Meyer | Ein Hauch von Freiheit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 564 Seiten

Meyer Ein Hauch von Freiheit


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-7951-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 564 Seiten

ISBN: 978-3-7693-7951-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Langquaider Bürgermeister Joseph Münsterer hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für den Bau der Bahntrasse zwischen Langquaid und Eggmühl zu kämpfen. Trotz Hindernisse aus Politik und Bevölkerung setzt er sich für das Wohlergehen seines Marktes ein. Der ärmliche Bauernjunge Franz leidet unter den Schikanen seiner Mitschüler und auch den anderen Gemeindemitgliedern, die ihn für etwas büßen lassen, was sein Vater vor vielen Jahren zu verantworten hatte. Franz und Münsterers Wege kreuzen sich, als der Bürgermeister sich des Jungen annimmt und ihn schließlich in seiner Brauerei anstellt. Franz versucht dem Geheimnis seines Vaters auf die Spur zu kommen, um dessen Ruf wiederherzustellen.

Sebastian Meyer, Jahrgang 1980, lebt seit seiner Geburt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Langquaid, in der auch die Handlung seines Romans Ein Hauch von Freiheit angesiedelt ist. Mit der Geschichte begibt er sich auf die Spuren der Vergangenheit seines Heimatortes und lässt sie in einer teils fiktiven, teils auf reale Geschehnisse basierende Geschichte wieder aufleben. Neben Romanen verfasst er Artikel für verschiedene Zeitschriften.
Meyer Ein Hauch von Freiheit jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Teil 2


1898


1


Samstag, am 28. Mai 1898

„Bald ist es mit der Schule vorbei“, wandte sich Alois seinem Sohn Franz zu „dann wirst du hier täglich am Hof mithelfen. Von der Früh bis auf d'Nacht!“

Diese Worte zu hören hatte Franz bereits befürchtet. Er hätte gerne alles gemacht, aber nur nicht das. Er sah nicht die Zukunft darin den väterlichen Hof zu übernehmen. Hier fühlte er sich schon sein ganzes Leben lang gefangen. Er wollte einfach nur weg.

„Aber Papa“, begann er, wohlwissend dass der übermächtige Vater keinen Widerspruch duldete. „Ich mag erst einmal eine Lehre machen.“

Während Franz diese Worte sprach, schüttelte der Vater bereits den Kopf. „Du brauchst keine Lehre!“, wiegelte er ab. „Alles was du wissen musst lern ich dir bei uns auf dem Hof. Habe ich dir die letzten Jahre nicht schon genug beigebracht?“

Es war zwecklos dem Vater zu widersprechen. Hatte er sich mal was in den Kopf gesetzt, war er nur schwer davon wieder abzubringen. Franz hatte den Hof seines Vaters zu übernehmen, ob er wollte oder nicht. Wie schade, dass er der einzige Sohn war.

„Was ist mit Elisabeth? Die könnte den Hof genauso weiterführen.“

Franz war klar, dass diese Bemerkung seinen Zweck nicht erfüllen würde, den Vater umzustimmen, aber warum sollte er auf dem Hof bleiben müssen, nur weil er ein Mann war? Für Franz war das mehr als unfair.

„Mach mich jetzt nicht grantig“, schimpfte sein Vater. „Wir brauchen da nicht länger zu diskutieren. Du bleibst da, arbeitest auf dem Hof mit und wenn ich einmal nicht mehr bin, führst du alles weiter. So wie es schon lange ausgemacht ist!“

Ausgemacht, mit wem?, fragte sich Franz und gab seinen Widerstand auf.

Als Vater fertig gegessen hatte legte er das Besteck neben den Teller, trank seinen Kaffee auf einen Rutsch leer und stieß den wackeligen Holzstuhl hinter sich ab. Franz wusste was jetzt folgen würde. Vater machte sich auf den Weg nach draußen zum Toilettenhäusel. Dazu nahm er eine alte Zeitung mit.

