie man ihn genannt hatte.
„Eure Majestät – hört Ihr mir zu?“, fragte Andreas.
Nein, Vasili hörte ihm nicht zu. Alles passierte viel zu schnell. Man hatte ihn an diesem Morgen in Andreas’ Arbeitszimmer gerufen, wo ihm ohne Umschweife mitgeteilt worden war, dass sein Bruder verstorben sei. Und statt ihm ein paar Minuten zu geben, damit er sich sammeln konnte, hatte der Privatsekretär sofort Leanders Testament vorgelesen. Und ihm einen Brief überreicht, der im Fall von Leanders Tod an Vasili übergeben werden sollte.
Er starrte den weißen Briefumschlag an. Es war zu früh für diesen Brief … Viel zu früh.
„Ihr müsst den Thron besteigen, und zwar so schnell wie möglich. Ihr müsst Euch an das Volk wenden und zeigen, dass die Monarchie diese Tragödie überstehen wird.“
Vasili ballte die Hände zu Fäusten. Er hatte noch nicht einmal richtig begriffen, dass sein Bruder tot war, und Andreas wollte bereits über die Thronnachfolge reden. Thalonien hatte jetzt also einen 29-jährigen König … Einfach lächerlich. Genauso lächerlich wie die Tatsache, dass sein Vater ihm einen Brief geschrieben hatte. Noch einen.
Den ersten Brief hatte Vasili vor knapp einem Jahr erhalten, als sein Vater gestorben war; ein Mann, der nie viel für seinen jüngsten Sohn übriggehabt hatte. Dieser Brief war bereits ungelesen im Kaminfeuer gelandet, und Vasili sah keinen Grund, es mit dem zweiten anders zu machen.
Nach dem Tod ihres kranken Vaters war das Königreich in Trauer versunken und Leander hatte den Thron bestiegen – eine Rolle, auf die dieser sein ganzes Leben lang vorbereitet worden war. Er, und nicht Vasili. Aber nun war auch sein Bruder tot, und es lag an ihm, die Sorgen und Ängste des Volkes zu beschwichtigen …
„Ich weiß, dass Ihr das im Moment nicht hören wollt, aber Thalonien braucht jetzt Stabilität, Eure Majestät. Und das obliegt Eurer Verantwortung.“
Vasili hätte am liebsten laut gelacht. Alle wussten, dass er nur der Reservekönig war. Dieser Meinung waren auch seine Eltern gewesen, die ihm dementsprechend wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatten. Leander war schließlich derjenige gewesen, der eines Tages das Land anführen sollte.
Und so war Vasili von einem Kindermädchen großgezogen worden. Sie hatte sich um ihn gekümmert, ihn unterstützt … Hatte ihm die Liebe und Zuwendung gegeben, die er von seinen Eltern nie bekommen hatte. Sie war die einzige Person gewesen, auf die Vasili immer zählen konnte. Aber das hatte seine Eltern nicht davon abgehalten, sie zu entlassen, sobald er 15 geworden war. Da hatte er endlich begriffen, dass es niemanden kümmerte, was er dachte oder wollte.
Also hatte er einen Entschluss gefasst: Er war seiner Familie egal? Dann würde ihn das Königshaus und alles, was dieses repräsentierte, auch nicht mehr kümmern. Vasili war zum rebellischen „Playboy-Prinzen“ geworden und hatte einen hedonistischen Lebensstil angenommen – denn das war es, was seine Eltern am meisten aufzuregen schien.
Das alles hatte der Beziehung zu seinem großen Bruder allerdings nie geschadet. Sie standen sich vielleicht nicht ganz so nahe wie andere Geschwister, aber Vasili hatte immer zu Leander aufgeschaut. Und jetzt war der Bruder nicht mehr da. Ohne Vorwarnung oder die Möglichkeit, sich verabschieden zu können, war er verschwunden. Vasili würde Leander nie wiedersehen. Sein Bruder war tot, und alles, was er jetzt noch hatte, war ein Berater, den er nicht ausstehen konnte, und ein Königreich, das er enttäuschen würde.
Vasili schloss einen Moment lang die Augen. Die Realität seiner Situation brach mit einem Mal über ihn herein … Seine Mutter war schon vor langer Zeit verstorben, und sein Vater vor einem Jahr. Leanders Tod bedeutete, dass er nun völlig allein war.
Dieser große und prächtige Palast im Rokoko-Stil – das Juwel von Seidon, Thaloniens Hauptstadt, und seit Generationen Sitz seiner Familie – hatte sich noch nie so leer angefühlt wie jetzt.
