E-Book, Deutsch, 408 Seiten
Mayer Das Hintergrundradio
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-7140-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Dualseelengeschichte
E-Book, Deutsch, 408 Seiten
ISBN: 978-3-7543-7140-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im Mai 2019 treffen Jochen und Anna "zufällig" in einer Kneipe aufeinander. Zwei hochsensible, alte Seelen, die sehr schnell ihre tiefe Seelenverbundenheit zueinander erkennen. Durch tiefgreifend schöne, aber auch sehr schmerzvolle Momente werden sie daraufhin schonungslos mit all ihren ungelösten Lebensthemen konfrontiert. Aus einer Eingebung heraus schreibt Anna ihre Geschichte chronologisch anhand des WhatsApp Chats der Beiden nieder. In Zeitsprüngen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die weit über ein Leben hinausreichen, erfährt man neben der Geschichte als solche, Vieles über Hochsensibilität, Dualseelen, Traumdeutung, Heilkunde und über Erd- und Naturverbundenheit im weitesten Sinne. Abgerundet durch Annas Träume und Visionen, Rückblicke in ihr bisheriges Leben und ihre gedankliche Aufarbeitung in Form eines Tagebuchs, formt sich für den Leser und die Leserin ein Bild dessen, wie Anna das erste gemeinsame Jahr mit Jochen erlebt und verarbeitet hat.
Andrea Mayer wurde 1968 in Oldenburg, Niedersachsen geboren und ist in einem kleinen Dorf nahe Bad Zwischenahn aufgewachsen. Dort verlebte sie, unterbrochen von zwei prägenden Jahren auf der Insel Wangerooge, auch ihre Jugend. Seit ihrem achtzehnten Lebensjahr nennt sie Oldenburg ihre Heimat. Nach mehreren Ausbildungen und beruflichen Stationen arbeitet sie heute als ganzheitliche Gesundheits- und Lebensberaterin für hochsensible Menschen und ist freie Autorin. Das Schreiben ist für sie seit frühester Kindheit ein Ventil und später im Leben zu einer besonderen Leidenschaft geworden. Im Jahr 2021 veröffentlicht sie ihr erstes Buch: Das Hintergrundradio.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Anna und Jochen, die erste Begegnung, 29.05.2019 Ich habe keine Ahnung, ob es richtig ist heute zum HSP Stammtisch zu gehen. Ich möchte Kontakt zu anderen hochsensiblen Menschen finden. Aber meine Erfahrung zeigt, dass zu diesem Treffen häufig Menschen kommen, die keine hochsensiblen Personen sind. Das macht es schwierig für mich mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Woran das liegt? Die traumatisierte Vergangenheit eines Menschen kann zu einer überhöhten Wahrnehmung führen, die aber nicht angeboren und somit keine Hochsensibilität im herkömmlichen Sinne darstellt. Dieses Phänomen nennt man Hypervigilanz, die oft in Begleitung einer posttraumatischen Belastungsstörung auftritt. „Hochsensibel“ ist mittlerweile zu einen Modebegriff geworden, oft genutzt von Menschen mit psychischen Problemen aller Art, die bei ihren Internetrecherchen auf das Thema HSP stoßen und sich darin wiederfinden. Ihre erworbene Empfindlichkeit wird dort genau beschrieben und sie bestehen jeden der vielen HSP Tests im Netz. Es gibt aber einen gravierenden Unterschied zwischen ihnen und den echten HSP, die, so wie sie sind, geboren werden und deren Fähigkeiten in der Regel von Generation zu Generation vererbt werden. So, wie es bei mir ist. Man unterscheidet Hochsensible Personen in zwei Gruppen: die introvertierten und die kleinere Gruppe der extrovertierten Menschen. Mittlerweile glaube ich, dass zu einem Stammtisch in einer Kneipe hauptsächlich die extrovertierten Vertreter dieser Spezies auftauchen. Während die eher in sich gekehrten Menschen in Ruhe zu Hause bleiben. Vielleicht ist auch das der Grund, dass ich hier so selten auf echte Gleichgesinnte treffe. Ich selber bezeichne