Mayer | Ballet School - Die große Entscheidung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 192 Seiten

Reihe: Ballet School

Mayer Ballet School - Die große Entscheidung

Die Kinderbuchreihe über Ballett der SPIEGEL-Bestsellerautorin | Mädchen im Leistungssport | Tanz-Akademie in London
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7488-0249-5
Verlag: Dragonfly
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Kinderbuchreihe über Ballett der SPIEGEL-Bestsellerautorin | Mädchen im Leistungssport | Tanz-Akademie in London

E-Book, Deutsch, Band 3, 192 Seiten

Reihe: Ballet School

ISBN: 978-3-7488-0249-5
Verlag: Dragonfly
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Herzschmerz und Intrigen: das große Finale der »Ballet School«-Trilogie von Bestsellerautorin Gina Mayer

Mitten im Schuljahr kommt plötzlich ein neuer Schüler in Aprils Klasse an der Royal Ballet School - Younes. April findet ihn faszinierend - aber ihre Gefühle für den begabten und geheimnisvollen Raoul sind ebenfalls noch stark. Das wird April schmerzlich bewusst, als sie herausfindet, dass Raoul ein Angebot aus New York bekommen hat. Als Mr de Waal, der gefürchtete Lehrer für Klassisches Ballett, ihrem Freund Wylie das Leben regelrecht zur Hölle macht, gerät Wylies Zukunft an der Ballettschule mehr und mehr in Gefahr. Was wird aus seinem Traum - und was aus Aprils?

Für alle, die die Magie der Ballett-Welt lieben



Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafikdesign und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an Romanen für Kinder, Jugendliche sowie einige Erwachsenenromane veröffentlicht. Ihre Werke standen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Gina Mayer lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf. Weitere Infos: https://ginamayer.de/

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1


Wylie und ich rasen die Treppe zum zweiten Stock hoch. Als wir oben angekommen sind, keuchen wir beide, als ob wir bereits eine Stunde Balletttraining hinter uns hätten. Dabei hat der Unterricht noch gar nicht angefangen. Also, hoffentlich jedenfalls.

»Sind wir im kleinen Saal oder im Eckstudio?«, stoße ich atemlos hervor.

»Eckstudio, glaub ich«, sagt Wylie. »Mist, die Tür ist zu. Die sind alle schon drin.« Er hastet an mir vorbei zum Ende des Ganges.

Wir haben beim Frühstück total die Zeit vergessen. Daran ist Wylie schuld, der zum Essen unbedingt nach draußen gehen wollte. Obwohl es erst Ende März ist und eigentlich noch viel zu kalt, um im Freien zu frühstücken.

Weil wir als Einzige draußen saßen – kein anderer war so bescheuert wie wir –, haben wir nicht mitbekommen, wie die Mensa immer leerer wurde. Als Wylie auf die Uhr schaute, war es kurz vor acht. Und um acht beginnt der Unterricht.

Jetzt haben wir drei Minuten Verspätung. In meiner früheren Schule wäre das kein Problem gewesen, da kamen sogar die Lehrer zu spät zur ersten Stunde. Aber in der Royal Ballet School ist Unpünktlichkeit ein absolutes No-Go. Die Tage sind hier so vollgestopft mit Tanzstunden, Theorie, Kraftsport und den normalen Fächern, wer das alles schaffen will, muss superdiszipliniert und organisiert sein.

Zu allem Überfluss haben wir heute in der ersten Stunde auch noch eine neue Lehrerin. Mrs Cholewa wird unsere Klasse künftig in Pas de deux unterrichten. Früher war sie Erste Solistin in der Semperoper in Dresden. Vor ein paar Jahren hat sie einige Monate lang in der Royal Opera in London getanzt – Sasha und Yue haben sie damals sogar gesehen.

Mrs Cholewa ist schon länger an der Schule, aber für uns ist sie neu, und obwohl Wylie und ich genau wissen, dass der erste Eindruck der entscheidende ist, kommen wir zu spät zu ihrem Unterricht.

Wylie öffnet behutsam die Tür, ohne vorher anzuklopfen. Vielleicht können wir uns irgendwie unbemerkt in den Raum schleichen.

Doch nun sehe ich, dass Wylie wie angewurzelt auf der Schwelle stehen bleibt.

Über seine Schulter werfe ich einen Blick in den lichtdurchfluteten Saal mit den hohen Fenstern. Keine Mrs Cholewa, keine Klasse.

