May | Die Sklavenkarawane | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 41, 560 Seiten

Reihe: Karl Mays Gesammelte Werke

May Die Sklavenkarawane

Erzählung aus dem Sudan, Band 41 der Gesammelten Werke
veränderte Aufl
ISBN: 978-3-7802-1541-3
Verlag: Karl-May-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erzählung aus dem Sudan, Band 41 der Gesammelten Werke

E-Book, Deutsch, Band 41, 560 Seiten

Reihe: Karl Mays Gesammelte Werke

ISBN: 978-3-7802-1541-3
Verlag: Karl-May-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Sudan unterdrücken gewissenlose Ausbeuter die Dörfer der Eingeborenen, plündern und morden und verkaufen die Bewohner an ebenso gewissenlose Händler. Deutsche Forscher stossen auf den schlimmsten aller Sklavenräuber, den "Vater des Todes". Gefährliche Abenteuer stehen ihnen bevor...
Die vorliegende Erzählung spielt in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts.

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Das war natürlich alles viel, viel schneller geschehen, als es erzählt werden kann, doch in solchen Fällen werden die Augenblicke zu Sekunden und die Sekunden zu Minuten und der Geist des Menschen arbeitet so rasch, dass zehn Entschlüsse sich in der Zeit folgen, die sonst ein einziger Gedanke erfordert. Die drei mutigen Männer hatten keine Zeit, sich zu überzeugen, ob der Löwe tot sei. Obgleich ihre Aufmerksamkeit zunächst auf ihn gerichtet gewesen war, hatten sie doch ein zweites Brüllen, das gleich nach dem Krachen der Gewehre von fern erschollen war, nicht überhören können. Der Slowak war aufgesprungen, Abu Dihk ebenfalls. Sie lauschten, sie vernahmen die Stimme eines zweiten Löwen. Diese erklang aber nicht in einzelnen Abständen wie diejenige des ersten, sondern sie ertönte ununterbrochen fort, nicht so mächtig, nicht mit so donnerndem Schall, sondern in dumpf keuchender Wut; es war ein bissiges, nach Blut lechzendes Stöhnen, aus dem von Zeit zu Zeit ein knirschender Gaumenlaut hervorbrach wie eine verderblich züngelnde Flamme aus verborgener Glut. Man hörte dieser Stimme deutlich an, dass das Tier sich in raschen Sätzen näherte. Da dort, wo die drei standen, das Feuer ausgelöscht worden war, befanden sie sich im dunklen Schatten des Felsens und konnten von den Arabern und Dschelabis nicht gesehen werden, und die Letzteren wussten also nicht, welchen Verlauf der Angriff des Löwen genommen hatte. „Allah il Allah!“, hörte man die Stimme des Schechs. „Assad Bei, der Herdenwürger, hat alle drei ermordet und liegt nun bei ihren Leichen, um sie aufzufressen. Er hatte seine Frau bei sich, welche die Schüsse hörte und nun herbeigestürzt kommt, um ihm zu helfen. Sie wird sich auf uns werfen und uns zerreißen. Eure Leiber sind verloren, aber rettet eure Seelen, indem ihr mit mir die Sure Jesin betet und dann auch die Sure der Gläubigen, welche die dreiundzwanzigste des Korans ist!“ „Schweig!“, rief Schwarz ihm zu. „Wir leben und der Löwe ist tot. Durch dein Geschrei machst du seine Sultana auf dich aufmerksam und sie wird dich fassen!“ „Allah kehrim – Gott ist gnädig!“, antwortete der Feigling. „Ich bin still! Aber schießt sie tot, die Sultana; schießt auch sie tot, damit sie mit ihrem Mann dahin fahre, wo die Hölle am schrecklichsten ist!