Natürlich hatte Vasili Freunde. Eine ganze Menge sogar. Leute, die genauso gern feierten wie er und immer auf eine gute Zeit aus waren. Und doch hatte er niemanden, den er in diesem Augenblick hätte anrufen können. Niemanden, an den er sich zur Unterstützung hätte wenden können.
Ich werde allein damit fertigwerden müssen. So wie ich es schon immer tun musste.
„Eure Majestät“, meldete sich Andreas wieder zu Wort, diesmal mit Nachdruck. „Ihr müsst die Situation akzeptieren. Thalonien braucht seinen König!“
Vasili begann, wütend zu werden … Er hatte nur einen kurzen Moment gewollt – nein, gebraucht –, um die Nachricht vom Tod seines Bruders verdauen zu können und sich für das, was die Zukunft nun zweifellos für ihn bereithielt, zu wappnen.
„Wir müssen jetzt auch an die Thronfolge denken. Ihr müsst eine angemessene Braut finden und so schnell wie möglich einen Erben zeugen, damit …“
„Das reicht!“, stieß Vasili aus. Er stand auf, nahm den Brief und verließ das dunkle Arbeitszimmer – nicht ohne dabei die Tür hinter sich zuzuknallen.
Seine Schritte hallten durch die marmornen Flure des Palastes, während er versuchte, so viel Abstand wie möglich zwischen sich und Andreas zu bringen. Wut und Trauer drohten, ihn zu überwältigen. Es gab nur einen Ort, an dem er jetzt Zuflucht finden würde … Er stieß eine vergoldete Tür auf und betrat die größte und prächtigste Bibliothek des Königreichs.
Eine willkommen Stille legte sich um ihn. Er setzte sich auf einen gemütlichen Sessel in einer Ecke des Raums und schloss die Augen.
Vasili war dankbar dafür, dass er die Bibliothek für sich hatte und ihm auf diese Weise ein kurzer Moment des Friedens gewährt wurde. Er versuchte, seine Gedanken zu sammeln … Hatte man den Körper seines Bruders bergen können? Niemand hatte daran gedacht, ihm diese Information zu geben. Alles, was die Leute um ihn herum zu interessieren schien, war, dass er so schnell wie möglich seinen königlichen Aufgaben nachging. Die Tatsache, dass er gerade seinen Bruder verloren hatte, war reine Nebensache.
Diese Institution ist noch herzloser, als ich dachte …
In diesem Moment öffnete sich die Tür, und Andreas betrat die Bibliothek – gefolgt von Carissa, der Pressesprecherin des Königshauses.
Vasilis bereits gefährlich düstere Stimmung verschlechterte sich noch mehr.
„Eure Majestät.“ Andreas’ Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er das Verhalten seines neuen Königs aufs Äußerste missbilligte. „Ihr könnt vor dieser Verantwortung nicht weglaufen!“
„Ich bitte Euch, Eure Majestät …“, sagte auch Carissa beschwichtigend und setzte sich auf einen Stuhl neben ihm. Sie war groß, hatte blonde Haare, die zu einem strengen kinnlangen Bob geschnitten waren, und trug einen dunklen Anzug. „Hört zu, was wir zu sagen haben, und dann können wir gemeinsam entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Das ist eine schwierige Situation, aber wir wollen alle nur das Beste fürs Königreich.“
Vasili stieß ein humorloses Lachen aus.
„Sie hat recht“, fügte Andreas hinzu. „Es ist dringend notwendig, dass Ihr auf uns hört. Ihr müsst unbedingt heiraten und einen Erben zeugen. König Leander hat versäumt, dies zu tun, und jetzt befindet sich die Krone in einer prekären Lage.“
Vasili neigte den Kopf zur Seite und musterte den Privatsekretär. „Lasst mich raten … Es ist meine Pflicht, die Monarchie zu retten?“
„Natürlich. Thalonien braucht einen König“, erwiderte Andreas.
Vasili schüttelte den Kopf. Er war versucht, alles hinzuschmeißen … Die Monarchie war schließlich der Grund dafür, weshalb er für seine eigene Familie zweitrangig gewesen war. Und hatte er nicht sein ganzes Leben damit verbracht, gegen das Königshaus zu rebellieren?
Dazu kam, dass er nicht für die Ehe gemacht war. Es war ihm lieber, hier und da eine Nacht mit einer wunderschönen Frau zu...




