McNellis Magie der Welten
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7380-0571-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Weltentrilogie Bd. 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 213 Seiten
Reihe: Weltentrilogie
ISBN: 978-3-7380-0571-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Liebe zu Geschichten reicht weit bis in ihre Kindheit zurück und findet dort ihre Anfänge, als ihre Mutter stets neue, spannende Märchen vorlas. Als Jugendliche wagte sich Hazel dann an ihren ersten Roman. Dieses 300 Seiten umfassende Manuskript landete jedoch zunächst in einer Schublade. 10 Jahre später, mit 27 Jahren, einem Mann an ihrer Seite, sowie mehreren Meerschweinchen und Fischen im Haus, entschied sich die bis dato Hobby-Schriftstellerin dem Ruf des Schreibens erneut Folge zu leist
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. Reise
„Verflucht, jetzt hör mir doch zu!“
Ihre grünen Augen blitzten vor Ärger und Wut. Sie stand Damian gegenüber, das Blut brodelte heiß durch ihre Adern, als sie ihn aus zusammengekniffenen Augen anfunkelte. „Er ist mein Vater!“
Damian schnaubte.
„Meinst du, ich bin mir dessen nicht bewusst?“
Sein dunkler Bariton hallte an den steinernen Wänden wider, elektrisierende Impulse durch ihren Körper jagend.
„Du hast nicht das Recht, mich davon abzuhalten, geschweige denn, es zu verbieten!“, brauste Sydney auf.
Es war früher Nachmittag, die Sonne neigte sich dem Horizont zu und Sydney fand, dies sei nun der perfekte Moment, um Damian von ihrem Vorhaben zu erzählen. Sie war nun schon so lange von zuhause weg, und obwohl ihr bester Freund Jack längst wusste, was geschehen war, tappte ihr Vater noch immer im Dunkeln. Der Gedanke machte sie ganz krank. Schuldgefühle wallten jedes Mal aufs Neue in ihr auf, wenn sie sich vorstellte, wie es ihrem Vater ergehen musste. Und manchmal – ja, manchmal nur – kroch der Wunsch durch ihr Empfinden, niemals diesem verfluchten Schleier, diesem Portal in diese fremde Welt, begegnet zu sein. Es war verdammt unfair, dass Damian sie nicht gehen lassen wollte. Und bisher hatte er sie vollkommen im Dunkeln darüber gelassen, was ihn dazu bewegte.
Plötzlich lächelte Damian. Er warf ihr ein tiefgründiges Lächeln zu und trat einen Schritt näher. Das Herz klopfte Sydney bis zum Hals, als er sagte: „Ich, mein Herz, habe jedes Recht, eine solche Entscheidung für dich zu treffen; ich bin schließlich dein Mann.“
Für wen hielt er sich? Sie schnappte nach Luft. Ihr Brustkorb hob und senkte sich hektisch, so wütend war sie. Noch ehe sie sich daran hindern konnte, zischte sie: „Als ob ich das je vergessen könnte!“
Brüsk richtete Damian sich auf. Sein Blick war kaum mehr als ein dunkler See der Enttäuschung. Sofort bedauerte Sydney ihre Worte und schlug die Augen nieder.
„Ich hab’ das nicht so gemeint“, versuchte sie mit leiser Stimme den angerichteten Schaden zu mildern.
„Und wie hast du es gemeint, Frau?“
Er war wütend. Der Klang seiner Stimme, rau und verletzt, umhüllte sie wie dunkler, weicher Samt. Sie warf ihm einen Blick zu und beobachtete, wie er langsam an sie herantrat. Nervös begannen ihre Nervenenden zu flattern und sie trat rasch einen Schritt zurück. Die Lehne eines Sessels stach ihr in den Rücken.