“ Obgleich Schwarz dem Schech geantwortet hatte, war er bemüht, jeden Augenblick auszunützen. Er zog zwei Patronen hervor, um seinen Hinterlader wieder schussfertig zu machen. „Es ist wirklich die Löwin, welche kommt“, sagte der Slowak. „Ich muss auch wieder laden. Wo habe ich nur...“ Er suchte in seinen Hosentaschen nach der Munition. „Unsinn!“, entgegnete der Deutsche. „Ehe du fertig bist, ist die Löwin da. Bringt euch in Sicherheit! Abu Dihk ist auch wehrlos, da sein Spieß zerbrochen ist. Macht euch fort!“ „Aber meine Kugel wiegt ein ganzes Viertelpfund, während die deinige...“ „Fort, fort!“, unterbrach ihn Schwarz. „Sonst bist du verloren!“ Er war mit dem Laden fertig und kniete wieder an derselben Stelle nieder, wo er sich vorher befunden hatte. Er sah sich nicht nach den beiden um und bemerkte also nicht, dass sich nur der ‚Vater des Gelächters‘ zurückzog. Uszkar Istvan, zu deutsch Stephan Pudel, aber blieb. Er drängte sich zwei Schritte weit in das Gestrüpp hinein und lud dort sein Gewehr, was freilich nicht in einigen Augenblicken abgemacht werden konnte. Die Munition hatte er endlich im Gürtel gefunden, wohin sie vorhin, als er sich zum Kampf rüstete, von ihm gesteckt worden war. Die Stimme der Löwin ertönte jetzt ganz nahe. Das ergrimmte Tier blieb auf der Fährte des Löwen, wendete sich also erst nach der Seite, wo das Feuer brannte, und kam dann nach der anderen herüber. Dadurch gewann der Slowak Zeit, mit seiner Donnerbüchse fertig zu werden. Man hörte jeden Satz, den die Löwin machte, nicht etwa aus dem Geräusch, das ihre Pranken auf der Erde hervorbrachten, sondern aus den einzelnen Ansätzen ihrer Stimme. Sie bog um das Gestrüpp, jetzt erschien sie an dessen Ecke. Gewiss wäre sie in ihrer blinden Wut weiter und an Schwarz vorübergesprungen, wenn dieser nicht, um sie auf sich aufmerksam zu machen, sich hoch aufgerichtet hätte. Sie sah ihn, flog, da sie nicht sofort anzuhalten vermochte, zur Seite gegen den Felsen und duckte sich dort nieder, um den Sprung abzumessen. Er kniete augenblicklich wieder nieder und richtete den Lauf auf sie. Am Felsen war es dunkler, ihre Gestalt war selbst in den Umrissen nur schwer zu erkennen. Die Löwin war vom Zorn aufgeregt, also musste Schwarz annehmen, dass ihr Sprung nicht in der vorhin bei dem Löwen beschriebenen Weise, sondern viel schneller, hastiger erfolgen werde. Es stand nicht zu erwarten, dass sie die Augen langsam öffnen werde. Diese Voraussetzung war sehr richtig, denn kaum hatte sie sich niedergeduckt, so glühten ihre Augen wie grüngelb schillernde Kugeln auf. Es war ein einziger Moment, im nächsten sprang sie gewiss. Schwarz musste abdrücken, ohne mit der nötigen Genauigkeit zielen zu können. Sein Schuss blitzte auf – zu gleicher Zeit flog die Löwin unter wütendem Gebrüll durch die Luft auf ihn zu. Sein zweiter Schuss krachte; dann ließ er das Gewehr fallen und warf sich – nicht wie vorhin zur Seite, sondern ganz richtig berechnend, vorwärts, sodass er mit eng an den Leib gezogenen Armen und Beinen sich zweimal überkugelte und wohl fast zwei Meter von seinem Platz entfernt zu liegen kam. Dort sprang er augenblicklich wieder auf, riss das Messer heraus und wendete sich nach dem Tier um. Hätte er nicht die Arme und Beine an sich gezogen, sondern in mehr erhobener Stellung seinen Platz verlassen, so wäre er von der Löwin erfasst worden. So aber befand er sich jetzt unbeschädigt hinter