Milz | Konservative Revolution zu Liberalismus | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 118 Seiten

Milz Konservative Revolution zu Liberalismus


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-6534-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 118 Seiten

ISBN: 978-3-7578-6534-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
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Die Abhandlung grenzt die Konservative Revolution und ihre Wiedergänger vom Liberalismus ab. Außerdem wird dargelegt, in welcher Art und Weise Vertreter der Konservativen Revolution versuchen Kippfiguren in anderen weltanschaulichen Gruppen zu formen.

Hubert Milz (Jahrgang 1956) studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und hat rund 35 Jahre in der Energiewirtschaft gearbeitet. Als Anhänger der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre setzt er sich für Selbstverantwortung, Unternehmertum, freie Marktwirtschaft, Freihandel und ein sinnvolles Maß an staatlichen Aktivitäten ein.

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„Die Angst vor dem ‚Beifall von der falschen Seite‘ ist nicht nur überflüssig. Sie ist ein Charakteristikum totalitären Denkens.“ – HANS MARKUS ENZENSBERGER Liberale und die „Konservative Revolution“
Wo standen die Liberalen in jener Zeit? Jens Hacke gab darauf eine knappe, prägnante Antwort30: „Selten haben Liberale intensiver über die Bestandsbestimmungen und die Fragilität einer demokratischen Ordnung nachgedacht als in der Krise der Zwischenkriegszeit“. Hacke reflektierte die vielfältigen Positionen der liberalen Denker, bspw. von solchen wie Meinecke oder Rüstow, die durchaus skeptisch die Gefahren einer Allmacht des Parlaments für Demokratie und Freiheit beobachteten und auch derjenigen, die wie Röpke unbedingt für eine freie Republik fochten, ohne dabei die Fragilität der Freiheit aus den Augen zu verlieren. Für ein beispielhaftes liberales, kämpferisches Naturell steht der Name Wilhelm Röpke. Götz Aly31 bspw. attestierte, dass Röpke ein „Meister der politischen Prognose“ war, ein Mann der „ein Leben in der Brandung“32 führte. Röpkes Weltanschauung verneinte alles das, was die „Konservativen Revolutionäre“ und die übrigen Feinde der Republik anstrebten. Röpkes politische Weltanschauung ruhte auf dem „Kulturideal des Liberalismus“. Liberalismus war für den Ökonomen Röpke mehr als nur Wirtschaftsfreiheit, sein Liberalismus war verankert in einer kompletten Sozialphilosophie, die fest in der in 3.000 Jahren gewachsenen Kultur Europas wurzelte – im Erbgut der Errungenschaften der Antike, des Christentums und des Humanismus. Ein Verrat an diesem Patrimonium barg die große Gefahr der Installierung einer illiberalen Demokratie, einhergehend mit dem Rückfall in die Barbarei33; die Feinde einer freien Republik wären gewillt, den über viele Jahrhunderte gewachsenen und gepflegten Garten der abendländischen Kultur zu zerstören, um die Urwälder Germaniens wieder aufzuforsten.34 Röpke nutzte für seinen publizistischen Kampf gegen den Ungeist der Feinde der Republik Presseorgane wie die „Frankfurter Zeitung“.35 Mittels einer Artikelreihe in der „Frankfurter Zeitung“ kreuzte Röpke unter dem Pseudonym „Ulrich Unfried“ mit dem „Jungkonservativen“ Ferdinand Fried vom „Tat-Kreis“ publizistisch die Klingen. Röpke feuerte dabei Breitseite auf Breitseite gegen die „Konservative Revolution“ ab. Die ökonomischen Analysen des Tatkreises zur Vetternwirtschaft und Kungeleien mit politisch Mächtigen waren per se nicht falsch, jedoch waren die Analysen bewusst destruktiv gestaltet, um mit zerstörerischen Visionen aufzuwarten. Röpkes Publikationen in jenen Tagen glichen wahren Kriegserklärungen, so richtete er z. B. im September 1930 – wenige Tage vor den Reichstagswahlen – einen flammenden Appell gegen den NS und dessen Verbündeten an das niedersächsische Landvolk.36 Im Dezember 1932 ergriff Röpke als einziger Professor Preußens auf der ersten Seite der „Vossischen Zeitung“ Partei für den Rechtsprofessor Joseph Cohn. Röpke brandmarkte das Einknicken der Professoren und der Leitung der Breslauer Universität vor den randalierenden, intoleranten Studentenhorden:37 „Die durch Intoleranz aufs Äußerste bedrohte Lehr- und Geistesfreiheit muss bis zum Letzten verteidigt werden. Intoleranz der Professoren selbst ist Verrat an der Idee der Universität.“38 Die politische Heimat der Liberalen war in den Jahren der Weimarer Republik bis 1930 in der Regel die „Deutsche Demokratische Partei“ (DDP) gewesen. Die DDP wurde im November 1918 gegründet; zum ersten Vorsitzenden der DDP wurde Friedrich Naumann gewählt und führende DDP-Mitglieder nahmen erheblichen Anteil an der Gestaltung der Weimarer Reichsverfassung. 