Merkel | Silens | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 896 Seiten

Merkel Silens

Fantasy
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8271-8345-3
Verlag: CW Niemeyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fantasy

E-Book, Deutsch, 896 Seiten

ISBN: 978-3-8271-8345-3
Verlag: CW Niemeyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



DAS STILLE ECHO DER FLUT ... KANNST DU ES HÖREN? Skylar wollte immer mehr sein als die Geräuschlosigkeit ihres Körpers. Aus ihrer Gemeinschaft verstoßen, macht sie sich auf die Suche nach ihrem verschollenen Bruder und findet Arbeit an Bord eines Schiffes, dessen Besatzung ihr nicht fremder sein könnte. Die seltsame Sprache der Seemänner und ihre völlig unverständliche Kultur schüchtern sie ein. Auch das erneute Auftauchen des Schwarzen Schiffes, vor dem sie sich während ihrer gesamten Kindheit verstecken musste, stellt sie vor ein Rätsel. Dennoch beginnt sie in den Geschichten der Seemänner sich selbst und ihre vom Meer bedeckte Welt anders zu sehen. Ihre sturmgetriebene Reise führt sie schließlich an einen unmenschlichen Ort, an dem sie Abschied von dem Mann nimmt, den sie liebt. Bei ihrem Versuch, sich ein neues Leben aufzubauen, stößt sie jedoch auf ein Netz aus Lügen und Schweigen. Zu spät begreift Skylar, welche Rolle sie selbst darin spielt ... Und das Schwarze Schiff mit seiner grauenvollen Wahrheit scheint immer weniger als eine Wellenlänge voraus zu sein.

Kerstin Merkel, 1970 in Frankfurt am Main geboren, studierte nach dem Abitur Germanistik und Kunstpädagogik. Nach ihrem Abschluss zog es sie in den Buchhandel und seit über fünfzehn Jahren arbeitet sie in der Frankfurter Innenstadtfiliale der Buchhandlung Hugendubel. Gerne möchte sie jeden einladen, sie einmal dort zu besuchen, denn der Buchhandel hat sich sehr verändert und ist spannender denn je. Kerstin Merkel lebt mit ihrem Sohn in einem kleinen Ort in der Nähe von Frankfurt. Sie sieht sich regelmäßig auf der ganzen Welt unter Wasser um. Egal, bei welchen Temperaturen. Und egal, ob in Seen, Flüssen oder Meeren. Nach 'INZANI - Die Macht des Bandes' legt sie nun mit 'SILENS' ihren zweiten Roman vor (aber ihr geistern durchaus noch immer weitere Geschichten im Kopf herum ...).
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Kapitel 2

„Nimm mich mit, Bent! Bitte, ich kann nicht ohne dich sein!“, sagte Skylar leise, und die Wellen, die an den Höhleneingang stießen, übertönten beinahe ihre Worte.

Bent wandte sich ihr halb zu und suchte mit einer Hand weiter den Felsspalt ab, in dem sie ihre Fundstücke aufbewahrten. „Darüber haben wir doch bereits gesprochen, kleiner Dummkopf! Du kannst nicht mit mir kommen! Ich habe alles versucht, sie lassen dich nicht gehen!“

Skylar ließ den Kopf sinken und starrte hinaus in den Regen. Sie durfte jetzt nicht weinen. Bent verabscheute Tränen, und er verabscheute die Art, wie sie ihn während der letzten Monde immer wieder flehentlich angesehen hatte. Einmal war er sogar wütend geworden und hatte ihr vorgeworfen, sie zerstöre all ihre gemeinsamen Pläne, wenn sie sich nicht zusammenreißen konnte, bis der Tag kam, an dem er ihr die Zeichen senden würde. Er müsse sich schließlich darauf verlassen können, dass sie stark war und einen Weg finden würde, ihm zu folgen.

Bent schloss die Finger um ihre Schätze, zog seine Hand aus dem Spalt und setzte sich ihr gegenüber auf einen Felsen. „Gehen wir noch einmal die Zeichen durch! Nicht dass etwas davon durch dein löchriges Gedächtnis fällt und verloren geht!“

Bent lachte über seinen eigenen Scherz und stieß sie dann leicht an die Schulter, damit sie mit ihm lachen sollte. Es gelang ihr nicht. In ihrem Gedächtnis wiederholten sich alle Situationen, in denen sie sich allein gefühlt hatte. Situationen, in denen die anderen Mädchen sie gemieden oder veralbert hatten und in denen ihr Bruder die Aufmerksamkeit der anderen auf sich gelenkt hatte, damit sie sich davonstehlen konnte. Ab morgen würde er das nicht mehr können. Wenn er fort war, würde sie tatsächlich alleine sein, und das ließ nun doch Tränen in ihre Augen treten, die sie schnell wegblinzeln musste.