ihr. Sie musste das wissen, sie musste sich jetzt nach ihm umwenden – so dachte er, aber sie tat es nicht. Ihr Auge war auf den vor ihr liegenden Löwen gefallen, ein kurzer Sprung, sie stand vor ihm, stieß ihn mit der Schnauze an, einmal, zweimal, drei-, viermal; dann hob sie den Kopf und stieß ein Geheul aus, ein lang gezogenes, wahrhaft haarsträubendes, das – – – durch einen Schuss unterbrochen wurde: Der ‚Vater der elf Haare‘ war behänd aus dem Gestrüpp getreten und hatte, die Mündung seines Elefantenmörders ganz nahe an ihren Kopf haltend, ihr die ‚ein ganzes Viertelpfund‘ wiegende Kugel gegeben. Wie von einem kräftigen Stoß getroffen, flog die Löwin zur Seite, fiel zur Erde, raffte sich wieder auf und wendete den Kopf gegen den neuen Feind. Dieser hatte sein schweres Gewehr schnell umgekehrt und arbeitete, es beim Lauf haltend, nun mit dem eisenbeschlagenen Kolben auf den Schädel des Tieres los, indem er dabei schrie: „Allah rhinalek, Allah iharkilik, ia afrid el afrid! Ehsch khalak, ia kelb, ja kelbe, ia omm el kilab – Gott verfluche dich, Gott verbrenne dich, du Teufel aller Teufel! Wie befindest du dich, du Hund, du Hündin, du Mutter der Hunde?“ Seine Verwegenheit wäre ihm wohl schlecht bekommen, wenn ihm die Kugel nicht vorgearbeitet hätte. Das Tier war auf den Tod getroffen, es hatte keine Kraft mehr zur Gegenwehr und brach unter seinen Schlägen zusammen. „Da liegt sie!“, rief er triumphierend aus. „Hier zu meinen Füßen liegt sie. Ich habe sie erschlagen wie eine Katze. Sie hat nicht den Mut gehabt, mir ihre Zähne und Krallen zu zeigen. Komm her und schaue sie an!“ Er beugte sich zu ihr nieder, um sie anzufassen, doch Schwarz zog ihn zurück und sagte: „Sei vorsichtig! So ein Tier hat ein zähes Leben und noch wissen wir nicht, ob es wirklich tot ist. Wir wollen sicher gehen.“ Er lud sein Gewehr und gab dem Löwen und der Löwin noch je eine Kugel vor die Stirn. Die Letztere zuckte noch einmal zusammen, sie war also doch noch nicht ganz tot gewesen. Die beiden hatten laut gesprochen, waren also von den anderen gehört worden. Jetzt fragte Abu Dihk, indem er sich langsam näherte: „Habt ihr gesiegt? Darf man kommen?“ „Ja“, antwortete der Slowak, „wir haben gesiegt. Ihr könnt kommen, unsere Heldentat zu preisen, denn der Würger der Herden ist hinübergegangen in das Land des Todes und seine Frau mit ihm. Sie sind durchbohrt worden von den Kugeln und niedergeschlagen von dem Kolben meines glorreichen Katil elfil, dem niemand widerstehen kann.“ Abu Dihk kam herbei und ergriff erst den Löwen, dann die Löwin bei den Pranken, um sie hin und her zu zerren und sich von ihrem Tod zu überzeugen. „Sieh, wie sie es sich gefallen lassen!“, sagte der kleine Stephan stolz, indem er sich seine ‚elf‘ Barthaare strich, „Nachdem wir mit diesen Löwen durch unsere Kugeln gesprochen haben, kannst du mit ihnen wie mit jungen Katzen spielen.“ „Hadschi Ali hat auch mitgesprochen“, erinnerte ihn Schwarz. „Der Tapfere hat bei uns gekniet und den Löwen mit dem Spieß empfangen. Wir werden bald erfahren, wer von uns dreien ihm und ihr den Tod gebracht hat; demjenigen, der ein Tier erlegt, gehört das Fell. Jetzt holt einen Brand herbei, damit wir das Feuer wieder anbrennen.“ Obgleich die Araber und Dschelabi jedes Wort hörten, getrauten...



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