1930 vereinigte sich die DDP mit der „Volksnationalen Reichsvereinigung“, der Partei des „Jungdeutschen Ordens“, zur „Deutschen Staatspartei“. An der Spitze des „Jungdeutschen Ordens“ stand mit Artur Mahraun ein „Konservativer Revolutionär“, der Orden und sein politischer Arm – die „Volksnationale Reichsvereinigung“ – waren stramm völkisch, autoritär und auch antisemitisch aufgestellt; für den „Jungdeutschen Orden“ war „der Liberalismus tatsächlich «Inbegriff des Überwundenen oder zu Überwindenden»“.39 Wegen dieser Hinwendung der DDP zur „Konservativen Revolution“ verließen konsequente Liberale die Partei – z. B. Hellmut von Gerlach, Ludwig Quidde und Wilhelm Röpke. Der Stimmenanteil der „Deutschen Staatspartei“ bei den letzten Reichstagswahlen sank auf 1% – von einstmals 19% für die DDP. Die Hinwendung der DDP zum polarisierenden „rechten Rand“ und zur „Konservativen Revolution“ war hauptsächlich dem Einfluss der Gruppe der „Nationalsozialen“ in der DDP zuzuschreiben, deren Gründer Friedrich Naumann war.40 Naumann gründete 1896 den „Nationalsozialen Verein“ als nationalliberale Partei; ursprünglich wollte Naumann seiner Partei den Namen „Nationalsozialistischer Verein“ verleihen.41 Das Programm seiner Partei veröffentlichte Naumann 1897 als „National-sozialen Katechismus“. 42 Schon beim kurzen Überfliegen und Durchblättern des „Katechismus“ wird die Übersteigerung des Nationalen bei Naumann überdeutlich, ebenso Naumanns Kollektivismus/Sozialismus; gemäß Naumanns Katechismus ist das Gedeihen der Volksgemeinschaft (aller Klassen, Schichten, Bürger und Arbeiter) nur durch das Verschmelzen von Nationalismus und Sozialismus möglich. Naumann wollte einen wirtschaftlichen „Organisationstaat“ schaffen, d. h. die Unternehmen der Privatwirtschaft sollten abgelöst werden von Staatsverwaltungsgesellschaften, die von staatlichen Direktoren geleitet werden; nichts anderes also als „Staatssozialismus“ bzw. „nationaler Kollektivismus“.43 Dies ist keine Überraschung, denn unter Naumanns Stichwortgebern sind Sozialisten wie Lassalle und Rodbertus zu verorten; ebenso ist es keine Überraschung Naumanns Ideologie zum Teil beim „Tat-Kreis“ wieder zu begegnen. Die vulgärnationalistische Grundhaltung Naumanns ist ebenfalls eindeutig verankert in Naumanns Hauptwerk „Mitteleuropa“44 von 1915, in welchem er wahnwitzige deutsche Kriegsziele formulierte, die ohne Umstände der Feder eines Propagandisten des völkischen „Alldeutschen Verbands“ entsprossen sein könnten.45 Mithin wird klar, warum Hayek (!)46 in einem Gespräch anmerkte, dass eine Partei, die ihre parteinahe Stiftung nach Naumann benennt, nicht „liberal“ sein kann, da Nauman durch seinen „Nationalsozialen Verein“ den „nationalen Sozialismus“ hoffähig machte; dass Naumann zu den ideologischen Wegbereitern des NS gehöre, vermerkte Hayek schon 1944.47 Ähnlich kommentierte Götz Aly48, der außerdem notierte, dass Hitler sein außenpolitisches Programm bei Naumann abgeschrieben habe – und Udo Leuschner hob eine „mehr als nur zufällige Namens-Ähnlichkeit mit dem Nationalsozialismus“ hervor. Leuschner betonte auch, dass das Reichspropagandaministerium keinerlei Einwände erhob, so dass Theodor Heuss (ein Naumannschüler) 1937 eine Naumannbiographie in einem dem Reichspropagandaministerium nahestehenden Verlag veröffentlichten durfte; die Presse erhielt sogar vom Reichspropagandaministerium die Anweisung das Buch positiv zu rezensieren.49 Die „Nationalsozialen“ waren nur scheinbar liberal, ja, noch nicht einmal nationalliberal im Sinne von patriotisch, sondern „nationalkollektivistisch“ bzw. „staatssozialistisch“, sie verschuldeten den „Selbstmord“ des parteipolitischen Arms der Weimarer Liberalen durch das Bündnis mit dem Jungdeutschen Orden, der der Bewegung der „Konservativen Revolution“ zuzuordnen ist. Auch wenn diese Liaison schon kurz nach den Reichstagswahlen 1930 zerbröckelte, die Hinwendung nach „Rechtsaußen“ blieb. Tatsächliche Liberale verließen die Partei, andere, die blieben, resignierten und gaben den Kampf für eine freiheitlich-demokratische Ordnung auf. Während Theodor Heuss und Ernst Lemmer als „Nationalsoziale“ am 23.03.1933 Hitlers Ermächtigungsgesetz zustimmten und das mit den Worten begründeten „Wir fühlen uns in den großen nationalen Zielen durchaus mit der Auffassung verbunden, wie sie heute vom Herrn Reichskanzler hier vorgetragen...



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