E-Book, Deutsch, Band 1, 668 Seiten
Reihe: Momente der Hingabe
Meer Augenblicke eines Sommers
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-2589-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 668 Seiten
Reihe: Momente der Hingabe
ISBN: 978-3-7568-2589-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der junge Lars de Lima reist auf der Suche nach neuen Erlebniswelten für sein Buch nach Norwegen und stößt auf eine Gemeinschaft von drei Frauen, in die er sich leidenschaftlich verliebt. Gemeinsam mit weiteren Freundinnen erlebt er Liebesabenteuer zwischen Rocknal, Kopenhagen und Trappeto, Sizilien. Kann ein solcher Lebensentwurf funktionieren und welche Rolle spielt sein bester Freund, ein charmanter Sizilianer hierbei? Ein vielbeachteter Roman mit hocherotischem Inhalt in ungewohnter Offenheit nimmt den Leser sensibel mit auf unvergessliche Momente, während derer ihm die Hauptfiguren unweigerlich ans Herzen wachsen.
Peter van der Meer ist Fotograf und Segler. Er lebt in Flensburg, der Stadt, die ihn liebt. Nach einem Studium der Psychologie und Philosophie führten ihn Reisen rund um den Globus. Die dabei gesammelten Eindrücke prägen das Leben einer Persönlichkeit, die grenzenlos empfindet. Sein Debütroman Augenblicke eines Sommers ist Auftakt einer Trilogie und eine Herzenssache für ihn, trägt er doch autobiografische Züge. Peter, der weiblicher Schönheit nicht nur huldigt, sondern vor allem einen Zugang zu ihrer Seele sucht, liebt die magischen Momente im Leben. Geprägt von Siegfried Lenz, dem großen norddeutschen Erzähler, entwickelt der Autor eine feinsinnige, emotionale Sicht der Beziehungen zwischen den Geschlechtern, die aufwühlt und polarisiert.
Autoren/Hrsg.
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Nora — Entschlossenheit
„Es kommen zu wenige Menschen über das Jahr hinweg in das Orchideental“, erklärte Calla. „Mal ein Schulausflug, wenige Einheimische. In keinem Touristenführer ist es gelistet. Auf diese Weise befindet es sich in einem Dornröschenschlaf. Kein Prinz weit und breit zum Wachküssen.“ Sie schaute Lars vergnügt an. Als keine Reaktion kam fuhr sie fort: „Die Nationalparkhütte wurde von der Universität Oslo gestiftet, sie diente den Studierenden als Vogelbeobachtungsstation. Da an diesem Strand nur ein paar wenige Möwenarten ihr Unwesen treiben war auch die Station im Laufe der Zeit uninteressant. Der Gemeinde bekam die Hütte in einem feierlichen Festakt geschenkt, doch die Bauern, Gastwirte, Hufschmiede, Automechaniker und Arbeiter, die hier leben, konnten nichts damit anfangen. So verkam sie zusehends. Man entschloss sich, sie zu versteigern.“ Calla machte eine Pause. Theatralisch holte sie einen Schlüssel aus ihrem Rucksack. „Voila!“, entfuhr es ihr. Die Tür stand offen. „Warum wundert mich das jetzt nicht?“, stellte Lars sich rhetorisch die überflüssige Frage. Sie war schon hineingegangen, öffnete zwei Fenster zum Meer hin, knipste das Licht einer Stehlampe an, ließ einen riesigen Deckenventilator kreisen. Lars schüttelte den Kopf. Im Raum befanden sich ein gusseiserner Herd mit Pfanne und Topf darauf, ein Doppelbett, über das ein weißer Baldachin, gesprenkelt mit rosa Tupfen gespannt war, ein Regal mit Allerlei, vom Fernglas bis zu einer Angelrute und ein kleiner Klapptisch, an den zwei Stühle gelehnt standen. In einen Mauervorsprung waren Buchenholzbrettchen eingefügt. Darauf standen Vorräte, etwa Raviolidosen und Nudeln, auch eine Bambus Besteckschublade. Darunter angebracht eine Spüle. „Gesammeltes Regenwasser“, wies Calla ihn ein und drehte den Hahn auf. „Die Toilette ist hinter der Hütte. Wir haben Solarstrom zur Verfügung.