„Skylar, nun guck doch nicht so! Du wirst sehen, das hier ist ebenso gut wie deine Buchstaben!“, tadelte ihr Bruder sie und hielt eine gedrehte Muschel vor ihre Augen: „Eine solche Muschel bedeutet?“

Skylar atmete durch. Buchstaben waren verboten, aber verlässlich. Oaklin hatte jedoch niemals versucht, Bent darin zu unterweisen. Ihm fehlte die Geduld für Details, und er hatte Skylar mehr als einmal damit aufgezogen, die kleinen Würmchen, die sie da zeichnete, wären ohnehin nur Ausgeburten von Oaklins mangelhafter Fantasie. Alle Welt kommunizierte anhand von Waren und gelegentlichen Zeichnungen, aber Bent konnte nicht zeichnen und wollte es nicht einmal für sie versuchen. Also redete Skylar sich nun ein, dass dies hier tatsächlich funktionieren konnte. Es musste einfach!

„Sie bedeutet, du bist in Sicherheit und hast einen Weg gefunden, zu den Twincliffs zu gelangen!“, flüsterte sie, weil sie ihre tränenschwere Stimme nicht benutzen wollte.

Bent nickte, legte die Muschel in ihre Hand und hielt nun die glänzende Scheibe mit den Zacken hoch.

„Die bedeutet, du bist dort angekommen!“

Er nickte. „Ja, denn ein solches Stück kann ich nur dort finden und nirgendwo anders!“

„Für was ist diese Scheibe gut?“, fragte Skylar nach.

„Ich habe nicht die leiseste Ahnung!“

„Sie ist aus einem seltsamen Stein gemacht, nicht?“, überlegte sie laut, um sich weiter von Bents Fortgehen abzulenken.

Ihr Bruder atmete durch. „Ich werde es herausfinden, wenn ich dort bin!“, antwortete er mit der Selbstsicherheit, die nur er hervorbringen konnte.

Skylar hatte keine Zweifel, dass er erreichen würde, was immer er wollte. Er war stark. Ihn mochten alle. Sie sollte es sein, die man aus der Gemeinschaft ausschloss, denn sie hatte nie dazugehört.

„Lässt du sie mir?“, fragte sie und berührte die Scheibe. Sie wollte eine Erinnerung an ihn, aber er schüttelte nur den Kopf und steckte sie ein.

„Und das?“, fragte Bent und hielt ihr die Muschel entgegen, die er an einem Lederband um seinen Hals trug.

„Wenn du mir ein Gegenstück sendest, bedeutet es, dass ich nachkommen soll, denn du hast jemanden gefunden, der ebenso ist wie ich!“, antwortete Skylar ungläubig.

„Du klingst wie eine Zweiflerin, kleine Skylar! Es muss noch andere geben wie dich! So besonders kannst du nicht sein!“, gab ihr Bruder zurück, und wieder ließ er sein vertrautes Lachen hören.

„Vielleicht war unsere Mutter auch so, und du hast es nur nie bemerkt!“, entgegnete Skylar kleinlaut.

„Ach, Skylar, darüber haben wir doch schon so oft gesprochen! Ich kann mich nicht richtig an sie erinnern!“

„Oaklin muss es wissen!“

„Wenn die Alte etwas darüber weiß, dann sind wir die Letzten, die es erfahren!“, erwiderte Bent ungeduldig.

Skylar nickte und hörte eine Weile den tosenden Wellen zu: „Aber sie sah aus wie ich, hast du gesagt!“ Sie fragte ihn jedes Mal danach, wenn sie über ihre Mutter sprachen.

Und jedes Mal war seine Antwort: „Ja, genau wie du, nur schöner!“

Jemanden wie mich … Sie lächelte und wurde langsam wach. Etwas schrie in ihr Ohr, aber sie wollte nicht zuhören. Sie spürte ihre Tasche auf ihrem Bauch, und ihre Hand darin schloss sich um die eine Hälfte der Muschel, die ein perfektes Herz mit ihrem Gegenstück bilden würde. In diesem Augenblick war sie glücklich und nicht in ihrem Leben. Dieser Traum war wunderbar. Sie gehörte zu Bent, er war bei ihr, und sein Zeichen bedeutete, es gab Menschen, die so waren wie sie. Für einen Moment war sie sich unsicher über die Reihenfolge der Dinge, die sie fühlte, dachte oder fantasierte, dann hörte sie jedoch ein verzweifeltes Stöhnen und riss erschrocken die Augen auf.

Catlin, ihr schreiendes Baby neben sich auf dem schmalen Bett, beugte sich vor und würgte Mageninhalt nach oben. In ihrem Schoß umklammerte sie das, was ihre Waschschüssel gewesen sein mochte, und darin konnte Skylar ausmachen, dass dieses Würgen schon eine Weile anhielt. Ihr stieg für einen Moment selbst die Galle hoch, und sie setzte sich schnell in der Hängematte auf. Um auf andere Gedanken zu kommen, nahm sie behutsam das brüllende kleine Wesen in die Arme.

