E-Book, Deutsch, 214 Seiten
Mayo DAS GRAB DES NEBUKADNEZAR
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-9449-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Krimi-Klassiker!
E-Book, Deutsch, 214 Seiten
ISBN: 978-3-7487-9449-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein märchenhafter Kunstschatz - oder ist es die Fälschung eines Genies? Diese bedeutsame Frage führt zu spektakulären Szenen bei Kristoby's, der weltberühmten Auktionsfirma in London, und Charles Hood vom Circle erhält den Auftrag, sofort Nachforschungen anzustellen und das Rätsel zu lösen. Ein seltsamer Zwischenfall im nächtlichen Paris veranlasst Hood, nach Teheran zu fliegen. Dort, so glaubt er, muss die verbrecherische Verschwörung gegen den Weltkunsthandel ihre Zentrale haben. Die abenteuerlichen Ermittlungen, die er gemeinsam mit seiner schönen und aufregenden Kollegin Debbie Ansell anstellt, zeigen plötzlich, dass sie es mit einem dichten und dunklen Spinnennetz zu tun haben... James Mayo (eigtl. Stephen Coulter, * 21. August 1914; ? 16. Juli 1986) war ein britischer Schriftsteller und Journalist. Besonders bekannt sind seine Kriminal-Romane um den kultivierten Spion Charles Hood. Der Roman Das Grab des Nebukadnezar erschien erstmals im Jahr 1968; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1969. Der Verlag DER ROMANKIOSK veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe DIE MITTERNACHTSKRIMIS.
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Erstes Kapitel
Hinter den Ziegeleien am südlichen Stadtrand Teherans verläuft eine Straße. Hohe rote Kamine erheben sich dort, aus deren Schlund schwarze Rauchwolken quellen. Die rote und schwarze Erde ist dort zu Hügeln aufgeschüttet, zwischen Haufen von Asche, Steinen, Abfall und Schutt. Hier und dort zwischen den viereckigen Lehmgebäuden der Ziegeleien stehen die Schuppen und Schlupfwinkel der Opiumsüchtigen und Landstreicher. Ein unheimlicher Ort. Captain Mahmud von der Teheraner Polizei entfernte sich langsam von der Leiche des Mannes, die im Schatten des Ziegeleigebäudes lag. Er blieb auf der Straße stehen und nahm eine Zigarette aus einem zerknüllten Päckchen. Sein Sergeant, ein Mann um fünfzig herum, sagte: »So etwas habe ich noch nie gesehen, Captain - ein Mensch, der mit Stacheldraht erdrosselt worden ist. Warum wohl?« »Vielleicht um herauszufinden, wieviel er verraten hat.« »Gehört er zu den Leuten hier?« »Nein. Er ist hierher gebracht worden.« Der Captain blickte auf die Reifenspuren am Rand der Straße. »Trotzdem ist es barbarisch«, sagte der Sergeant. Der Captain warf ihm einen flüchtigen Blick zu. Der Ort hier jagte den Leuten Angst ein. Selbst die Ziegeleiarbeiter fühlten sich unbehaglich und kamen unwillig zur Arbeit, zumal das Ganze früher eine Begräbnisstätte gewesen war und behauptet wurde, dass sich in dem Lehm, der zu Ziegeln gebrannt wurde, Tote befanden, die ohne Sarg verscharrt worden waren. Der Captain glaubte nicht an solche anachronistischen Vorstellungen. Er strich die verbogene Zigarette gerade und zündete sie an, während er auf seinen Wagen wartete, mit dem der Fotograf geholt werden sollte. Die Schatten der Kamine fielen wie Messer über all den Unrat. Weit im Norden lagen die schneebedeckten Berge. Der Himmel war blassgrün im Morgenlicht, wie das grüne Wasser der Teiche vor den Moscheen. Über ihm ertönte das schrille Zwitschern der Schwalben, und kleine Schatten huschten über den roten Schmutz um ihn. Als Charles Hood an diesem Morgen Kristoby’s, die Londoner Kunsthandels- und Auktionsfirma betrat, war der Eindruck einer Krise unverkennbar. Jedermann war betont gelassen und heiter. »Morgen, Mr. Hood.