mich eher als introvertiert. Ich empfinde so einen Kneipenbesuch als sehr anstrengend, gehe aber immer mal wieder hin, um Menschen zu treffen, die ähnlich ticken, wie ich. Hochsensibilität ist eine angeborene Disposition des Nervensystems und führt zu einer erhöhten Aufnahmefähigkeit von Reizen und einer längeren, aber auch gründlicheren, Verarbeitungszeit derselben im Gehirn. Von Hochsensibilität spricht man, wenn es um den Einfluss äußere Reize geht, wie z.B. Geräusche, Gerüche, Licht, Temperatur und Berührung. Geht es um die erhöhte Wahrnehmung von inneren Reizen, wie Stimmungen, Gefühle, Erinnerungen und Ahnungen bei Anderen, aber auch bei sich selber, spricht man von Hochsensitivität. Durch diese Wahrnehmung entsteht ein sehr feines Gespür für die psychische und physische Verfassung anderer Menschen, was man wiederum als Empathie bezeichnet. Bei mir sind alle drei Eigenschaften überdurchschnittlich gut ausgeprägt. Ich habe mich damit oft anders gefühlt als andere Menschen und lange nicht verstanden, warum nicht alle so ticken wie ich. Es war mir aber auch schon immer bewusst, dass ich dadurch eine besondere innere Stärke besitze, die mein Leben insgesamt viel ausgefüllter und intensiver werden lässt, als das von Normalsensiblen. Dieses Wissen war schon lange in mir, lange bevor ich überhaupt das erste Mal von HSP gehört habe. HSP sind nicht krank, sie haben kein Problem, sie sind kein Problem, sie sind einfach wie sie sind und brauchen daher auch keine ärztliche Diagnose. Sie leben und reagieren so, wie es für sie selber richtig ist. Sie haben ein großes Ruhebedürfnis, um zu verarbeiten und gehen diesem auch gerne nach. Sie meiden nach Möglichkeit belastende Situationen oder sorgen für Ausgleich. Sie sind gern allein, mit sich und der Natur, auch schon als Kind. Um zu erkennen, ob eine Person wirklich zu den hochsensiblen Menschen gehört, müssen im Prinzip diverse psychische Erkrankungen und Probleme erst einmal aufgelöst werden um danach zu sehen, was von der erhöhten Sensibilität und Sensitivität tatsächlich noch übrig bleibt. Menschen mit Hypervigilanz versuchen der Überlastung durch Reizüberflutung eher mit erhöhter Aktivität oder mit Betäubung durch Sucht zu begegnen, was natürlich vollkommen kontraproduktiv ist. Ein echter HSP dagegen spürt instinktiv genau, was für ihn gut und richtig ist und würde nie seine Gesundheit, die von Natur aus sehr robust ist, durch ungesundes Handeln aufs Spiel setzen. Egal, wie es auch immer ist, heute Abend kommt Gesa zum Stammtisch und das reicht mir. Ich muss es nur hinbekommen, auch neben ihr zu sitzen, sonst kann es anstrengend für mich werden. So wie beim letzten Mal, als diese eine Frau mich den ganzen Abend mit ihren, in meinen Augen, unwichtigen Themen belästigt hat und ich den Absprung nicht geschafft habe. Auch sie war keine HSP im herkömmlichen Sinne. Gesa hat das gespürt und den Monolog einfach unterbrochen. Das war meine Rettung. Ich stelle mein Rad vor der Kneipe ab und sie kommt auch gerade um die Ecke geradelt, heute ganz in Rot. Begrüßung, Hallo, Umarmung und sofort sind wir in ein Thema vertieft, ohne Smalltalk am Anfang, ohne das Wetter zu besprechen, ohne verbale Aufwärmphase geht es sofort zum Wesentlichen und ab in die Tiefe. Es geht darum wie es uns wirklich geht, was wirklich anliegt. Egal wie lange wir uns nicht gesehen oder geschrieben haben, wir steigen sofort tief in ein Thema ein. Das ist super, ich liebe solche Menschen, ich hasse Smalltalk. Im Prinzip ist das sogar ein essentielles Merkmal von echten HSP. So kann man die unechten ganz schnell von den echten unterscheiden. Wir gehen rein, eine typische Studentenkneipe dieser norddeutschen Kleinstadt, in der ich seit über dreißig Jahren lebe. Aber in dem für uns reservierten Raum werden gerade Musikinstrumente und Verstärker aufgebaut. Hier soll wohl ein Konzert stattfinden. Morgen ist ja Feiertag. Andere Stammtischleute sind weit und breit nicht zu sehen. „Hallo, seid ihr die Hochsensiblen?