„Danke!“, keuchte Catlin, und eine neue Welle der Übelkeit ergriff sie.

Skylar begann, das Baby in einem Rhythmus zu wiegen, der ihrem Herzschlag entsprach. „Bist du krank?“, fragte sie besorgt.

„Es ist …“, begann Catlin, hustete dann und wartete schluckend, bis sie wieder zu Atem kam. „Dieses furchtbare Schaukeln bringt mich um! Entschuldige, Skylar!“

„Du musst dich nicht entschuldigen!“, murmelte Skylar, aber sie bezweifelte, dass Catlin sie über das Schreien des Babys und ihre erneuten Würgegeräusche hinweg gehört hatte.

Sie legte sich wieder zurück in die Hängematte, das Kind auf ihrer Brust, und begann zu summen. Sie fand in den Takt des Schiffes, das sich in den Wellen hob und senkte, während sie leicht eine winzige Hand in ihren Fingern rieb. Das schien den Kleinen zu beruhigen, und langsam verebbte sein hilfloser Protest. Skylar schloss die Augen und versuchte, ihren Traum noch einmal zu erreichen, der gar kein Traum gewesen war. Bent hatte sie, bevor er ging, tatsächlich ein ums andere Mal die Bedeutung seiner Zeichen wiederholen lassen, als wolle er sich wieder und wieder selbst bestätigen, dass sie ihm folgen würde, wenn die Zeit gekommen war. Sie lächelte vor sich hin, glücklich darüber, sein Vertrauen in sie nicht gebrochen zu haben.

„Macht dir das gar nichts aus?“, stöhnte Catlin neben ihr und stellte die Waschschüssel auf ihrem Schoß ab.

Skylar sah zu ihr hinüber und wusste im ersten Moment nicht, wovon sie sprach. „Vielleicht gleicht die Hängematte das Schaukeln aus. Möchtest du es versuchen?“, schlug sie vor, als sie begriffen hatte.

Catlin hob nur abwehrend die Hände und lehnte sich nach hinten an die Wand. „Wenigstens ist der Kleine jetzt still!“, seufzte sie erleichtert.

„Du solltest dich auch ausruhen, Catlin! Schlaf ein wenig!“, erwiderte Skylar leise und begann erneut ihr neu gefundenes Lied, aber Catlin beugte sich schon wieder über die hölzerne Schüssel auf ihrem Schoß.

„Ich werde nie wieder ein Schiff betreten, das schwöre ich bei der Flut!“, keuchte Catlin, nachdem sie mit ihrem Würgen nicht einmal mehr Galle aus sich heraus brachte.

„Es sind nur zwei Tage!“, erwiderte Skylar ruhig, aber sie erntete nur wütende Blicke, die jedoch sanfter wurden, als Catlin ihr schlafendes Kind auf Skylars Bauch betrachtete.

Sie schwiegen eine Weile, und Skylar war zurück in den Schlaf geglitten, was sie jedoch erst bemerkte, als eine tiefe, erschrockene Stimme durch ihr Bewusstsein jagte. Der Raum um sie herum roch inzwischen furchtbar nach Erbrochenem, und das Kind auf ihrem Bauch hob erneut sein Geschrei an. Sie begann wieder zu summen und suchte nach einem Rhythmus, aber ihr Blick blieb an einem riesigen Mann haften, der in der offenen Tür stand, die Augen weit aufriss und erschüttert über seine Stirnglatze strich, sodass sich einige seiner grauen Haare aus seinem Zopf lösten und wild von seinem Kopf abstanden.

„Oh, Mädchen! Warum du nichts sagst?“, rief er noch einmal in seinem grollenden Bass, schüttelte dabei den Kopf und bewegte einen Zeigefinger von seinem Mund weg nach...


Kerstin Merkel, 1970 in Frankfurt am Main geboren, studierte nach dem Abitur Germanistik und Kunstpädagogik. Nach ihrem Abschluss zog es sie in den Buchhandel und seit über fünfzehn Jahren arbeitet sie in der Frankfurter Innenstadtfiliale der Buchhandlung Hugendubel. Gerne möchte sie jeden einladen, sie einmal dort zu besuchen, denn der Buchhandel hat sich sehr verändert und ist spannender denn je.
Kerstin Merkel lebt mit ihrem Sohn in einem kleinen Ort in der Nähe von Frankfurt. Sie sieht sich regelmäßig auf der ganzen Welt unter Wasser um. Egal, bei welchen Temperaturen. Und egal, ob in Seen, Flüssen oder Meeren.
Nach „INZANI – Die Macht des Bandes“ legt sie nun mit „SILENS“ ihren zweiten Roman vor (aber ihr geistern durchaus noch immer weitere Geschichten im Kopf herum …).



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