« Der Portier ließ ihm einen durchbohrenden Blick zukommen. »Ein sehr schöner Tag, Sir.« »Guten Morgen, Hooker.« Im ersten Stock lächelte ihm Miss Quain, die Sekretärin des Präsidenten, ein Mädchen von spröder Unabhängigkeit, wie benommen zu. »Haben Sie eine gute Überfahrt gehabt?« »Ausgezeichnet! Wie stehen die Dinge, Isobel?« »Auf der Kippe. Sie werden erwartet. Der Chef telefoniert gerade mit Rom.« Ihre Augen glitten an ihm vorüber, als Walter Young, der Senior-Auktionar, aus dem Büro nebenan trat, groß, derb, mit roten Händen. »Charles. Unser Mann von Irgendwo, flüchtig wie die leichten Schatten auf mondbeschienenem Gras.« »Hallo, Walter! Was kann ich an Ihrer Sphinx-artigen Stirn ablesen?« Young grinste, aber er wich Hoods Blick aus. Die Bürotür Richard Austins, Kristoby’s zweitem Mann, wurde hinter Youngs Rücken geschlossen, als das Telefon drinnen klingelte. Young ging zur anderen Tür und verschwand, ohne noch etwas zu sagen. Hood sah Isobel Quains schnellen Blick, den sie mit einem: »Zu früh für Kaffee?« zu kaschieren suchte. »Ja.« »Oh, da ist er!« Sie legte einen kleinen Hebel an ihrem Telefon um. »Würden Sie jetzt bitte hineingehen?« Sie ging zur Tür, meldete Hood an und trat dann zurück. Gilderstein stand hinter seinem Schreibtisch am anderen Ende des Zimmers. »Charles - um Himmels willen, kommen Sie herein.« Es war einer der hübschesten Räume in ganz London, mit vielen Gemälden und Kunstgegenständen versehen, welche die Firma entweder gekauft hatte oder verkaufen wollte, und einem großen Aussichtsfenster hinter dem Schreibtisch, auf dem jetzt Zeitungen und Streifen von Fern schreibbändern verstreut lagen. »Die verdammten Anrufe hören nicht auf. Abendzeitungen, Sonntagsblätter, Nachrichtenagenturen, die Schwedische Botschaft, die V & A.« Gilderstein kam um den Schreibtisch herum und streckte die Hand aus. »Wann sind Sie angekommen?« »Ich bin geradewegs von Heathrow hierhergekommen.« Hood bemerkte die roten Flecken auf Gildersteins Wangen und die gedunsenen Partien um die Augen. John Gilderstein war ein großer Mann mit buschigen Brauen und einem Gesicht wie der Felsen von Gibraltar - eine Mischung zwischen Nubar Gulbenkian und Lord Reith, wie einmal ein Mädchen zu Hood gesagt hatte. Er leitete seit zwölf Jahren Kristoby’s mit ausgesprochenem Spürsinn. »Haben Sie’s gelesen?« »Ich habe gesehen, dass im Express eine Story über irgendeinen Aufruhr bei Kristoby’s stand. Was ist passiert?« Gilderstein winkte ihm, sich zu setzen, ließ sich selbst stöhnend nieder, wobei er flüchtig die Augen mit der Hand verdeckte. »Ich. habe so was noch nie erlebt - niemals. Wir zogen es natürlich zurück. Keinerlei Vorwarnung. Als wir zur Katalognummer kamen, entschuldigten wir uns einfach und sagten, das Objekt sei zurückgezogen worden. Peinlich genug, nachdem wir gesagt hatten, es gäbe keine privaten Abmachungen. Nun ja, es gab eine Pause - die Professionals besprachen sich kurz es gab ein bisschen Tumult, aber nichts Ungewöhnliches. Aber dann begann jemand zu protestieren, rief etwas und schrie. Zwei Personen, davon eine Frau, die niemand zu kennen scheint, und gleich darauf ein paar andere machten Krawall. Es waren vier von den Amerikanern da, richtig sture Böcke, die mischten sich ein, protestierten, sie seien berechtigt, eine Erklärung zu bekommen; es war schwierig, zu erkennen, was eigentlich vor sich ging - und bevor wir wussten, wie uns geschah, war da ein Aufruhr«, er schnippte mit den Fingern, »wie nichts. Ich schritt ein, tat mein Bestes, aber die Sache entglitt meiner Hand. Unglücklicherweise hatte niemand unsere Leute gewarnt, und die nächsten Katalognummern waren nicht parat - es dauerte zwanzig Minuten, bis es soweit war -, es war schrecklich. Der Herzog war da und ungefähr sechs Botschafter. Unserer Ansicht nach war der Tumult Bestandteil eines abgekarteten Spiels; sie hatten bestimmt Leute hergeschickt, die als Aufputscher fungierten. Zwei von ihnen warfen Champagnergläser aus dem Zimmer nebenan.