„Du weißt, wie ich es meinte.“ Ihre Stimme zitterte vor Anspannung, und insgeheim verfluchte sie sich für dieses Zeichen der Schwäche, dieses Zeichen ihrer verdammten . Hastig brachte sie den Sessel, ein lächerliches Bollwerk gegen Damians roher Dominanz, zwischen sie beide und begann, die Lehne zwischen ihren Fingern zu kneten.
„Du hast mich doch entführt! Abgesehen davon hast du Jack, meinen Freund, gefangen genommen und in deinen kleinen, dreckigen Kerker gesteckt ohne auch nur ein Sterbenswörtchen davon zu sagen!“ Ein gelöster Faden fiel ihren Fingern zum Opfer. Mit gerunzelter Stirn zog sie daran und leise riss er entzwei. Abwesend starrte sie auf das winzige Loch im rotgefärbten Stoff.
„Sydney…“
Sie sah auf und erwiderte seinen Blick. „Du wolltest, dass ich dich heirate, nicht ich.“
Das Loch in der Sessellehne wuchs unter ihrer unermüdlichen Bearbeitung, und sie zuckte zusammen, als Damians Finger sich sanft um ihre schlossen.
„Verzeih’“, murmelte er. „Ich weiß, wie schwierig alles für dich war.“
Er stand dicht bei ihr, und Sydney spürte bereits, wie die Wut in ihrem Bauch schwand. Blinzelnd wich sie noch ein Stück zurück. Sie hegte tiefe Gefühle für Damian – mittlerweile! – dennoch wehrte sie sich gegen die aufreizende Wirkung seiner Nähe. Ihr Herz schlug zu rasch, ihre Gedanken befanden sich am Rande einer gefährlichen Klippe, jederzeit bereit, sich hinunterzustürzen.
„Mein Vater muss krank vor Sorge um mich sein, verstehst du das denn nicht?“, fragte sie erstickt. „Er fragt sich sicher schon, was mit mir geschehen ist! Ich muss zu ihm, Damian, bitte…“ Tränen traten ihr in die Augen. Ihr Vater, Paul Abernathy, war ganz allein auf der anderen Seite des Portals, das diese Welt und ihre Heimat voneinander trennte, ohne auch nur zu ahnen, was mit seiner einzigen Tochter geschehen war. „Ich muss zu ihm!“, wiederholte sie und spürte zugleich die beruhigende Umarmung Damians, als dieser sie an sich zog.
Inzwischen war sie seit gut einem Monat an seiner Seite. Sein Halbbruder Corin kam bei einem Scheunenbrand ums Leben, nachdem er versucht hatte, Sydney als vermeintliche Hexe anzuzünden. Durch seinen Tod waren die Na’kaan ihres Anführers beraubt und seither hatten Sydney und Damian sich weit mehr angenähert, als es je zuvor der Fall gewesen war.
„Ich verstehe dich“, raunte er. „Das tue ich wirklich, mein Herz.“ Sein Kinn ruhte als tröstliches Gewicht auf ihrem Scheitel und seine Stimme vibrierte als sanftes Brummen durch ihren Körper. „Als meine Schwester damals von Straßenräubern entführt wurde, schwor ich, nicht eher zu ruhen, bis ich sie gefunden haben würde. Ich ertrug den Gedanken nicht, dass nicht nur meine Eltern fort sein sollten, sondern auch noch meine jüngere Schwester“, erklärte er leise. „Ich trug die Verantwortung für sie. Ich hätte alles unternommen, um sie wiederzusehen.“
Sydney schwieg. Sie lauschte seiner Stimme, sein Herzschlag pochte beruhigend gegen ihre Fingerspitzen.