»Was wollt ihr denn hier?«, fragt eine schneidende Stimme.

Wylie öffnet den Mund, aber es kommt kein Laut heraus. Und jetzt erst bemerke ich Mr de Waal, unseren Lehrer für Klassisches Ballett, der neben der Musikanlage steht. Die Peitsche, wie er in der Schule auch genannt wird. Mr de Waal ist nämlich superstreng. Er hat ein schmales Gesicht mit hoher Stirn und scharfe Falten neben dem Mund. Sein Körperbau ist athletisch, man sieht Mr de Waal an, dass er sein Leben lang getanzt hat.

»Ist Mrs Cholewa nicht hier?«, frage ich an Wylies Stelle. Eine bescheuerte Frage, die Antwort ist ja wohl offensichtlich.

»Die sind in den gelben Saal umgezogen.« Mr de Waal wirft einen Blick auf seine Uhr. »Wenn ihr pünktlich gewesen wärt, hättet ihr es mitbekommen.«

»Alles klar«, sage ich und greife an Wylie vorbei zur Türklinke, um die Tür so schnell wie möglich wieder zuzuziehen. Mr de Waal ist mit Abstand der unangenehmste Lehrer in der Junior School, ich hab echt keine Lust auf eine Moralpredigt. Aber leider ist die Peitsche schneller.

»Wo ich dich gerade sehe, Ryan«, sagt er. »Du kommst heute Nachmittag um vier ins kleine Studio im ersten Stock.« Aus irgendeinem Grund nennt Mr de Waal Wylie immer beim Nachnamen. »Der Kollege Enzo ist ebenfalls dabei, dem hab ich schon Bescheid gegeben.«

»Was?«, fragt Wylie. Sein Wangen glühen auf einmal so rot wie seine Haare, und seine Stimme klingt knarzig, als wäre sie eingerostet. »Wieso?«

»Sondertraining. Eure Darbietung gestern war unter aller Kanone. Da müssen wir noch mal ran.«

In der letzten Ballettstunde hat Mr de Waal ununterbrochen auf Wylie und Enzo rumgehackt, weil sie eine Sprungsequenz nicht sauber ausgeführt haben. Seine abfälligen Bemerkungen waren allerdings alles andere als hilfreich. Am Ende waren beide so fertig, dass sie komplett versagten. Wylie hatte Tränen in den Augen, als er den Übungssaal endlich verlassen durfte. Das ist der Peitsche bestimmt nicht entgangen.

Wylie ist ein super Tänzer, er bewegt sich kraftvoll, sicher und ausdrucksstark, alle Lehrer sind mit ihm zufrieden. Nur Mr de Waal hatte ihn von Anfang an auf dem Kieker. Er kritisiert Wylie nicht nur – er macht sich über ihn lustig und führt ihn vor der ganzen Klasse vor.

An Wylies Stelle wäre ich schon hundertmal ausgerastet und hätte der Peitsche so richtig die Meinung gesagt. Wenn er mich danach rausgeschmissen hätte – egal. Aber das macht Wylie nicht, er ist viel zu nett, um laut zu werden.

Stattdessen sackt er in sich zusammen, wenn Mr de Waal auf ihm rumtrampelt. Das ist das Schlimmste, was man tun kann. Die Peitsche hasst ängstliche und unsichere Menschen und piesackt sie nur noch mehr, wenn sie sich nicht wehren.

Meine Freundin Shasa und ich haben alles Mögliche versucht, um Wylie aufzubauen. Wir haben es sogar schon mit Rollenspielen versucht. Solange eine von uns die Peitsche spielt, klappt das super. Wylie steht aufrecht und selbstbewusst vor uns und sagt uns mit klarer, lauter Stimme die Meinung.

Aber sobald er dann den richtigen Mr de Waal vor sich hat, fällt er in sich zusammen wie ein undichter Fußball.

»Um vier … äh … da kann ich leider nicht«, stammelt Wylie. »Wir haben da Kunst.«

»Ich hab das schon geklärt«, sagt die Peitsche. »Ihr seid freigestellt. Aber jetzt macht mal, dass ihr in den Unterricht kommt, ihr verpasst ja die halbe Stunde.«

Mrs Cholewa hat ein schmales, fast durchsichtig wirkendes Gesicht. Ihre Augen sind hellblau, die Wimpern weiß, und die hellblonden Haare hat sie zu einem schweren Dutt gebunden. Ihre Lippen sind knallrot geschminkt, sie leuchten richtig auf ihrer blassen Haut. Das sieht echt krass aus.