« »Was?« »Ich glaube, das war ein Signal, denn sofort darauf ging es im Hintergrund los - Stühle wurden umgeworfen, alles war aufgesprungen, ein Gedränge setzte ein - einer der Tische mit den Drinks wurde umgedreht, was einen Mordskrach gab, und danach wurde die ganze Auktion zunichte gemacht.« Gilderstein machte eine Pause und zündete sich eine Zigarette an. »Im Telegraph steht, dass die Frau eines Peers verletzt und zwei südamerikanische Frauen zusammengeschlagen wurden; und ich glaube nicht einmal, dass das übertrieben ist. Die Tochter des schwedischen Botschafters hatte ein zerrissenes Kleid und einen gebrochenen Knöchel.« »Uff!« »Es handelt sich um einen gezielten Schlag gegen uns, Charles; und das Ganze hat verdammt gut geklappt.« »Haben Sie irgendjemanden erwischt?« Gilderstein schüttelte den Kopf. »Nein. Als die Sache im Gang war, verschwanden alle. Es ist uns nicht gelungen, einem einzigen der Leute auf die Spur zu kommen. Die Amerikaner sind alles respektable Leute - Beitman, Lewis und die anderen -, die gehören bestimmt nicht dazu.« Hood war soeben aus den Vereinigten Staaten per Flugzeug zurückgekommen. Er war zwei Tage früher dorthin gereist, als bei Kristoby’s die ersten Zweifel über den Gegenstand aufgetaucht waren, der bei der Auktion am Abend zuvor die Hauptattraktion gebildet hatte. Es handelte sich um ein Elfenbeinkästchen aus dem vierten Jahrhundert, rund fünfunddreißig Zentimeter lang und gut fünfzehn hoch, das von historischer Bedeutung war, weil es ein Bindeglied zwischen spätrömischer und frühbyzantinischer Kunst darstellte. Bei Kristoby’s hatte man durch einen New Yorker Gewährsmann davon gehört, den Besitzer ausfindig gemacht, einen Amerikaner griechischer Herkunft namens Kontos, der in Englewood, Florida, lebte. Kontos war ein einundsechzigjähriger Makler, der sich vom Geschäft zurückgezogen hatte; und nach einigem Zögern hatte er Kristoby’s Mann in New York das Kästchen gezeigt und erklärt, dass er es vor fünfunddreißig Jahren um zehn Dollar von einem Trödler in Aleppo gekauft hatte. Alles, was er darüber wusste, war lediglich, dass es aus »irgendeinem Grab« stammte, dass es ein paar amtliche Schwierigkeiten gegeben hatte, und dass es ihm schließlich gelungen war, es auszuführen. Er hatte dem Ding angeblich keinen besonderen Wert beigemessen; aber als Kristoby’s Mann versuchte, ihn zum Verkauf zu bewegen, sperrte er sich plötzlich. Man hatte bei Kristoby’s sieben Monate gebraucht, um ihn zu überreden; und Kontos hatte darauf bestanden, aus Steuergründen anonym zu bleiben. Als das Kästchen endlich in London war, war es bei Kristoby’s fachgerecht untersucht worden. Es stellte sich als ein Unikum heraus, als das wichtigste Elfenbeinstück, das seit Kristoby’s Gründung um 1742 auf den Markt gekommen war. Der Fund erregte in der Kunstwelt großes Aufsehen, aber auf Grund von Mr. Kontos Bedingungen war die Firma genötigt, das Kästchen bis zur Auktion unter Verschluss zu halten, was keineswegs als unangenehm empfunden wurde, da das die allgemeine Spannung und Begierde noch erhöhte. Ein gutes Elfenbeinkreuz eines Bischofs aus dem siebzehnten Jahrhundert hatte vor einem halben Jahr in London 35.000 Pfund gebracht, und so schätzte man das Kästchen auf rund...