Ohne seine Eier aufgegessen zu haben, stand Franz auf, zog die dicke Strickjacke an, die auf dem Haken neben der Eingangstüre hing und ging hinüber in den Stall.

Als Franz widerwillig die ihm zugedachten Arbeiten verrichtete, erinnerte er sich an das Gespräch heute Morgen mit seinem Vater Alois zurück. Dieser hatte einst den Hof von dessen Vater übernommen und es stand für ihn außer Frage den Hof fortzuführen. Einen anderen beruflichen Weg zog er nie in Betracht und dies erwartete er auch von seinem Sohn.

Franz war klar, dass er bei seinem Vater mit Vernunft nicht weiterkommen würde und dass ihm auch seine Mutter keine große Hilfe sein würde. Er war wütend auf seinen Vater und dies ließ er unbewusst dem Vieh spüren. Beim Melken zog er ein wenig zu grob an den Zitzen und die Kuh gab das mit einem klagenden langgezogenen Muhen klar zu verstehen. Franz lockerte den Griff und melkte unbeirrt weiter. Vielleicht ist dies einfach mein vorbestimmter Weg, den ich zugehen habe, sinnierte er. Das Leben das ich einfach akzeptieren muss. Aber das konnte er nicht.

Als er den Eimer mit der frisch gemolkenen Milch voll hatte, stellte er ihn in die Stube. Sein Vater würde sich weiter um die Milch kümmern. Franz hingegen nahm den Eimer mit dem Hühnerfutter, ging nach hinten zum Hühnerstall und warf ihnen reichlich Körner auf den gefrorenen Boden. Die Hühner kamen daraufhin aus ihrem Verschlag gelaufen und pickten gierig nach den Weizen und Maiskörnern.

2


Franz war mit seinen vierzehn Jahren nun in der Abschlussklasse und gehörte damit zu den ältesten Burschen in der Schule. Franz war die letzten Jahre ein gutes Stück gewachsen und durch die Arbeit auf Feld und Hof kräftig geworden. Im Gegensatz zu früher, musste er nicht mehr jeden Tag fürchten vom Lehrer eine gewischt zu bekommen. Seine Schulnoten waren gut bis sehr gut und selbst der Pfarrer Schießl hat vor kurzem die Bemerkung fallen gelassen, so ein fleißiger Schüler sollte seine Talente nicht auf dem Bauernhof verschwenden. Ob er nicht einen gescheiten Beruf lernen wolle? Natürlich wollte Franz, das war gar keine Frage. Am liebsten beim Bürgermeister Joseph Münsterer, der ihm vor zwei Jahren schon gelegentliche Aushilfsarbeiten gegeben hat. Franz war so oft in der Brauerei gewesen, dass er sich selbst schon als Brauer sah, nur dass ihm das Zertifikat dafür fehlt. Der Islinger Max hat ihn dabei unter seine Fittiche genommen und vieles beigebracht, was ein Brauer so können muss. Franz war froh, dass sich doch einige Menschen fanden, die gut zu ihm waren. Oft genug erlebt er auch heute noch, wie die Leute ihn meiden oder dumme Sprüche reißen, nur weil er ein Gruber ist. So wie der alte Braugeselle Gustl, der Franz anfangs hart rannahm, aber nach einer gewissen Zeit gemerkt hat, dass Franz ein fleißiger Bursche war und schließlich die Zügel schleifen ließ. „Du kommst gar nicht so sehr nach deinem Vater!“, hat er mal angemerkt und als Franz nachgefragt hat, was er denn damit meinte, winkte der Gustl nur ab und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Franz bohrte nicht weiter nach. Wohlwissend, dass er sowieso keine Antwort bekommen würde.

Als Franz nach dem Unterricht in die Brauerei hinüber ging, wartete der Brauerchef bereits auf ihn. „Franz, wir müssen reden“, sagte er. Münsterer hatte dabei eine ernste Miene aufgesetzt und Franz fragte sich, was er denn falsch gemacht haben könnte. Oder hatte er sich einer Kundschaft gegenüber flegelhaft benommen?