„Als ich dich das erste Mal sah, sah wie du dich gegen mich wehrtest, dich auflehntest und allem, woran ich je geglaubt habe, widersetztest, da wusste ich bereits, dass ich dich nicht wieder gehen lassen könnte. Du bist die Auserwählte und es ist deine Bestimmung an meiner Seite zu sein.“ Er hielt kurz inne. „Jedoch ist es ebenso mein Schicksal an deiner Seite zu sein, Sydney. Ich kann nicht zulassen, dass du allein durch die Wälder reist, um deinen Vater zu besuchen. Nicht zu solchen Zeiten.“
Sydney seufzte – und verstand. Jetzt, da der neue Anführer der Na’kaan noch nicht bekannt war, konnte man sich nicht sicher fühlen. Hatte das Volk der Bakram zuvor wenigstens noch gewusst, wie der Herrscher der Feinde einzuschätzen war, so schien jetzt alles in der Schwebe zu sein. Als Frau alleine in einem Wald zu sein, konnte durchaus eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten, erkannte sie. Sie holte Luft, eine Erwiderung lag ihr auf der Zunge, als er fortfuhr: „Ich werde mich mit Lan’tash darüber beraten.“
Er drückte Sydney einen Kuss auf die Stirn und schob sie von sich. Sein Daumen strich sanft über ihre Wange. Nach einem warmen Blick in ihre Augen wandte er sich ab und verließ den Raum, um sich ihres Problems anzunehmen.
Als Damian kurze Zeit später die Bibliothek betrat, saß Lan’tash hinter dem breiten Schreibtisch und kümmerte sich um seine Korrespondenz. Die Feder zitterte in seiner Hand, während er schrieb. Leise schloss Damian die Tür und wartete.
Die Sonne schien durch das große Fenster hinter seinem Mentor und beleuchtete die ausgedehnte Bücherfront an der Wand. Rücken an Rücken reihten sich die wertvollen Bände aneinander. Damian wusste, dass ihre Seiten zum Teil das alte Wissen längst vergangener Herrscher bargen. Die Aufzeichnungen früherer Generationen warteten zwischen den Dramen, Geschichten, Fabeln und Sagen seines Volkes. Es hatte eine Zeit in seinem Leben gegeben, da er sich mit derartigen Hinterlassenschaften auseinandersetzen musste.
Damals, er hatte gerade erst vom Tode seiner Eltern erfahren, hatte Lan’tash ihm aufgetragen, diese Bände zu lesen, zu studieren, und zu erfahren, was vorherige Herrscher zur Lage des Volkes zu sagen wussten. Ihre Worte prägten einen Teil seines Wesens, ging es Damian durch den Kopf, als Lan’tash die Feder beiseitelegte und aufsah.
„Ah, Damian“, begrüßte er seinen Nachfolger. „Wie geht es deiner Frau?“
„Gut, Herr“, entgegnete Damian und nahm auf dem schmalen Sofa Platz. Noch immer war es ihm ungewohnt, Lan’tash seinen Vater zu nennen. „Ich hoffe, ich störe nicht?“
„Ich freue mich stets, dich zu Gesicht zu bekommen, mein Junge.“ Lächelnd erhob Lan’tash sich, doch Damian bemerkte, wie er sein Gesicht verzog und seine Hand sich in seinen Rücken legte.
„Geht es Euch gut?“, fragte Damian besorgt. Lan’tash war ihm stets wie ein Vater gewesen und es betrübte ihn, dass sein Mentor nun gesundheitlich angeschlagen zu sein schien.
„Mein Sohn, du denkst zu viel nach.“
Die blauen Augen blitzten kurz amüsiert, als er sich erschöpft in den Sessel sinken ließ. „Mir geht es gut. Ich bin bloß ein alter Mann.“
Damian schwieg.
„Also“, begann Lan’tash einen Moment später. „Was führt dich zu mir?“
Damian griff nach dem Krug, der auf dem Tisch stand und schenkte ihnen beiden Wein ein. Er nahm einen tiefen Schluck. Als er den Becher abstellte, registrierte er, wie Lan’tash erstaunt die Brauen hob.
„Sie will ihren Vater sehen“, erklärte er ihm.
Stille streckte ihre Arme nach ihnen aus....




