Mazzucco | Tintorettos Engel | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 544 Seiten

Mazzucco Tintorettos Engel

Roman
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-641-04841-9
Verlag: Knaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 544 Seiten

ISBN: 978-3-641-04841-9
Verlag: Knaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der erste Roman über Tintoretto – Malergenie aus Venedig und Mensch der Renaissance

Tintoretto, der geniale venezianische Maler der Renaissance, legt auf dem Sterbebett Gott Rechenschaft ab über sein Leben – als Mensch, als Sünder, als Künstler, der alles und jeden herausfordert, als Vater mit besonderer Nähe zur Tochter.

»Von Michelangelo die Zeichnung, von Tizian die Farbe«, so lautete das Credo des Färbersohns Jacopo Robusti, genannt Tintoretto, der sich in seinem Leben alles erkämpfen musste, weil er – anders als sein Rivale Tizian – niemals ein Liebling der Venezianer war. Und trotzdem hat er seine Heimatstadt künstlerisch geprägt wie kaum ein anderer. Ungestüm und voll überbordender Schaffenskraft tritt er dem Leser aus dem Roman entgegen. Tintoretto berauschte sich daran, mit den Traditionen zu brechen und sich selbst immer neu zu erschaffen, für ihn war Malen wie Träumen. Sein unbändiges Streben nach Freiheit in der Kunst teilte er mit seiner Tochter Marietta, der ersten Künstlerin der Renaissance. Sie war das uneheliche Kind mit seiner großen Liebe Cornelia, einer deutschen Hure.

Mit ungeheurem Einfühlungsvermögen und reich an bestens recherchierten Details erzählt Melania G. Mazzucco die dramatische Geschichte dieses Malergenies des 16. Jahrhunderts. Es ist nicht zuletzt die Art, wie die Autorin diese außergewöhnliche Geschichte von Vater und Tochter erzählt und in den Mittelpunkt von Tintorettos Lebensbeichte stellt, die diesen Roman zu einem ganz besonderen Leseereignis werden lässt.

Melania G. Mazzucco, geboren 1966, hat zahlreiche, von der Kritik gefeierte Romane geschrieben. Bei Knaus erschien zuletzt »Vita«, für den sie den renommierten »Premio Strega« erhielt. Für ihren neuen Roman »Tintorettos Engel«, der sich in Italien 200.000 Mal verkaufte, hat sie viele Jahre intensiv recherchiert. Mazzucco gilt als große Kennerin Tintorettos und hat auch ein Sachbuch über die Familie des Malergenies verfasst.

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" (S. 277-278)


Mein letztes Abendmahl hatte nicht die geringste Ähnlichkeit mit den von mir gemalten. Um die Nacht fernzuhalten und den Tod zu verscheuchen, ließ ich sämtliche Kandelaber, Öllampen und Fackeln auf den Fenstersimsen anzünden. Tausende von Abendessen habe ich in meinem Leben ausgerichtet.

Die geselligen Runden entschädigten mich für die Einsamkeit, die mich beim Malen befiel, und die Gegenwart meiner Freunde vermittelte mir den Eindruck, ich könnte meine Entrücktheit - mein Leben im Anderswo, in meinen Erfindungen und Träumen - durch ein Lied, ein Lachen und gutes Essen überwinden. Dieses Abendessen jedoch war nicht wie die anderen. Ich servierte den Wein aus unseren Weinbergen, Hühner und Schinken von unserem Land, Steinbutt und Flunder, Hummer, Drachenkopf und Muscheln aus unserem Meer und als süßen Abschluss Apfelsinen und Quittenbrot.

Nicht einen Bissen bekam ich hinunter. Aber auch ich wollte meine Familie und meine Jünger um einen Tisch versammeln. Ich ahnte, dass es das letzte Mal sein würde - denn wo ich hinging, würde mir keiner folgen können. Ich wollte von allen Abschied nehmen und wissen, wer von ihnen mich wirklich liebt und mir treu bleiben wird - und wer mich betrügen wird oder womöglich schon betrogen hat. Ich sprach die Einladung unter dem Vorwand unserer bevorstehenden Abreise nach Carpenedo aus, die Faustina und ich auf Anraten des Arztes für den nächsten Tag geplant hatten; wir würden den ganzen Sommer im Landhaus verbringen.

Vielleicht trieb mich auch das Verlangen um, meiner Frau in guter Erinnerung zu bleiben. Das Gezeter unserer Auseinandersetzung vor dem Laden des Wurstmachers hallte noch immer leise nach: Jedes Mal, wenn ich fiebrig und vom Opium niedergeschlagen im Bett lag und sich meine geliebte Gemahlin über mich beugte, selbst wenn sie nur mein Kissen ausschüttelte und die Laken umschlug, konnte ich ihren Augen ablesen, wie leid es ihr tat, mich beleidigt zu haben. Kein Schatten aber darf zwischen uns verbleiben.

Vierunddreißig Jahre lang haben wir Seite an Seite gelebt: Unstimmigkeiten, Zank und Streit und Eifersuchtsszenen - ich wegen ihr und sie wegen mir - hat es immer wieder gegeben. Das alles hat uns jedoch nicht nur nicht getrennt, sondern uns vielmehr einander nähergebracht. Weder wäre ich ohne sie noch sie ohne mich zurechtgekommen. Sie wird tun, was sie für richtig hält. Faustina weiß, was ihr und unseren Kindern guttut. Ich, Herr, habe das dagegen wahrscheinlich nie richtig verstanden. Die Fenster der Loggia im großen Saal des ersten Stocks standen offen und gaben die Sicht frei auf den mit Myriaden von Sternen übersäten Himmel. Frische, nach Basilikum und Jasmin duftende Luft strömte herein. Um meinen Sohn Dominico hatten sich meine Assistenten, Schüler und Mitarbeiter gesellt - Palma und Albert der Holländer, beide inzwischen selbst anerkannte Meister, und auch Marchio Colonna und Cesare Dalle Ninfe, die sich noch keinen Namen gemacht haben und wahrscheinlich auch nie machen werden. Außerdem waren der griechische Maler"


Mazzucco, Melania G.
Melania G. Mazzucco, geboren 1966, hat zahlreiche, von der Kritik gefeierte Romane geschrieben. Bei Knaus erschien zuletzt »Vita«, für den sie den renommierten »Premio Strega« erhielt. Für ihren neuen Roman »Tintorettos Engel«, der sich in Italien 200.000 Mal verkaufte, hat sie viele Jahre intensiv recherchiert. Mazzucco gilt als große Kennerin Tintorettos und hat auch ein Sachbuch über die Familie des Malergenies verfasst.



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