“ fragt da auf einmal jemand von hinten. „Ja, sind wir“ sage ich. „Wieso, sieht man das?“ fragt Gesa. „Ja, das sieht man euch irgendwie an“ antwortet Jochen. „Auch kein großer Vorspann“, denke ich „ der ist wohl echt“. Er sieht sehr nett aus, ein warmes Gefühl breitet sich in mir aus. Der reservierte Tisch ist nicht da, also setzen wir uns nach draußen, an diesem warmen Frühlingsabend. Ich sitze auf einer Bank, sehr unbequem, Gesa und Jochen mir gegenüber. Jetzt sehe ich ihn zum ersten Mal richtig an. Die Augen, seine Augen kommen mir bekannt vor. Wie kann das sein? Gesa fragt nach unserer Wohnung. Ja, das Haus haben wir, zum Glück, denn da wo Freerk und ich jetzt wohnen ist es die Hölle auf Erden. Es geht aber nur kurz um mein Thema. Es wird bestellt, Getränke kommen, dann lenkt Gesa zu Jochen. Sie hat so eine geniale Art die Menschen auszufragen, ohne dabei von sich zu erzählen. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass sie ein Gespräch mit einem führt, aber am Ende stellt man fest, dass man gar nichts über sie weiß. Möchte sie auch nicht, sie möchte etwas vom Gegenüber erfahren. Ich kenne das schon, nehme mich zurück und lausche, was Jochen so von sich erzählt: Er kommt aus einem Dorf nahe der Küste und ist heute mit dem Zug hier. Zusammen mit seiner Tochter, die in der Stadt unterwegs ist. Er hat drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Genauso wie bei meiner eigenen Geschwisterkonstellation ist die Tochter in der Mitte, Sandwichkind, ein Sohn ist fünf Jahre älter, der andere acht Jahre jünger. Jochen arbeitet als Controller in einer Rehaklinik und ist verheiratet, aber nicht wirklich glücklich. Er hat Probleme mit seiner Frau, sie haben sich gerade getrennt. Es sprudelt nur so aus ihm heraus, Gesa braucht nicht viel zu fragen, aber sie lenkt, weil sie bestimmte Infos haben will. Zehn Jahre lang hat er sich um Haushalt und Kinder gekümmert, damit seine Frau Karriere machen konnte. Jetzt leitet sie die Klinik, in der beide arbeiten. Für mich sieht es so aus, wie ein klassischer Fall von Ehekrise, die oft vorkommt, wenn die Kinder erwachsen werden. Jahrelang hetzten solche Paare durch ihr Leben, organisieren die Familie und ihren Alltag und wenn diese sich langsam auflöst und die Kinder aus dem Haus gehen, stellen sie fest, dass nichts mehr übrig ist von dem, was sie einst verbunden hat. Nur dass er als Mann hier die typische Rolle einer Frau einnimmt. Im Laufe des Gesprächs stellen Jochen und ich immer mehr Ähnlichkeiten zwischen uns fest. Wir waren beide in einer psychosomatischen Reha. Für ihn der Auslöser dafür, sich überhaupt einmal mit sich selber auseinanderzusetzen. Für mich die Regeneration nach einem beruflichen Zusammenbruch. Wir sprechen über Ängste, sein Hauptthema. Um den Stress loszuwerden läuft er viel, genauso wie ich. Er kann sogar während seiner Arbeitszeit laufen gehen, darum beneide ich ihn. Er kann echte von unechten HSPs unterscheiden und spürt sofort, wenn jemand lügt. Im Laufe des Gesprächs klatschen wir immer mal wieder mit den Händen ab, weil ständig Parallelen in unseren Lebenswegen auftauchen. Es wird schon fast etwas unheimlich. Viele Erlebnisse sind haargenau gleich. Gefühle, die er beschreibt kenne ich wie meine eigenen und es kommt mir vor, als wäre da zeitgleich zu meinem Leben eine ganz ähnliche Geschichte passiert. Zwei Schulwechsel in der Kindheit, absolut...