“ Ihre Augen blitzten. „Und Kerzen!“, fügte sie schelmisch hinzu. Sie nahm Lars in ihre dünnen, langen Arme und flüsterte: „Willkommen in meiner bescheidenen Hütte!“ „Wunderschön!“, lachte er aufrichtig erstaunt und meinte sie damit, was Calla nicht merkte. „Ein Rückzugsort vom Rückzugsort!“ Sie lächelte: „Das stimmt, Nora ist des öfteren zum Malen hier. Alva hat sich ebenfalls manchmal hierher verkrümelt, wie sie es nannte.“ Sie rückte die beiden Holzbänke auf der Terrasse zur Seite und bedeutete Lars ihr zu folgen. Aus dem angebauten Holzschuppen holten sie zwei Adirondack Gartensessel und klappten sie auf der Porch auseinander. „Lust auf ein Glas Rosé?“, fragte sie und zeigte ihre weißen Zähne. Die Gestrandeten machten es sich bequem. Gespannt lauschten sie auf das sanfte Klatschen der Wellen, beobachteten den Möwenflug. „Ich habe die Gesellschaft, in die ich hineingeworfen wurde, nie verstanden“, begann Lars von seiner Kindheit und Jugend zu erzählen. „Sie fühlte sich an wie ein zäher übelriechender Brei, in dem ich mitten drin steckte. Die Menschen waren missmutig, verschlossen. Das eigene Leben zog an ihnen vorbei, ohne dass sie es merkten. Ich habe versucht mitzuschwimmen, meinen eigenen Weg zu gehen, mich abzugrenzen und wieder anzunähern, bis ich merkte, dass ich dennoch nie dazugehören würde. Wenn die Prämissen des Umfeldes weitgehend nicht mit dem eigenen Lebensentwurf übereinstimmen, wird der Alltag unerträglich.“ „Das klingt nach dem Bernhard, den du mir geschenkt hast“, merkte sie an. „Ja“, sagte er. „Bernhard war tatsächlich lange Zeit ein Bruder im Geiste für mich und mancher Philosoph, Musiker oder Schriftsteller mir näher als der Mitmensch gegenüber. Dann studierte ich Germanistik und Geschichte auf Lehramt. Das Schulsystem, auf das ich traf, entschied nur darüber, wer aufsteigen durfte, um später privilegierte Jobs zu bekommen oder wer für wenig Geld schuften musste. Unzumutbar für mich, vor allem weil mir die Kinder am Herzen lagen. Chaotisch war es im Kollegium. Intrigen wurden geschmiedet, Ausgrenzungen und Angriffe geplant. Alles verpackt in nette Worte. Im privaten Bereich ging es nicht viel anders zu. Als ich älter wurde merkte ich, Freundschaften funktionierten solange gut, solange ich Erwartungen erfüllte. Ich traf nur selten auf Menschen, die in Harmonie mit sich selbst lebten. Eher zufällig an einem Strand in Beauduc oder einem Café in Flensburg. Wenn überhaupt ein inspirierender Moment entstand, dann fast immer mit Frauen. Die männliche Kommunikation ist gestört. Zumindest in diesem Teil der Welt.“ Calla hatte aufmerksam zugehört. Fast unmerklich drehte sie sich zu ihm. „Das tut mir sehr leid für dich!“, meinte sie und nahm seine Hand. „Ich habe dir das erzählt, weil es etwas über mich aussagt“, erläuterte er. „Der Vergangenheit sollte man niemals die Gelegenheit geben das Glück der Gegenwart zu beeinträchtigen.“ Calla lachte ihn an und stimmte nickend zu. „Die Zeit mit dir zählt, mit meinen Töchtern und wenigen Freunden.“ „Ihr seid das Aufregendste, was ich mir vorstellen kann“, gestand er strahlend. „Ich hoffe, dass ich nicht aus diesem Traum erwache.“ „Gehört die reizende Envie auch in diesen Traum?“, fragte Calla stirnrunzelnd. „Ja, sie ist ein großes Puzzleteil davon“, lachte er und sie war zufrieden mit seiner Antwort. Die Sonne beeilte sich inzwischen den Horizont zu erreichen. „Lass uns Schwimmen gehen!