Sie nickt nur kurz, als Wylie und ich den Raum betreten und unsere Entschuldigung herausstammeln.

»Setzt euch hin«, sagt sie. »Und seid beim nächsten Mal pünktlich.«

Wir verdrücken uns zum Rest der Klasse, der vor der Lehrerin auf dem Boden hockt. Mrs Cholewa steht in sehr aufrechter Haltung vor der Spiegelwand.

»Also, weiter im Text«, greift sie ihren Faden wieder auf. »Das Thema Romantik wird in den nächsten Monaten im Mittelpunkt stehen. Bis zum Schuljahresende werde ich mit euch einen Pas de deux aus einem großen Ballett einstudieren. Ja?«

In der ersten Reihe hat sich Heidi gemeldet.

»Im letzten Jahr durfte ein Paar aus der ersten Stufe bei der Abschluss-Gala tanzen. Ist das dieses Jahr wieder so?«

Die Abschluss-Gala ist ein gemeinsamer Ballettabend der Junior und Senior School, der jedes Jahr im Sommer im Royal Opera House stattfindet. Obwohl es erst April ist, kriegt man bereits jetzt keine Tickets mehr für die Veranstaltung – die Gala ist immer schon Monate vorher ausverkauft. Und es kommen beileibe nicht nur die stolzen Eltern und Angehörigen der Schüler, um zuzuschauen, sondern alle möglichen wichtigen Leute aus der Tanzszene. Bei der Gala einen Pas-de-deux zu tanzen, wäre ein Traum für jeden von uns.

»Ja«, sagt Mrs Cholewa knapp. »Es wird dazu eine Audition geben, an der auch die Parallelklasse teilnimmt. Aber darüber informiere ich euch noch.«

»Na super. Noch mehr Stress«, murmelt Dimitri, der neben mir sitzt.

Die letzten Monate des Schuljahres haben es ohnehin schon in sich. Denn zum Schuljahresende wird in der Royal Ballet School ausgesiebt. In jedem Jahrgang müssen ein oder zwei, manchmal auch drei Leute gehen, die die hohen Anforderungen der Schule nicht erfüllen. Das ist bitter, weil wir ja alle erst vor Kurzem die Aufnahmeprüfung bestanden haben.

Ich hoffe so sehr, dass ich es ins nächste Schuljahr schaffe. Für mich ist es eine besondere Herausforderung – meine Klassenkameraden haben mit vier oder fünf Jahren mit dem Ballettunterricht begonnen, ich dagegen tanze erst seit zweieinhalb Jahren. Und einige in der Schule sind überzeugt, dass ich es nicht wegen meines Talents auf die Royal Ballet Academy geschafft habe, sondern allein wegen meiner Mutter.

»So.« Mrs Cholewa richtet sich noch ein bisschen gerader auf. »Jetzt fangen wir aber mal mit dem Training an. Wir beginnen mit einem Warm-up.«

Während wir aufstehen, gleiten ihre hellblauen Augen über unsere Gruppe. Ihre roten Lippen bewegen sich lautlos, während sie zählt.

»Elf«, sagt sie dann. »Ah, ihr seid also die Klasse mit der ungeraden Schülerzahl.«

Keiner wendet den Kopf zu mir, ich habe trotzdem das Gefühl, dass mich alle im Raum anstarren.

In den anderen Klassen ist das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen ausgeglichen, nur bei uns gibt es ein Mädchen zu viel. Das bin ich.

Ich wurde zusätzlich in die Klasse aufgenommen, als Extrawurst sozusagen. Im Pas-de-deux-Unterricht ist das sehr ungünstig, weil immer ein Mädchen übrig bleibt, das keinen Partner hat. Und es schreit geradezu danach, dass am Ende eine Schülerin gehen muss.

Jetzt erst bemerke ich, dass Wylie als Einziger sitzen geblieben ist. Er hat das Kinn auf die angezogenen Knie gelegt und ist mit seinen Gedanken ganz woanders – und ich weiß auch, wo.

»Wylie«, zische ich ihm zu. »Warm-up.«

Er fährt nach oben, als ob ich ihn getreten hätte.

»Alles okay?«, flüstere ich ihm zu.

Er antwortet nicht. Ist...



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