„Setz dich her“, forderte Münsterer ihn auf und klopfte auf das Bierfass neben sich. Münsterer nahm selbst auf einem Fass Platz. Als Franz sich gesetzt hat sagte er: „Franz, ich sage es jetzt einfach mal geradeheraus: Willst du im Sommer bei mir zum Lernen anfangen? Ich könnte so einen tüchtigen Burschen wie dich ganz gut brauchen. Und unter uns gesagt, Beibringen können wir dir eigentlich gar nicht mehr so viel. Du weißt, ich bin recht zufrieden mit dir.“

Franz stutzte. Natürlich wollte er gerne.

„Was ist, Franz?“, hakte Münsterer nach als dieser nicht gleich antwortete. „Du schaust so nachdenklich.“

„Es ist bloß wegen...“ — und dann brach Franz ab.

„Es ist wegen deinem Vater, gell?“

Franz nickte. „Er ist in dieser Sache recht streng und besteht darauf, dass ich daheim auf dem Hof arbeite.“

„M-hm.“ Münsterer rieb sich das Kinn. „So etwas in der Richtung habe ich mir schon fast gedacht. Das ist in der Landwirtschaft gang und gäbe. Aber in deinem Fall, Franz“, Münsterer dämpfte die Stimme und fuhr dann fort: „In deinem Fall wäre das eine pure Verschwendung. Du bist ein gescheiter Bub und kannst auch mit den Händen gut arbeiten. Du hast eine große Zukunft vor dir. Nicht nur bei mir, sondern überhaupt. Magst du auf das verzichten?“

„Freilich nicht“, zischte Franz, ein wenig ruppiger als es gedacht war. „Aber was bleibt mir übrig? Du kennst meinen Vater nicht.“ Münsterer lächelte. Natürlich kannte er Franz' Vater. Wer kennt den umstrittenen Gruber nicht?

„Was hältst du davon, wenn ich mal mit deinem Vater rede?“, schlug Münsterer stattdessen vor. Franz aber schüttelte sogleich den Kopf. „Nein, lieber nicht. Das wird nichts bringen. Da ist er stur. Außerdem braucht er daheim jede Hilfe, die er kriegen kann, seit es der Mama nicht mehr so gut geht. Und er hat ja nur noch mich.“

„Deine Mama habe ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen.“ Münsterer überlegte einen Moment. „Ich glaube das letzte Mal ist bestimmt schon zwei, drei Jahre her. Da war sie in der Kirche.“

Franz nickte stumm. Das war an Weihnachten vor zwei Jahren. Da hatte sie zum letzten Mal einen der besseren Tage und es ging ihr richtig gut. Seit Wochen nun schon lag Mutter nur noch teilnahmslos im Bett. Den ganzen Tag starrt sie zur Decke hoch und schaut kaum auf, wenn Franz ihr was zum Essen bringt. Franz bricht es jedes Mal das Herz und allzu oft hat er sich später vor Gram und Kummer in den Schlaf geweint. Immer öfter kommt jetzt auch Elisabeth, seine Schwester, vorbei und schaut nach Mama. Auch sie weint dann oft und fragt Franz dann immer wieder, ob er den zurechtkäme. „Freilich!“, antwortete Franz dann stets. Zwar war viel zu tun auf dem Hof, aber da der Vater nie ins Wirtshaus ging und stattdessen auf dem Hof arbeitete, kamen die beiden Männer gut über die Runden. Manchmal beschlich Franz ein schlechtes Gewissen, weil er statt auf dem Hof heimlich beim Brauer Münsterer arbeitete, aber die Arbeit machte so viel mehr Spaß und er kam unter die Leute. Dass sich sein Säckchen mit dem Geld mehr und mehr füllte, war ein schöner Nebeneffekt.

„Darf ich sie mal besuchen kommen?“, fragte Münsterer und riss Franz dabei aus seinen Gedanken. „Ich könnte dann auch deinem Vater gut zureden. Wir kennen uns ja noch gut von früher her.“

Das war Franz...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.