“, schlug die bezaubernde Frau neben ihm vor. Wenig später badeten sie im eisigen, glutroten Meer. Da war es wieder, das Gefühl alles abzuwaschen von einem und selbst wenn Unverarbeitetes aus der eigenen Vergangenheit an einem kleben blieb — das Meer deckte es ab und beruhigte es. „Was für ein unglaublich romantischer Ort“, bemerkte er. Calla nickte wissend. Zurück auf der Terrasse trockneten sie sich gegenseitig ab. Wortlos saß das Paar noch lange in Decken gehüllt in den amerikanischen Adirondacks und lauschte den Geräuschen der Nacht. Calla hatte eine Petroleumlampe an den Saum des Meeres gestellt, das flackernde Licht zog eine emsige Maus an. Auch ein Fischotter schaute vorbei. Sie schwiegen, bis Lars schließlich das gleichmäßige Atmen neben sich vernahm. Das Licht am Strand erlosch, der Wind hatte gedreht, kam nun kalt vom Meer. Er stand auf und ging gegenan in die Richtung, in der die Lampe gestanden haben musste. Er wollte sie nicht vom Meer davongetragen wissen. Dichte Wolken jagten inzwischen über den Himmel, es war dunkel um ihn herum. Seine nackten Füße berührten den nassen Sand. Erste kleine Wellen klatschten an die Schienbeine. In der Dunkelheit war die Umgebung nicht einmal schemenhaft mehr zu erkennen. Erschrocken durchschaute er die Sinnlosigkeit seines Unterfangens. Das Wasser wurde tiefer, er änderte die Richtung ins Seichte. Der Wald rauschte irgendwo vor ihm, das Meeresrauschen schwoll an. Der Wind hatte Sturmstärke erreicht und brüllte in seinen Ohren, zerrte an seinem Körper. Die Hütte konnte nirgendwo ausgemacht werden. Das Thermometer fiel, es wurde zunehmend kälter. Verzweiflung machte sich bei Lars breit. Erst lief er sinnlos umher, dann sank er entkräftet auf die Knie. Er ärgerte sich über sein törichtes Verhalten. Wie gnadenlos einem die Natur zeigen konnte, wer die Oberhand behielt, dachte er. Seine Finger berührten den Sand und stießen gegen etwas Blechernes. Er freute sich sie gefunden zu haben, wenngleich die Suche ihn in eine absurde Situation gebracht hatte. Plötzlich erschienen zwei helle Fenster in der Dunkelheit. Die salzige Luft, die ihn umströmte erfüllte seine Lungen. Er sprang auf und lief darauf zu. „Lars!“, hörte er Calla nun rufen. Mit großen Sätzen war er in ihren Armen. Er zitterte leicht und sie schluchzte leise. „Wenn man auf dich nicht aufpasst!“, schalt sie ihn. Er blickte sie entschuldigend an. „Ich wachte auf und du warst weg“, schmollte sie. „Warum werdet ihr Männer nie richtig erwachsen?“ Er sah sie entschuldigend an. „Weil ihr genau das an uns liebt!“, lachte er erleichtert, nahm sie hoch und trug sie hinein. Dann legte er Calla ins Bett, küsste sanft ihre Schultern und breitete eine Decke über ihr aus. Anschließend schloss Lars die Läden, entfachte ein Feuer im Herd und zündete einige Kerzen an. Er brauchte jetzt Ordnung in seinen Gedanken. Eine liebgewonnene Angewohnheit von ihm war das Führen eines „Leuchtturm1917“ Notizkalenders. Er plante Ereignisse darin, notierte Bemerkenswertes und genoss leere Seiten. Scherzhaft dachte er immer, das sei sein Gedächtnis in Papierform. Einige Scheite wurden nachgelegt, es hatte heftig zu regnen angefangen. Ein Gewitter zog durch, Blitze schlugen in der Nähe ein. Er saß im Bett, an die Wand gelehnt, welche mit einem wattierten Teppich abgepolstert war. Wasserkaskaden ergossen sich über das Dach. Lars hoffte, es würde das Wetter abschmettern können. Ein erneuter Blitz krachte herunter. Der Einschlag ließ die...




